Das medizinische Kreuzworträtsel Nummer 4

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Waagerecht

1. Akten, Akten, Akten. Da liegen sie alle drin, die Kranken und ihre Fakten…
14. Aus Guangdong in die Welt.
15. Was meine Wirbelsäule angeht.
16. Nierenszintigrafie.
17. Das kann ein 
Betablocker bewirken. Oder der Heiland auf Türkisch.
19. Rein vernünftig und deshalb eine 
Fundgrube für 
Medizinethik.
20. Lücke, Hernie, Loch… 
An so vielem hängt 
der Name? – Klappe!
25. Kopfschwartenelektrode.
26. Unfallursache 
Nummer eins, Opa!
28. Du sagst der 
Patientin: “Etwa 15 Milliliter”, und sie nimmt das.
29. Erythemschwellenzeit mit zu ohne.
30. Wie er oder sie heißt, weiß ich nicht, sprach der Lateiner.
31. Das kannst du bei akutem Herzinfarkt injizieren (weil’s eilt,
33. Der Rhetoriker könnte es auch direkt sagen. Der gregorianische Sänger könnte es auch bleiben lassen.
37. Steht im rechten Winkel dazu.
42. Nein, keine Pilz- Krankheit, sondern 
die antike Stadt.
43. Der Patient kurz vor dem schmerzhaften 
Eingriff. Hörst du ihn darum 
winseln?
44. Hühner, Fasane und 
andere Vögel sterben 
an einem Coronavirus.
45. Ganz simpel: 
Klassifikation zur Einteilung von Frakturen des Stütz- und Bewegungsapparats und von Weichteilverletzungen
46. Arteria renalis hat sich verengt.
48. Heinrich war behindert, konnte nicht lesen noch schreiben. Doch seine Bilder hängen im Museum.
50. Membran kaputt, Schwimmen verboten.
53. Im Knochen drin.
54. Bösartige Veränderung des Lymphknotens, benannt nach dem berühmten nordirischen Ballaststoffpapst.
55. Das will ich mal werden, sprach das Ferkel.
56. Klinik-Patient blickt in die Brühe, und was fehlt ihm?
60. Neudeutsch für Intensivüberwachung
spflege. Abgekürzt, als ob es 
aus der Slowakei
 käme).
61 Färbend, zum Beispiel Prevotella.
62. “Altes Scrotum!” wäre als Schimpfname weniger überzeugend.
64. Zergliederung macht viel Freud.
65. You mean you’ve got a calculus in your kidney?

Senkrecht

1. Schuld an deinem Ulcus pepticum ist deine Neurose.
2. Viele, viele Schlagadern.
3. Gattung … Familie – und was käme dazwischen?
4. Große Keilerei im Jahre 333 v. Chr.
5. Die Gesamtheit der Nervenzellen, Gliazellen usw. Die Amis haben ja keinen Respekt vor nichts und kürzen das so ab!
6. … und so das Klopapier!
7. Wie die Luft reinströmt.
8. Abstand zweier Herzschläge.
9. 
Adern, ummantelt, in der Klinik gefährdet durch Desinfektions- und Putzmittel.
10. Zum Einpacken von Medikamenten oder 
Pommes.
11. So sagst du halt, weil 
du nicht immer alle Organe nennen kannst, die der Atmung oder der Verdauung dienen.
12. Die hätten keine Bedeutung, wenn 
nicht die Nullen 
wären.
13. Viele von denen 
haben deine Patientinnen und Patienten hinter sich, bevor sie zu dir in die Praxis kommen.
18. Da muss hinüber, was ein alter Grieche ist und tot.
21. Fluor, Chlor, Iod usw.
22. Pulmonale 
Diffusionskapazität.
23. Weiße Flecken, mit 
Sklerose der Dermis. 
Kann jucken.
24. Fibroblasten bilden 
Bindegewebswucherung. Und du bildest das Adjektiv.
27. Falls sagt der Brite so.
32. Der Grieche nutzt 
diese Vorsilbe für Kühl-
33. … und diese für 
Warm-
34. Tummelfeld des Proktologen.
35. 
Und wie steht es um deine, o Französin?
36. Schick den Patienten zum Psychologen, und er kommt mit Eltern-, Erwachsenen- und Kind-Ich zurück.
38. Aus Blutplättchen hergestellt.
39. Örtlich betäubt.
40. Vom Camel in die Lunge transportiert.
41. Soziale Beziehungen sind spärlicher als gewünscht.
47. 50.000 Ãrzte im Staat New York. Aber wie heißt die Hauptstadt?
49. Mögliche Folge eines Eingriffs.
51. Die Bischofsmütze hat die Kardiologen inspiriert.
52. Harter Schanker.
56. Florida oder freilebende Amöben.
57. Sitzt in Essen und schickt dir Strom.
58. Auch im EKG ist kein Berg ohne.
59. Neugeborgene haben Entzugserscheinungen.
63. Schnittbild um Schnittbild.

 

 

 

Aber bedeutet denn Journalismus nicht, Geschichten zu erzählen?

Die Journalistin Rukmini Callimachi von der New York Times interviewt einen jungen Kanadier, der behauptet, als Kämpfer beim IS gedient und Menschen umgebracht zu haben. In ihrem vielgefeierten Podcast Caliphate erzählt gekonnt über die Abenteuer und Verbrechen – bis über die Authentizität ihrer Quelle Zweifel aufkommen und sich die New York Times mit einem peinlichen Fälscher-Problem im eigenen Haus konfrontiert sieht.

Der Journalist, der mich um ein Interview anfragt, hat die Idee, dass das Ganze mit dem seit längerem grassierenden Storytelling-Hype zu tun hat. Die Redaktionen sind so sehr auf gute Geschichten aus, dass sie gegenüber der Nachrecherche nachlässig werden.

Da rennt er bei mir offene Türen ein. Ja, sage ich. Es ist ein Riesenproblem, dass die Medienhäuser ihren Redaktionen Storytelling verordnen und es über die gründliche Recherche stellen.

Aber dann sagt eine Kollegin: Journalismus bedeutet doch, Geschichten zu erzählen.

Ja. Erzählen zu können, macht den Journalismus lebendiger. Aber wer Storytelling sagt, hebt das Erzählen über alle anderen journalistischen Fähigkeiten hinaus.

Klassischer Journalismus bedeutet: Ich recherchiere gründlich, und wenn ich dann einen Menschen finden, an dessen Geschichte ich das Ganze aufhängen kann, wird ein attraktiver Text daraus.

Storytelling-Journalismus bedeutet: Ich suche zu einem Thema nach einer interessanten Person, aus deren Perspektive erzählt werden kann. Sie dient mir als Quelle und repräsentativer Fall. Die gründliche Recherche tritt in den Hintergrund.

Zugegeben, das muss nicht so sein. Aber im Kampf um die beste Geschichte können die allgemeineren Fakten untergehen.

Gefahren

Storytelling wird dem Journalismus von oben diktiert. Die Chefs in der Verwaltung haben in ihren Management-Seminaren den Begriff gelernt – von Trainern, denen der Journalismus ziemlich egal ist, weil es ihnen eher drum geht, die Mitarbeiterführung über Geschichten zu propagieren. Und weil sie herausgefunden haben, dass das Marketing mit Storytelling seit Jahrzehnten seine Erfolge feiert. Als Werber erzähle ich längst nicht mehr, wie der Whisky schmeckt, sondern ich erzähle eine Geschichte aus dem schottischen Hochland, in dem der Whisky gar nicht vorkommen muss.

Im Journalismus ist das Problem aber, dass eine anrührende Geschichte oft vom wahren Thema ablenkt. Und dass man bei einer guten Geschichte leicht auf Hintergrund-Fakten verzichten kann.

Und ein Publikum, das seine Informationen vornehmlich aus Geschichten bezieht, büßt seine Fähigkeit zum rationalen Denken ein, zugunsten eines Denkens in Episoden und Klischees.

Storytelling ist eine Strategie

Erzählen ist ein Verfahren, um die recherchierten Fakten attraktiv zu präsentieren. Storytelling ist eine Strategie. Das Ziel des Storytelling ist nicht, die Fakten zu vermitteln, sondern mehr Klicks zu generieren. Wer “Storytelling” sagt, ist bereit, das journalistische Produkt zu verändern und dabei in Kauf zu nehmen, dass die klassische journalistische Aufgabe der Hintergrundinformation auf der Strecke bleibt.

Kritiklos

Kritik am Storytelling-Hype trifft im deutschsprachigen Raum kaum auf Widerhall. Die Journalistenschulen buchen Storytelling-Trainer, die Medienhäuser meinen, durch Storytelling-Formate etwas gegen ihre schwindenden Konsumentenzahlen tun zu können.

In Frankreich hat schon 2007 der Autor Christian Salmon eine gründliche Kritik am Storytelling publiziert. „La machine à fabriquer des histoires et formater les esprits“, nennt er es. Das Buch wurde in zehn Sprachen übersetzt, aber nicht auf Deutsch.

Dass es problematisch sein kann, die Storytelling-Masche der Werber und politischen Propaganda zu übernehmen, will man im deutschsprachigen Journalismus nicht diskutieren.

Das medizinische Kreuzworträtsel – Nummer 3

Auch das neueste Kreuzworträtsel enthält zu Unrecht in der Praxis vernachlässigte Erreger und verblüffende Abkürzungen. Am leichtesten zu lösen ist es mit der PDF, die ich mit Hilfe von Phil erstellt habe. Du findest die zwei Seiten hier:

Medizinisches Kreuzworträtsel Nummer 3

Und so sieht es aus (Online-Version, die man leider noch immer nicht online ausfüllen kann):

Waagerecht

1 Das Bläschen verrät dich.
7 Kilogramm pro Quadratmeter.
10 Nimm das und braus.
14 Der Chirurg wird zum Cowboy.
15 Rundum hat er dich, der Schönheitschirurg.
17 So ist meine Medizin, spricht der Homöopath. Meine auch! rufen Ayurveda-Guru, Hausmittler und Schüssler-Salzer. 19 Ja, mein kleines XX, das wirst du mal.
20 Zum Glück (für den Autor) gibt’s im nördöstlichen Illinois eine Uni.
21 Am richtigen das richtige Wort erspart dir Tee und Leistungssport.
22 “… è uguale alla reazione”, sagt der Fisioterapista.
24 Schleimhaut im Arsch.
25 Was sich gleicht, muss so anfangen, sagt der Grieche.
30 Die Messer sind schon gewetzt.
31 Bernhard Nocht hat in Hamburg ein Institut (wusste ich auch nicht).
33 Pancreozymin klingt wie ein Kraftausdruck, drum kürzen wir’s ab.
34 Was mit Ordnung zu tun hat, beginnt auf Griechisch so, sagen polit und naut.
36 Wenn statt Pipi Säure spritzt.
39 Für den Finanzexperten ein Aufgeld. Für den Arzt hat es sich leider noch nicht etabliert.
41 Diese Tätigkeit, der Fauna nachempfunden, nennt man in Zeiten der Quarantäne gern Cocooning.
42 Epicondylitis humeri radialis.
45 Edel, wird manchmal noch gegen Rheuma gespritzt.
46 So schnell wird der Gonist zum Gegenspieler.
49 “Erhöhung der Körpertemperatur”? Sounds too clumsy for me, sagt der Ami.
52 Nahrungsaufnahme ginge ja auch anders; aber wir finden das am menschlichsten.
55 Einmal um die Längsachse gedreht.
59 Ohne könnte der Brite nicht atmen.
61 Die Beschäftigung mit deinem Sehen, aber genau.
63 Diphterie.
66 Liegt auf dem Tisch und wird aufgeschlitzt.
67 Musculus zieht.
69 Schale in den Kräuter-, Saft in den Schwarztee..
70 Da würde ich mal einen Job im Krankenhaus suchen, z.B. in Samedan oder Scuol.
72 Edel, leuchtet aber nicht mehr im OP.
73 Wenn’s in der Lunge rasselt: diskontinuierliche Atemnebengeräusche.

Senkrecht

2 Knickstelle; kann bei 42 waagerecht auch wehtun.
3 Pharm hat’s davor, Ultima danach.
4 Bakteriengattung, allgegenwärtig in Pfützen und Krankenhäusern.
5 Hier kommen alle europäischen Radiologen zusammen
6 Die Stimme, zum Beispiel, wenn voll und tief.
7 Da soll der Patient bleiben, sonst müssen wir ihn wieder auf dem Flur suchen.
8 In diese Röhre schickt dich Dr House.
9 Eine Maßnahme, die in dich eindringt.
10 Ein Muslim, der sich dem Göttlichen stetig nähert.
11 Ein Bakterium, das es dem in 59 waagerecht gleichmacht.
12 Elementar für die Energiegewinnung.
13 So wirkt der Kompressionsstrumpf.
17 Damit wird etwas aus Tom, Log und Mnese.
18 Des Patienten Beitrag zur Blutdruckmessung.
23 Tight Junctions, elegant lateinisch abgekürzt.
26 Diesen Bereich verhüllt der Patient, so lang es geht.
31 Vorzugsweise rot, rund und voller gesunder Bestandteile.
32 Das erklärt, warum das Placebo wirkt.
33 Small, round, solid and helpful.
34 Ein grauer Star kommt selten allein.
35 Der Wirbel sackt einfach in sich zusammen.
37 Elementar in der Auslösung von Kontaktallergien.
38 Riesige Gruppe von Fieslingen, die z.B. für Atemwegs- und Darmerkrankungen verantwortlich sind.
40 Knochen- will der Grieche sagen.
49 Eigentlich eine Giftpflanze, aber wir lieben doch Bolognese.
54 Sie wollen keinen Gewinn machen.
55 Auf der Suche nach Ambur, um dem Darm zu helfen.
56 Alles, was nach rückwärts weist, auch Kolleginnen von 38 senkrecht.
57 So antwortet der Schwabe auf die Frage: Wie viele darf’s denn sein?
58 Als Abkürzung dem Onkologen oder Neurologen vielleicht geläufig; der normale Mensch surft darin herum

 

Rhetorik-Training konstruktiv

In der herkömmlichen Rhetorik-Schulung ist die wichtigste Entscheidung längst getroffen: die Entscheidung, dass du öffentlich auftreten wirst. Zur Verfügung stehen einige wenige Rollen, in denen du überwiegend verpflichtet bist, das Publikum auf deine Seite zu ziehen.

Für die meisten von uns produziert dies praxisferne Ideale. Deshalb hier nochmals der Grundsatz der konstruktiven Rhetorik in drei einfachen Schritten.

Die erste Frage: Willst du öffentlich reden?

Öffentlich in diesem praktischen Sinne bedeutet: vor einem Publikum, das mit einer bestimmten Rollenerwartung zuhören wird. (Sie geben dir die Rolle einer Lehrerin, eines Firmensprechers, einer Gemeindepräsidentin usw.)

Die zweite Frage: Welches Redeziel hast du?

Wenn du dich für eine „öffentliche“ Rede entschlossen hast (und in unserem Sinne kann das auch ein Auftritt vor fünf Mitarbeitern in der Werkstatt sein), ist die nächste Frage:

Willst du primär informieren, berichten, belehren, erzählen – also Grundlagen für weitere Erkenntnisse vermitteln?

Oder willst du primär überzeugen – also deine Meinung gegen andere Meinungen vertreten?

(Weitere Redeziele lassen wir dabei außer Acht. Das wären zum Beispiel das Feiern eines Rituals, das Beglückwünschen einer Persönlichkeit usw.)

Die dritte Frage: Wie kommen wir ins Gespräch?

Wenn du eine Überzeugungsrede halten willst, dann bist du bei einem Trainer gut aufgehoben, der verspricht, dir die Geheimnisse von Steve Jobs, Barack Obama, Joschka Fischer, Christoph Blocher oder ähnlichen Helden zu verraten. Sie werden dir Maßstäbe vorsetzen, die für Menschen gelten, die sich ihr Leben lang solche Reden auf den Leib schneidern ließen und die du nie kopieren kannst (falls du das wirklich für erstrebenswert hältst).

Sie werden dir vorgaukeln, dass du lernen sollst, vor den Leuten zu brillieren und sie mit einer geschliffenen Rede auf deine Seite zu ziehen. Viel Glück dabei!

Wenn du aber wie viele andere primär Informationsreden halten musst, dann kannst du viel Ballast abwerfen. Denn dann stehst du nicht mehr vor einer passiven Masse, die dir zujubeln soll, sondern du hast es mit Menschen zu tun, die mitdenken und mitreden sollen.

Deine Rede ist dann nur ein Glied in einer Kette von Reden, ein einzelner, aber wichtiger Beitrag in einem Diskurs, an dem auch andere teilnehmen.

Dein Ansatz ist dann nicht die Überredungskunst, sondern der Dialog.

Jetzt ist die Frage nicht mehr: Wie ziehe ich die Leute auf meine Seite? Sondern: Wie komme ich mit ihnen ins Gespräch?

Vielleicht ist das, was dir die Leute während deiner Rede zurufen, wichtiger, als was du sagst. Vielleicht beginnen die guten Erkenntnisse erst, wenn dein Auftritt zu Ende ist und die Gespräche in kleinen Gruppen weitergehen.

Auf jeden Fall wird das aber deinen Erfolgsdruck mindern. Denn die Leistung werdet ihr gemeinsam erbringen, du und dein Publikum.

Rhetorik-Training ist anders

Fragt mich doch Oliver Schroeder im Interview, ob sich der Rhetorik-Unterricht seit Aristoteles und Co. (384-322 v. Chr.) grundlegend geändert habe. Klar hat er sich.

Aristoteles nahm vieles für selbstverständlich, das wir uns zuerst erarbeiten müssen, zum Beispiel die Tatsache, dass du dich plötzlich vor einem Publikum findest. Aristoteles ist der Theoretiker der Beredsamkeit und fängt da an, wo es darum geht, „ein Argument zu prüfen bzw. zu stützen sowie sich zu verteidigen oder anzuklagen“ (1. Kapitel in der Übersetzung von Franz G. Sieveke).

Der Inhalt kommt erst im zweiten Schritt

In einem heutigen praktischen Rhetorikkurs fange ich nicht mit dem Inhalt an, sondern damit, was es heißt, vor einem Publikum zu reden. Ich wende mich an Menschen, denen das einfache Gespräch im Alltag leichtfällt, die aber einen riesigen Unterschied spüren, wenn sie vor Publikum reden müssen. Weiterlesen

Ist Online-Unterricht weniger wert?

Corona hat die Aus- und Fortbildung vom Hörsaal ins Netz gezwungen. Studierende in den USA fühlen sich dadurch um Teile ihrer horrenden Studiengebühren betrogen, die ihnen mit dem Argument abgeknöpft werden, dass sie von den Lehrkräften persönlich und in kleinen Gruppen unterrichtet werden und Wissenschaft hautnah erleben– ganz abgesehen von den Sport- und Freizeitaktivitäten, die jetzt eingestellt sind.

Jetzt werden laufend Hochschulen von Studierenden verklagt, sie einen Teil ihrer Studiengebühren zurückfordern.

Das alles mag auf Studierende und DozentInnen in Europa exotisch wirken, für die Studiengebühren meist das geringste finanzielle Problem sind.

Aber da ist ein Argument, das aufhorchen lassen muss (und an die Diskussionen im Vorfeld der Abiturs- und Maturitätsprüfungen erinnert): Weiterlesen

Tipps für den Online-Vortrag (Teil I)

Ein Seminar. Du hast es schon Dutzende Male geleitet. Aber jetzt muss es plötzlich online stattfinden. Du hast nur dein Laptop vor dir, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgen dir per Handy, Tablet oder PC. Wie gelingt trotzdem ein Dialog? Hier einige Tipps.

1. Präsentiere kurze Einheiten

Reduziere die Zeit, die du für den Vortrag brauchst!

Wenn dein Vortrag einst 30 Minuten gedauert hat, teile ihn in mindestens drei Teile auf.

Vielleicht wurde dein Vortrag immer durch Aktivität der Teilnehmenden ergänzt. Fordere sie auch online zu solchen kreativen Übungen auf und reduziere dabei deinen eigenen Beitrag so stark wie möglich. Deine Aufgabe besteht darin, Theorie zu vermitteln, aus Erfahrungen zu berichten, Beiträge der Teilnehmenden zu kommentieren. Aber sie lernen am meisten durch die Aktivität, zu der du sie aufforderst (und die du danach kommentierst).

2. Freunde dich mit der Kamera an.

Für Blickkontakt mit dem Publikum gilt online noch mehr als sonst: Blickkontakt mit einer einzelnen Person. Diese Person sitzt ganz nah vor dir, und du schaust ihr in die Augen, wenn du den kleinen Kamerapunkt über deinem Monitor ansiehst. Weiterlesen

Menschen, denen das Reden schwer fiel, Teil 6: Du

Viele Menschen berichten über Schwierigkeiten beim Reden, über Angst vor dem Auftritt, über Lampenfieber. Die bisherigen Beiträge sollten zeigen, wie einige von ihnen damit umgegangen sind. Hier eine kurze Zusammenfassung.

Tipps zum Thema Lampenfieber

Es gibt äußerst nützliche Bücher zum Thema Lampenfieber. Lampenfieber von Claudia Spahn und Vom Lampenfieber zur Vorfreude von Irmtraud Tarr sind (neben Erklärungen zur Entstehung von Lampenfieber) voll von guten Übungen, die helfen, mit seinem Körper, seinen Gedanken und seinen Gefühlen anders umzugehen.

Solche Lehrbücher können vorbehaltlos empfohlen werden, auch wenn sie sich vor allem an Menschen in künstlerischen Berufen wenden.

Wir aber haben das Glück, dass wir als Amateure des Redens ein ganz anderes Ziel haben: Weiterlesen

Menschen, denen das Reden schwer fiel, Teil 5: Jan Masaryk, Heinrich Gretler

Jan Masaryk, Diplomat, Außenminister, und in der Erinnerung vieler auch „kosmopolitischer Lebemann“, hielt in seinem Leben eine Unmenge Reden. Er war ein gefragter Redner, und ihm war bewusst: Um seine Ziele zu erreichen, musste er sich immer wieder einem großen Publikum stellen und es informieren – über die Situation der slavischen Völker, über die soziale Lage der Arbeiterschaft, über den Alkoholmissbrauch… Berühmt sind seine Rundfunk-Ansprachen aus dem Londoner Exil während des Zweiten Weltkriegs. Und auch wenn er sich selbst für einen schlechten Lehrer hielt, sprach er während seiner Zeit als Universitätsdozent in vollen Hörsälen.

Masaryk aber sagt von sich (in den Gesprächsbänden, die Karel Čapek herausgegeben hat), er habe eine Scheu vor Menschen:

Ich spreche ungern; so oft ich vortragen und in Versammlungen oder in der Schule reden sollte, immer hatte ich Lampenfieber. Und dennoch, wie viele Reden habe ich gehalten! Auch heute leide ich an Lampenfieber, wenn ich öffentlich auftreten oder eine Rede halten soll.

Und er hat sich trotzdem immer wieder dazu überwunden. Weiterlesen

Das medizinische Kreuzworträtsel – Nummer 2

Am besten funktioniert es, wenn du es herunterlädst und dann ausdruckst. Ich arbeite noch an einem besseren Format:

https://rhet.de/wp-content/uploads/2020/04/KW-med-02-ungelöst-korr.pdf

 

Waagerecht

1          Da schicken wir dich hin, du Kontaktperson.

10        Die WHO aber gehört eher da hin.

11        Wenn du über die Grenze fährst, kommst du in ein anderes Land. Jetzt bist du aber im Großhirn unterwegs.

Weiterlesen

Menschen, denen das Reden schwer fiel, Teil 5: Greta Thunberg, Konrad Lorenz und andere

Greta Thunberg steht vor einigen hundert Zuhörerinne und Zuhörern, einsam auf einer riesigen Bühne, die auch älteren Rednern Ehrfurcht einflößen würde. Man sieht ihr an, dass sie sich nicht wohl fühlt. Aber sie redet trotzdem. Sie sagt: Ich habe das Asperger-Syndrom, und das bedeutet, dass ich nur spreche, wenn es notwendig ist. Und dann fügt sie hinzu: Jetzt ist es notwendig.

Later on, I was diagnosed with Asperger syndrome, OCD and selective mutism. That basically means I only speak when I think it’s necessary – now is one of those moments.

Sie hält ihre Rede, weil sie überzeugt ist, dass sie gebraucht wird, um die Letzten aufzurütteln, die noch nicht an den Klimawandel glauben.

Das Gegenteil von Dialog

Ihr Blick geht mal hierhin, mal dorthin. Sie vermeidet Blickkontakt, wohl weil das auch etwas ist, das Aspergern schwerfällt. Viele andere haben es leichter, wenn sie eine Person im Publikum finden, der sie in die Augen schauen können. Greta weicht aus und verfolgt ihren Faden, ohne näher hinzusehen.

Dass sie trotzdem erfolgreich ist, bringt einen Rhetorik-Dozenten in Argumentationsnöte, der seit Jahren empfiehlt: Such dir im Publikum ein freundliches Gesicht, zu dem du reden kannst, und alles geht besser. Für Greta geht auf die Weise nichts besser. Deshalb schaut sie lieber nicht hin. Oder besser: Sie lässt ihren Blick über das Publikum schweifen, ohne sich auf Blickkontakt einzulassen. Manchmal hält sie einen Sekundenbruchteil inne. Sie sieht die Leute, so scheint es, aber sie schaut sie nicht an.

Man kann es so machen, wenn es nicht anders geht. Statt den Dialog zu suchen, hast du das Publikum als anonyme Masse vor dir. Du brauchst dazu ein ausgefeiltes Manuskript, aber es geht. Es funktioniert so, wie es schon vor hundert Jahren der Weltumsegler John Voss beschrieb:

Ein paar Tage, bevor der Vortrag stattfinden sollte, warnte mich ein erfahrener Redner, der mich in die Kunst des Vortrags einführte, vor Lampenfieber. “Wenn Sie die Bühne betreten”, sagte er, “und Sie das Publikum vor sich sehen, werden Sie vielleicht nervös und können nicht mehr sprechen, wie es Anfängern oft passiert. Wenn das so ist, stellen Sie sich einfach vor, dass all die Köpfe vor Ihnen nichts anderes sind als ein Feld voller Kohlköpfe, und gleich wird es Ihnen wieder gut gehen!” (Voss 1913, S. 164)

Das ist natürlich das Gegenteil dessen, was ich predige. Wer mit dieser Einstellung redet, hat sich für den Monolog entschieden, für die Vorführung, bei der nichts schief gehen darf. Mit Kohlköpfen ist man nicht im Dialog. Kohlköpfe braucht man nicht ernst zu nehmen. Kohlköpfe flüstern einem auch nichts zu, wenn man mal den Faden verloren hat. Aber wenn du keine Lust auf Dialog hast und dennoch glaubst, dass die Welt untergeht, wenn sie deine Rede nicht hört, dann ist das mit den Kohlköpfen ein Weg. Du hast deine Rede gut eingeübt und arbeitest mit einer gut funktionierenden Gedächtnisstütze. Die Leute erwarten von dir Präsentation, nicht Interaktion. Wie im Kino setzen sie sich hin und lassen deine Rede vor sich ablaufen.

Die Botschaft ist wichtiger

Dennoch reden: Dafür entscheiden sich einige, die eigentlich am liebsten in ihrem Elfenbeinturm sitzen geblieben wären, die aber von ihrer Botschaft so überzeugt sind, dass sie ihr Lampenfieber doch immer wieder überwinden.

Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz war so jemand, der “immer wieder mit Lampenfieber am Rednerpult gestanden” hat, denn er war “im Laufe seines Lebens mehr und mehr davon überzeugt, auf diese Weise wirken zu müssen.” (Wuketits 1990, 67)

Man findet auf Youtube Ausschnitte aus seinen Vorträgen, die er im hohen Alter gehalten hat und wo man ihm noch immer ansieht, dass ihm das Reden nicht leichtfällt und er auf sein Manuskript angewiesen ist. Aber er sprach über seine Arbeit, darüber, was ihm wichtig war. Das half ihm und dafür war sein Publikum gekommen – nicht, um ihn brillieren zu sehen, sondern um von ihm zu lernen.

Ein paar Tipps

Also: Was sollst du tun, wenn du dich nicht im Stande fühlst, eine konstruktive Rhetorik, also eine Rhetorik des Dialogs anzuwenden – dir das Reden zu erleichtern, indem du darauf achtest, was vom Publikum zurückkommt? Was sollst du tun, wenn du es einfach nur hinter dich bringen musst?

  • Ein Tipp ist, für einen möglichst steten Blick zu sorgen, dabei aber nicht in jemandes Gesicht zu sehen, sondern auf den Scheitel – also den obersten Rand seines Schädels. Das ist für das restliche Publikum kaum zu unterscheiden und macht es der introvertierten Rednerin etwas einfacher. Sie bleibt ein paar Sekunden bei dieser Blickrichtung, um nachher entschieden in einen anderen Teil des Publikums zu sehen.
  • Wenn die Person, zu der man blicken sollte, nahe genug ist, kann man sich statt auf die Augen auf die Nasenwurzel konzentrieren. Die will nichts von dir und es gibt nur eine einzige, nicht zwei, zwischen denen du im schlimmsten Fall hin und her springst.
  • Und dann würde ich jedem, der öfter reden muss, empfehlen, für ein gutes Körpergefühl zu sorgen. Übe, auf beiden Beinen zu stehen. Übe atmen, ohne dich dabei zu beengen. Das sind lauter Techniken, die man unabhängig vom öffentlichen Reden, ganz für sich und bei jeder beliebigen Gelegenheit trainieren kann. Ich selbst habe mich oft beim Warten an der Fußgängerampel gefragt, wie ich denn gerade dastehe. Und dann versucht, die kurze Zeit so zu stehen, dass ich mich sicher fühle und nicht “auf dem Sprung”: mit dem Gewicht auf beiden Beinen und dem Schwerpunkt in der Körpermitte (und nicht irgendwo außerhalb).

Erlaube dir Entwicklungsschritte

Der Prediger Gordon Atkinson [http://gordonatkinson.net] beschreibt, wie er seine Entwicklung zum Redner durchgemacht hat. Er erzählt zunächst von der frühen Phase, die alle kennen. Er vermied es, irgendjemanden anzusehen, und kam damit durch. Allerdings hatte dies den negativen Effekt, dass er auch die Zustimmung nicht wahrnahm, die ihm aus dem Publikum entgegengekommen wäre:

And so I would toss my words out into the congregation, then turn abruptly and sit down quickly, I never saw the love that would have been visible in their faces if only I had looked. (Atkinson 2007, S. 11)

Nun – das war Phase eins. In Phase zwei war er schon etwas mutiger: Er versuchte den frei flottierenden Blick.

Ich vermied es, irgendjemanden in den Bankreihen anzusehen. Ich starre über ihre Köpfe hinweg oder bewegte meine Augen so schnell, dass ich nicht bei irgendeinem Gesicht hängen blieb. Ich hatte zu viel Angst davor, was ich in ihren Gesichtern sehen könnte.

Das versuchen viele Anfängerinnen und Anfänger. Sie lassen ihren Blick über die Köpfe wandern, ohne jemanden anzusehen. Das ist immerhin besser, als in eine Ecke zu starren.

Ein deutlicher Schritt vorwärts war für Atkinson die persönliche Ansprache:

Ich stellte mir vor, dass ich zu einem einzelnen Menschen sprechen würde. “Vergiss die Menge”, sagte ich mir, “und tu einfach, als ob du zu deinem besten Freund sprächest.”

Das ging gut – außer dass seine Predigt manchmal zu privat geriet. Es ist wichtig, sich bewusst zu bleiben, dass in jeder Rede alle gemeint sind, nicht nur ein Einzelner. Zwar ist die Vorstellung nützlich, dass man sich an einen einzelnen Menschen wendet; wenn dieser aber zu konkret wird (wenn du nur noch deine Freundin oder deine Großmutter vor dir siehst), schließt man die anderen aus.

Das Allerletzte, was Atkinson lernte, war Atmen. Er erwarb eine Technik der Entspannung, die ihm erlaubte, tief und kraftvoll zu atmen. Auf diese Technik konnte er zurückgreifen, und endlich konnte er das Reden auch genießen.

Ich konnte in die Gesichter meiner Freunde sehen und von dem, was ich da sah, lernen. Der visuelle Austausch mit der Gemeinde veränderte – zu einem gewissen Grad – die Darbietung. Ich war in der Lage, mit der Leichtigkeit eines Entertainers zu reden, aber dennoch meine Filter nicht zu verlieren und nicht zu vergessen, was ich tat.

Zurück zu Greta

Die meisten, die Rhetorik-Kurse besuchen, sind keine Asperger. Dennoch sind viele eher introvertiert. Sie brauchen Tipps, um vor dem Publikum zu bestehen.

Manche werden zunächst eines der oben geschilderten Verfahren anwenden, weil sie einfach die Aufgabe durchstehen müssen. Im Laufe der Zeit werden sie vielleicht einen der anderen Tipps ausprobieren. So erweitert sich das Spektrum ihrer Möglichkeiten.

Auch bei mir hat es Jahre gedauert. Aber das Schöne war: Schon als ich mich noch an Kohlkopf-Methoden klammerte, kam ich irgendwie durch. Denn ich redete – wie Greta – nur dann, wenn ich etwas zu sagen hatte. Und die Leute, die mir zuhörten, waren an den Inhalten interessiert, nicht an meinem Gestotter.

“I only speak when I think it’s necessary.” Das kann man zu seiner Überzeugung machen. Es hilft, sich auf das Was zu konzentrieren. Das Wie ist Nebensache.

 

 

 

 

 

 

 

 

Menschen, denen das Reden schwerfiel, Teil 4: Thomas Jefferson

Thomas Jefferson gilt als der schlechteste Redner, der je US-Präsident wurde. Dabei wird er als noch heute als einer der bedeutendsten gesehen. Er war z.B. der wohl wichtigste Autor der Unabhängigkeitserklärung. Und es war ihm gegeben, die Staatsfläche der USA um fast 100 Prozent zu erweitern, ohne dafür Krieg zu führen.

Aber er hasste es, öffentlich zu reden. Wenn er konnte, vermied er es, wo immer es ging, seine Botschaften mündlich vorzutragen – auch bei Ritualen, die man sich gar nicht anders vorstellen konnte. So hatten seine Vorgänger den Brauch eingeführt, dass die jährliche Session des Kongresses mit einer Rede des Präsidenten begann. Heute ist das die viel beachtete Ansprache “zur Lage der Nation”. Jefferson kündigte diese Tradition auf und schickte stattdessen einen schriftlichen Text ins Kapitol. Dort ließ er ihn von seinem Privatsekretär vorlesen. (Cunningham 1978, 25-26)

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