Das medizinische Kreuzworträtsel Nummer 12

Das ist das medizinische Kreuzworträtsel Nummer 12. (Nummer 11 ist der Zensur zum Opfer gefallen.)

Es hat einige Schwächen, z.B. die mehrfache Ballung schwarzer Felder. So etwas wie 1 waagerecht sollte es eigentlich nicht geben (weil nur zwei Buchstaben durch ein senkrechtes Wort abgesichert sind). Und das schwarze Ungetüm, das sich über die fünfte und sechste Zeile ausbreitet, ist einfach Resultat unprofessionellen Die-Flinte-ins-Korn-Werfens.

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Die Sehnsucht nach autoritären Rednern

Corona hat uns eine neue Art der politischen Rede gebracht. Die, deren Botschaften von Unsicherheit und Nichtwissen geprägt sind. Jörg Häntzschel, Feuilleton-Redakteur der Süddeutschen Zeitung, findet das bedauerlich.  Er wünscht sich eine Bundeskanzlerin, die die Bundesrepublik mit klaren, autoritativen Botschaften durch „die schwerste Krise ihrer Geschichte“ führt.

„Wir haben Führungspersönlichkeiten gewählt, keine Sozialpädagogen, die ihre Worte bedachtsam wählen, damit sie nicht böse klingen.“

Sein Vorbild sind Jeff Smith und Helmut Schmidt.
Jeff Smith? – Der junge, unerfahrene Politiker aus dem tollen alten Film von Frank Capra, der im Kapitol fast 24 Stunden lang redet – allerdings gerade ohne mit seinen Inhalten überzeugen zu können.
Helmut Schmidt? – Der Bundeskanzler, der nach der Ermordung Hanns-Martin Schleyers einen dramatischen Appell an den „Willen des Volkes“ richtete. Jeder habe die “unabweisbare moralische Pflicht”, die Behörden mit Hinweisen zu unterstützen.

Ich wünsche mir zu Zeiten von Corona keinen Schmidt und keinen Smith (und auch keinen Macron und keinen US-Präsidenten wie offenbar Häntzschel). Denn wir sind weder unter korrupten Senatoren (wie bei Capra) noch im deutschen Herbst mit seinem klaren Feindbild.

Corona hat uns eine Krise beschert, in der wir uns anhand aktueller Erkenntnisse der Wissenschaften orientieren müssen. Und wir erleben genau das, was wissenschaftliche Erkenntnis ausmacht: Unsicherheit, Suche, Dispute.

Wir erleben, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Meinung erst langsam fassen, dann sogar ändern und dass sich das Bild von der Krise erst im Lauf der Zeit ergibt.
Das ist unbefriedigend, wenn man auf einfache politische Lösungen hofft. Aber es ist auch eine einmalige Chance. Die Wissenschaft ist von ihrem Sockel heruntergekommen und lässt uns an ihrem Suchprozess teilhaben. Eine verantwortungsvolle Politikerin muss zwar trotzdem Entscheidungen fällen, sie wird aber dieser Dynamik Rechnung tragen.

Ausländischen Beobachterinnen fällt dagegen die gigantische Angst der Deutschen vor Kontrollverlust auf, der man nur begegnet, indem eine Regeln über Regeln aufgehäuft werden.
Eine finnische Radiojournalistin hat in diesem Herbst ein nettes Bild geprägt. Die Deutschen wünschten sich als politische Führerin die Mama eines Teenagers, die, ohne lange zu überlegen, sagt: „Jetzt kriegst du Hausarrest. Du machst keinen Schritt mehr vor die Tür.“ Ihre Alternative: die Mutter, die fragt: „Wie geht’s dir?“ und: „Ist alles in Ordnung?“

Eine politische Rede, in der sich PolitikerInnen zur Ungewissheit bekennen, mag manchmal frustrieren. Aber sie enthält immerhin etwas mehr Wahrheit als eine, die lospoltert, als ob alles längst klar wäre.

Das Publikum aufwecken – Teil 2

Um das Publikum aufzuwecken, musst du selbst aufgeweckt sein. Das heißt: Du musst „dabei“ sein, wenn du sprichst. Das heißt: Du bist dir bewusst, was du tust, und dass du es zusammen mit deinem Publikum tust.

Es kann vorkommen, dass du dich während einer längeren Online-Präsentation schrittweise von deinem Publikum entfernst. Eines von vielen Anzeichen dafür: Deine Stimme wird monotoner und etwas kraftloser.

Das kann jedem passieren

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Das Publikum aufwecken – Teil 1

Ein Vortrag dauert 45 Minuten oder länger. Du bist bei Minute 42 und denkst: Warum fällt es mir hier so schwer, bei der Stange zu bleiben?

Oft ist das Auffallendste die Gleichförmigkeit der Intonation: Jeder Satz sagt mit seiner ansteigenden Melodie, dass gleich ein weiterer folgen wird. Und dann noch einer und noch einer.

Wenn schon Variation in der Melodie (und im Rhythmus) erzielt werden könnte, wäre viel gewonnen.

Variation in der Melodie: Wie geht das?

Am leichtesten fällt es dir, die Intonation zu variieren, wenn du dir Folgendes klarmachst:

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Das Medizinische Kreuzworträtsel Nummer 10

In englischsprachigen Zeitungen wird oft unterschieden zwischen “quick” und “cryptic” Crosswords. Im deutschen Sprachraum sind “kryptische” Fragen am ehesten in der Süddeutschen Zeitung oder im Zeit-Magazin zu finden. Das Medizinische Kreuzworträtsel präsentiert eine Mischung: Viele Fragen sind einfache Definitionen (bei den vielen Zwei- und Drei-Buchstaben-Wörtern habe ich mich ohnehin zu Eselsbrücken der einfacheren Art durchgerungen). Die längeren Begriffe und diejenigen, die ohnehin jeder kennt, werden etwas weniger direkt umschrieben. (Aber mit “kryptisch” hat das noch nichts zu tun; man vergleiche zum Spaß die Samstagskreuzworträtsel im Guardian.)
Das Medizinische Kreuzworträtsel Nummer 10 (auf Grund der runden Zahl ist das Adjektiv groß geschrieben) würde ich insgesamt eher als “quick” einstufen.

Das ist der Link für Das Medizinische Kreuzworträtsel Nummer 10 als PDF auf drei Seiten. Und so wird es aussehen:

Waagerecht

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Tipps für den Online-Vortrag (Teil 5)

Warum fasziniert der Held der Steine auch dann, wenn man sich nicht für Noppen-, Klemm-, Lego-, BlueBrixx, BanBao und andere Steine interessiert? – Weil er vor der Kamera Dinge tut und dazu sagt, was er tut.

Der Held vermeidet die Text-Bild-Schere

Das ist die einfachste Formel für einen guten Video-Vortrag:

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Tipps für den Online-Vortrag (Teil 4)

Kontakt gelingt online, wenn eine Verbindung zwischen deinem eigenen Raum und dem Raum der Zuhörerin/des Zuhörers entsteht. Zum einen ist das eine Sache der Optik: Du gestaltest deinen Raum so, dass man ihn als Raum wahrnimmt und sich darin zurechtfindet.

Nähe durch den Klang der Stimme

Zum anderen ist es eine Sache der Akustik: Weiterlesen

Tipps für den Online-Vortrag (Teil 3)

Blickkontakt ist das A und O des Vortrags. Aber mit den Mitteln, die wir Amateure zur Verfügung haben, ist es nicht leicht, Blickkontakt mit dem Publikum aufzunehmen. Denn das Publikum ist durch eine ziemlich leblose Kamera ersetzt.

Übe den Kontakt mit der Kamera.

Sie ist meistens ein nicht viel mehr als ein grüner Punkt oberhalb deines Bildschirms. Versuche, genau diesem Punkt etwas zu erzählen und dabei den Blickkontakt zu wahren.
Beim Vortrag wirst du dich zwischendurch auf andere Dinge konzentrieren. Aber du solltest immer wieder zur Kamera zurückkehren. Weiterlesen

Tipps für den Online-Vortrag (Teil 2)

Vor Publikum zu reden, bedeutet: Kontakt aufzunehmen und zu halten, obwohl die Distanz größer ist als im Alltag. Dies gilt für Präsenzvortrag und Online-Vortrag.
Im Präsenzvortrag bedeutet dies, den gemeinsamen Raum zu füllen – mit der Stimme und mit der Körpersprache. Du sprichst so laut, dass du auch die Menschen in der hintersten Reihe erreichst. Durch deine Haltung und deine Gestik zeigst du, dass du den gesamten Raum wahrnimmst.
Im Online-Vortrag bedeutet es, den eigenen Raum und den Raum der Zuhörenden zu verbinden.

Willkommen in meiner Welt!

Natürlich weißt du nicht, wo sich die einzelnen Personen befinden, zu denen du sprichst. Aber du kennst deinen eigenen Raum und kannst ihn so einrichten, dass sie sich darin eingeladen fühlen. So wie du im Präsenzvortrag den Vortragssaal als gemeinsame Werkstatt nutzt, musst du im Online-Vortrag alles dafür tun, dass die Leute dir in deinem Raum begegnen. Weiterlesen

Das medizinische Kreuzworträtsel Nummer 7

Das medizinische Kreuzworträtsel Nummer 7 gibt es hier zum Download als PDF.

So sollte es aussehen:

Waagerecht

1          Mit dieser genetischen Störung bringst du den Detektiv zum Verzweifeln.
14        Nymphe als Namensgeberin der Hauptstadt des Libanon. (Da lernst du endlich wieder etwas, was nichts mit Medizin zu tun hat.)
15        „Ver­hält­nis der Wahrscheinlichkeit für das Ein­treten ei­nes Er­eignisses in 2 Gruppen, wo­bei der Zeit­punkt des Auf­tretens berück­sichtigt wird“ (Pschyrembel) oder ganz einfach: Radio mit Sitz in Frankfurt/Main.
16        Hockt mit abgeschlagener Nase im Sand, und niemand macht sie wieder ran.
17        3D-Zellkultur aus primärem gastrointestinalem Gewebe. Aber gelegentlich auch als Adjektiv gebraucht: darmähnlich.

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Das medizinische Kreuzworträtsel Nummer 6

Abkürzungen, die keiner kennt, können Spaß machen. Oder nerven. Aber meistens sind sie leicht zu erraten und liefern auf anspruchslose Weise ein paar Buchstaben. Zudem lernt man Dinge, die einem im späteren Leben helfen. Mein Lieblingsbeispiel ist 12 senkrecht.

Zum Online-Lesen findest du es nach dem Weiterlesen-Tag.

Das medizinische Kreuzworträtsel Nummer 6 zum Download als PDF:

Das medizinische Kreuzworträtsel Nummer 6

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Musikredaktion und eine falsche Perspektive

11. März 2011: Kernschmelze in Fukushima. Zu den Folgen gehören Explosionen im Reaktorblock 1, im Reaktorblock 2, im Reaktorblock 3, im Reaktorblock 4.

11. März 2021: SWR 4 bringt kurz vor 12.30 Uhr einen Bericht zum Jahrestag der Katastrophe. Darauf das Lied von Jay Khan: „Du bist hochexplosiv.“

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Denkwürdige Pausen, Teil I: Der Held der Steine denkt

Warum kann Thomas Panke fünf Sekunden lang in die Kamera starren und nachdenken, ohne dass es peinlich wird?

Er hat gerade eine Viertelstunde lang geredet und will noch zehn Minuten länger reden. Er hat ein Thema, das ihm liegt: Wie verdiene ich mit YouTube Geld? – Er hat (unter anderem) zwei YouTube-Kanäle und einer der beiden ist deutlich als Dauerwerbesendung für Systembausteine deklariert. So erklärt er denn, wie er das macht, mit zugeschalteter Werbung, Affiliate marketing und dadurch, dass er liebevoll Produkte vorstellt, die man bei ihm kaufen kann.

Jetzt, bei Minute 15, hat er eigentlich alles aufgezählt und er hält inne. Auf seiner Stirn steht deutlich zu lesen: „Was wollte ich noch sagen?“ Aber es ist ihm nicht peinlich. Er blickt weiter in die Kamera, atmet aus und sagt zuerst mal nichts. Dann sagt er: „T – t – t- t- t – t – t – t – t – t“ und fügt hinzu: „Bleibt mir noch was?“

Dann hat er den Faden gefunden. Weiterlesen

Das medizinische Kreuzworträtsel Nummer 5

Ein Kreuzworträtsel mit der Hilfe von Phil zu erstellen, ist lehrreich, weil Phil Vorschläge macht, wie die leeren Felder zu füllen sind. Diese orientieren sich an den angelsächsischen Cryptic Crosswords und sehen zum Beispiel so aus:

  • earinthebalance
  • earthlyparadise
  • easeleaseplease
  • easterntimezone
  • eatinghumblepie

Das sind lauter Vorschläge für Ausdrücke mit 15 Buchstaben, die mit E anfangen und enden. Wie man sieht, bestehen sie aus mehreren Wörtern. Im deutschen Sprachraum hat sich das nicht so richtig eingebürgert. Da bevorzugt der User einzelne Wörter, zum Beispiel:

  • Elementarklasse
  • Erbschaftsmasse
  • Elektronenwelle
  • Ebenengeometrie
  • Ekliptikalebene

Leider sind mir so lange Wörter meist nicht so  geläufig wie der Website wort-suchen.de. Aber was sich gleich bleibt, ist, dass es Komposita werden – meistens aus zwei einfacheren Wörtern zusammengesetzt. Aber meistens solche, die niemandem so richtig geläufig sind, wie:

  • Elefantenpreise
  • Einspurbahnenge
  • Engelamttheorie

Wenn aber auf so lange Wörter verzichtet wird, gibt es viele hässliche schwarze Felder, was man ja auch vermeiden möchte. (Die New York Times erlaubt ihren AutorInnen maximal 42 “Blocks” [schwarze Felder] in einem Rätsel mit 225 Feldern. Viele kommen aber mit etwas über 30 aus.) Im schlimmsten Fall wimmelt es von Wörtern mit zwei Buchstaben. Die New York Times verbietet das. Sie verlangt mindestens drei Buchstaben. Mir will das nicht gelingen, aber ich bemühe mich darum. In diesem Kreuzworträtsel Nummer 5 sind es noch 6 Zwei-Buchstaben-Wörter. Wenn die dann auch noch etwas bedeuten, ist das ein Glück für Autor wie LöserIn.

Das aktuelle Rätsel findest du, wenn du hier klickst: Weiterlesen

Der Professor lacht

Das Magazin Focus schreibt über meinen Wohnort und darüber, wie hier mit Corona umgegangen wird. Tübingen ist ein Krähwinkel, sagte mein belesener Freund Piero schon vor dreißig Jahren, und deshalb gehört dazu auch diese heitere Szene:

Aus einem alten Fachwerkgebäude, nicht weit vom pittoresken Tübinger Marktplatz, kommt ein Mann mit Hund. Jürg Häusermann ist ehemaliger Professor, die Universität ist in der Stadt omnipräsent. Der 69-Jährige wirkt entspannt, Maske trägt er nur in der unmittelbaren Nähe von anderen Menschen. Er besitzt etwas, um das ihn manche beneiden: Antikörper gegen Covid-19. […] Am Zelt für den Schnelltest läuft er vorbei, er braucht ihn nicht. “Tübinger Modell”? Der Professor lacht. (Focus 52/2020, S. 41.)

Der Professor lacht. Er tut das scheinbar als Kommentar zu den Tübinger Anstrengungen in der Pandemie-Bekämpfung. Das wirkt naiv und egoistisch, und wenn ich dieser Professor wäre, würde ich mich schämen. Dummerweise bin ich aber dieser Professor.

Nur ist die Szene nie passiert. Weiterlesen

Aber bedeutet denn Journalismus nicht, Geschichten zu erzählen?

Die Journalistin Rukmini Callimachi von der New York Times interviewt einen jungen Kanadier, der behauptet, als Kämpfer beim IS gedient und Menschen umgebracht zu haben. In ihrem vielgefeierten Podcast Caliphate erzählt gekonnt über die Abenteuer und Verbrechen – bis über die Authentizität ihrer Quelle Zweifel aufkommen und sich die New York Times mit einem peinlichen Fälscher-Problem im eigenen Haus konfrontiert sieht.

Der Journalist, der mich um ein Interview anfragt, hat die Idee, dass das Ganze mit dem seit längerem grassierenden Storytelling-Hype zu tun hat. Die Redaktionen sind so sehr auf gute Geschichten aus, dass sie gegenüber der Nachrecherche nachlässig werden.

Da rennt er bei mir offene Türen ein. Ja, sage ich. Es ist ein Riesenproblem, dass die Medienhäuser ihren Redaktionen Storytelling verordnen und es über die gründliche Recherche stellen.

Aber dann sagt eine Kollegin: Journalismus bedeutet doch, Geschichten zu erzählen.

Ja. Erzählen zu können, macht den Journalismus lebendiger. Aber wer Storytelling sagt, hebt das Erzählen über alle anderen journalistischen Fähigkeiten hinaus. Weiterlesen

Das medizinische Kreuzworträtsel Nummer 4

Als Amateur ein Kreuzworträtsel zu erstellen, ist nicht einfach. Deshalb ein Dankeschön an Pschyrembel, Wikipedia und Co., die so viele Buchstabenkombinationen enthalten, die sich als medizinische Abkürzungen entpuppen. Irgendwann werden hier wahrscheinlich  meine mühseligen Erfahrungen unter dem Titel “Theorie des Kreuzworträtsels” stehen.

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