Radiotipps für die Woche bim 5. bis 11. Mai 2014

 

Illegal

 

Von Björn Bicker

 

Mittwoch, 7.5.2014, 18.05 Uhr, DR Kultur

 

Geh nach der Arbeit sofort nach Hause. Beschwere dich nicht über laute Nachbarn. Meide den Hauptbahnhof mit seinen Zivilstreifen. Geh nicht bei Rot über die Straße. Fahre nie schwarz. Halte im Kaufhaus immer alle Quittungen bereit.

 

Öffne nie die Tür, wenn es überraschend klingelt. Zahle immer Cash. – So lauten einige Regeln, die man einhalten muss, wenn man eigentlich nicht dort sein darf, wo man lebt. Illegalisierte Menschen arbeiten in der Gastronomie oder als Pflege- und Haushaltshilfen.

Der Autor hat anderthalb Jahre recherchiert und mit Betroffenen Interviews geführt. Das dokumentarische Hörspiel entstand parallel zu einem Theaterprojekt.

 

Wohin das Wasser fließt.
Junge deutsche Wissenschaftler forschen für Südafrika

 

Von Nora Bauer

 

Mittwoch, 7.5.2014, 22.03 Uhr

 

Wasser ist ein Grundnahrungsmittel, der Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung zählt zu den Menschenrechten. Südafrika hat das Recht auf Wasser 1994 sogar in seine Verfassung aufgenommen. Dennoch sind 10 Prozent der Menschen in diesem Land immer noch von der Wasser-Versorgung und der Kanalisation abgeschnitten.Sie sind schwarz und leben in sogenannten Informal Settelments, Elendsvierteln, die sich überall neben ehemaligen Townships ausbreiten.

 

An der Bauhaus-Universität Weimar wird zu diesem Thema geforscht und so fuhren deutsche Doktoranden nach Potchefstroom, um mit ihren südafrikanischen Kollegen nach Lösungen für die mangelhafte Wasser-Versorgung in den Elendsvierteln zu suchen. Vielleicht wird man sie auch im reichen Norden eines Tages gut gebrauchen können.

 

Neun Tage – zwei Zehennägel – nach Hause gehen
Ein Fußweg von Wien nach Graz

 

Von Anna Katharina Laggner

 

Samstag, 10.05.2014, 13.05 Uhr, Bayern 2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

 

„Ich werde einfach gehen, hab ich mir gedacht. Gehen gegen den Frust.  Ich werde einfach gehen, weil alle immer fahren, weil ich immer fahre. Unzählige Male von Wien nach Graz, mit dem Zug, mit dem Auto. Ich werde einfach gehen. Da ist die Wahrscheinlichkeit am geringsten, dass jemand aufsteht und sagt, das geht nicht. In Graz wohnen meine Eltern, zwei meiner Schwestern, meine Großmutter. Von dort bin ich aufgebrochen in die Welt. Es gibt keine Zimmerreservierungen, dafür Jause und einen kleinen Rucksack. Es gibt ein Aufnahmegerät, einen Pfefferspray und eine Abneigung gegen Hunde. Es gibt einen Weg, der ungefähr querfeldein Richtung Süden führt. Und es gibt den ersten Schritt, der der schwerste ist.
Ich werde am Hochwechsel im dichten Nebel fast verloren gehen, in Pöllau wird man mir auf einer Orgel Lieder spielen, auf der Hohen Wand werde ich den Yeti treffen, ich werde belästigt werden, zwei Aufnahmegeräte werden eingehen, ich werde mich verirren und das Ende wird sehr unspektakulär sein.“
„The Personal diary of an author, who walked from Vienna to her native town Graz. A journey back to the roots and her inner self. An acoustical road movie full of curious encounters and strange coincidences. With a flavor of Bunuel.“ – so urteilte die Jury beim internationalen Wettbewerb Prix Bohemia 2013 und zeichnete die Autorin für ihr Feature aus.
Die Sendung ist im Rahmen der internationalen EBU Master School on Radio Features entstanden. 

 

Grandhotel für Alle!
Flüchtlinge, Künstler und Hotelgäste unter einem Dach

 

Von Marianne Weil

 

Samstag, 10.05.2014, 18:05 Uhr, DR Kultur

 

So etwas gab es noch nie. Im Augsburger „Grandhotel Cosmopolis“ gilt das Motto: Wir sind alle Reisende auf dieser Erde, jeder ist willkommen, ganz gleich woher er kommt. Eine basisdemokratisch organisierte, ziemlich bunte Gruppe hat diese Utopie in die Welt gesetzt.

 

Nicht in einer Inszenierung auf dem Theater, sondern in einem realen Experiment: Im Augsburger Springergässchen treffen sich Asylbewerber und Hotelgäste auf den Fluren und an der Bar, als wären alle frei und gleich.
Das Projekt ist inzwischen berühmt geworden und wird mit Preisen überhäuft. Doch es findet nicht im luftleeren Raum statt. Das öffentliche Schulterklopfen fängt die Aktivisten an zu schmerzen, denn ihre Idee stößt an die Mauern der europäischen Flüchtlingspolitik.
Die Autorin hat sich mehrfach im Grandhotel einquartiert, erst auf der Baustelle, dann in einem realen Hotelzimmer.

 

Rotkäppchen Breaking Bad.
Wie aus Heinz-Otto Hermann ein Bankräuber wurde

 

Von Ben Hänchen

 

Sonntag, 11.5.2014, 14.05 Uhr, SWR2

 

27 Banken hatte er ausgeraubt. Bis er bei der 28. geschnappt wurde. Die Ermittler nannten ihn „Rotkäppchen“, weil er eine rote Maske trug und immer höflich bei seinen Überfällen war. „Sie wissen von mir nicht viel, aber ich bin froh, dass es vorbei ist“, sagte er bei seiner Verhaftung. Was trieb den ehemaligen Volksarmisten der DDR zu seinen Verbrechen? Wie gelang es ihm, jedes Mal zu Fuß zu fliehen, selbst wenn Polizeihubschrauber hinter ihm her waren? Wie konnte er seine Taten sogar vor seiner Frau verheimlichen? Und warum war ihm am Ende niemand richtig böse – nicht einmal die, die er überfallen hat? Autor Ben Hänchen hat sich von Heinz-Otto Hermann seine Rotkäppchen-Geschichte erzählen lassen. Eine komplizierte Geschichte, aber keine Räuberpistole – und alles andere als ein Märchen.

 

Die rote Baronesse – Das extreme Leben der Jenny Marx

 

Von Ulrich Teusch

 

Sonntag, 11. Mai 2014, 18:05 Uhr, hr2-kultur

 

 

An männlichen Verehrern hat es Jenny von Westphalen nie gemangelt, ihr, der schönen, anmutigen, intelligenten Baronesse, der „Ballkönigin von Trier“.

 

Doch trotz aller Avancen entschied sie sich früh – und gegen alle Konvention – für einen vier Jahre jüngeren Bürgersohn jüdischer Herkunft, den sie schon aus Kindertagen kannte: Karl Marx. Dass dieser ihr fürs erste kein standesgemäßes Leben würde bieten können, war ihr klar. Doch was sie dann in den folgenden Jahren und Jahrzehnten unter den harten Bedingungen des Londoner Exils erlebte, übertraf wohl selbst ihre schlimmsten Befürchtungen. Unterkriegen ließ sich Jenny Marx darum noch lange nicht. Trotz aller Not wusste sie Momente des Glücks zu genießen. Etliche Jahre lebte sie ein permanentes „carpe diem“ am Rande des Abgrunds. Erst der Herbst ihres Lebens entschädigte sie für so manches Leid der frühen Jahre. Über ihr „extremes Leben“ hat sich Jenny immer wieder in Briefen an vertraute Menschen ausgesprochen. Ihre Texte zählen zum Schönsten, was die Briefliteratur des 19. Jahrhunderts zu bieten hat. Aus ihnen formt sich das Bild einer der außergewöhnlichsten Frauengestalten ihrer Zeit.

 

 

Radiotipps für die Woche vom 28. April bis 4. Mai 2014

 

Zu vermieten: Kellerraum, 6. OG in Trendlage

 

Von Nora Bauer

 

Mittwoch, 30.04.2014, 00:05 Uhr DR Kultur

 

Immer seltener gehört heute zur Wohnung ein Kellerraum oder Dachboden. Die Gegenstände und Möbel sind langlebig, trotzdem möchten wir immer wieder mal etwas Neues haben, eine andere Couch, den größeren Fernseher, Kleider nach der neuesten Mode. Auch wenn die Wohnungen schon übervoll sind, wir kaufen immer noch weiter und irgendwo müssen die alten, aber noch brauchbaren Sachen schließlich hin. „Self Storage“ heißt es lässig auf Englisch, gemeint sind Lagerboxen, in denen man unterbringen kann, was zu Hause keinen Platz mehr findet. Seit ein paar Jahren sprießen mehrstöckige Storage Center in Deutschlands Städten nur so aus dem Boden, oft sogar in bester Lage mitten in der Stadt. Die Menschen wollen ihrem Hab und Gut nahe sein, denn auch wenn sie die Sachen auslagern, bilden sie doch ihren „Besitz“ und bleiben ein Teil von ihnen.

 

Aus dem Augen, aus dem Sinn.
Deutscher Atommüll in Russland

 

Von Laura Döing und Olga Kapustina

 

Mittwoch, 30.04. 2014, 22.03 Uhr, SWR2

 

Die Suche nach einem geeigneten Endlager für hochradioaktive Abfälle in Deutschland beginnt wieder von vorne. Im Geheimen wurde bereits nach Optionen im Ausland gesucht, auch in Russland. Obwohl der Export offiziell politisch nicht erwünscht ist – Spuren gibt es dennoch: Vertrauliche Kostenpläne eines deutschen Energiekonzerns, die Ersparnisse durch den Export aufzeigen, russische Ministeriumspapiere, die mit den zahlungskräftigen Kunden aus Deutschland kalkulieren. Das Feature folgt diesen Spuren in Deutschland und Russland. Sie führen bis an den Zaun der geschlossenen Stadt Krasnojarsk-26, einem Zentrum der russischen Atomindustrie und in die Vorstandsetage der deutschen EnBW in Karlsruhe.

 

„Jetzt sind wir dran“
Kapitalismus und Korruption in Südafrika

 

Von Birgit Morgenrath

 

Samstag, 03.05.2014,13:05 bis 14:00 Uhr Bayern 2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

 

Mord und Totschlag, Vetternwirtschaft und Korruption haben in Südafrika erschreckend zugenommen. Der jungen Demokratie droht die Zersetzung. Der ANC, einst Befreiungsbewegung gegen das Apartheidregime und seit den ersten freien Wahlen Regierungspartei, unterwarf sich Mitte der 90er Jahre dem neoliberalen Credo der Zeit. Das „bessere Leben für alle“ – so der Slogan – und eine tiefgreifende Transformation der Wirtschaft blieben aus. Armut, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit sind geblieben, Streiks und Demonstrationen an der Tagesordnung. Die Superreichen des alten Regimes und der neuen schwarzen Mittelklasse frönen ihrer „Bling-Kultur“ mit teuren Autos, höchsten Gehältern und satten Regierungsverträgen für die „Tenderpreneurs“ aus der Privatwirtschaft. Erbitterte Machtkämpfe auf allen Ebenen des Staates zersetzen die Demokratie. Welche Perspektive hat die „Regenbogennation“ im Jahr eins nach Nelson Mandelas Tod und im Wahljahr 2014?
In Südafrika wird am 7. Mai ein neues Parlament gewählt. Es wird die fünfte Wahl der Volksvertretung seit dem Ende der Apartheid 1994. Damit können erstmals Wähler ihre Stimmen abgeben, die nach der Zeit der Rassentrennung und der Unterdrückung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit geboren wurden.
Birgit Morgenrath lebt und arbeitet als freie Journalistin in Köln. Von 1989 bis 2011 Mitglied im Rheinischen JournalistInnenbüro Köln, einem fünfköpfigen Kollektiv mit gemeinsamer Arbeit und Einheitslohn. Autorin für die Hörfunkanstalten der ARD und Fachzeitschriften, vor allem zu Themen der Arbeitswelten in Nord und Süd, zu den wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen „Erster“ und „Dritter“ Welt, zu Geschichte, Politik, Wirtschaft und Umwelt in Südafrika und in der Region des südlichen Afrika, zu afrikanischer Literatur.

 

„Residenzpflicht – only when I die!“

 

Von Patras Bwansi und Lydia Ziemke

 

Samstag, 03.05.2014, 18:05 Uhr DR Kultur

 

Flüchtlinge aus ganz Deutschland brechen 2012 ihre regionale Residenzpflicht und gründen in Berlin ein Protestcamp gegen das Asylgesetz: gegen die Sammelunterkünfte in zugewiesenen Regionen, gegen das Arbeitsverbot, gegen die Perspektivlosigkeit. Die meisten haben ihr Leben riskiert für einen Asylantrag in Europa. Aber wie funktioniert Dauerprotest? Wie lebt man in einem Zeltdorf mitten in der Stadt? Eine Begegnung mit dem inneren Kreis des Protests: Fünf afrikanische Aktivisten nehmen das Mikrofon selbst in die Hand, finden eine Sprache, erzählen von ihrer langen Reise in die Ernüchterung und decken Verbindungen zur Kolonialgeschichte auf.

 

Kiss me Cole.
Cole Porter zwischen Micky Maus und einer Sinfonie von Strauss

 

Von Anette Selg

 

Sonntag, 04.05.2014, 14.05 Uhr  SWR2

 

Vor 50 Jahren ist der Komponist und Lieddichter Cole Porter in Kalifornien gestorben. Seine Musik aber bleibt: in den legendären Aufnahmen von Ella Fitzgerald oder Hildegard Knef. Im Soundtrack von über 15 Woody-Allen-Filmen. Auf den Musical-Bühnen in Wien, Berlin oder New York. Barrie Kosky, amtierender Intendant der Berliner Komischen Oper, vergleicht Porters Songs sogar ohne zu zögern mit Schubert-Liedern. Wer war dieser Mann, dessen Melodien unaufhörlich zwischen Dur und Moll pendeln? Dessen Liedtexte an der Oberfläche schlau und lustig sind, darunter aber von herzerweichender Schwermut und Melancholie. Regisseure, Sängerinnen, Musikproduzenten und Jazz-Liebhaberinnen erzählen von ihren Erlebnissen mit Cole Porter und seiner Musik.

 

Handelseinig – DDR-Zwangsarbeit und die Verantwortung westdeutscher Firmen

 

Von Gabriela Knetsch

 

Sonntag, 04.05.2014, 18:05 Uhr, hr2-kultur

 

 

 

Als im Herbst 2012 der schwedische Möbelkonzern einräumen musste, dass politische Gefangene in der DDR zu Arbeiten für Ikea-Artikel gezwungen wurden, da war schnell klar: Dies ist die Spitze eines Eisbergs. In ihrem Feature rekonstruiert Gabriele Knetsch am Beispiel der weiblichen Gefangenen aus Hoheneck im Erzgebirge die Kette der Zwangsarbeit politischer Häftlinge. Beispielsweise von Tatjana Sterneberg aus Ostberlin: „Republikflüchtling“ aus Liebe, drei Jahre Haft, Bettwäschen-Produktion im Dreischicht-Betrieb. Die Kette endet bei den Westfirmen – Quelle, Aldi, Kaufhof und C&A: Gefragt war gute Qualität zum günstigen Preis.

 

 

Radiotipps für die Woche vom 21. bis 27. April 2014

 

Jakarta Jam
Eintauchen ins Verkehrschaos

 

Von Rilo Chmielorz

 

Montag, 21.4.2014, 15.05 Uhr, SWR2

 

Indonesiens Hauptstadt Jakarta ist die Boomtown schlechthin. Wirtschaftliche und soziale Beschleunigung könnten kaum rasanter sein. Und dennoch scheint es so, als würde sich das wachsende Tempo zugleich ausbremsen. Die Mega-City droht an ihrem Verkehr zu ersticken. Für 2014 ist der totale Kollaps prognostiziert. Dann wird es mehr Fahrzeuge geben als Platz auf den Straßen. Schon jetzt verbringen die Menschen täglich bis zu sechs Stunden im Auto, auf dem Moped oder im Bus, Jakartas einzigem öffentlichen Verkehrsmittel. Wohin führt das? Autorin Rilo Chmielorz hat den Selbstversuch gemacht, ist ins größte und lärmendste Verkehrschaos des Globus eingetaucht und hat entdeckt, dass man es auch genießen kann. Oder genießen muss, um es auszuhalten zu können.

 

Alles wird gut
Im Bann magischer Berater

 

Von Rosvita Krausz

 

Mittwoch, 23.04.2014, 00:05 Uhr DR Kultur

 

Täglich suchen Tausende telefonischen Rat bei Hellsehern, Kartenlegern & Co. Wie wird es in Sachen Liebe, Gesundheit, Beruf oder Finanzen weitergehen? Auch im Internet preisen selbsternannte Experten ihre paranormalen Fähigkeiten an. Ob Koch oder Spross einer Kartenlegerdynastie – alle behaupten, einen Draht in übersinnliche Sphären zu haben. Musikproduzent Mic Schneider war süchtig auf diese Orakel und glaubte, seinem Leben ohne sie nicht gewachsen zu sein. Weiter kommen zu Wort: die Geschäftsführerin eines Esoterikportals und zwei Kunden, ein Zukunftsforscher und ein Psychiater, eine Psychologin sowie ein Philosoph.

 

Der Staat und seine Trojaner
Ein Feature über amtliche Computerüberwachung in Deutschland

 

Von Achim Nuhr

 

Mittwoch, 23.4.2014, 22.03 Uhr, SWR2

 

Deutsche Politiker und Behörden sind keineswegs nur Opfer digitaler Ausspähung, sondern lassen selbst massenweise private Computer durchsuchen: vom Screenshot bis zum Telefonat. In vertraulichen und geheimen Dokumenten bezeichnet der Generalbundesanwalt das Einschleusen von „Trojanern“ als „rechtlich unzulässig“. Trotzdem kaufen die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung immer neue Lizenzen für Überwachungssoftware dubioser deutscher Unternehmen, die auch an Diktaturen liefern. Versagt die parlamentarische Kontrolle oder sind die Verantwortlichen einfach nur skrupellos?

 

Die Griechenlandfahrer
Oder: Kazaviti, ein Dorf in Blau

 

Von Manuel Gogos

 

Samstag, 26.04.2014, 18:05 Uhr

 

Jenseits von Postkartenmotiven und den Straßenkämpfen von Athen gibt es ein Griechenland, das nur wenige kennen. Der deutsch-griechische Autor Manuel Gogos findet es in einem Bergdorf auf der nordgriechischen Insel Thassos: Kazaviti.Als der deutsche Auswanderer Thomas Schultze-Westrum Anfang der 1970er-Jahre zum ersten Mal hierher kam, wirkte das Bergdorf wie ausgestorben. Es waren die alten mazedonischen Häuser, die dem Ethnologen die Geheimnisse ihrer Bewohner verrieten – Geschichten von Mittelmeer-Kaufleuten und von Ikonenmalern. Manuel Gogos trifft in Kazaviti auf den steinalten Barba Kapitankostas, der hier in Bernsteintagen den Tango tanzte. Und der junge Tavernenwirt Georgios erzählt, wie die Krise manchen Dorfbewohner fast in den Selbstmord treibt.

 

Radiotipps für die Woche vom 14. bis 20. April 2014

 

Die Kosten des Wissens
Wem die Forschung dient

 

Von Lorenz Schröter

 

Mittwoch, 16.4.2014, 22.03 Uhr, SWR 2

 

Universitäten und Unternehmen kooperieren zunehmend. Wie unabhängig ist die Wissenschaft noch, wenn sie von der Industrie unterstützt wird? Fallen da Forschungs-Ergebnisse nicht eher Industriefreundlich aus? Andererseits ist Forschung teuer, bis hin zur Publikation ihrer Ergebnisse. Wenn Wissenschaftler etwas veröffentlichen wollen, müssen sie zahlen: 2000 Euro für einen Artikel in einer renommierten Fachzeitung sind nicht selten, mehrere Tausend Euro als sogenannter Druckkostenzuschuss fallen leicht für ein Buch an. Gleichzeitig steigen die Preise für wissenschaftliche Bücher und Zeitschriften, auf die die Forscher angewiesen sind, rasant. Forscher rufen inzwischen zum Boykott gegen dieses System auf. Ist Open Access die Lösung, der kostenfreie Zugang zu Forschungsergebnissen?

 

Zwei Seiten Leben
Drei Trauerredner. Ein Totentheater

 

Von Michael Lissek

 

Samstag, 19.04.2014, 13.05 Uhr, Bayern 2

 

Das Leben ist kurz, und lang ist der Tod. Ob während des Lebens Mitteilenswertes geschehen ist, darüber entscheiden am Ende die Hinterbliebenen (und ihre Sprachfähigkeit) sowie – im Notfall – der Trauerredner (und seine Befragungs-, Schreib- und Performancetechnik).
Aus Leben wird Text: Seltsame Metamorphose. „Zwei Seiten Leben“ porträtiert drei TrauerrednerInnen, begleitet sie zu Bestattungen und zu Hinterbliebenen. Es versucht, die Inszenierung der Totenreden zu entdecken und lässt die Trauerredner Reden auf sich selber halten. Es wird viel gesungen, eine Menge Luft geatmet, Yoga gemacht und an keiner Stelle geweint.

 

Innen und Dazwischen
Ich lasse Hellseherinnen in mich hineinblicken

 

Von Wibke Bergemann

 

Samstag, 19.04.2014, 18.05 Uhr, DR Kultur

 

Gibt es Menschen mit medialen Fähigkeiten, die in ihrem Gegenüber lesen können? Und wenn ja, was sehen sie dort? Die Autorin glaubt eigentlich nur, was sie sieht. Aber Neugier und der Wunsch nach Orientierung führen sie zu einer medialen Heilerin, einer Schamanin und schließlich zu einer Wahrsagerin. Kosmos, Trommeln und Karten werden befragt. Sie bekommt eine Ahnung von der Macht des Rituals, begegnet ihrem Vorleben, und ihr wird angeboten, in den Gedanken des eigenen Ehemanns zu lesen. Die Sitzungen bringen ein paar Überraschungen zutage, die sie schließlich trotz aller Skepsis nicht mehr kalt lassen.

 

 

 

Das Rätsel vom Kloster Lorsch

 

Von Gabi Schlag

 

Sonntag, 20. April 2014, 18:05 Uhr, hr2-kultur

 

Das Weltkulturerbe Reichskloster Lorsch wird instandgesetzt. Ein Kloster, von dem oberirdisch nicht mehr übrig ist als die Königshalle, ein Teil der Basilika und die Klostermauer. Ein Bauwerk, das Rätsel aufgibt.

 

Gegründet im achten Jahrhundert, in einem Zeitalter, das gemeinhin als das finstere Mittelalter bezeichnet wird. Was kaum jemand weiß, ist, dass in diesem Jahrhundert eine Renaissance des Wissens der Antike stattfand und der Weg in die europäische Zivilisation begann. Der Grundstein für die Wissenskultur des Abendlandes gelegt wurde, der noch heute hilft, die Welt zu verstehen und zu ordnen. Das Kloster Lorsch und seine Geschichte sind der Beweis: Das achte Jahrhundert brachte Licht ins Dunkel des Mittelalters. Das Feature begleitet die Historiker beim Lösen der Rätsel von Lorsch und bei ihrem Versuch, die Geschichte des achten Jahrhunderts in einem neu angelegten Weltkulturerbe-Park adäquat zu erzählen.

 

 

Radiotipps für die Woche vom 7. bis 13. April 2014

 

Serverfarmen, Clouds und Datenströme
oder Die Katze beißt sich in den digitalen Schwanz

 

Von Harald Brandt

 

Mittwoch, 9.4. , 22.03 Uhr, SWR2

 

Unsere Daten werden in Clouds gespeichert und auf Serverfarmen gepflegt. Aber wer weiß schon, wo sich die Farmen und Wolken befinden, wer sie bewirtschaftet und Zugang gewährt? Die Auslagerung großer Datenmengen – auch auf ausländische Server – verstärkt die Möglichkeit der Kontrolle und Beeinflussung durch fremde Regierungen oder Interessengruppen. Und die Infrastruktur moderner Gesellschaften ist heute vom Fluss der Datenströme abhängig. Das Gesundheitswesen, der Börsenhandel, die Wasserversorgung und selbst die Energieerzeugung können schnell zusammenbrechen, wenn Computer abstürzen und es zu Stromausfällen kommt. Ohne Strom funktioniert kein Computer, aber ohne computergesteuerte Netzwerke ist die Stromerzeugung nicht mehr denkbar. Hier beißt sich die Katze in den digitalen Schwanz.

 

Old Man Prison Blues
In Würde altern im Knast

 

Von Ingrid Strobl

 

Samstag, 12.04.2014, 18:05 Uhr DR Kultur

 

Die Zahl der älteren Strafgefangenen steigt – parallel zur demografischen Entwicklung. Was bisher fehlt, sind klare Konzepte, diesen Menschen und ihren Bedürfnissen im Sinne eines humanen Strafvollzugs gerecht zu werden. In der Justizvollzugsanstalt Detmold gibt es seit 2007 eine Lebensälterenabteilung für männliche Strafgefangene, die älter als 60 sind. Aber warum wird ein alter und gebrechlicher Mensch überhaupt noch inhaftiert? Wie erlebt er das Alter und den nahenden Tod? Ingrid Strobl untersucht innovative Ansätze in Haftanstalten und fragt nach den Möglichkeiten eines würdigen Alterns im Knast.

 

Letztes Wochenende
Grenzerfahrungen einer verlorenen Generation in Franken

 

Von Jonas Heldt

 

Samstag, 12.04.2014, 13:05 Uhr, Bayern 2, Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

 

Marge hat in diesem Sommer in einer Kleinstadt an der bayerisch-tschechischen Grenze ihr Abitur gemacht. Doch sie empfindet den Ort, an dem sie lebt, als Einschränkung. Ebenso wie ihren Skinhead-Freund mit seinen antiquierten Überzeugungen. Sie hört die Uhr ticken, ihre Jugend vergehen. Ihr Mantra „nach Berlin, nach Berlin!“ steht für die unerfüllbare Sehnsucht nach einem besseren Leben. Derweil flüchtet Marge von Rausch zu Rausch – weg von der Langeweile. Der fränkische Landstrich ist verhaftet in einer langen Tradition des protestantischen Armenhauses Bayerns. Auch die seit langem geöffneten Grenzen sind noch nicht überwunden. Das weniger reglementierte Nachbarland Tschechien wird als ein Abenteuerspielplatz für Erwachsene genutzt. Roman baut neben einem Motocrossplatz für die Deutschen sein Baumhaus. Wie Peter Pan im Nimmerland schaut er den Erwachsenen bei deren Spielen zu. Ein Teil von Romans Gegenwelt ist auch die Droge Crystal Meth. Roman wurde einmal das Herz gebrochen, seitdem lebt er von dem, was er finden kann. Aus einer verlassenen Fabrik, die als illegale Cockerspaniel-Zucht und Altkleider-Depot dient, holt er sich das Nötigste zum Überleben. Auch ein paar Kabel, die der „Naturdoktor“ zusammen mit dem Häuptling der Waldgemeinschaft, einem erfahrenen Schmuggler, in der Nacht verbrennt. Sie können ein wenig Geld machen mit dem gewonnenen Kupfer, das sich dank der momentanen Weltmarktpreise gut verkaufen lässt. Das globale Ganze, eine neuen Weltordnung, spiegelt sich in der kleinen, rätselhaften Welt des Frankengrenzlands.

 

Fahr Rad
Eine Fortbewegung in 21 Gängen

 

Von Ulrich Land

 

Sonntag, 13.4., 14.05 Uhr, SWR2

 

Sag mir, welches Fahrrad du fährst, und ich sage dir, warum du wieder einen Platten hast. Killerradler, Bike-Shopper, Nadelstreifen-Manager auf zwei Rädern, Ökofreaks mit sauberem Gewissen, allmorgendlich geräderte Innenstadt-Stauteilnehmer. Für jeden gibt es das passgenaue Radl. Wie keinem zweiten Vehikel ist dem Fahrrad zur Zeit ein anhaltender Boom beschieden. Was aber macht dieses eigenwillige Gefährt zum Verkaufsschlager? Heißblütige Fahrradfreaks und kühle Ingenieure, Fahrradkuriere und Rad-Akrobaten, Apostel der entschleunigten Fortbewegung und ein visionärer Verkehrsminister steigen in die Pedale.

 

Robbenjagd und Rohstoffträume
Grönlands Zukunft

 

Von Jane Tversted und Martin Zähringer

 

Sonntag, 13. 04. 2014, 18:05 Uhr, hr2-kultur

 

Grönland ist die größte Insel der Welt. Obwohl dort nur etwa 58.000 Einwohner leben, träumen viele von einem selbstständigen Staat. Der könnte sich durch die Ausbeutung von Mineralien an Land und Öl vor den Küsten finanzieren. Damit wäre die vollständige Unabhängigkeit von der ehemaligen Kolonialmacht Dänemark erreicht. Rohstoffkonzerne stehen bereit, und das grönländische Parlament arbeitet intensiv an den Rahmenbedingungen. Doch nicht alle Grönländer sind begeistert. Die wichtigste Erwerbsquelle ist der Fischfang, industrielle Großprojekte bedrohen Identität und Kultur der Grönländer. Ist der Preis der Selbstständigkeit am Ende zu hoch?

 

 

Radiotipps für die Woche vom 31. März bis 6. April 2014

 

Stecker raus.   Menschen ohne Strom

 

Von Dieter Jandt

 

Mittwoch, 2.4.2014, 22.03 Uhr, SWR2

 

Jährlich sind bundesweit mehr als 300.000 Haushalte von Stromsperrungen betroffen, Tendenz steigend. Auch der vermehrte „Stromklau“ ist ein Indiz dafür, dass vielen Menschen Energie zu teuer geworden ist. Verbraucherverbände fordern ein Grundrecht auf Strom und die EU stärkeren Schutz vor Energiearmut. Die Realität aber sieht düster aus. Manche Menschen bleiben über Monate ohne Strom, verbringen den Abend bei Kerzenlicht oder kommen nur noch zum Schlafen nach Hause. Was wäre zu tun, damit Strom für alle bezahlbar ist? Sozial schwache Familien können sich keine energiesparenden Geräte leisten, nicht einmal Sparlampen. Die Stadtwerke einiger Kommunen bieten Pre-Paid-Zähler an und Automaten, an denen man sich kurzfristig nach Bedarf mit Strom versorgen kann. Aber wenn kein Geld da ist? – Ein Ausflug zu Menschen, die ohne Strom leben müssen.

 

Das Land in meinem Kopf
Eine Reise von Ostpreußen nach Polen

 

Von Rainer Schildberger

 

Freitag, 04.04.2014, 20:10 Uhr, DR Kultur

 

Im Februar 1945 sind Millionen Deutsche auf der Flucht vor der näher rückenden Roten Armee, auch Monikas S., die damals 16-jährige Mutter des Autors. Halbverhungert landet sie bei Berlin. Hier beginnt das neue Leben, später dann das persönliche Wirtschaftswunder.
Die ostpreußische Heimat ist kein Thema mehr. An den Vertriebenentreffen nimmt Monika S. nicht teil. Das Land ist für sie verloren und jeder Versuch, es zurückzugewinnen, verfehlt.  Erst 1996 sieht sie es zum ersten Mal wieder. Sie bereut die Reise bis heute. Denn das Land ihrer Kindheit existiert nicht mehr. Mit der polnischen Realität kann sie nichts anfangen. Nur die Landschaft macht sie anscheinend noch einmal glücklich. Der Autor unternimmt eine Reise zu den ererbten Erinnerungen, in das Land im Kopf. Die immer wieder gehörten Geschichten der Mutter im Gepäck. Und den alten Stadtplan von Braunsberg, einer Stadt nahe der russischen Grenze. Doch seine Mutter warnt ihn: Da ist nichts mehr. Aber der Autor möchte das Land in seinem Kopf endlich verändern.

 

Der Genozid in Ruanda
Die Deutschen und der Genozid in Ruanda

 

Von Arndt Peltner

 

Samstag, 05.04.2014 , 13.05 Uhr, Bayern2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

 

Ruanda gilt als der schwärzeste Punkt in der Geschichte der Vereinten Nationen. Beinahe eine Millionen Menschen wurden in rund 100 Tagen ermordet, aber die UN verhinderte das Morden nicht. Als in den Abendstunden des 6. April 1994 die Maschine des ruandischen Präsidenten im Anflug auf Kigali abgeschossen wurde, war das der Auslöser für einen Massenmord an der Tutsi-Minderheit im Land. Die westlichen Nationen zeigten sich überrascht, griffen nicht ein und weigerten sich lange Zeit, von einem Genozid zu sprechen. Die Tragödie in ihrem ganzen Ausmaß wurde möglich, weil die Vereinten Nationen, die USA, Frankreich und Belgien frühe Warnungen nicht ernst nahmen. Mehr noch: Die UN zogen die meisten ihrer Soldaten ab, als der Genozid gerade begonnen hatte. Warum schaute die Weltöffentlichkeit weg? Auch die verschiedenen staatlichen Einrichtungen Deutschlands vor Ort in Ruanda reagierten nicht, obwohl sie sehr wohl mit bekamen, dass gezielt auf einen Massenmord hingearbeitet wurde. So machte sich Deutschland mitschuldig an der Eskalation der Gewalt. Wie es dazu kam, versucht das Feature zu klären.

 

Das Rätsel vom Kloster Lorsch
oder Warum das Frühmittelalter eigentlich gar nicht so düster war, wie man immer gedacht hat.

 

Von Gabi Schlag

 

Sonntag, 6.4.2014,  14.05 Uhr,  SWR2

 

Das Weltkulturerbe Reichskloster Lorsch wird instandgesetzt. Ein Kloster, von dem oberirdisch nicht mehr übrig ist als die Königshalle, ein Teil der Basilika und die Klostermauer. Ein Bauwerk, das Rätsel aufgibt. Gegründet im achten Jahrhundert, in einem Zeitalter, das gemeinhin als das finstere Mittelalter bezeichnet wird. Was kaum jemand weiß, ist, dass in diesem Jahrhundert eine Renaissance des Wissens der Antike stattfand und der Weg in die europäische Zivilisation begann. Der Grundstein für die Wissenskultur des Abendlandes gelegt wurde, der noch heute hilft, die Welt zu verstehen und zu ordnen. Das Kloster Lorsch und seine Geschichte sind der Beweis: Das achte Jahrhundert brachte Licht ins Dunkel des Mittelalters.
Das Feature begleitet die Historiker beim Lösen der Rätsel von Lorsch und bei ihrem Versuch, die Geschichte des achten Jahrhunderts in einem neu angelegten Weltkulturerbepark adäquat zu erzählen.

 

 

Sternenkind – Das kurze Leben der Lilli Lion

 

Von Karla Kraus

 

Sonntag, 6. April 2014, 18:05 Uhr, hr2-kultur

 

Kathrin freut sich auf ihr Kind. Doch wenig später der Schock: das Baby hat schwerste genetische Schäden, wird die Schwangerschaft nicht überstehen. Was tun?
Was tun? Das Kind im Bauch beherbergen, bis es sich von selbst verabschiedet? Die aussichtslose Schwangerschaft schnell beenden? Und wenn das Kind doch zur Welt kommt, schwerst behindert? Das Feature folgt den dramatischen Monaten einer Schwangerschaft mit einem behinderten Kind und verdeutlicht das Dilemma einer pränatalen Medizin, die immer genauer diagnostizieren, aber nicht alles therapieren kann. Das Feature wurde mit dem DRK-Medienpreis und dem Hörfunkpreis der Theodor-Springmann-Stiftung ausgezeichnet.

 

Radiotipps für die Woche vom 24. bis 30. März 2014

 

Seitensprünge im Glockenturm.
Die Kunst des „change ringing“

 

Von Regina Leßner

 

Mittwoch, 26.3.2014, 00:05 Uhr, DR Kultur

 

„Der Seitensprung ist ein Schritt entgegen dem normalen Lauf beim einfachen Jagen“, so lautet einer der vielen nur dem Kenner zugänglichen Sätze im historischen Lehrbuch über die Kunst des Wechselläutens (changeringing). Diese 600-jährige englische Tradition, Kirchengeläute von Hand zum Klingen zu bringen, findet bis heute begeisterte Akteure in mehr als 5000 Gotteshäusern auf der Insel. Und Ringing Societies bilden immer neue Glöckner aus. In den Läutestuben der Stadt York ist die Autorin dabei, wenn mit Rad und Seil nach dem überlieferten und bis ins bizarre Detail ausgetüftelten Regelwerk geläutet wird. Sie versucht sich selbst als Glöcknerin und bekommt einen Hinweis auf den legendären Krimi „The Nine Tailors“ (Der Glocken Schlag) von Dorothy L. Sayers. Von Anfang bis zum Ende ist er rätselhaft mit dem Wechselläuten verknüpft. Und tödlich.

 

Die Sportschützer

 

Von Benjamin Best

 

Mittwoch, 26. März 2014, 22.03 Uhr SWR2

 

Große Sport-Events gelten wegen ihrer weltweiten Aufmerksamkeit als potentielle Anschlagsziele für Terroristen. Für die Sicherheit während der Fußball-WM 2014 investiert Brasiliens Regierung über 700 Millionen Euro. In Katar, dem Austragungsort der WM 2022, finanziert der Emir sogar ein Zentrum für Sport und Sicherheit, ICSS. Mit eingekauften Experten aus aller Welt berät die ICSS Veranstalter von Sport-Events in Sicherheitsfragen. Ein riesiger Markt ist entstanden. Auch private Firmen erstellen Gefahrenanalysen und arbeiten teilweise wie Geheimdienste. Doch ihre Arbeit ist umstritten. Experten sprechen von „Fake Security“ – von übertriebenen Bedrohungsszenarien, um die Kosten in die Höhe zu treiben.

 

Auf eigene Faust.
Die Boxfabrik von Buenos Aires

 

Von Jakob Weingartner

 

Freitag, 29. März 2014, 18.05 Uhr, DR Kultur

 

Ein Ausweg aus der Dauerkrise? Der junge, arbeitslose Federico trainiert in Buenos Aires für seinen ersten Boxkampf im Scheinwerferlicht.

 

In den verfallenen Lagerhallen unter den Gleisen des Bahnhofs Constitución in Buenos Aires schlagen arbeitslose Jugendliche auf schwere Sandsäcke ein. Sie eint die Hoffnung, irgendwann im Scheinwerferlicht zu stehen. Auch der 18-jährige Federico arbeitet unermüdlich daran, sich als siegreicher Faustkämpfer neu zu entwerfen. Mit seinem Box-Debüt soll sich alles ändern. Die müden Augen seines alten Trainers José haben schon Hunderte wie ihn gesehen. Das Boxen wird zum Sinnbild des Ringens mit der Dauerkrise.

Das Feature entstand aus dem Material einer Filmidee: „Boxeo Constitución“, Weingartners Kino-Debüt, wurde auf zahlreichen Festivals vorgestellt.

 

Hinter den Masken. Eine Reise in die Welt des japanischen Nô-Theaters

 

Von Isabelle Arcucci

 

Sonntag, 30. März 2014, 14.05 Uhr, SWR2

 

Starre Gesichter, eckige Bewegungen, jaulende Gesänge. Für westliche Besucher ist das japanische Nô-Theater bestenfalls ein Rätsel – und meistenfalls eine ästhetische Zumutung. Keine andere Theaterform verschließt sich derart dem Zugang des kulturfremden Laien. Kann ein Nicht-Japaner auch nur annähernd begreifen, was da hinter den holzgeschnitzten Masken geschieht? Isabella Arcucci ist es gelungen, indem sie selbst die Maske aufgesetzt hat. In einer studentischen Nô-Gruppe in Japan hat sie das Theater von innen kennengelernt, seine Kultur, seine Meister und seine Philosophie.

 

 

Radiotipps für die Woche vom 17. bis 23. März 2014

Ur-Geräusch. Eine Reise.

Von Waclaw und Jadwiga Stawny

Mittwoch, 19.3.2014, 00:05 Uhr, DR Kultur

Akustische Reise in das Bergdorf Soglio, wo Rainer Maria Rilke in seinen Aufzeichnungen ein „Ur-Geräusch“ imaginierte.

Beim Anblick der Kronennaht in einem menschlichen Schädel fühlte sich Rainer Maria Rilke an ein Experiment erinnert, das der Lehrer im Unterricht anstellte. Dieser erzeugte mit einer Membran, einer starken Borste und Kerzenwachs so etwas wie Schallplattenrillen. Und ähnlich sieht auch die Kronennaht aus. Wenn man ihr Töne entlocken könnte, dann hätte man vielleicht ein Ur-Geräusch.

Diese Gedanken schrieb Rilke 1919 in der italienischen Schweiz nieder, im Dorf Soglio, das die Autoren besucht haben. Wegen seiner Abgeschiedenheit mag es noch so klingen wie zu Rilkes Zeiten.

Das Modell von Érpatak
Wie ein rechtsextremer Bürgermeister Ungarn verändert

Von Keno Verseck

Mittwoch, 19. März 2014, 22.03 Uhr SWR2

Érpatak, ein winziges Dorf im äußersten Nordosten Ungarns, plattes Land, keine Sehenswürdigkeiten, war bis 2005 ziemlich bedeutungslos, bis Mihály Zoltán Orosz zum Bürgermeister gewählt wurde, ein bekennender Rechtsextremer, Ordnungsfanatiker, Antisemit und Romahasser. Er führte im Dorf das „Modell von Érpatak“ ein und etablierte es als verbindliches Wertemodell, dessen Regeln lauten: Ordnung, Arbeits- und Gemeinschaftssinn, nationale Brauchtumspflege. Wer die Regeln einhält, gehört zu den „Erbauern“, alle anderen sind „Zerstörer“, ihnen droht Ausgrenzung, sogar Vertreibung aus dem Dorf. Mit dem Modell hat der Bürgermeister seither in Ungarn Geschichte gemacht: Viele Gemeinden setzen es als Instrument zur Disziplinierung vor allem von Roma ein. Auch die Regierung von Viktor Orbán ließ sich davon inspirieren, als sie die gesetzliche Zwangsarbeit für Sozialhilfeempfänger einführte. Das Dorf wurde zu einem Ausgangspunkt für Ungarns autoritär-nationalistische Wende.

Wandlung
Das erste Amtsjahr von Papst Franziskus aus Sicht des Kirchenpflegers Stephan Alof

Von Franziska Storz und Rainer Schaller

Samstag, 22.März 2014, 13.05 Uhr, Bayern 2, Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Am 19. März 2014 feiert Jorge Mario Bergoglio seinen ersten Jahrestag als Papst Franziskus. Ein Mann, der im bescheidenen Gästehaus des Vatikans wohnt und im Hinblick auf die Flüchtlingstragödien im Mittelmeer die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ beklagt. Es herrscht ein anderer Ton in Rom, seit der Argentinier das Pontifikat übernommen hat. Die Musik ist die gleiche geblieben. Sexualmoral, Familienbild, Wiederverheiratung von Geschiedenen, an keinem Dogma, das die katholischen Laien von ihrer Kirche immer weiter abdrängt, wurde bisher wirklich gerüttelt. Doch nie war die Hoffnung größer, dass die katholische Kirche sich wieder mehr auf die Gläubigen zubewegt. So auch in der Münchener Gemeinde St. Maximilian.

Die neoromanische Kirche an der Isar ragt mächtig in den Himmel. In ihrem Schatten liegt das Glockenbachviertel, Heimat der Künstler und homosexuellen Szene sowie der neokonservativen Hipster-Familien, die gerne am Sonntag in lebendig-inszenierte Gottesdienste gehen (inklusive DJ und Bobby-Car-Weihe) und danach ums Eck auf eine traditionelle Weißwurst. Kirchenpfleger Stephan Alof ist – zumindest im katholischen Sinne – alles andere als ein Vorzeigeschaf. Er führt als Gastronom die Großmarktspelunke „Zur Gruam“ und eine Table-Dance Bar am Münchener Schlachthof. Aus seiner Homosexualität hat er nie ein Geheimnis gemacht. Gemeinsam mit dem progressiven Gemeindepfarrer Rainer Maria Schießler eckt er mal in Rom und mal im eigenen Gemeinderat an. Denn eine Frage eint die bunte, katholische Truppe, die „Menschenfischer vom Glockenbachviertel“, mit dem Papst: Wie viel Fortschritt verträgt die katholische Kirche? Ein Jahr lang haben wir die ungewöhnlichste Kirchengemeinde Münchens begleitet und u.a. Kirchenpfleger Alofs Fürbitten gesammelt – und forschen jetzt nach: Welchen Einfluss haben das Lächeln und die symbolhaften Gesten des Papstes Franziskus auf den Gemeindealltag? Haben sich die in den Papst gesetzten Hoffnungen erfüllt? Oder wird sich Papst Benedikt in die Schlange der enttarnten Hoffnungsträger einreihen müssen, gleich hinter Barack Obama?

„Da geriet ich in Furcht“ – Mächtige Begegnungen

Von Andrea Marggraf

Sonntag, 23. März 2014, 14.05 Uhr, SWR2

Wir sollten einmal die Masken abnehmen. Was würden wir sehen? Den Schafskopf, diesen uralten unverwüstlichen? Vielleicht. Schurke oder Engel, beides ist möglich. Die Weichen werden früh gestellt. Entscheidend ist letztlich, wer herrscht und wer wird beherrscht. So werden einige bereits als Direktor geboren, andere kommen zu Macht wie die Jungfrau zum Kinde. Sagen sie. Was macht den Mächtigen zum Mächtigen? Welche Mechanismen greifen auf dem Weg nach oben? Und was für eine Chance hat die Demokratie, diese Mechanismen zu durchbrechen? Eine Annäherung an ein Phänomen, das die Menschen seit Jahrtausenden beherrscht.

Dunkle Lage, keine Aussicht – wir kaufen trotzdem

Von Caroline Michel

Sonntag, 23. März 2014, 18:05 Uhr, hr2-Kultur

Für das„Traumhaus in Toplage“wurde schon vor zehn Jahren viel Geld hingeblättert. Mittlerweile aber werden in den citynahen Vierteln von München, Berlin und Köln selbst marode Dachböden zum Selbstausbau als „Rohdiamanten“ angeboten.

Und nach wenigen Tagen ist das Betongold verkauft. Lärm, unattraktive Lage, Baumängel … alles kein Problem mehr. Woher kommt die plötzlich aufkeimende Lust der Deutschen am Eigenheim? Liegt es wirklich an den niedrigen Kreditzinsen? An den Versprechungen, nur mit dem Kauf einer Immobilie könne man der drohenden Inflation trotzen und den Euro-Skeptikern, die den großen Zusammenbruch prophezeien, ein Schnippchen schlagen? Oder werden wir zu Zockern, die einfach darauf hoffen, dass sich die Preise noch einmal verdoppeln, wie in einigen Straßen in Berlin-Kreuzberg schon geschehen?

Shoppen in China
Afrikanische Händler in Guangzhou

Von Lorenz Rollhäuser

Sonntag, 23. März 2014, 18.05 Uhr, DR Kultur

Die Handelsachsen verschieben sich: Europa war gestern. Heute kaufen afrikanische Händler containerweise in China, sie leben dort in stetig wachsenden Kolonien.

Jules ist Kongolese. Seit 20 Jahren lebt er in Guangzhou und fühlt sich längst wie ein schwarzer Chinese. Nice dagegen will nicht in China leben. Sie fliegt nur viermal pro Jahr zum Einkaufen ein. Seit etwa zehn Jahren hat sich in der südchinesischen Industriemetropole eine stetig wachsende Kolonie afrikanischer Händler gebildet. Hinzu kommen Zigtausende Handelsreisende, die hin und her jetten, um containerweise Waren einzukaufen.

Denn es gibt hier alles, was in Afrika gebraucht wird: Baumaterialien und Autoersatzteile, Kleidung und Computer. Die Handelsreisenden sind aus dem Kongo, aus Mali oder Nigeria. Die einen werden reich, bei den anderen reicht es gerade zum Überleben. Doch in einem sind sie sich einig: China ist gut für sie und gut für Afrika.

Radiotipps für die Woche vom 10. bis 16. März 2014

Vom ewigen Augenblick der Stille

 

Annäherungen an ein Phänomen

Von Susanne Burkhardt und Robert Brammer

 

Mittwoch, 12.03.2014, 00:05 Uhr, DR Kultur

 

Was ist Stille? Und wann ist Stille? Stille als Voraussetzung von Musik, von Einsamkeit, von Kreativität, von Selbstfindung. Stille als Bestandteil von besonderen Augenblicken des Lebens, als Teil von Glück oder als Beginn von etwas Großem. Stille als eine Grenzerfahrung, Stille als Ausdruck für etwas, das nicht in Worte zu fassen ist. In ihrem Feature versammeln die Autoren Gespräche, Gedanken, akustische Reflexionen und Assoziationen zum Thema. 

 

96 Tage

Der Zentrale Runde Tisch im letzten Jahr der DDR

Von Barbara Felsmann

 

Sa, 15.03.2014, 18.05 Uhr, DR Kultur

 

Dezember 1989, die DDR im Umbruch. Am Zentralen Runden Tisch ringen die Bürgerbewegung und die SED um die Zukunft. Ein Rückblick.

 

„Es waren gut drei Monate einer intensiven Arbeit in bewegter und bewegender Zeit. Und wir haben in dieser Zeit nicht nur miteinander gearbeitet am Wandel zum Besseren, wir haben auch selbst Wandlungen durchgemacht.“ Mit diesen Worten schließt Oberkirchenrat Martin Ziegler am 12. März 1990 die letzte Sitzung des Zentralen Runden Tisches in der DDR. Von der Bürgerbewegung ins Leben gerufen, tagt er im Dezember 1989 zum ersten Mal. Die Lage ist ernst. Die Gefahr von blutigen Auseinandersetzungen groß. Es muss gehandelt werden.

 

In insgesamt 16 Sitzungen streiten Vertreter der Opposition sowie der „alten“ Parteien um demokratische Erneuerung in der DDR. Eine Erinnerung an diese bewegte und bewegende Zeit.

 

 

Stimme der Stimmlosen

Community Radios in Indonesien

Von Mandy Fox

 

Mittwoch, 12.03.2014, 22.03 Uhr, SWR2

 

Sie warnen vor Vulkanausbrüchen, gründen Schulen, machen auf Krankenversicherungen aufmerksam, organisieren Krankenbesuche, geben Tipps für die Ernte. Lokalradios sind in Indonesien ein unverzichtbares Kommunikationsmittel. Schließlich verteilt sich das Land auf über 17.000 Inseln. Gesendet wird aus Hinterzimmern oder von unterwegs, die Sender sind mobil. Gehört wird zu Hause, manche nehmen ihr Radio mit zur Arbeit aufs Feld und hängen es an ein Büffelhorn. Warum? Weil es das einzige Medium für Bildung und Information in den oft abgelegenen Siedlungen ist. Der Regierung sind sie allerdings häufig ein Dorn im Auge, weil sie zu selbstständig, zu selbstbewusst agieren. Dabei könnten sie die Demokratisierung des Landes vorantreiben.

 

Deutschland in Kleinanzeigen

Von Martina Schulte

 

Sonntag, 16.3., 14.05 Uhr, SWR2

 

Sie erscheinen täglich, auf schwarzen Brettern, an Laternenpfählen, im Internet, in überregionalen Blättern oder Stadtmagazinen: Annoncen, in denen Tod und Geburt verkündet, Arbeit und Glück gesucht, Karriere, Liebe, Erleuchtung und Zugehörigkeit verheißen wird. Ob demografischer Wandel oder Wertewandel, der Kleinanzeigenteil einer Zeitung verrät mehr über den sozialen und emotionalen Zustand des Landes als die Politik- und Wirtschaftsseiten. Die Autorin Martina Schulte ist den Geschichten hinter den Annoncen nachgegangen. Von Uelzen bis München, von Frankfurt/Oder bis Krefeld hat sie mit allein erziehenden Müttern, Sinn suchenden Jugendlichen, einsamen Managern, Schönheitschirurgen, einer Engelheilerin, einem Callboy und einem Hospiz-Clown gesprochen.

 

Brotlose Kunst – Das Hartz-IV Orchester

Von Inge Kurtz

 

Sonntag, 16. März 2014, 18:05 Uhr, hr2-kultur

 

Viele Kreative leben unterhalb der Armutsgrenze und sind auf staatliche Hilfe angewiesen, weil sie zu wenig mit ihrer Kunst verdienen oder kein Engagement mehr finden.

Wie sich das Leben mit Hartz-IV anfühlt, musste auch Manfred Hampel erfahren. Der ehemalige Innenarchitekt und leidenschaftliche Hobby-Musiker war vor Jahren in einer Holzproduktionsfirma beschäftigt, die pleiteging. „Gestern haben uns die Banken noch hofiert, einen Tag später haben dieselben Leute nicht mehr mit uns geredet“, erzählt der 55-Jährige.
Inzwischen hat er es geschafft, sich eine neue Karriere zu zimmern. Doch die Erinnerung blieb wach, und so gründete er im Jahre 2008 ein Projekt „Das Hartz-IV Orchester“, um arbeitslosen Künstlern zu mehr Selbstvertrauen und besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verhelfen. Innerhalb kürzester Zeit kamen 30 Mitglieder zusammen: Profis unter ihnen und Amateure. Hundert Auftritte hat das Ensemble bereits absolviert. Die meisten Musiker hoffen auf ein neues gut bezahltes Engagement, damit sie nicht mehr sagen müssen: Ich lebe von der Stütze.

 

 

 

Geschichte wird gemacht
Die Erfindung der ukrainischen Nation

Von Uli Hufen

 

Samstag, 15.03.2014, 13.05 Uhr, BR2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

 

Gehört die Ukraine zu Europa? Gehört sie zu Russland? Oder ist das Land hoffnungslos gespalten? Wenn über die Ukraine geredet wird, geht es früher oder später immer um diese Frage. Das war so, als die Ukraine unabhängig wurde, es war so zur Zeit der Orangenen Revolution 2004 und auch während der „Gaskriege“ mit Russland. Auch hinter dem fragwürdigen Referendum, bei dem die Bürger der Krim am 16. März 2014 über die Zugehörigkeit zu Russland oder zur Ukraine entscheiden sollen, steht letztlich diese Frage.
Doch hinter dem Streit um die politische Ausrichtung der Ukraine verbergen sich uralte Bruchlinien. Das Wort „Ukraine“ bedeutet Grenzland: Hier leben seit jeher Russen, Ukrainer, Polen und viele andere Völker zusammen, hier verläuft die Grenze zwischen Imperien und Religionen. Wie aber formt man aus einem sprichwörtlichen Grenzland einen modernen Nationalstaat? Uli Hufen ist durch die Ukraine gereist und spürt ihr nach: Der Erfindung der ukrainischen Nation.

 

Radiotipps für die Woche vom 3. bis 9. März 2014

Wirtschaft „You are not a loan!“ Oder: Kapitalismus als Schuldenökonomie

Von Barbara Eisenmann

Dienstag, 04.03.2014, 19:15 Uhr, DLF Feature

Als im September 2008 die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach, wurde der Gesamtwert aller Schulden weltweit mit 160 Billionen Dollar beziffert. Ein Wert, der das globale Bruttoinlandsprodukt um das Dreieinhalbfache überstieg.

Viele Ökonomen sehen in dieser gigantischen Schuldenexplosion bloß einen spekulativen Exzess und plädieren für die Regulierung des gegen die Realwirtschaft gerichteten aufgeblähten Finanzsektors und die Rückkehr zur Güter und Dienstleistungen produzierenden Wirtschaft. Kapitalismuskritische Theoretiker schauen sich dagegen an, inwiefern der Kapitalismus sich von Grund auf verändert hat, und analysieren seine neoliberale Phase als die einer Schuldenökonomie neuen Typs, in der die Finanz- mit der Realwirtschaft eng verzahnt ist.

Wie hat die Schuldner-Gläubiger-Beziehung das Feld des Wirtschaftlichen, aber auch das des Sozialen und Politischen transformiert?

Chronik einer blutigen Flucht. Der Fall Sandweg und Velte

Von Claus Lüpkes

Mittwoch 05.03.2014, 22.03 Uhr, SWR2 Feature

Die Geschichte hat sich tief ins Gedächtnis der Stadt Basel eingegraben, sorgte jahrelang für Gesprächsstoff und wurde zur Vorlage für Filme, Theaterinszenierungen und den Roman von Alex Capus „Fast ein bisschen Frühling“. Sie handelt von zwei jungen Deutschen aus Wuppertal, die 1933 eigentlich nur auf dem Landweg nach Indien reisen wollten, dann aber in Stuttgart bei einem Überfall einen Mann erschießen. Auf der Flucht aus Nazi-Deutschland stranden sie auf Umwegen in Basel, und bleiben dort der Liebe wegen. Nach einem weiteren Banküberfall und der anschließenden Großfahndung ziehen sie eine blutige Spur durchs Land, bevor sie sich in einem Park in Basel – eingekesselt von fast 200 Polizisten – im Januar 1934 gegenseitig die Kugel geben. Die Freunde werden 23 Jahre alt, acht Menschen haben sie innerhalb weniger Monate getötet.

Lebensgeschichten: Bleib bei mir, denn es will Abend werde

Lieben im Altenheim

Von Paula Schneider

Freitag, 07.03.2014, 20:10 Uhr DLF Feature

Alt sein ist schlimm, und am schlimmsten im Heim. So heißt es doch. Oma sagte noch mit 65: Bevor ich zu alt werde oder zu krank, bringe ich mich um. Sind Altenheime trübe, überfüllte Orte der Dumpfheit, der Einsamkeit? Traurige letzte Häuser? Möglich, doch auch: Häuser, in denen Menschen wohnen und mit ihnen gute und schlechte Gefühle.

Freundschaften entstehen, gelegentlich und mitunter sogar Liebe. Das Feature folgt ihr durch die hellen Flure eines Pflegeheims in Weimar. Es begegnet dabei fünf Paaren aus ganz Deutschland. Zweien, die ihre jahrzehntelang gewohnte Ehe nicht nur mit Krankheiten, sondern auch mit Heimregeln teilen müssen. Ist das einfacher, wenn einer der Partner noch in der alten Wohnung wohnt und täglich kommt?

Ein anderes Paar geht die letzten Lebensschritte plötzlich ganz getrennt. Und wenige Zimmer weiter trifft man dafür auf Herzen, die sich hier neu gefunden haben. Sanft und dement und über 90. Oder polternd, als „junge Wilde“.

So verschieden sie sind: Die Paare im Heim bieten sich Halt oder Schutz oder Nähe zwischen den vielen Einsamen. Und eine der traumverloren Liebenden ist meine Oma. Sie wohnt hier seit inzwischen drei Jahren.

Stanley Kubrick. Ein Leben für den Film

Von Rainer Praetorius

Samstag, 08.03.2014,  13:05 Uhr, Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr Bayern 2

„Ich habe Angst, Dave. …“
„Das hier bin ich, Alex, und meine drei Droogs.“
Zwei Sätze – und schon startet in vielen Köpfen das Kino des Regisseurs Stanley Kubrick. Der erste Satz stammt von einem Computer, der um sein Leben fürchtet. Die andere zitierte Filmfigur ist ein jugendlicher Schläger, der erst Täter und dann Opfer wird. Doch es sind nicht in erster Linie Dialoge und Sprache, die Kubricks Kinowelt ausmachen. Kaum einem anderen Regisseur ist es so oft gelungen Bild und Musik zu einer vollständigen Einheit zu verschmelzen. „2001 – Odyssee im Weltraum“ revolutionierte 1968 das Kino. Lediglich sieben Filme verschafften dem Regisseur einen festen Platz in der Ruhmeshalle des Films. Wie hat das System des Stanley Kubrick in der Praxis funktioniert? Autor Rainer Praetorius lässt in seinem Feature Menschen erzählen, die Kubrick sehr unterschiedlich nahe gekommen sind: u.a. Jan Harlan, 30 Jahre „ausführender Produzent“ von Stanley Kubrick, Edgar Reitz, deutscher Filmregisseur – den Kubrick bewunderte und der erstmals ausführlich von seiner Zusammenarbeit mit ihm erzählt und Sky du Mont, deutscher Schauspieler – er spielte eine lange Szene mit Nicole Kidman in „Eyes Wide Shut“, dem letzten Film von Stanley Kubrick.
Wohl einzigartige Privilegien gaben dem Regisseur die künstlerische Freiheit, die er für seine Meisterwerke benötigte. Ohne Zeitdruck und mit viel Liebe zum Detail arbeitete er Jahre an seinen Filmen. Denn selbst die Hollywood-Bosse erkannten: „Es macht keinen Sinn, einem solchen Perfektionisten reinzureden.“
Am 7. März 2014 jährt sich Kubricks Todestag (der im vergangenen Jahr 85 geworden wäre) zum 15. Mal – und immer noch gibt es – so wie in dieser intensiven Kubrick-Lehrstunde – Neues zu seiner Arbeitsweise zu entdecken.

Take a walk an the wild side.

Athen – eine Stadt zwischen Depression und Hoffnung

Von Barbara Spengler-Axiopoulos

Sonntag, 9.3.2014,  14.05 Uhr,  SWR2 Feature am Sonntag

Die Königin von Attika ist tief gefallen. Seit Beginn der Krise vor fünf Jahren gehören gewalttätige Proteste und Streiks zum Alltag der griechischen Hauptstadt. Über ein Drittel der Geschäfte der Athener Innenstadt stehen leer, ganze Straßenzüge sind verwüstet. Früher gut bürgerliche Viertel wurden zu No-Go-Areas und die Besitzer können ihre Immobilien nicht mehr verkaufen. Viele Viertel der einst toleranten und weltoffenen Stadt werden von Angst und Kriminalität beherrscht wie die Gegend um den Omoniaplatz. Die rechtsextreme Partei „Goldene Morgenröte“ jagt Migranten. Aber es gibt auch Zeichen der Hoffnung: Immer mehr Athener versuchen, durch Bürgerinitiativen und andere Aktivitäten das öffentliche Leben in der gequälten Metropole zu beeinflussen und die Lebensqualität zu verbessern.

 

 

 

Radiotipps für die Woche vom 24. Februar bis 2. März 2014

Fürsorgliche Gewalt

Ein Feature über die Abgründe häuslicher Pflege von Günter Beyer

Samstag, 22. 2. 2014, 13:05 Uhr, Bayern 2 und auf anderen Sendeplätzen

Jahrelang hat ein arbeitsloser Musiker seine fast blinde Mutter gepflegt. Dann erstickt er die 82-Jährige. Über Gewalt in Heimen reden alle – was aber geschieht in den eigenen vier Wänden? Die meisten pflegebedürftigen Alten werden in Deutschland zu Hause von Angehörigen versorgt. Dies ist erklärter Wille der Politik. Pflegen kann angeblich jeder, aber: Wer sich darauf einlässt, stößt rasch an seine Grenzen. Die Folge: Zu viele alte Menschen werden entmündigt oder ruhiggestellt. Wo endet Fürsorge, wo beginnt der Teufelskreis von Verzweiflung und Gewalt? Erkundungen in einer Grauzone.

Produktion Radio Bremen 2014. Eine Sendung aus der Reihe das ARD radiofeature. Dies ist ein Gemeinschaftsprojekt der ARD mit aufwändigen, investigativ-journalistischen Dokumentationen. Abseits der Nachrichtenflut nehmen sich renommierte Hörfunk-Autoren unter dem Motto „hören, was dahinter steckt“ den Raum, um Hintergründe und Zusammenhänge kritisch zu beleuchten – vom Internetbetrug bis zum Bankenskandal und vom Doping im Fußball bis zum internationalen Waffenhandel. Das ARD radiofeature wird auf verschiedenen Sendeplätzen der ARD-Radios gesendet und wird auch zum Download angeboten.

Kurzstrecke 23

Feature, Hörspiel, Klangkunst (Ursendung).
Zusammenstellung: Marcus Gammel, Barbara Gerland, Ingo Kottkamp

Dienstag, 24. 2. 2014, 00:05 Uhr, Deutschlandradio, Freispiel.

Jenseits des Genres und diesseits des Stundenformats. Deutschlandradio Kultur sucht neue Autorenproduktionen zwischen Feature, Hörspiel und Klangkunst. In der aktuellen Ausgabe der Kurzstrecke unter anderem:

Ich mach’s kurz: Berufstätig.Von Jan Frederik Vogt.
Annette ruft Heike an und fasst sich kurz – bis das Band voll ist.

Schiefe Türme. Von Gabi Schaffner.
Es lebe das Cut Up.

Was bleibt vom Schnitt. Von Etienne Roeder, Frédéric Alvernhe, Katja Helldorff und Cristian Forte.
Töne, Geräusche und Performances – nach dem Cut Up.

Außerdem: Neues aus der Wurfsendung mit Julia Tieke

Im Ohrenland des Krieges

Hörspiel von Inka Bach.

Dienstag, 25. 2. 2014, 19.20 Uhr, SWR 2

Juli 1918. Im normalen Leben ist Dr. Heinrich Fasshuber Privatdozent für Elektrotechnik an der TH Karlsruhe. Doch jetzt sitzt er im Unterstand an der Marne und lauscht. Mithilfe von akustischen Verstärkern horcht er die Geräusche unter der Erde ab. Er hört das Klopfen der Franzosen, die ihren Stollen unaufhaltsam vorwärts treiben. Sie sind nur noch 20 Meter entfernt, er kann schon hören, wie sie sich über das schlechte Essen beschweren. Bis auf zwölf Meter will er seinen Feind herankommen lassen. Und dann sprengen. Er muss nur die Nerven behalten und seinen Ohren trauen. Regie: Maria Ohmer

Der Todestag von Lenins Ehefrau Nadeschda Krupskaja

von Kerstin Hilt

Donnerstag, 27. 2. 2014, 17.45 Uhr, WDR 5, ZeitZeichen,

„Ich war Zeugin der größten Revolution in der Welt“, so sollte Nadeschda Krupskaja am Ende ihres Lebens ihre Rolle in der Oktoberrevolution 1917 beschreiben.

Untertrieben bis zur Selbstverleugnung war das: Denn ohne sie hätte Lenin es wohl kaum mit dem Regime des Zaren aufnehmen können.

Und das nicht, weil die Krupskaja eine flammende Kämpferin gewesen wäre, die keiner Barrikade, keiner Besetzung aus dem Weg ging. Genossen beschrieben sie eher als die „Seele der Partei“: bescheiden, ausgleichend – aber in Organisationsfragen unschlagbar. In der langen Zeit von Verbannung und Exil war sie es, die den Kontakt zu anderen Parteimitgliedern aufrechterhielt und so dafür sorgte, dass Lenins Bolschewiken jene straffe Kaderorganisation wurde, mit der er sich 1917 schließlich an die Macht putschte. Doch Nadeschda Krupskaja war mehr als die Frau an Lenins Seite.

DUNKELKAMMER

Die Krimi-Kolumne, von und mit Tobias Gohlis

Freitag, 28. 2. 2014, SWR 2
(Ausstrahlung in unregelmäßigen Abständen)

Freitag ist Krimi-Tag bei SWR2. Von heute, 22.2.2014, an läuft, direkt nach dem
Hörspielkrimi, die neue Krimi-Kolumne „Dunkelkammer“ mit Tobias Gohlis.
Gohlis zählt zu den führenden Krimi-Kritikern in Deutschland und ist
Begründer der KrimiZEIT-Bestenliste, die jeden Monat die zehn besten
Kriminalromane auswählt. Im Anschluss an unser SWR2-Kriminalhörspiel
erzählt er in seiner Kolumne „Dunkelkammer“ von Neuheiten auf dem
Krimi-Markt, spürt Trends auf, erzählt uns, was Häkelkrimis und
Psychopathen-Thriller verbindet, und verrät uns seine Vorlieben. Um
Abseitiges und Abgründiges geht es dabei ebenso wie um Grundsätzliches. Zum
Auftakt widmet sich Tobias Gohlis heute der zentralen Frage: Was macht
Kriminalliteratur spannend?

Die erste Ausgabe „Was macht Kriminalliteratur spannend?“ gibt es heute
abend im Radio und im Internet zum Herunterladen und Nachhören:
Seine Thesen entwickelt Gohlis am Beispiel eines Autors, der nun zum
sechsten Mal mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet worden ist:
Friedrich Ani.

Traumrollen

Hörspiel von Jean-Claude Kuner

Samstag, 1. 3. 2014, 20.05 Uhr, Deutschlandfunk

In „Traumrollen“, einer Koproduktion des Deutschlandfunks und des Hessischen Rundfunks, spielt der Autor und Regisseur Jean-Claude Kuner virtuos mit Realität und Fiktion. Dabei entsteht ein faszinierendes, tief berührendes Doppelporträt der Protagonisten zweier Stars, die durch ihre Arbeit im Film und auf der Bühne berühmt sind und die heute in einem Hamburger Seniorenheim leben: Nadja Tiller und Fritz Lichtenhahn.

Sie „spielen“ in dem Hörspiel quasi sich selbst – mit all ihren Erfahrungen und allem überwältigenden Charme. Das Stück im Stück handelt von der Einladung des Autors an die Künstler, für ihn Hauptrollen zu geben. Sie nehmen an und lassen die Hörer teilhaben an Gesprächen über berufliche Erfolge und erfüllte Träume, aber auch über ausgeschlagene Angebote und private Einschnitte wie den Tod der Partner. Zugleich weitet sich das Gespräch der beiden, das mit der Arbeit an Traumrollen wie in „Romeo und Julia“ konfrontiert wird, zu einer großen Reflexion über die Kraft des Lebens und den unersetzlichen Reichtum der Kunst. Ein wunderbares Denkmal für Nadja Tiller und Fritz Lichtenhahn, ein Glücksfall für das Radio und seine Hörer!“ (Aus der Begründung der Jury des Preises Hörspiel des Jahres 2013). Regie: Jean-Claude Kuner.

 

Radiotipps für die Woche vom 17. bis 23. Februar 2014

Die Zukunft der Zeitung

Von Dirk Asendorpf
Montag, 17.2.2014, 8.30 Uhr, SWR2 Wissen
Die Medienlandschaft ist im Umbruch: Zeitungsredaktionen werden zusammengelegt oder geschlossen, Journalisten in Billigfirmen abgeschoben oder entlassen, in den USA verfassen Textcomputer bereits Sport- und Wirtschaftsmeldungen. Besonders hart sind deutsche Lokalzeitungen betroffen. Über Jahrzehnte genossen sie eine Monopolstellung, jetzt geht ihnen das Anzeigengeschäft verloren und die Zahl treuer Abonnenten sinkt rapide. Gleichzeitig investieren die Verlage im Internet, Online-Medien beziehen nagelneue Redaktionsräume. Doch bisher fehlt ein funktionierendes Geschäftsmodell für seriösen Online-Journalismus.

Der Gang vor die Hunde. Die Urfassung von Erich Kästners Fabian

Lesung von Nico Holonics

Dienstag, 18.2.2014, 21.03 Uhr,  Bayern 2, radioTexte
Nächste Folgen: Dienstag, 25. Februar 2014, Dienstag, 4. März, Dienstag, 11. März, Dienstag, 18. März

2013 ist die Originalfassung des Fabian unter dem von Kästner vorgesehenen Titel Der Gang vor die Hunde erstmals als Buch erschienen. Der Roman über das brodelnde Berlin der Weimarer Republik wurde vor seinem Erscheinen gekürzt. Jetzt liegt er zum ersten Mal so vor, wie ihn Kästner 1931 geschrieben hat – unter dem Titel: „Der Gang vor die Hunde“, rekonstruiert und herausgegeben von Sven Hanuschek. Vollständige Lesung mit Nico Holonics – jetzt als Hörbuchausgabe.

Nico Holonics (*1983) spielt im Ensemble des Schauspiel Frankfurt. Seine Stimme wirkt jung, sensibel, verwandlungsfähig. Er liest (br.de) mit viel Nuancen und gleichzeitig einer gewissen Distanz, die zum Text passt.

Der Kauf

Hörspiel von Paul Plamper

Samstag, 22.2.2014, 15.05 Uhr, WDR 3

Im vergangenen November wurde das Stück „Der Kauf“ mit dem Deutschen Hörspielpreis der ARD ausgezeichnet. Die Jury: „Dass Plampers klar konstruierte Szenen so klingen wie das Leben selbst, liegt an der dramaturgischen wie technischen Raffinesse der Dialogführung – und nicht zuletzt an den großartigen Sprechern. (…) Effektvoll und situationskomisch handelt das exzellente Hörspiel von Glücksverlangen, Traumerfüllung und lange unterdrückten Macht- und Bemächtigungsphantasien. Entstanden ist eine Parabel über den Verrat der ökologischen Utopie an den ökonomischen Profit.“

„Der Kauf“ wurde im Frühsommer 2013 in mehreren Städten auch als Installation auf Stadtbrachen präsentiert. Zusammen mit dem Schauspiel Köln hatte WDR 3 das Stück als „begehbares Hörspiel“ auf einer Freifläche in Köln-Kalk aufgeführt.

Mit Sandra Hüller, Cristin König, Milan Peschel, Jan Henrik Stahlberg, Margarita Broich, Judith Engel, Peter Kurth u. a.
Regie: Paul Plamper
Produktion: WDR/BR/DLF/Schauspiel Köln 2013 (Kunstkopfstereophonie)/68
Redaktion: martina Müller-Wallraf

Radiotipps für die Woche vom 10. bis 16. Februar 2014

Traumspuren. Über Juliano Mer-Khamis und das Freedom Theatre in Jenin

Von Heike Brunkhorst und Roman Herzog (DLF/NDR/WDR 2014)

Montag, 10. Februar 2014, 19.15 Uhr, Deutschlandfunk, Das Feature

Am 4. April 2011 wurde der Schauspieler und Intendant des Freedom Theatre, Juliano Mer- Khamis, im Flüchtlingslager Jenin im Westjordanland erschossen. War es die Hamas oder doch der israelische Geheimdienst? Bis heute ist der Mord unaufgeklärt. Was machte den Menschen Mer-Khamis und seine Arbeit so gefährlich, dass er gleichermaßen gehasst und geliebt wurde und von beiden Seiten umgebracht worden sein könnte? Mer-Khamis hatte mit dem Freedom Theatre in Jenin eine professionelle Schauspielschule, einen Ort des kulturellen Lebens und der Freiheit für Jugendliche und Erwachsene, Männer und Frauen etabliert, inmitten einer Spirale aus Hoffnungslosigkeit und Gewalt. Als Sohn der Jüdin Arna Mer und des christlichen Arabers Saliba Khamis war Juliano dabei selbst die gelebte Unmöglichkeit, die keinen Unterschied kennt zwischen Araber und Jude. Sind mit dem Mord alle Träume des Freedom Theatre zerstoben?

Amusie. Wenn Musik zur Qual wird

Von Mark Hammer

Dienstag, 11. Februar 2014, 19.05 Uhr, Ö1

Für manche Menschen ist Musik nichts weiter als ein Rauschen. Bestenfalls. Denn für manche Menschen werden singende und summende Mitmenschen, Musik in Kaufhäusern und Filmen und die schönsten Werke der Musikgeschichte schlicht zur nervenaufreibenden Tortur. Wer unter Amusie leidet, kann das Wesen der Musik nicht erfassen. Tonhöhen, Intervalle, Klangfarbe, Harmonien und Rhythmen erschließen sich den Betroffenen nicht oder nur teilweise. Musik ist für sie so liebreizend wie das Geräusch eines Traktors. Der Klang einer Trompete kann für sie vollkommen gleich klingen wie jener eines Klaviers. Sie können keine Lieder nachsingen und auch nicht erkennen. Dieses neuronale Leiden kann angeboren sein oder erst später im Leben auftreten. Ist es angeboren, funktionieren bei den Betroffenen alle anderen Sinne uneingeschränkt. Amusie kann aber auch nach Schlaganfällen und anderen Gehirnschäden auftreten. Vielen betroffenen Menschen ist dann nicht nur die Musik verleidet, sondern sie haben auch Sprachprobleme. Denn zwischen Musik und Sprache besteht ein Zusammenhang: beide kommen nicht ohne Tonhöhen und Melodien aus.

Tuberkulose-Deals. Der neue Kampf gegen eine alte Krankheit Von Gaby Mayr

Mittwoch, 12. Februar 2014, 22.03 Uhr, SWR2 Feature (Produktion: DLF/SWR)

Die Schwindsucht schien besiegt, die Forschung für neue Tuberkulose- medikamente wurde eingestellt. Nun ist der Erreger wieder da, teils resis- tent gegen die Jahrzehnte alten Medikamente: in Asien, im südlichen Afrika, aber auch vor unserer Haustür in London und in den baltischen Staaten. Es wird auch wieder ge- forscht, aber zu wenig. Denn Tuber- kulose-Medikamente sind kein lukra- tiver Markt. Stiftungen versuchen, die pharmazeutische Industrie bei For- schungslaune zu halten. Im südlichen Afrika, einem Zentrum dieser Infek- tionen, sind Ärzte froh, wenn ihre Kranken an Tests neuer Medikamen- te teilnehmen können. Es gibt dort erste Ansätze, eigene Beiträge zur weltweiten Forschung zu leisten. Denn auch engagierte Forscher aus den Industrieländern vergessen wich- tige Aspekte bei der Medikamenten- entwicklung, weil sie sich einfach nicht vorstellen können, wie man zum Beispiel in “White City”, einer Armensiedlung in Swaziland, lebt.

Im Schutz der Dunkelheit. Eine Expedition im Darknet

Von Christian Schiffer

Samstag, 15. Februar 2014, 13:05 bis 14:00 Uhr, Bayern 2
(Wiederholung am Sonntag, 16. Februar, 21.05 Uhr)

Die meisten Menschen die das Internet benutzen, surfen durch das World Wide Web. Richtig anonym ist hier niemand, denn jeder User kann über die sogenannte „IP-Adresse“ seines Rechners identifiziert werden. Doch es gibt auch eine dunkle Seite des Netzes, das sogenannte „Darknet“. Hier ist jeder weitgehend anonym unterwegs, hier tummeln sich Hacker, Kriminelle und Freiheitskämpfer. Mythen und Legenden ranken sich um die Hidden Services: Drogen soll man hier kaufen können und Waffen, es soll möglich sein, Profikiller zu engagieren und Bombenanleitungen herunterzuladen. Es heißt, die dunkle Seite des Netzes sei ein zügelloser, ein gefährlicher, ein anarchistischer Ort. Doch das „Darknet“ ist auch Projektionsfläche für Sehnsucht: Hier ist das Netz noch frei, kein Geheimdienste schaut einem auf die Finger.
Das Radio-Feature des Bayerischen Rundfunks unternimmt – nach NSA-Skandal und aufflackernden Medienhype um das „Darknet“ – eine Expedition in diesen düsteren Teil des Netzes, den der normale User niemals zu Gesicht bekommen wird. Es ist die Entdeckungsreise in ein skurriles, verstörendes und abstoßendes Paradies. Wer nutzt das Deep Web und wer betreibt es? Wie funktioniert dieser Marktplatz der illegalen Güter, anonymen Händler und geheimen Informationen? Und kann der digitale Untergrund wirklich das Versprechen einlösen, die bedrohte Meinungsfreiheit und Privatsphäre im Netz zu wahren?

Die unverstandene Erschöpfung

Von Franziska Badenschier

Sonntag, 16. Februar 2014, 16.30 Uhr, Deutschlandfunk
(Wissenschaft im Brennpunkt)

Sie fühlen sich schlapp, beschreiben Symptome einer permanenten Grippe, die Muskeln schmerzen und auch der Kopf arbeitet nicht mehr richtig; manch einem ist selbst der Weg zum Briefkasten zu viel. Etwa 250.000 Menschen sollen in Deutschland am Chronischen Erschöpfungssyndrom CFS leiden. Was ihnen fehlt, versteht niemand so richtig.

Viele fühlen sich nicht ernst genommen. Ob eine Depression hinter ihren Symptomen steckt oder ob ihre unerträgliche Müdigkeit die Depression erst auslösen, ist manchmal schwer zu entscheiden, denn die Krankheit lässt sich nicht mit einem einfachen Test diagnostizieren. Hoffnung macht nun ein Wirkstoff, der eigentlich gegen Lymphdrüsen-Krebs eingesetzt wird: Rituximab. Ein Forscher aus Norwegen hat die Wirksamkeit bei CFS zufällig entdeckt, eine Patientin das Geld für eine klinische Studie organisiert.

Das Präparat, so viel ist inzwischen klar, wird nicht jedem helfen, vermutlich auch keine Wunder vollbringen. Doch die Geschichte hinter Rituximab erzählt eindrucksvoll, wie sehr die chronische Erschöpfung die Betroffenen belastet, wie verzweifelt sie auf eine Klärung ihrer Krankheit warten.

Radiotipps für die Woche vom 3. bis 9. Februar 2014

Jeder ist verdächtig!
Der Patriot Act


Von Martina Groß und Hanns-Christoph Koch


Mi, 05.02.2014 00.5-1.00 DR Kultur Feature

Die USA nach dem 11. September 2001: Neben der Angst vor neuen terroristischen Anschlägen gab es plötzlich die Angst vor der eigenen Regierung.
Mit dem Patriot Act schaffte diese sich weitreichende Befugnisse, um die eigene Bevölkerung zu überwachen. Von da an war jeder Bürger verdächtig. Vor dem Hintergrund der Veröffentlichungen Edward Snowdens scheinen sich die schlimmsten Befürchtungen von damals zu bestätigen.

Lobbyismus und Transzendenz
Die teure Trennung von Staat und Kirche

Von Pietro Scanzano

Sa, 08.02.2014 13.05-14.00 BR2 radioFeature

Im Grundgesetz ist die Trennung von Kirche und Staat festgeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung unterstützt der Staat die Kirchen in einem Umfang, der die Kirchensteuereinnahmen deutlich übersteigt. In der Praxis hat das Zusammenwirken von Staat und Kirchen zu vielfältigen Zuwendungen, Vergünstigungen und Subventionen erheblichen Ausmaßes geführt. Zahlreiche Gesetze, die Privilegien und Förderungen zugunsten der Kirchen enthalten, sind nach Meinung von kritischen Religionsverfassungsrechtlern mit dem Geist des Grundgesetzes nicht vereinbar. Im politischen Betrieb werden die Themen, wenn überhaupt, nur zögerlich angesprochen, obwohl ein Drittel der Bevölkerung konfessionsfrei ist – Tendenz steigend – , und viele Privilegien auch unter Kirchenmitgliedern umstritten sind.

Der König der Trinker und die trockene Nonne


Von Rainer Schildberger
Sa, 08.02.2014 18.05-19.00 DR Kultur Feature


Alkohol hat zwei Gesichter. Es ist ein Nervengift und zugleich das älteste Genussmittel überhaupt. Das Feature zeigt Menschen, die trinken können und solche, die es lassen müssen.
Das Trinken ist eine Gratwanderung. Im Rausch werden Berge versetzt, wird das Leben bunt und zügellos. Doch dann ist da der Absturz, die Peinlichkeit, das Danach und nicht zuletzt der Verlust an Gehirnzellen, Gesundheit und Sozialleben.
Wer die Promillegrenze dauerhaft überschreitet, säuft bald im Abseits. Wer sie allerdings noch nie ausgelotet hat, ist zu bedauern. Eine intime Erzählung vom ersten Schluck bis zum vorerst letzten Rausch.

Ich schwitze nie
Ein Feature über Sportcenter

Von Judith Kuckart 
So, 9.2.2014 14.05-15.00 SWR2 Feature am Sonntag


In den letzten zehn Jahren bin ich zu oft umgezogen und habe mich gleich im Sportcenter angemeldet, um am Ort anzukommen … Ich habe in Rom, Edenkoben, Los Angeles, Zürich und Calw, in Manhattan, Dresden Johannstadt, Meerbusch, Rantum, im Londoner East End, Berlin Charlottenburg und auch hinter dem Bahnhof von Paderborn versucht, in meinen neuen Nachbarn zu lesen, während ich mit ihnen gemeinsam schwitzte. Ich habe ein Sportcentertagebuch geführt. Ein jeder hat seine Überlebensstrategien: schreiben, putzen, sich sammeln, ordnen, versuchen, wieder anzufangen – Sport.

Der erste Weltkrieg – Die Urkatastrophe des 20. Jahrhundert (1)

Von Christian Blees/Frank Eckhardt

So, 09.02.2014 18.05-19.00 hr2-kultur | Feature

Als die Soldaten 1914 in den Krieg zogen dachten viele, sie seien nach ein paar Monaten wieder zu Hause. Doch die Kämpfe weiteten sich zum Weltkrieg aus.
Es folgten ungeheuerliche Gemetzel, die viele Millionen Menschen das Leben kosteten, Giftgaseinsätze, Hungerwinter und der Zusammenbruch der bisherigen europäischen Ordnung. Dieses Feature bietet einen umfassenden und länderumspannenden Überblick über militärische, politische und gesellschaftliche Hintergründe des Ersten Weltkrieges. Bekannte Wissenschaftler aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und den USA kommentieren das Geschehen aus heutiger Sicht. Historische Tondokumente von Kaiser Wilhelm II., Paul von Hindenburg, Großadmiral Alfred von Tirpitz, Philipp Scheidemann u. a. liefern authentische Einblicke in die Zeit. So entsteht ein lebendiges Geschichtspanorama auf der Höhe des aktuellen Forschungsstands.