Der Held vermeidet die Text-Bild-Schere

Warum fasziniert der Held der Steine auch dann, wenn man sich nicht für Noppen-, Klemm-, Lego-, BlueBrixx, BanBao und andere Steine interessiert? – Weil er vor der Kamera Dinge tut und dazu sagt, was er tut.

Das ist die einfachste Formel für einen guten Video-Vortrag. Sicher gibt es auch Influencerinnen und Hochschuldozenten, die das draufhaben. Aber mir sagt der Held der Steine zu, weil all seine nonverbalen Handlungen direkt mit dem zu tun haben, was er zu melden hat. Das ist das Prinzip:

Er schwafelt nicht über Packungen im Allgemeinen, während er die Lego-Packung in die Hand nimmt. Sondern er nimmt die Packug in die Hand und sagt dazu, dass er jetzt die Packung in die Hand nimmt. Er nennt nicht die Länge und Breite der BlueBrixx-Lok, sondern nimmt den Meterstab und misst Länge und Breite, und teil uns die mit, nichts anderes.

Damit vermeidet er die Text-Bild-Schere. Wir konzentrieren uns auf die Botschaft, und diese ist eine einfache Synthese von dem, was man hört, und von dem, was man sieht. Dazu braucht er nur eine Kamera und eine gleichbleibende Einstellung. Was sich bewegt, sind der Held und seine Requisiten. Das ist nicht langweilig. Das ist funktional.

Ja, das geht

Ja, das geht auch bei komplexeren Themen. Zum Beispiel, wenn man als Dozentin oder Dozent die Etymologie des Verbs klemmen bis ins Indoeuropäische zurückverfolgen muss. Dazu braucht man keine Plastikbausteine, aber eine Schreibunterlage (physisch oder digital). Man holt sie sich (den Block, auf dem man schreiben wird, wie z.B. Vera Birkenbihl) oder geht zu ihr hin (zum Flipchart oder zur Tafel wie Tibees). Und ob dies vor der Kamera ist oder im Hörsaal – entscheidend ist:

  • Du sagst nur, was du gerade tust: dass du zur Tafel gehst oder den Block in die Hand nimmst
  • Oder du schweigst ganz einfach, während du das tust.
  • Und wenn du etwas anschreibst, sagst du laut, was du anschreibst.
  • Und wenn du es kommentierst, wendest du dich von der Tafel ab, sprichst ins Publikum und tust nichts anders dabei (gestikulieren, auf der Fernbedienung tippen, die Nase putzen usw.)

Dan Fleisch erklärt, was Vektoren und Tensoren sind. Er macht es wie der Held der Steine mit seinen Kunstwerken. Er nimmt Vektoren und Tensoren in die Hand und spricht genau darüber und über nichts anderes. Natürlich verlangsamt dies die Lehre. Das Tempo wird so langsam, dass mitdenken kann und versteht.

Das ist nicht schlecht, Leute. Guckt den Helden der Steine. Guckt alte Videos von Vera Birkenbihl. Guckt Michio Kaku. Lasst euch Zeit, wenn ihr doziert. Tut eins ums andere. Und sagt dabei, was ihr tut. Ihr bringt dann weniger Information pro Zeiteinheit. Aber eure Studierenden/User/Kundn werden es euch danken.

Unruhe im Saal – katastrophal?

Oft fühlst du dich durch Unruhe im Saal gestört: Leute schwatzen oder jemand beschäftigt sich deutlich mit anderen Dingen. Aber Störungen im Vortrag sind keine Katastrophe. Wenn du dir einige Dinge vorher überlegt hast, geht alles leichter.

Der Dozent interveniert

Donald Sadoway unterrichtet am MIT ein Fach namens Festkörperchemie. Seine Einführungsvorlesungen werden im Internet hunderttausendfach angeklickt. Er hat die Gabe, anspruchsvolle Themen anschaulich zu machen, so dass zumindest der Einstieg leicht fällt.

Aber er hat auch etwas gegen Störungen. Am Anfang der Vorlesung Nummer 7 (knapp eine Minute nach Beginn der Aufzeichnung) unterbricht er sich plötzlich. Weiterlesen