Radiotipps für die Woche vom 10. bis 16. März 2014

Vom ewigen Augenblick der Stille

 

Annäherungen an ein Phänomen

Von Susanne Burkhardt und Robert Brammer

 

Mittwoch, 12.03.2014, 00:05 Uhr, DR Kultur

 

Was ist Stille? Und wann ist Stille? Stille als Voraussetzung von Musik, von Einsamkeit, von Kreativität, von Selbstfindung. Stille als Bestandteil von besonderen Augenblicken des Lebens, als Teil von Glück oder als Beginn von etwas Großem. Stille als eine Grenzerfahrung, Stille als Ausdruck für etwas, das nicht in Worte zu fassen ist. In ihrem Feature versammeln die Autoren Gespräche, Gedanken, akustische Reflexionen und Assoziationen zum Thema. 

 

96 Tage

Der Zentrale Runde Tisch im letzten Jahr der DDR

Von Barbara Felsmann

 

Sa, 15.03.2014, 18.05 Uhr, DR Kultur

 

Dezember 1989, die DDR im Umbruch. Am Zentralen Runden Tisch ringen die Bürgerbewegung und die SED um die Zukunft. Ein Rückblick.

 

„Es waren gut drei Monate einer intensiven Arbeit in bewegter und bewegender Zeit. Und wir haben in dieser Zeit nicht nur miteinander gearbeitet am Wandel zum Besseren, wir haben auch selbst Wandlungen durchgemacht.“ Mit diesen Worten schließt Oberkirchenrat Martin Ziegler am 12. März 1990 die letzte Sitzung des Zentralen Runden Tisches in der DDR. Von der Bürgerbewegung ins Leben gerufen, tagt er im Dezember 1989 zum ersten Mal. Die Lage ist ernst. Die Gefahr von blutigen Auseinandersetzungen groß. Es muss gehandelt werden.

 

In insgesamt 16 Sitzungen streiten Vertreter der Opposition sowie der „alten“ Parteien um demokratische Erneuerung in der DDR. Eine Erinnerung an diese bewegte und bewegende Zeit.

 

 

Stimme der Stimmlosen

Community Radios in Indonesien

Von Mandy Fox

 

Mittwoch, 12.03.2014, 22.03 Uhr, SWR2

 

Sie warnen vor Vulkanausbrüchen, gründen Schulen, machen auf Krankenversicherungen aufmerksam, organisieren Krankenbesuche, geben Tipps für die Ernte. Lokalradios sind in Indonesien ein unverzichtbares Kommunikationsmittel. Schließlich verteilt sich das Land auf über 17.000 Inseln. Gesendet wird aus Hinterzimmern oder von unterwegs, die Sender sind mobil. Gehört wird zu Hause, manche nehmen ihr Radio mit zur Arbeit aufs Feld und hängen es an ein Büffelhorn. Warum? Weil es das einzige Medium für Bildung und Information in den oft abgelegenen Siedlungen ist. Der Regierung sind sie allerdings häufig ein Dorn im Auge, weil sie zu selbstständig, zu selbstbewusst agieren. Dabei könnten sie die Demokratisierung des Landes vorantreiben.

 

Deutschland in Kleinanzeigen

Von Martina Schulte

 

Sonntag, 16.3., 14.05 Uhr, SWR2

 

Sie erscheinen täglich, auf schwarzen Brettern, an Laternenpfählen, im Internet, in überregionalen Blättern oder Stadtmagazinen: Annoncen, in denen Tod und Geburt verkündet, Arbeit und Glück gesucht, Karriere, Liebe, Erleuchtung und Zugehörigkeit verheißen wird. Ob demografischer Wandel oder Wertewandel, der Kleinanzeigenteil einer Zeitung verrät mehr über den sozialen und emotionalen Zustand des Landes als die Politik- und Wirtschaftsseiten. Die Autorin Martina Schulte ist den Geschichten hinter den Annoncen nachgegangen. Von Uelzen bis München, von Frankfurt/Oder bis Krefeld hat sie mit allein erziehenden Müttern, Sinn suchenden Jugendlichen, einsamen Managern, Schönheitschirurgen, einer Engelheilerin, einem Callboy und einem Hospiz-Clown gesprochen.

 

Brotlose Kunst – Das Hartz-IV Orchester

Von Inge Kurtz

 

Sonntag, 16. März 2014, 18:05 Uhr, hr2-kultur

 

Viele Kreative leben unterhalb der Armutsgrenze und sind auf staatliche Hilfe angewiesen, weil sie zu wenig mit ihrer Kunst verdienen oder kein Engagement mehr finden.

Wie sich das Leben mit Hartz-IV anfühlt, musste auch Manfred Hampel erfahren. Der ehemalige Innenarchitekt und leidenschaftliche Hobby-Musiker war vor Jahren in einer Holzproduktionsfirma beschäftigt, die pleiteging. „Gestern haben uns die Banken noch hofiert, einen Tag später haben dieselben Leute nicht mehr mit uns geredet“, erzählt der 55-Jährige.
Inzwischen hat er es geschafft, sich eine neue Karriere zu zimmern. Doch die Erinnerung blieb wach, und so gründete er im Jahre 2008 ein Projekt „Das Hartz-IV Orchester“, um arbeitslosen Künstlern zu mehr Selbstvertrauen und besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verhelfen. Innerhalb kürzester Zeit kamen 30 Mitglieder zusammen: Profis unter ihnen und Amateure. Hundert Auftritte hat das Ensemble bereits absolviert. Die meisten Musiker hoffen auf ein neues gut bezahltes Engagement, damit sie nicht mehr sagen müssen: Ich lebe von der Stütze.

 

 

 

Geschichte wird gemacht
Die Erfindung der ukrainischen Nation

Von Uli Hufen

 

Samstag, 15.03.2014, 13.05 Uhr, BR2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

 

Gehört die Ukraine zu Europa? Gehört sie zu Russland? Oder ist das Land hoffnungslos gespalten? Wenn über die Ukraine geredet wird, geht es früher oder später immer um diese Frage. Das war so, als die Ukraine unabhängig wurde, es war so zur Zeit der Orangenen Revolution 2004 und auch während der „Gaskriege“ mit Russland. Auch hinter dem fragwürdigen Referendum, bei dem die Bürger der Krim am 16. März 2014 über die Zugehörigkeit zu Russland oder zur Ukraine entscheiden sollen, steht letztlich diese Frage.
Doch hinter dem Streit um die politische Ausrichtung der Ukraine verbergen sich uralte Bruchlinien. Das Wort „Ukraine“ bedeutet Grenzland: Hier leben seit jeher Russen, Ukrainer, Polen und viele andere Völker zusammen, hier verläuft die Grenze zwischen Imperien und Religionen. Wie aber formt man aus einem sprichwörtlichen Grenzland einen modernen Nationalstaat? Uli Hufen ist durch die Ukraine gereist und spürt ihr nach: Der Erfindung der ukrainischen Nation.