Radiotipps für die Woche vom 3. bis 9. März 2014

Wirtschaft „You are not a loan!“ Oder: Kapitalismus als Schuldenökonomie

Von Barbara Eisenmann

Dienstag, 04.03.2014, 19:15 Uhr, DLF Feature

Als im September 2008 die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach, wurde der Gesamtwert aller Schulden weltweit mit 160 Billionen Dollar beziffert. Ein Wert, der das globale Bruttoinlandsprodukt um das Dreieinhalbfache überstieg.

Viele Ökonomen sehen in dieser gigantischen Schuldenexplosion bloß einen spekulativen Exzess und plädieren für die Regulierung des gegen die Realwirtschaft gerichteten aufgeblähten Finanzsektors und die Rückkehr zur Güter und Dienstleistungen produzierenden Wirtschaft. Kapitalismuskritische Theoretiker schauen sich dagegen an, inwiefern der Kapitalismus sich von Grund auf verändert hat, und analysieren seine neoliberale Phase als die einer Schuldenökonomie neuen Typs, in der die Finanz- mit der Realwirtschaft eng verzahnt ist.

Wie hat die Schuldner-Gläubiger-Beziehung das Feld des Wirtschaftlichen, aber auch das des Sozialen und Politischen transformiert?

Chronik einer blutigen Flucht. Der Fall Sandweg und Velte

Von Claus Lüpkes

Mittwoch 05.03.2014, 22.03 Uhr, SWR2 Feature

Die Geschichte hat sich tief ins Gedächtnis der Stadt Basel eingegraben, sorgte jahrelang für Gesprächsstoff und wurde zur Vorlage für Filme, Theaterinszenierungen und den Roman von Alex Capus „Fast ein bisschen Frühling“. Sie handelt von zwei jungen Deutschen aus Wuppertal, die 1933 eigentlich nur auf dem Landweg nach Indien reisen wollten, dann aber in Stuttgart bei einem Überfall einen Mann erschießen. Auf der Flucht aus Nazi-Deutschland stranden sie auf Umwegen in Basel, und bleiben dort der Liebe wegen. Nach einem weiteren Banküberfall und der anschließenden Großfahndung ziehen sie eine blutige Spur durchs Land, bevor sie sich in einem Park in Basel – eingekesselt von fast 200 Polizisten – im Januar 1934 gegenseitig die Kugel geben. Die Freunde werden 23 Jahre alt, acht Menschen haben sie innerhalb weniger Monate getötet.

Lebensgeschichten: Bleib bei mir, denn es will Abend werde

Lieben im Altenheim

Von Paula Schneider

Freitag, 07.03.2014, 20:10 Uhr DLF Feature

Alt sein ist schlimm, und am schlimmsten im Heim. So heißt es doch. Oma sagte noch mit 65: Bevor ich zu alt werde oder zu krank, bringe ich mich um. Sind Altenheime trübe, überfüllte Orte der Dumpfheit, der Einsamkeit? Traurige letzte Häuser? Möglich, doch auch: Häuser, in denen Menschen wohnen und mit ihnen gute und schlechte Gefühle.

Freundschaften entstehen, gelegentlich und mitunter sogar Liebe. Das Feature folgt ihr durch die hellen Flure eines Pflegeheims in Weimar. Es begegnet dabei fünf Paaren aus ganz Deutschland. Zweien, die ihre jahrzehntelang gewohnte Ehe nicht nur mit Krankheiten, sondern auch mit Heimregeln teilen müssen. Ist das einfacher, wenn einer der Partner noch in der alten Wohnung wohnt und täglich kommt?

Ein anderes Paar geht die letzten Lebensschritte plötzlich ganz getrennt. Und wenige Zimmer weiter trifft man dafür auf Herzen, die sich hier neu gefunden haben. Sanft und dement und über 90. Oder polternd, als „junge Wilde“.

So verschieden sie sind: Die Paare im Heim bieten sich Halt oder Schutz oder Nähe zwischen den vielen Einsamen. Und eine der traumverloren Liebenden ist meine Oma. Sie wohnt hier seit inzwischen drei Jahren.

Stanley Kubrick. Ein Leben für den Film

Von Rainer Praetorius

Samstag, 08.03.2014,  13:05 Uhr, Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr Bayern 2

„Ich habe Angst, Dave. …“
„Das hier bin ich, Alex, und meine drei Droogs.“
Zwei Sätze – und schon startet in vielen Köpfen das Kino des Regisseurs Stanley Kubrick. Der erste Satz stammt von einem Computer, der um sein Leben fürchtet. Die andere zitierte Filmfigur ist ein jugendlicher Schläger, der erst Täter und dann Opfer wird. Doch es sind nicht in erster Linie Dialoge und Sprache, die Kubricks Kinowelt ausmachen. Kaum einem anderen Regisseur ist es so oft gelungen Bild und Musik zu einer vollständigen Einheit zu verschmelzen. „2001 – Odyssee im Weltraum“ revolutionierte 1968 das Kino. Lediglich sieben Filme verschafften dem Regisseur einen festen Platz in der Ruhmeshalle des Films. Wie hat das System des Stanley Kubrick in der Praxis funktioniert? Autor Rainer Praetorius lässt in seinem Feature Menschen erzählen, die Kubrick sehr unterschiedlich nahe gekommen sind: u.a. Jan Harlan, 30 Jahre „ausführender Produzent“ von Stanley Kubrick, Edgar Reitz, deutscher Filmregisseur – den Kubrick bewunderte und der erstmals ausführlich von seiner Zusammenarbeit mit ihm erzählt und Sky du Mont, deutscher Schauspieler – er spielte eine lange Szene mit Nicole Kidman in „Eyes Wide Shut“, dem letzten Film von Stanley Kubrick.
Wohl einzigartige Privilegien gaben dem Regisseur die künstlerische Freiheit, die er für seine Meisterwerke benötigte. Ohne Zeitdruck und mit viel Liebe zum Detail arbeitete er Jahre an seinen Filmen. Denn selbst die Hollywood-Bosse erkannten: „Es macht keinen Sinn, einem solchen Perfektionisten reinzureden.“
Am 7. März 2014 jährt sich Kubricks Todestag (der im vergangenen Jahr 85 geworden wäre) zum 15. Mal – und immer noch gibt es – so wie in dieser intensiven Kubrick-Lehrstunde – Neues zu seiner Arbeitsweise zu entdecken.

Take a walk an the wild side.

Athen – eine Stadt zwischen Depression und Hoffnung

Von Barbara Spengler-Axiopoulos

Sonntag, 9.3.2014,  14.05 Uhr,  SWR2 Feature am Sonntag

Die Königin von Attika ist tief gefallen. Seit Beginn der Krise vor fünf Jahren gehören gewalttätige Proteste und Streiks zum Alltag der griechischen Hauptstadt. Über ein Drittel der Geschäfte der Athener Innenstadt stehen leer, ganze Straßenzüge sind verwüstet. Früher gut bürgerliche Viertel wurden zu No-Go-Areas und die Besitzer können ihre Immobilien nicht mehr verkaufen. Viele Viertel der einst toleranten und weltoffenen Stadt werden von Angst und Kriminalität beherrscht wie die Gegend um den Omoniaplatz. Die rechtsextreme Partei „Goldene Morgenröte“ jagt Migranten. Aber es gibt auch Zeichen der Hoffnung: Immer mehr Athener versuchen, durch Bürgerinitiativen und andere Aktivitäten das öffentliche Leben in der gequälten Metropole zu beeinflussen und die Lebensqualität zu verbessern.