Radiotipps für die Woche vom 15. bis 21. September 2014

Jack and Ellen

Von Mooj Zadie, Brendan Baker und Nick van der Kolk

Mittwoch, 17.09.2014, 0.05 Uhr, DR Kultur

Ellen war auf Geldsuche. Mit ihrem Job als „sandwich artist“ für eine Imbisskette war es in dieser Hinsicht nicht weit her. Also entschied sie sich für eine andere Tätigkeit – eine mit 30.000 Dollar Verdienst für ein paar Stunden Arbeit pro Woche. Dafür aber mit moralischen und emotionalen Konsequenzen.

„Jack and Ellen“ erhielt eine lobende Erwähnung beim Featurewettbewerb ›Third Coast International Audio Festival‹. Wir senden das Feature im amerikanischen Original mit kurzen Erläuterungen.

Abschied vom Dalai Lama
Die Zukunft des tibetischen Kampfes für Unabhängigkeit

Von Peter Meier-Hüsing

Mittwoch, 15.09.2014, 22.03 Uhr, SWR2

Vor zwei Jahren hat der Dalai Lama sich von seinen politischen Funktionen verabschiedet und konzentriert sich seither auf seine Rolle als religiöses Oberhaupt der tibetischen Buddhisten. Die erste Generation Tibeter, die im Exil geboren und aufgewachsen ist, kennt das unabhängige Tibet nur aus Filmen, Büchern und Erzählungen. Jetzt hat sie die führenden Positionen in der Exil-Community übernommen. Der kulturelle Graben zwischen Exil-Tibetern und denen, die unter chinesischer Herrschaft leben müssen, wächst. Die weiterhin völlig kompromisslose Haltung der chinesischen Führung in der Tibet-Frage führt zu Verzweiflung und Radikalisierung. Immer mehr jungen Exiltibetern erscheint der gewaltlose Weg des Dalai Lama überholt. Aber was ist die Alternative? Die tibetischen Exilgemeinden in aller Welt und die Tibeter auf chinesischem Hoheitsgebiet fragen sich, wie es nach dem Abschied des Dalai Lama weitergehen könnte.

Die andere Heimat?
Das Münchner Traditionslabel Trikont

Von Valerie Trebeljahr

Samstag, 20.09.2014, 13.05 Uhr, Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr, Bayern 2

Heimat ist wieder in, und zumindest der Süden Deutschlands braucht für diese Erkenntnis keine Nationalelf, sondern beweist nun schon seit Jahren: „Mia“ sind mehr als „mia“, und selbst ein bayerischer Heimatbegriff muss nicht von Lederhose, Parteibuch, und Volkstümelei geprägt sein, kann auch klare politische Statements beinhalten, beispielsweise gegen die Obrigkeit. Dass das andere, das anarchische aber auch hippe Bayern im Trend liegt, zeigt der internationale Erfolg von Bands wie LaBrassBanda vom Chiemsee oder die Renaissance der „Oiden Wiesn“ auf dem Oktoberfest. Eine Münchner Institution, die den aktuellen Heimat-Trend mitbefördert hat, von ihm profitiert, ihn aber auch kontinuierlich hinterfragt ist „Trikont“. „Damn, Trikont get me every time. How do these dudes keep getting it so right?“ schreibt der angesehene Musikjournalist Everett True 2007 in der New Yorker „Village Voice“: Rund 450 Veröffentlichungen zählt die Diskographie von Trikont: Hier findet sich finnischer Tango neben American Yodeling, Russendisko neben Rembetika, Karl Valentin neben Country-Legende Hank Williams. Eine große musikalische und kulturelle Bandbreite, die allerdings aus einer klaren politischen Linie resultiert. Und deren Wurzeln reichen weit zurück: Gegründet wurde Trikont 1967 als linksradikaler Verlag, als Teil der damals gerade beginnenden Außerparlamentarischen Opposition. Schon damals mit an Bord: Achim Bergmann, heute mit Eva Mair-Holmes Geschäftsführer von Trikont. Klarer Ansatz des Kleinunternehmens: Revolution. Man verlegte Che Guevara und Terrorist Bommi Baumann. Da Politik und Pop in den 60ern nah beieinander lagen, war es nur logisch, im Laufe der Jahre verstärkt Musik heraus zu bringen und damit ein größeres Publikum zu erreichen als mit ewigen Theoriediskussionen. Die Suche nach dem Anderen, dem Dagegen, dem Experiment nach ureigenen Kriterien, mit einer gehörigen Portion Dickschädel, ohne Angst vor Staat oder Trend, bestimmt bis heute die Arbeit. Ein Label, das mittlerweile international Anerkennung genießt, und immer wieder die Frage nach dem Wo und Wie von Heimat stellt.

Shopping is Coming Home

Von Susanne Franzmeyer und Jens Jarisch

Samstag, 20.09.2104, 18.05 Uhr, DR Kultur

„Shopping is Coming Home“ ist der Slogan des 64. Shopping-Centers, das gerade in Berlin entsteht. Der moderne Mensch kauft nicht nur, er arbeitet, speist und wohnt in einer eigens dafür konzipierten Konsumerlebniswelt.

Das Feature beschreibt die triste Gegenwart einer Stadt, in der Conceptioner mit multisensorischem Marketing Besucherströme von ›Endverwendern‹ durch gigantische Konsumwelten lenken und von sich sagen: „We design experience“. Und was erleben die Menschen, die hier tatsächlich wohnen? Wir folgen einem Betrachter auf seinem Weg durch die Stadt.

Rückkehr nach Knokke
Eine Erfahrung aus dritter Hand

Von Jochen Wobser und Oliver Kobold

Sonntag, 21.09.2014, 14.05 Uhr, SWR2

1984 macht der Künstler Martin Kippenberger eine Woche Urlaub im belgischen Seebad Knokke. Er schreibt auf, was er tut und erlebt (nicht viel) und übergibt seine Aufzeichnungen nach der Rückkehr der befreundeten Künstlerin Annette Grotkasten mit der Anweisung: alles in allen Details nachmachen. Aus dem Spiel mit der Wiederholung ergibt sich eine künstlerische Versuchsanordnung. Wie verändert der zweite Blick das selbst Erlebte? 30 Jahre später unternehmen Oliver Kobold und Jochen Wobser dieselbe Reise – nun als Erfahrung aus dritter Hand. Die Spurensuche führt auch zurück zu den ästhetischen Fragestellungen und Verwerfungen der 80er-Jahre, als sich die Künstlerin Annette Grotkasten zu ihrem eigenen Erstaunen in der Jugendzeitschrift „Bravo“ wiederfand – als gefeierte Lead-Sängerin der NDW-Band „Bärchen und die Milchbubis“.

Mit Saba in ein neues Leben – Bildungsstipendium für Migrantinnen

Von Christiane Kreiner

Sonntag, 14. 09.2014, 18:05 Uhr, HR2

Die Königin von Saba war eine starke Frau. Hamida, Shabana, Yergalem und die anderen Saba-Stipendiatinnen sind es auch. Sie sind vor vielen Jahren aus den unterschiedlichsten Gründen geflüchtet – beispielsweise aus Somalia, Afghanistan oder Eritrea.

Dass Shabana nun seit kurzem in Frankfurt an der Fachhochschule studiert, Yergalem ihren Realschulabschluss macht und Hamida ihre Ausbildung als Altenpflegerin begonnen hat, verdanken sie ihrem eigenen Durchhaltevermögen und „Saba“, einem Bildungsprogramm der Crespo-Foundation. Die Crespo-Foundation wurde gegründet von Ulrike Crespo, der Enkelin des Unternehmers und Mitbegründers der Wella AG Karl Ströher. Seit Beginn des Projektes im Jahr 2008 konnten mehr als 100 Frauen aus dem Rhein-Main-Gebiet gefördert werden. Die Autorin stellt Teilnehmerinnen vor, die ihren Bildungsabschluss schaffen und einen Beruf erlernen wollen, um hier ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Radio reflektiert

Mit Wolfram Wessels

Sonntag, 21.09.2014, 19.30 Uhr, SWR2

Es gibt eine Hörspiel-Spur, es gibt eine Feature-Spur, eine Internet-Spur, eine Diskurs-, Musik- und Soundspur und alle Spuren führen zum Radio, ins world wide web und wieder zurück. Mehrspur entwickelt das Internetprojekt DOKUBLOG weiter, reflektiert den Stand aktueller Mediendebatten und das laufende Programm, mischt die Spuren und stellt neue Zusammenhänge her. Hörspiel- und Feature-Kritiken treffen auf Debatten über die Bedeutung des Radios, auf Berichte über nationale und internationale Trends und auf DOKUBLOG-Features und -Hörspiele. Prominente Autoren diskutieren und arbeiten mit weniger bekannten zusammen: Jeder ist nicht nur Radio-Reporter und Audiokünstler, sondern auch Kommentator, Rezensent, Essayist und kann sich über die Seite www.swr2.de/dokublog beteiligen. Sie ist Archiv und Produktionsplattform zugleich.
www.swr2.de/dokublog ist bereits online, „MEHRSPUR. Radio reflektiert“ einmal monatlich.