Radiotipps für die Woche vom 11. bis 17. Juli 2016

Der sowjetische Dichter Wladimir Majakowski
Tod eines Optimisten

Von György Dalos und Andrea Dunai

Dienstag, 12.07.2016, 19:15 Uhr, DLF

Im April 1930 erschoss sich in seiner Moskauer Arbeitsstube der berühmteste sowjetische Lyriker seiner Zeit, der 37-jährige Wladimir Majakowski. In seinem Abschiedsbrief ließ er erahnen, dass der Grund seines Suizides eine missglückte Liebesbeziehung war.

In der Tat verliebte er sich nach mehreren stürmischen Affären kurz vor seinem Tod in eine junge Schauspielerin. Diese erwiderte seine Gefühle, konnte sich aber nicht für ein gemeinsames Leben entscheiden. Der tragische Fall erschütterte die sowjetische Öffentlichkeit tief.

Majakowski war ein Idol der Jugend und eine Ikone der künstlerischen Avantgarde, ein Kommunist, der in seinen Werken Lebensfreude und Optimismus ausstrahlte. Erst in den 90er-Jahren, als seine bis dahin tabuisierten Erinnerungen publiziert werden konnten, stellte sich heraus, welch tiefe schöpferische, politische und persönliche Krise Majakowski zu seinem verhängnisvollen Schritt bewegte.

Willkommen im Bootcamp Sexueller Aktivismus
Gute Liebhaber werden keine Attentäter

Von Mithu Sanyal

Mittwoch, 13.07.2016, 22:03 Uhr, SWR2

Sex als politische Bewegung. Das gab es schon einmal. Und der Slogan dazu lautete „Make Love Not War“. Der Frieden ist seitdem nicht sehr vorangekommen. Aber in Sachen Sex hat es erhebliche Fortschritte gegeben. Technisch ebenso wie gedanklich. Debatten und Diskussionen über sexuelle Identität und Selbstbestimmung, über erotische Präferenzen oder über Prostitution haben gezeigt, dass Sex keine private Angelegenheit ist, sondern eingebunden in politische und gesellschaftliche Systeme. Systeme, die sich durch Sex verändern lassen? Autorin Mithu Sanyal macht den praktischen Versuch und besucht ein dreitägiges Trainingslager mit verschiedensten Workshops von und für SexualaktivistInnen: Let‘ s do it …

Der Maler Sigmar Polke und sein filmisches Werk“
Sieht man ja, was es ist“

Von Beate Becker

Freitag, 15.07.2016, 20:10 Uhr, DLF

Als Maler nahm er Bilder auseinander, schuf transparente, mehrschichtige Gemälde. Er kreierte malerisch Räume, die völlig überladen, wie kollabiert wirkten. Bewegliche Bilder, die sich je nach Betrachterposition, Lichteinfall und Temperatur veränderten. Auf welche Weise haben sich bei Polke Film und Malerei gegenseitig infiziert und inspiriert?

Das Werk des Malers Sigmar Polke (1941 – 2010) ist von äußerster Unbestimmtheit. Rasterbilder, vergrößerte und abgemalte Fotografien, machten ihn in den 1960er-Jahren berühmt. Dass Polke gefilmt hat, ist weniger bekannt. Ob seinen Arbeitsalltag oder das Zusammentreffen mit Freunden, ob Reisen oder Großprojekte – in den 1970er-Jahren zum Beispiel experimentierte er auf einem Bauernhof im Rheinland und ging auf Weltreise – immer war die Kamera dabei.

International Radio Award der New York Festivals:
Silver Radio Award What we leave behind
Das Archiv des Jean-Luc Godard

Von Soundwalk Collective

Freitag, 15.07.2016, 00:05 Uhr, DLF

Jean-Luc Godards Vergangenheit ruht in tausenden von Pappkartons. Der Filmemacher hat sein gesamtes persönliches Archiv an einem unscheinbaren Ort in Frankreich eingelagert. Neben unzähligen Filmrollen und persönlichen Gegenständen schlummern dort auch Godards Tonbänder.

Das Soundwalk Collective erhielt 2014 Zugang zu diesem Archiv und eröffnet nun einen Blick hinter Godards akustische Kulissen: in minutiöser Kleinarbeit extrahierte das Trio die Tonaufnahmen vor und nach Godards Filmtakes. Regieanweisungen, die Atmosphäre am Set, Fehlstarts und neue Anläufe zeigen das Universum eines Perfektionisten und Phantasmagorikers.

„Übrigens ist es genau das/was ich im allgemeinen am Kino liebe/eine Sättigung herrlicher Zeichen/die im Licht/ihrer fehlenden Erklärung baden.“ (Godard)

Betreten auf eigene Gefahr
24 Stunden unterwegs in der virtuellen Realität

Von Christian Schiffer und Christian Alt

Samstag, 16.07.2016, 13:05 bis 14:00 Uhr
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Faszination und Schock, Neugier und Überforderung – die unterschiedlichsten Empfindungen liegen bei Erlebnisse in der Virtuellen Realität nah beieinander. Virtual Reality hält gerade Einzug in unseren Alltag, ist dabei unser Leben zu verändern. Gleich mehrere Virtual-Reality-Brillen kommen 2016 auf den Markt, Programmierer, Künstler und Gamedesigner überbieten sich mit unterhaltsamen, skurrilen und manchmal befremdlichen Anwendungen für die neue Technologie.
Was genau die neue Technik mit uns anstellen wird, ist noch nicht klar:
Enthusiasten träumen von fremden Welten und rauschhaften Erfahrungen, verstehen die „Virtual Reality“ geradezu als eine „Empathiemaschine“, die es Menschen erleichtert, sich besser in andere Menschen und Situationen hineinversetzen zu können.
Skeptiker erheben ethische und moralische Einwände. Sie haben Angst vor dem VR-Exit und befürchten, dass die Menschheit in der virtuellen Realität verroht und kollektiv aus dem „Real Life“ flüchtet.
Was also wird diese neue Welt aus Bit und Bytes mit sich bringen?
Wie süchtig macht die neue Technik? Und wie gefährlich ist es, die Brille länger zu tragen als empfohlen? Die Autoren wagen den Selbstversuch: 24 Stunden in der Virtual Reality. Nonstop.

Warum in Brasilien das Wasser knapp wird
Wer nicht zahlt, der trinkt nicht

Von Andreas Weiser

Samstag, 16.07.2016, 18:05 Uhr, DLF

Brasilien galt bislang als eines der wasserreichsten Länder der Welt. Etwa 70 Prozent seiner Stromversorgung bezieht es aus Wasserkraft. Doch 2014 und 2015 erlebte das Land dramatische Dürreperioden im bis dato so fruchtbaren Südosten des Landes.

Dem bevölkerungsreichen ökonomischen Zentrum Brasiliens drohte das Wasser auszugehen. Wo liegen die Ursachen und wie kommt es, dass die Verantwortlichen so träge reagieren?

Morgenland und Abendland

Von Jan Decker

Sonntag, 17.07.2016, 14:05 Uhr, SWR2

Friedrich Engels ist der Erfinder des Marxismus. Wilhelm Decker ist der Erfinder des Annähdruckknopfs – und der Urgroßvater von Jan Decker. „Ich gehe einem Familiengerücht nach, das sorgfältig von uns gehütet wird, das wir uns manchmal verschwörerisch zuraunen, das wir meistens aber verschweigen. Bei Feiern oder Sterbefällen wird es hervorgeholt und besichtigt. Meine Familie soll mit dem deutschen Philosophen Friedrich Engels verwandt sein. In einem akustischen Kammerspiel versammle ich meine Familienmitglieder zu einem Treffen um unseren fiktiven oder tatsächlichen Ahnherren Friedrich Engels. Es geht um eine neue Identität für die Deckers – und für die Stadt Wuppertal, die sich mit chronisch leeren Kassen neu erfinden muss.“