Homepage von Jürg Häusermann

Medienwissenschaft, Radio, Rhetorik, Hörbuch


Monday, July 19. 2010

Radiotipps für die Woche vom 19. bis 25. Juli 2010


Der Eiger
Der Berg, auf dem man niemals ankommt

Von Peter Jaeggi
Mo, 19.07.2010 | 10.05-10.30 | SWR2 Leben
Als Andreas Heckmair am 24. Juli 1938 auf dem Gipfel des Eigers ankommt, stürzt er beinahe die Südseite hinunter. Das wäre Pech gewesen. Immerhin war er vor 72 Jahren der erste Mensch, dem es gelang, die Eigernordwand zu durchklettern. Die Eigernordwand galt lange Zeit als unbegehbar. Anfang 2008 stellte der Schweizer Ueli Steck einen neuen Weltrekord an der 1800 Meter hohen Steilwand: Durchsteigung in 2 Stunden und 47 Minuten. Warum er das tat, darüber spricht er in dieser Sendung.

Ein Märchen aus Bangladesch
Mikrokredite gegen Armut

Von Gerhard Klas
Di, 20.07.2010 | 19.15-20.00 | DLF Feature
Gruppenbild mit Frauen, gekleidet in bunte Saris, glücklich lächelnd: Bilder solcher Selbsthilfegruppen von Kreditnehmerinnen schmücken die Werbeprospekte zahlreicher Nichtregierungsorganisationen und Investmentfonds für die sogenannten "Mikrokredite".
30 Millionen Kreditnehmerinnen gibt es allein in Bangladesch. Das ist ein Fünftel der Bevölkerung dieses von Armut, Analphabetentum und Naturkatastrophen geplagten Landes.
Die Idee, Armen in der sogenannten Dritten Welt mit Kleinkrediten zu helfen, sich eine eigene Existenz aufzubauen, entstand in den 80er-Jahren. Zwei Jahrzehnte später, im Jahr 2006, erhielt Muhammad Yunus aus Bangladesch und seine Grameen-Bank für Verdienste im Kampf gegen die Armut den Friedensnobelpreis. Unternehmensvorstände und Bankmanager applaudierten: Der Kapitalismus funktioniere also auch für die Ärmsten der Welt.
Aber in Bangladesch selbst sind Mikrokredite sehr umstritten. Dort traf der Autor vor allem auf Frauen und Männer, für die die Mikrokredite zu einer schweren Bürde geworden sind.

Von Menschen- und Seelenfressern
Kannibalische Neuigkeiten aus der Alten und der Neuen Welt

Von Andreas Weiser
Mi, 21.07.2010 | 00.05-1.00 | DR Kultur Feature
Kannibalismus gilt als das strengste Tabu der menschlichen Gemeinschaft. Wer es bricht, steht außerhalb der Gesellschaft oder ist Teil einer wilden Welt jenseits unserer Zivilisation. Aber stimmt unsere Vorstellung von der zivilisierten Welt? Andreas Weiser hat sich mit zwei Kulturwissenschaftlern und einem Medizinhistoriker auf eine Zeitreise begeben.
Zusammen mit Thomas Macho, Anna Bergmann von der Europa Universität Viadrina und Richard Sugg von der Durham University folgt er den Abenteuern des deutschen Söldners Hans Staden bei den brasilianischen Tupinamba-Indianern des 16. Jahrhunderts, erkundet den medizinischen Kannibalismus im Europa der frühen Neuzeit und fragt nach dem Umgang mit Tabus in der Hightech-Medizin der Gegenwart.

Bananen-Shake auf Island
Wie das Boomland auf den Hund kam

Von Hannelore Hippe
Fr, 24.07.2010 | 18.05-19.00 | DR Kultur Feature
Man kann die Geschichte des isländischen Dramas ganz kurz erzählen: 33 Isländer plündern ihr Land und machen sich aus dem Staub.
300 000 bleiben zurück mit Hypotheken, die sich verdoppeln, ohne Altersvorsorge, ohne Arbeit, da zwei Drittel aller Firmen vor dem Aus stehen und mit einer Währung, für die man sich nicht mehr viel kaufen kann. Dabei kam doch noch 2008 eine Studie der Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass Island das Land auf Erden sei, in dem es sich am besten leben lässt.
Die Autorin berichtet über die Hintergründe der Talfahrt ins Desaster und darüber, wie eine Handvoll Isländer mit Quark, Bratpfannen und Schneebällen endlich Neuwahlen erzwang.

Unter Saisonarbeitern
"Feldforschung" im Gemüseanbau

Von Arthur Dittlmann
Sa, 24.07.2010 | 14.05-15.00 | BR2 radioFeature
Die Krise macht's möglich: Polnische Saisonarbeiter strömen wieder auf die deutschen Erdbeer- und Gemüsefelder, um bei der Ernte zu helfen. In den letzten Jahren sind sie lieber nach England und Irland gegangen. Dort wurde besser bezahlt. Doch das Blatt hat sich gewendet, jetzt sind sie wieder mit Löhnen ab 5 Euro 70 für die Stunde Erdbeerpflücken, Feldsalatschneiden und Gelbe-Rüben-Waschen zufrieden. Und nehmen auch in Kauf, dass ihnen für Unterkunft, Verpflegung und Sozialabgaben noch mal kräftig was abgezogen wird. Manchen bleiben nach Schätzung der IG-Bau, der Gewerkschaft, die für sie zuständig ist, rund 2 Euro in der Stunde übrig. Ein Hungerlohn, und das bei körperlich sehr anstrengender Arbeit, oft unzureichenden Quartieren, desolaten hygienischen Zuständen. Die Gewerkschaft arbeitet darauf hin, ein Siegel für "faire Saisonarbeit" zu etablieren - bisher mit wenig Erfolg.
Alle Versuche, einheimische Langzeitarbeitslose in der Saisonarbeit zu beschäftigen, sind bisher fehlgeschlagen. "Am ersten Tag kommen sie, am zweiten Tag wissen sie alles besser, am dritten Tag sind sie krank", sagt ein Gemüseanbauer und freut sich, dass heuer endlich wieder genügend Polen und Rumänen zur Verfügung stehen.
Ist diese Arbeit tatsächlich so aufreibend? Was treibt die Menschen aus dem Osten zu uns, um hier diesen Knochenjob zu verrichten? Welches Bild haben sie von Deutschland? Was erträumen sie sich für ihr Leben? Warum nehmen sie diese Strapazen auf sich? Und: Wieso schaffen es hiesige Arbeitslose nicht, sich hier ihr tägliches Brot selbst zu verdienen?
Diese Fragen wollte Arthur Dittlmann beantworten - und deshalb ist er zur Hochsaison eine Woche selbst aufs Feld gegangen. Bei einem Gemüseanbauer im Nürnberger Knoblauchsland. Allein unter Saisonarbeitern, das Mikrophon war fast immer dabei.

macho ibérico – Galan und Gewalttäter
Neue Erkundungen zu einer alten Spezies

Von Rilo Chmielorz
So, 25.07.2010 | 14.05-15.00 | SWR2 Feature am Sonntag
Der iberische Macho erscheint auch heutzutage noch wie die Figur des Don José in der Oper "Carmen". Er verfällt in seiner Liebe einer blinden Eifersucht, und wenn und weil die Geliebte früher oder später einen anderen liebt, tötet er sie blind vor Zorn. Denn sie soll nur dem Macho allein gehören. Der attraktive spanische Galan, der gerne als starker Edelmann auftritt und es versteht, mit seinem erotischen Charme die Frauen zu verführen, entpuppt sich als unreife Persönlichkeit: macht- und kontrollbesessen kann er zum Gewalttäter werden.
Seit dem Wahlsieg der Sozialisten 2004 ist das Thema der machistischen Gewalt in Spanien in die öffentliche Diskussion gerückt. Alle sechs Tage stirbt eine Frau durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners. Die Spezies Macho Iberíco scheint in die Krise geraten zu sein: Viele landen im Knast, einige in Selbsthilfegruppen, andere in therapeutischen Programmen.










 

Friday, July 9. 2010

Radiotipps für die Woche vom 12. bis 18. Juli 2010


Crossing Lines, crossing Lives
Ein israelisch-palästinensisches Versöhnungsprojekt

Von Kai Adler
Di, 13.07.2010 | 19.15-20.00 | DLF Feature
Aufeinander zugehen ist oft der erste Schritt zur Versöhnung. Ein Schritt, den israelische und palästinensische Mütter wagen. Sie trauern um ihre getöteten Kinder - oder reden mit den Eltern des Täters.
"Ich bin die Mutter von David, jenem Jungen, der von Ihrem Sohn getötet wurde. Ich weiß, dass er ihn nicht aus persönlichen Gründen umgebracht hat. Hätte er ihn gekannt, ich bin mir sicher, er hätte ihn gemocht."
So beginnt die Israelin Robi Damelin ihren Brief an die Eltern des palästinensischen Scharfschützen, der ihr Kind erschossen hat.
"Als ich von der Festnahme Ihres Sohnes erfahren habe, habe ich in vielen schlaflosen Nächten überlegt, was ich nun tun könnte: Sollte ich versuchen, einen Weg der Versöhnung und Vergebung mit Ihnen zu finden?"
Robi Damelin versucht diesen Weg zu gehen und korrespondiert heute sogar mit dem Mörder ihres Sohnes. Auch der in Hebron geborene Palästinenser Khaled Abu-Awwad und der Israeli Boaz Kitaein, deren Kinder von der jeweils anderen Seite getötet wurden, kämpfen gemeinsam für Frieden, gegenseitige Anerkennung und Aussöhnung.

In den Sehnsuchtsmaschinen
Liebe via Internet

Von Rüdiger Offergeld
Mi, 14.07.2010 | 00.05-1.00 | DR Kultur Feature
Elf Millionen Singles leben in Deutschland. Die Hälfte davon ist in einer Partnerbörse im Internet registriert. Der Weg zur Liebe ist mit Mail und Maus schneller geworden. Tausende Single-Börsen, Dating-Portale, Partnervermittler und Seitensprung-Agenturen bieten online ihre Liebesdienste an. Das Angebot wächst.
Die Internetgeneration hat längst Liebe, Sex und Flirt auch in ihrem Medium entdeckt. Sie baut die Datenautobahnen zum Kontaktnetz aus. Der Rechner soll der romantischen Liebe auf die Sprünge helfen. Klappt das? Zwar kann man sich im Netz auch über Liebesschmerzen austauschen, doch am Ende hilft nur jemand, der einen fest in den Arm nimmt.

"The perfect storm"
Juarez, eine Stadt versinkt im Chaos

Von Arndt Peltner
Mi, 22.07.2010 | 22.05-23.00 | SWR2 Feature
Ciudad Juarez ist eine mexikanische Grenzstadt, gleich neben El Paso, Texas, USA. Eineinhalb Millionen Menschen wohnen hier. Noch vor wenigen Jahren war sie ein beliebtes Ausflugsziel und Partyzone für Amerikaner und Mexikaner gleichermaßen. Juarez war das Musterbeispiel einer funktionierenden "Global Economy", es herrschte Vollbeschäftigung, die Wirtschaft boomte und machte die Stadt zum Dreh- und Angelpunkt zwischen Nord- und Mittelamerika.
Das änderte sich schlagartig im Januar 2008, als zwei mexikanische Drogenkartelle einen offenen Krieg um die Transportwege in die USA eröffneten und für die Stadt "the perfect storm" losbrach. Nahezu 5500 Menschen hat er bisher das Leben gekostet und Ciudad Juarez zur gefährlichsten Stadt der Welt gemacht, noch vor Bagdad und Kabul. Brutale Gangs schalteten sich ein und beförderten den offenen Fall der Stadt ins Chaos. Die Arbeitslosigkeit stieg auf 25 Prozent, der Tourismus ist vollständig zusammen gebrochen, die Elite der Stadt hat das Weite gesucht. Und der Bürgermeister hofft, das Ruder rasch herumreißen zu können.

Die Genrebellen
Von armen Schweinen, aufmüpfigen Bauern

und mächtigen Großkonzernen
Von Matthias Fink
Sa, 17.07.2010 | 14.05-15.00 | Bayern 2 radioFeature
Das arme Schwein! Pro Jahr verlieren 50 Millionen ihr Leben durch Metzgers Hand. Allein in Deutschland. Die meisten von ihnen werden in industrieller Massentierhaltung hochgepeppt, von 0 auf 110 Kilogramm in sieben Monaten, bis aus dem niedlichen Ferkel eine fette Sau geworden ist. Aber fett sollte sie eigentlich nicht sein, nur so viel Fleischmasse wie möglich tragen. Mageres Fleisch. Dafür wird dann viel Chemie gebraucht. Und züchterische Erfahrung. Und seit neuestem soll auch gentechnisches Wissen nachhelfen.
Im Raum Schwäbisch Hall mochten ein paar Bauern da nicht mehr mitmachen. Sie hatten schon länger genug vom industriellen Einheitsschwein. Also haben sie sich daran gemacht, eine fast schon ausgestorbene Rasse wieder zu neuem Leben zu erwecken, das schwäbisch-hällische Landschwein, auch „Mohrenköpfle“ genannt, weil ein schwarzer Kopf auf dem fetten, wohlgeformten Leib sitzt.
Doch den schwäbischen Säuen drohte Ungemach. Gen-Sequenzen aus dem Erbgut von Schweinen sollten patentiert werden. Weil aber Schwein nun mal Schwein ist, wäre von einem solchen Patent auch das schwäbisch-hällische Landschwein betroffen. Dies wiederum wollten die Bauern aus dem Hohenlohischen nicht einfa

Die Yankees von Connecticut
Der kleine Staat Connecticut

Von Paul Stänner
So, 18.07.2010 | 14.05-15.00 | SWR2 Feature am Sonntag
Connecticut ist der drittkleinste Staat der USA, ohne den es die USA vielleicht nicht geben würde: 1639 wurde hier die erste Verfassung auf nordamerikanischem Boden geschrieben, der König von England verlor bald darauf eine Kolonie. Hier entstand die erste öffentliche Bibliothek und die legendäre Colt-Pistole, ohne die der Westen nicht wild geworden wäre. Noch andere Orte gilt es zu besuchen – Mystic Seaport, den romantischen Flecken an der See oder das Goodspeed Opera House, eine Holzoper am Fluss, oder die gigantische Spielhölle der Pequot-Indianer. Von Connecticut aus schickte Mark Twain, der vor 100 Jahren starb, den Yankee Hank Morgan 800 Jahre zurück an König Artus' Hof – das scheint ein guter Grund, sich die Connecticut Yankees von heute anzuschauen.

Doktrin und Poesie – Bertolt Brecht
Versuch zu einem Porträt

Ein Feature von Walter Jens
So, 18.07.2010 | 18.05-19.00 | hr2-kultur | Historische Porträts
In den folgenden acht Wochen rufen wir Porträts großer Autoren über bedeutende Menschen und in einem Fall einer Region in Erinnerung. hr2-kultur beginnt die historische Reihe aus den 50er und 60er Jahren mit einer Sendung des Tübinger Philologen Walter Jens.
Jens zeichnete im August 1956 und damit kurz nach dem Tod von Bertolt Brecht, ein eindrückliches Lebens- und Werkbild des einflussreichen deutschen Dramatikers und Lyrikers.












 

Monday, July 5. 2010

Radiotipps für die Woche vom 5. bis 11. Juli 2010


Ein alter Mann und seine Schuld
Der Prozess gegen John Demjanjuk

Von Tim Aßmann und Rainer Volk
Di, 06.07.2010 | 19.15-20.00 | DLF Feature
Seit November 2009 steht John Demjanjuk in München vor Gericht. Der gebürtige Ukrainer soll an der Ermordung von mindestens 27.900 Juden im Vernichtungslager Sobibor beteiligt gewesen sein.
Nach dem turbulenten Auftakt zeigen sich im Prozess zunehmend die Schwierigkeiten der Strafjustiz, 65 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, die Beteiligung eines "kleinen Rädchens" am Holocaust nachzuweisen und die Schuldfrage zu beantworten.
Entsprechend zäh verlaufen viele Verhandlungstage. Umso mehr Zeit bleibt den Beobachtern, die bizarren Aspekte des Geschehens wahrzunehmen: den teilnahmslos im Krankenbett liegenden Angeklagten, die provozierende Art des Wahlverteidigers, den nüchternen Umgang des Gerichts mit dem Grauen der Mordmaschinerie der Nazis und schließlich die Neugier von Zuhörern, die Eindrücke sammeln für ein Theaterstück.
Dass das Verfahren jenseits der Frage der konkreten Schuld des Angeklagten symbolische Relevanz hat, zeigen die Zeugenaussagen von Hinterbliebenen der Toten von Sobibor.

In welchem Zustand ich morgens die Milch hole
Oder: Wie es ist, den Ingeborg-Bachmann-Preis nicht zu gewinnen

Von Elisabeth Burchhardt
Mi, 07.07.2010 | 00.05-1.00 | DR Kultur Feature
In einem dreitägigen Lesemarathon tragen die Bewerberinnen und Bewerber ihre Texte öffentlich vor und werden von der Jury sofort beurteilt - oder verurteilt. Der Ingeborg-Bachmann-Preis ist eine der wichtigsten Auszeichnungen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Wer es schafft, der kann auf eine literarische Karriere hoffen. Und wer es nicht schafft?
Elisabeth Burchardt hat eine Kandidatin über ein Jahr lang begleitet: von der Nominierung über die Vorbereitung bis zum Wettbewerb und dessen Folgen: kein Preis, keine Einladung zu Lesungen, kein Interesse von Verlagen, keine Chance auf Öffentlichkeit. Am Ende muss sich die Autorin neu erfinden - aber als was?

Mehrspur. Das Feature mit dem Dokublog
Gerechtigkeit für ...!

Mit Wolfram Wessels
Mi, 07.07.2010 | 22.05-23.00| SWR2 Feature
Wir wollen wissen, für wen Sie Gerechtigkeit fordern: für Ihren Hund, für die Umwelt, für Sportler, für Straßenmusiker, Bettler, einen Arbeitslosen, einen schwer Arbeitenden, für ein misshandeltes Kind, für Opfer und Täter. Fordern Sie Gerechtigkeit für Ihre O-Töne, die bislang niemand hören wollte. Lauschen Sie dem Ungehörten, dem Übertönten, Totgeschwiegenen, auch den Misstönen einer schrillen Säge. Ist es gerecht, dass eine Oboe schöner klingt? Sprechen Sie mit den Benachteiligten und ungerecht Behandelten, befragen Sie Anwälte und Richter, Gutmenschen und Gerechtigkeits-Fanatiker. Zwischen Straßenlärm und Kaufhausmusik, zwischen Musik und akustischer Umweltverschmutzung suchen wir auch nach dem Sound der Gerechtigkeit. Nehmen Sie ihn auf und stellen ihn auf die Seite www.swr2.de/dokublog. Und was in der Sendung aufgenommen wird, wird wie immer angemessen honoriert.

Faust gegen Wilhelm Tell
Die Schweizer und die Deutschen im Clinch

Von Joseph Berlinger
Sa, 10.07.2010 | 13.05-14.00 | BR2 radioFeature
Die Beziehung ging lange gut. Man konnte fast von Liebe sprechen. Deutsche besuchten die Schweiz, bestiegen deren kleine und größere Gipfel und blickten beglückt und bewundernd ins Tal. Vom Gipfel nebenan hörten sie Heidi ein heimeliges Lied singen und auf halber Höhe sahen sie fleißige und kernige Bergbauern ihr Tagwerk vollbringen. Weiter unten, in den geschäftigen Städten, blinkten die glitzernden Fassaden der Bankhäuser. Darin ein und aus gingen nicht nur Schweizer Bürger, sondern auch viele deutsche Anwälte, Ärzte und Hochschulprofessoren, die sich zwischen Bodensee und Lago Maggiore wohlig niedergelassen hatten oder auch nur ihr Geld anlegen wollten.
Dann kam die große Weltfinanzkrise. Dieser folgten viele Krisengipfel und schließlich staatliche Rettungsaktionen. Als der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück forderte, die Schweiz wegen ihrer Finanzpraktiken auf die Schwarze Liste der OECD zu setzen, war dort die Empörung groß. Der von der Mehrheit der Deutschen befürwortete staatliche Ankauf einer privaten CD , auf der sich Daten deutscher Steuersünder in der Schweiz befinden, sorgte in der Schweiz für neue Aversionen. Das eidgenössische Bankgeheimnis wankt. Und ein patriotischer eidgenössischer Nationalrat droht deutschen Politikern mit direkter Vergeltung. Wilhelm Tell fordert Faust zum Duell. Tragisch für die Schweizer Rechte, dass beide, der Schweizer und der teutonische Titan, von deutschen Dichtern auf den Schild gehoben wurden. Folgt nun, nach dem Schweizer Minarettverbot, das Verbot von Schiller und Goethe? Oder war es eher ein Sturm im Wasserglas? Haben sich die Wogen geglättet? Joseph Berlinger erkundet die Lage, erforscht Ressentiments und Klischees, Vorurteile und die Realität des Zusammenlebens in den beiden Nachbarstaaten im vereinten Europa.

K wie Kairouan oder Der Nomade bin ich
Der israelische Bildhauer Dani Karavan

Von Aishe Malekshahi
So, 11.07.2010 | 14.05-15.00 | SWR2 Feature am Sonntag
Beton mitten in der israelischen Wüste. Das Negev-Monument ist ein Erinnerungsort für gefallene jüdische Kämpfer und eine Auftragsarbeit des Bildhauers Dani Karavan. Er sieht sich als "Schneider", arbeitet nur für vorher ausgehandelte Budgets und mit Material, das der Auftraggeber wünscht. Seine Auftragsarbeiten hat Karavan in den vergangenen Jahrzehnten auf der ganzen Welt hinterlassen: in Asien, Israel und Europa. An der spanisch-französischen Grenze, in Portbou, erinnert sein Environment "Passagen" an den Philosophen Walter Benjamin. In Berlin entsteht das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma.
Dani Karavan sieht sich als Nomade, er zieht von Projekt zu Projekt, geht los, kehrt zurück – um bald wieder weiter zu ziehen.

Nur die Bäume hatten Wurzeln - Die Italiener von Stadtallendorf
Von Conrad Lay
So, 11.07.2010 | 18.05-19.00 | hr2-kultur | Feature
Während der NS-Zeit beherbergen die ausgedehnten Wälder des mittelhessischen Stadtallendorf zwei der größten Sprengstoffwerke Europas. Nach Kriegsende ist Schluss mit der Waffenproduktion.
Statt Waffen werden nun Süßwaren hergestellt, statt Zwangsarbeitern arbeiten hier nun Gastarbeiter. Gastarbeiter aus Italien. Denn Ferrero, der größte Arbeitgeber am Ort, setzt beim Aufbau seines Werkes auf Mitarbeiter aus der Heimat. Ihre Geschichte erzählt Conrad Lay in diesem Feature.









 

Friday, June 25. 2010

Radiotipps für die Woche vom 28. Juni bis zum 4. Juli 2010


Last oder Lust am Erbe?
Vom Sinn und Unsinn des Weltkulturerbes

Von Hannelore Hippe
Di, 29.06.2010 | 19.15-20.00 | DLF Feature
Weltkulturerbe - welch ein Titel. Doch nicht jeder freut sich darüber. Denn die Auszeichnung der UNESCO bringt nicht nur Vorteile mit sich.
Der Hardanger Fjord im Westen Norwegens gehört zu den schönsten Landschaften Europas. Doch am Ende des Wassers beleidigt Odda, ein Standort aus der Hochzeit kapitalistischer Industrieproduktion, das Auge.
Ein antikes Zink- und Schmelzwerk dominiert die kleine Stadt. Als es dichtmacht, regiert die Arbeitslosigkeit auch hier. Da kommt die Rettung von der UNESCO: Die rostige Fabrik soll Weltkulturerbe werden. "Welch eine Chance!", sagen die einen, die anderen haben sich bereits ein hübscheres Leben ohne die industrielle Vergangenheit an der Fußgängerzone ausgemalt. Ab jetzt herrscht Krieg in Odda: Soll man stolz sein auf den hässlichen Schrott oder ist seine Entsorgung längst überfällig? Die Kluft bis zum Referendum geht durch alle Generationen und Schichten.
Das Ruhrgebiet gilt denen als Vorbild, die hier noch die Internationale am ersten Mai anstimmen. Dann kommt der Volksentscheid und bringt den Kulturerbegegnern eine Mehrheit von zwei Stimmen. Aber die Entscheidung ist das dennoch nicht.

Unrecht des Stärkeren
Arbeitgebermobbing mit Anwaltshilfe

Von Albrecht Kieser
Mi, 30.06.2010 | 22.05-23.00 | SWR2 Feature
"Den Kündigungsschutz durchbrechen" - mit diesem Versprechen werben bundesweit Anwaltskanzleien. "Nicht alles, was Recht ist", würden sie machen, so eine von ihnen wörtlich, sondern "Arbeitsrecht für Arbeitgeber." Solche Kanzleien bewegen sich hart am Rande der Legalität: Detektive werden in Unternehmen eingeschleust, um Gründe für die fristlose Kündigung eigentlich "unkündbarer" Arbeitnehmer zu konstruieren; befreundete Unternehmen werden beauftragt, unliebsame aber nicht kündbare Arbeitnehmer mit der Zahlung höherer Bezüge abzuwerben und ihnen die neue Stelle dann in der Probezeit zu kündigen, selbstbewusste Betriebsräte werden mit zahllosen Klagen und Kündigungen mürbe gemacht. Arbeitgeber-Mobbing nennt man das und es steht derzeit hoch im Kurs. Auf der Strecke bleiben gedemütigte Arbeitnehmer, eingeschüchterte Betriebsräte und Belegschaften - und ein beschädigtes Arbeitsrecht. Aber es gibt auch Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren!

Ein Schluck Chicha für die Pachamama
Bolivianische Dorfgeschichten

Von Judith Grümmer
Fr, 02.07.2010 | 20.10-21.00 | DLF Feature
Fünf Stricknadeln, "cinco palillos" und etwas Wolle öffnen Türen, lösen Zungen, ermöglichen Nähe ohne große Worte. Sieben Monate lebt und arbeitet die Autorin als Freiwillige in Bolivien, paukt die Sprache, entdeckt das Land und bekommt eine ungeahnte Aufgabe: Dorffrauen bitten sie, ihnen das Sockenstricken zu zeigen. Beim gemeinsamen Nadelspiel wird die Beobachterin zur Sammlerin bolivianischer Alltagsgeschichten.
Ein Jahr später hat der Fortschritt neue Straßen, Internet und Mobiltelefon in die abgelegenen Dörfer gebracht. Es wird investiert, gebaut und verbessert. Die Nachfahren der einstigen Sklaven beginnen die Zukunft Boliviens mit ihrem Wahlrecht, durch Schulbildung, Eigeninitiative und Kreativität zu gestalten.
Zukunftsprojekte, wie das mit gestrickten Strümpfen Minijobs zu entwickeln, gibt es viele. Für ihr Gelingen bitten die Dorfältesten in uralten Ritualen mit Kokablätter und Chicha aus vergorenem Mais um die Gunst von Pachamama. Denn die Mutter der Erde bleibt auch in Internetalter die Beschützerin vieler Bolivianer.

Je höher der Zaun, desto besser der Nachbar – Begegnungen in Srebrenica
Von Karla Krause
So, 04.07.2010 | 18.05-19.00 | hr2-kultur | Feature
15 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica reist Karla Krause in den Ort. In mehreren Episoden erzählt die Autorin von Menschen, die einen neuen Anfang suchen.
Sie berichtet von Aufbauarbeit, Alltagsbewältigung, schmerzhaften Erinnerungen und dem Warten auf Gerechtigkeit. Der Krieg ist vorbei. Aber in vielen Seelen, so ihr Fazit, hinterlässt er noch immer tiefe Wunden.



 

Friday, June 25. 2010

Radiotipps für die Woche vom 21. bis 27. Juni 2010


Last Minute
Beschleunigte Zeit - rasender Stillstand

Von Helmut Kopetzky
Mi, 23.06.2010 | 00.05-1.00 | DR Kultur Feature
Das 21. Jahrhundert hat Beschleunigung und "Wachstum" zum Credo des Einzelnen und Daseinszweck der Menschheit erhoben. Dieser akustische Essay mit Reportage-Elementen untersucht die Entwicklungskurve der räumlichen und mentalen Fortbewegung von der "langsamen" Bildungs- und Entdeckungsreise bis zu den Endzeit-Absurditäten heutiger Menschenverschickung.
Auskunft geben Touristen, ein Philosoph, ein Flugbegleiter, der Erfinder der Last-Minute-Reisen, Reisebüro-Kaufleute, eine Feldenkrais-Therapeutin, Globetrotter, Schriftsteller und andere. Die Sendung enthält Ton-Dokumente aus der Geschichte der Fortbewegung bis zum erzwungenen Stillstand im Stau.

Das Geheimnis des Waffenschiffes "Faina"
Von Rainer Kahrs
Mi, 23.06.2010 | 23.05-24.00 | SWR2 Feature | das ARD radiofeature
Als der ukrainische Frachter "Faina" im Februar 2009 in den Hafen von Mombasa einlief, standen die Seeleute regungslos an der Reling. Vier Monate lang waren sie von somalischen Piraten in Geiselhaft gehalten worden. Dreieinhalb Millionen Dollar hatte ein ukrainischer Oligarch den Piraten gezahlt. Das Bargeld wurde an einer geheimen Stelle von einem Flugzeug ins Meer vor Somalia geworfen. Lösegeld vom reichsten ukrainischen Bürger für die Mannschaft eines Schiffes, das dem stellvertretenden Verkehrsminister der Ukraine gehört. Die Hintergründe der mysteriösen Zahlung wurden pikanterweise von den Piraten aufgedeckt: An Bord hatten sich 33 ukrainische Panzer, 90 Tonnen Kalaschnikows, Raketen und israelische Elektronik befunden, bestimmt für ein Krisengebiet in Afrika. Ein illegales Waffenschiff war enttarnt. Und eine Spur führt nach Deutschland.

Capitalism Reloaded
Oder "Sag mir wo mein' Groschen sind"

Von Nicole Paulsen
Sa, 26.06.2010 | 18.05-19.00 | DR Kultur Feature
Am 15. September 2008 trugen New Yorker Investmentbanker die Reste ihrer Brokerexistenz in braunen Pappkartons aus dem Lehman-Brothers-Gebäude am Times Square. Das Werbedisplay an der Hausfassade wurde inzwischen umprogrammiert von Lehman Brothers auf Barclays Capital, den neuen Eigentümer. Business as usual?
Während die Nachmieter schon wieder Reichtum versprechen, kämpfen die Volkswirtschaften weltweit noch immer mit den Folgen der Finanzkrise. Die Lehman-Pleite war sicher der Auslöser der Krise. Aber was war die Ursache? Eine der etwa 40.000 Lehman-Geschädigten in Deutschland geht der Frage nach. Ein Spiel zwischen Fakten und Fiktion.

Hemingways Insel
Von Lorenz Schröter
So, 27.06.2010 | 14.05-15.00 | SWR2 Feature am Sonntag
Der eine war Schriftsteller. Der andere war Staatsgründer. 1965, vier Jahre nach dem Tod von Ernest Hemingway, warf sein Bruder Leicester einen alten Automotor 15 Kilometer vor Jamaica in die Karibik, befestigte ein Floß daran und erklärte die schwimmende Insel zum Staat "New Atlantis". Er ernannte sich selbst zum Präsidenten, führte eine eigene Währung ein, ließ Briefmarken drucken und plante den Ausbau des 30-Quadratmeter winzigen künstlichen Eilands zu einem Zentrum für Meeresforschung – bis ein Sturm den Staat wegfegte. Sechs Einwohner hatte "New Atlantis": Neben Leicester Hemingway und seiner Frau Doris deren Töchter Hilary und Anne und Julia Cellini und Edward K. Moss. Moss war CIA-Agent, Julia Cellini die Schwester eines Mafia-Boss. Sollte das Floß eine Beobachtungsstation in der Nähe von Fidel Castros Kuba sein? Oder ein Zufluchtsort für die Betreiber von Spielcasinos auf den Bahamas? Oder war es einfach ein völlig verrückter Traum? Lorenz Schröter hat die letzten Atlantis-Bewohner Hilary und Anne Hemingway besucht und sich die Geschichte ihres Vaters und seiner Insel erzählen lassen. Und nicht nur die ...


 

Thursday, May 27. 2010

Radiotipps für die Woche vom 31. Mai bis 6. Juni 2010


"Ich muss unbedingt eine Deutsche werden - hat Mama gesagt"
Eine Biografie zwischen Polen und Deutschland

Von Gerit von Leitner
Di, 01.06.2010 | 19.15-20.00 | DLF Feature
"Ein Polenbengel? Das ist nichts für dich, mein Kind, du bist doch etwas besseres, oder? ... Diese ganze polnische Wirtschaft überall, die müssten erstmal eine ordentliche, eine deutsche Regierung bekommen." Doch das Kind mochte die Menschen, die seine Mutter, die Tanten und die in den Westen geflohenen Verwandten als 'Zerstörer deutscher Kultur' beschimpften. Es lernte, Tabus zu brechen und seiner eigenen Wahrnehmung zu trauen.
Als Erwachsene, 1974, beteiligte sich Britta Wuttke dann anonym an einem Literaturwettbewerb zum Thema "30 Jahre polnisches Pommern". Tagsüber arbeitete sie als Ärztin, nachts schrieb sie wie besessen über ihr Aufwachsen als Deutsche in Polen. Die "Wojwodschaft Szczecin" wollte mit diesem Wettbewerb umgesiedelte Polen ansprechen und keine Deutschen, die nach dem Krieg geblieben waren. Doch Britta Wuttkes Buch wurde berühmt - in Polen.

London Calling
Im Geräuschnetz einer Stadt

Von Gaby Hartel und Uta Kornmeier
Mi, 02.06.2010 | 00.05-1.00 | DR Kultur Feature
Dass Städte niemals schlafen, ist bekannt. Je größer und unübersichtlicher, desto vielstimmiger das Dröhnen und Tönen der Megacities. Doch unbemerkt wird der Stadtraum akustisch homogenisiert und verödet. So auch in London.
Seit 2003 arbeitet darum in der dortigen Stadtregierung ein "Referent für Klang": Max Dixon lauscht in die Stadt: Wie klingt Asphalt, wie Stein? Darf und soll man gestalterisch eingreifen und die urbane Geräuschhülle verändern? Auch Künstler, Flaneure und andere Bewohner versuchen, sich den Stadtklang neu anzueignen.

Fenster zur Welt
Second Life - Per Teleport durchs virtuelle Universum
Von Egon Koch
Mi, 02.06.2010 | 22.10-23.15 | SWR2 Feature
Jeder kann sich seinen Avatar erschaffen und abtauchen in ein zweites Leben, das dem ersten verblüffend gleicht. Alles, was man im wirklichen Leben machen kann, ist auch in der dreidimensionalen Internetplattform Second Life möglich. Nach dem Hype 2007 und dem Absturz nach einigen pornografischen Skandalen setzt die in Kalifornien ansässige Betreiberfirma Linden Lab heute mit Erfolg auf Seriosität und Kreativität.
Weltweit sind im Durchschnitt etwa 88.000 Mitglieder gleichzeitig online. Die deutsche Community hat etwas über 70.000 Benutzer. Die virtuelle Landmasse von Second Life ist so groß wie die Fläche des realen Bundeslandes Sachsen.
Wirtschaftsunternehmen, Universitäten, Sprachinstitute, auch Parteien und Politiker sind in dieser zweiten Welt vertreten und nutzen sie zur Selbstdarstellung, zur Wissensvermittlung und zur innerbetrieblichen Kommunikation. Die reale Welt der Wähler, Studenten und Geschäftspartner ist nur einen Mausklick entfernt.
Das Fenster in die Zukunft des Internets und die Tür zum Universum der Gefühle stehen weit offen, aber die Tür zum Kosmos der Körperlichkeit ist und bleibt versperrt.

Wehrmachtsjacke und weiße Weste
D-Day-Kämpfe heute

Von Paula Schneider
Fr, 04.06.2010 | 20.10-21.00 | DLF Feature
In Zelten schlafen, Regenwache halten. Waffe putzen, keine Krähen schießen! Warten ... ein Einsatz ganz woanders. Herumkommandiert werden, abends Schulung. Soldat sein ist heute auch nicht einfach. Trotzdem machen Leute wie B, Bundeswehroffizier, nach Feierabend weiter. Ein Soldat, der Krieg spielt! Nicht jeder versteht das. Dabei will B's Gruppe wirklich gut spielen. - Historisch präzise, bildend. Politisch korrekt.
Andere Anhänger nachgestellter Schlachten finden es spießig, Hakenkreuze an Ärmeln abzukleben. Der Meinungskampf zwischen jenen, die sich in schneidig schwarzen SS-Jacken zum Spaß gruseln, und B's Kriegsspielern mit den weißen Westen kann hart eskalieren.
Auch in der Normandie will man gut sein. Hat die Nase voll von Sauf- und Knarrencampern, die spätestens seit der US-Erfolgsserie "Band of Brothers" zu jedem Jahrestag der Alliierten Invasion die Küste stürmten. So hat man eine Charta aufgesetzt, streng nicht nur gegen nazideutsche Uniformen. Das so beliebte "D-Day-Reenactment", egal ob lehrbuchgerecht oder bierselig, scheint damit am Originalschauplatz endgültig vorbei zu sein.

Geld wird Grün
Kalifornien versucht das Unmögliche: Energiesparen ohne Verzicht

Von Walter Tauber
Sa, 05.06.2010 | 14.05-15.00 | BR2 radioFeature
Kalifornien war schon immer verlockend: 1848 stürmten die Menschen auf der Suche nach Gold an die Pazifik-Küste Amerikas. Später wurde Hollywood zur Glitzerhauptstadt der Welt. In den 1960er Jahren machten die Blumenkinder San Francisco zum Mekka der Hippies. Dann wurde Silicon Valley das Informatik-Zentrum des Planeten. “Wir sind eben etwas Besonderes“, versichert ein Banker ganz ungeniert. Denn heute versucht der US Staat am Pazifik, der alleine die 8. Wirtschaftsmacht der Welt wäre, das scheinbar Unmögliche. Anstelle von Konsumverzicht und “downsizing” investiert Kalifornien “grüne” Gelder in innovative Technologie, um den Klimakollaps zu stoppen. Hotels und Bürohochhäuser drosseln den Energieverbrauch, die ersten elektrischen Sportwagen flitzen über die Autobahnen, und immer mehr Effizienz-Regeln drücken in jedem Haushalt die Stromrechnung. Sonnenkollektoren auf den Dächern, oder auch nur weiße Farbe, um die Klimaanlagen zu entlasten – alles ist hier einen Versuch wert. „Deutschland ist uns zwar in vielen Sachen voraus“, gesteht ein Financier aus Silicon Valley, „aber in Amerika sind wir weit an der Spitze“. Bald auch weltweit? Mit Optimismus und Energie glauben viele Kalifornier der Welt zeigen zu können, wo der Weg in die nachhaltig überlebensfähige Gesellschaft liegt.











 
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