Radiotipps für die Woche vom 21. bis 27. Juli 2014

Bis die Hunde uns finden
Reiseberichte von illegalen Grenzüberschreitungen

Von Eberhard Petschinka und Herbert Lauermann

Mittwoch, 23. Juli 2014, 00.05, DR Kultur

Auch im Februar 2014 stürmten wieder 200 Afrikaner den Zaun bei spanischen Exklave Melilla, der Europa von Afrika trennt. Sie erreichten das gelobte Land, Tausende andere bezahlen für ihren Traum mit dem Leben.

Die meisten aber werden gefasst und zurückgeschickt. Dramatische Geschichten ereignen sich auch an der österreichisch-tschechischen Grenze, an den französischen und italienischen Küsten. Viele Menschen riskieren ihr Leben, meist haben sie alles verkauft, um die Schlepper bezahlen zu können. Drei Migranten erzählen drei ›Reisegeschichten‹, die einer Odyssee quer durch Kontinente, Bürokratien-Dschungel und Warteräume gleichen.

Den Hals nicht vollkriegen
Eine akustische Maßregelung in zwölf Bildern

Von Thomas Palzer

Samstag, 26. Juli 2014, 13.05 Uhr, BR2

Gier, Unersättlichkeit und Wachstumswahn scheinen die Gegenwart zu dominieren – zusammen mit dem Gegenteil: dem Neid und der Magersucht. Die Finanzmärkte sind entfesselt, Großprojekte laufen aus dem Ruder, Big Data füttert Allmachtsphantasien. Während Wirtschaft, Forschung und Fortschritt ständig dabei sind, Grenzen zu überschreiten und das für gut zu heißen, bedeutet Mäßigung, die eigenen Grenzen anzuerkennen.
Immer mehr Menschen werden immer ärmer und stehen einer kleinen Schicht gegenüber, die ihrerseits immer reicher wird. Aber wozu ist Reichtum gut? Und wie viel ist genug? Ist ein Leben, das sich selbst genügt, ein gutes Leben? Wann ist das menschliche Maß wieder im Gleichgewicht.
Heute wird alles gemessen: das Glück; das Gewicht des Universums; die Tiefe des Schlafes; die Geschwindigkeit beim Joggen und die Streckenlänge, die man gelaufen ist; die Zeit, die man pro Woche am Computer verbringt; der Puls; der Feinstaubgehalt in der Luft; das Gewicht der Bakterien die unseren Darm besiedeln; usw. Und obwohl alles gemessen wird, haben wir immer öfter den Eindruck, dass das richtige Maß verloren gegangen ist. Aber was ist das richtige Maß? Und was bedeutet es, wenn einst gesagt worden ist, der Mensch sei das Maß aller Dinge? Hat die Maßlosigkeit ihre Wurzel nicht in der menschlichen Natur?
In diesem Feature halten wir uns streng an Aristoteles und sammeln wie dieser Meinungen. Und zwar an dem Ort, an dem wir leben, in unserer unmittelbarer Umgebung. Ethos heißt nämlich: Aufenthalt, Ort des Wohnens. Wir befragen Menschen, die mit Maß und Maßlosigkeit täglich konfrontiert sind; einen Mann, der mit Kondomen reich geworden ist und heute viel in Kunst und Bildung investiert – und eine Postbotin, die Post an reiche und arme Haushalte austeilt. Ein Taxifahrer, der den Mauerkircher-Stand bevorzugt, zwei Blumenbinderinnen, eine Service-Kraft u.a.
Wann ist nach Meinung all dieser Menschen das Maß voll? Wann ist es genug?
Und wann wäre es notwendig, dass wir uns mäßigen?

Brauch ich!
Das Messie-Syndrom

Von Dorothea Massmann

Samstag, 26. Juli 2014, 18.05 Uhr, DR Kultur

Zugemüllte Wohnungen, verdreckte Küchen, Berge schmutziger Kleidung, Batterien leerer Flaschen – das sind die Fernsehbilder, mit denen Messies gerne vorgeführt werden. Doch solche Extremfälle sind nur die Spitze des Eisbergs. Wo hört das Sammeln auf und wo fängt das Horten an? Wann wird das Horten zur Sucht – und wer sind die Süchtigen?

Drei Messies haben sich getraut und Feature-Autorin Dorothea Massmann in ihre Wohnung gelassen. Und während Schriftsteller Jens Sparschuh empathisches Verständnis für Sammelwütige zeigt, steht die Autorin fassungslos vor der tragischen Hinterlassenschaft einer Unbekannten.

Der Erste Weltkrieg-Ortung
Vermessung eines Militärstandorts

Von Kathrina Edinger und Eduard Stürmer

Sonntag, 27. Juli 2014, 14.05 Uhr , SWR2

Stetten am kalten Markt im Landkreis Sigmaringen auf der Schwäbischen Alb. 3500 Einwohner und ein Truppenübungsplatz: der Heuberg. Seit 100 Jahren ist das Militär für die Ortsbewohner Nachbar, Arbeitgeber und Kundschaft. 1914 sind es badische Truppeneinheiten, ab 1933 SA, Wehrmacht und SS. Auch ein KZ befindet sich auf dem Areal. Nach 1945 übernehmen französische Truppen das Gelände, heute ist der Heuberg einer der wichtigsten Standorte der Bundeswehr. Der Ort lebt mit dem Militär. Und er lebt vom Militär. Vergangenheitsbewältigung oder Geschichtsaufarbeitung finden kaum statt. Obwohl es Dokumente, Archive und Zeitzeugen gibt. Und Hobbyhistoriker – halb Betroffene, halb Beobachter. Wer ist man? Wo steht man? Worauf gründet man? Beim Versuch, sich selbst zu verorten, werden die Identitäts-Grenzen unscharf. “Ortung” unternimmt den Versuch einer Positionsbestimmung – zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

 

Ernst Jünger im Gespräch mit Julien Hervier

Sonntag, 27. Juli 2014, 18:05 Uhr, hr2-kultur: Die historische Aufnahme

 

In den folgenden Wochen wiederholt der HR in seinem Sommerprogramm ausgewählte Gespräche aus der Reihe “Der Dialog”, die im Hessischen Rundfunk in den 1970er und 1980er Jahren aufgenommen wurden.

Die Reihe beginnt einem Gespräch zwischen dem Schriftsteller Ernst Jünger, der 1895 in Heidelberg geboren wurde und 1998 starb. Jünger, der sich in seinen frühen Werken deutlich gegen die Weimarer Republik ausgesprochen hatte, wurde nicht nur durch Essays und phantastische Romane bekannt, sondern vor allem durch seine Kriegstagebücher “In Stahlgewittern”. In diesem Gespräch mit Julien Hervier, Professor für Komparatistik und Übersetzer und Herausgeber vieler Werke Ernst Jüngers ins Französische, erzählt Ernst Jünger aus seinem Leben.

 

Radiotipps für die Woche vom 14. bis 20. Juli 2014

Haut-Nah
Schnitt/Stelle/Körper/Seele

Von Ursula Rütten

Mittwoch, 16.6.2014, 0.05 Uhr, DR Kultur

Viel Hand wird an die Haut gelegt als Hülle zwischen Innen und Außen. Es regieren Nadel, Klinge, Laser, Farbe, Silikon und Geld. Längst sind Manipulationen am Körper nicht nur rituelle Praktiken von Stammeskulturen und gesellschaftlichen Außenseitern. Auch in unserer Gesellschaft wollen viele mittels schmerzhafter Veränderungen am eigenen Körper ihr Selbst optimieren.

Moderne Primitive? Verstörte Seelen? Suchen sie den ultimativen Kick im Reich der Sinne? Die Haut als Hauptdarsteller dieser Sendung horcht nach innen und außen, hin- und hergerissen zwischen Tattoo-Studios, Body-Modification und Modediktat.

Kreuzberg von oben.
Ein Versuch über Geld und Moral

Von Lorenz Rollhäuser

Mittwoch, 16.7.2014, 22.03, SWR2

Er lebte bis dahin eher bescheiden. Um Geld ging es ihm nicht. Doch dann erbte er. Obwohl er Erben eigentlich immer ungerecht fand. Er kaufte sich eine große Wohnung. Nun schaut er auf seinen Kiez herab, den sich immer weniger Menschen leisten können. Und er stellt sich Fragen: Wer bin ich jetzt? Auf welcher Seite stehe ich? Darf ich mein unverdientes Privileg einfach genießen? Oder schulde ich etwas? Er sucht Antworten und findet neue Fragen.
Das Feature wurde auf dem 1. Dokumentarfestival Karlsruhe, DokKa als beste Hördokumentation ausgezeichnet

Nach Hause telefonieren.
Call-Shop Stories

Von Martina Schulte und Andreas Becker

Samstag, 19.7.2014, 18.05 Uhr, DR Kultur

“My business is Heimweh”, sagt Melku. Der Äthiopier hat einen Telefonladen: Empfangstheke, Kühlschrank und Spielautomat, Internet-Terminals und sechs Telefonkabinen – Albanien 35 Cent, Kuba 80 Cent die Minute.

Melkus Kunden sind selten Deutsche, meist Zugewanderte und nicht alle besitzen gültige Papiere. Die Telefonkabinen sind der direkte Draht in die Heimat: Liebesgeflüster, Geldgeschäfte, Treueschwüre.

Die Autoren haben über Monate hinweg das Vertrauen der regelmäßigen Call-Shop-Besucher gewonnen und durften ihre Telefongespräche aufzeichnen.

 

This is not a love song
Die Geschichte von Nora Forster und Ari Up

Von Lorenz Schröter

Samstag, 19.7.2014, 13.05 Uhr, BR2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Eine betörend schöne, blonde, junge Deutsche inmitten der brodelnden Londoner Clubszene der 70er Jahre. Vertraute von Jimi Hendrix, Freundin des Gitarristen und ersten Sex Pistols-Produzenten Chris Spedding, spätere Mrs. John Lydon, frühe Förderin von Punk-Musikern, darunter Joe Strummer. Er gibt ihrer Tochter, Ariane Gitarren-Unterricht. Als Ari Up wird diese später zur legendären Sängerin der Punk-Reggae-Band „The Slits“. Doch wie kam Nora Forster, die Tochter eines schwerreichen und erzkonservativen Zeitungsbesitzers aus Schwaben, elegante Marlene-Dietrich-Erscheinung, in die Mitte des damaligen Musik-Geschehens? Wie wurde sie zur femme fatal der Punk-Szene und warum entwickelte sie sich zur rätselumwobenen Sphinx?
Lorenz Schröter begibt sich auf die Spuren dieser ungewöhnlichen Frau und trifft zwischen Stuttgart und Kingston auf ehemalige Punk-Musiker, Rechtsanwälte in Berlin, obskure Schlagerstars in Bielefeld, noch mehr berühmte Punk-Musikerinnen und zwei Rasta-Zwillinge – deren Stief-Großvater Jonny Rotten kommt übrigens nur am Rande vor. Und die Protagonistin selbst? Sie schweigt. Meist.

Das schönste Kino der Welt.
Der größte Traum des Abraham Tuschinski

Von Lou Brouwers

Sonntag, 20.7.2014, 14.05 Uhr, SWR2

Der 17-jährige Abram Tuszynski entflieht wie viele polnische Juden zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Pogromstimmung und dem langen Arm von Zar Nikolaus II. Er träumt davon, in Amerika ein neues Leben als Schneider anzufangen. In Rotterdam muss er einige Wochen auf ein Schiff warten und entdeckt in der Stadt eine Attraktion: die bewegte Fotografie. Also bleibt er, nennt sich fortan Abraham Tuschinski und steigt ins Kinogeschäft ein. 1921 eröffnet er in Amsterdam einen wahren Tempel der Cinematografie: das Theater Tuschinski. Bis zu seiner Deportation nach Auschwitz zeigt Tuschinski alle wichtigen Kinofilme seiner Zeit. Der Kinopalast existiert noch heute: das schönste Kino der Welt.

Stauffenberg – eine deutsche Biographie

Von Michael Marek

Sonntag, 20. Juli 2014, 18:05 Uhr, hr2

Der 20. Juli 1944, vor genau 70 Jahren, ist zum Symbol für den Widerstand gegen das NS-Regime geworden. Untrennbar verbunden ist damit der Name des Attentäters: Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Aus dem hitlertreuen Offizier wird während des Krieges ein überzeugter Regimegegner. Am 20. Juli 1944 zündet Stauffenberg im “Führerhauptquartier” eine Bombe, um Hitler zu töten. In seinem Feature zeichnet Michael Marek den Ablauf der “Operation Walküre” anhand von Original-Dokumenten, Zeitzeugen- und Historikerinterviews nach und schildert den Lebensweg Stauffenbergs.

 

Radiotipps für die Woche vom 7. bis 13. Juli 2014

 

Affentheater in Epidauros
Verklungene Lautsphären – Über die akustische Wahrnehmung der Welt

Von Helmut Kopetzky

Mittwoch, 9. Juli 2014, 00.05 Uhr, DR Kultur

Ein physikalisches Wunder ist die Akustik des Amphitheaters von Epidauros auf dem Peloponnes. Fremdenführer werfen Münzen auf einen Stein und wenn es still ist, hört man das “Kling” noch in der obersten Sitzreihe. Leider folgt eine Besuchergruppe der nächsten und der Lärm löscht das Soundmirakel wieder aus.

Aber schon vor Erfindung des Massentourismus war die Klang-Umwelt keinesfalls heil. Mit Hilfe des kanadischen Sound-Pioniers R. Murray Schafer und eigener Recherchen versucht der Autor die Rekonstruktion akustischer Räume aus einer Zeit, als wir Geräusche noch nicht beliebig ein- und wieder ausschalten konnten – als das Leben noch live war.

Moderne Kassandras
Forscher suchen bei Rückversicherern nach den Katastrophen von Morgen

Von Caspar Dohmen

Mittwoch, 9. Juli 2014, 22.03 Uhr, SWR2

Die Versicherer blicken bei der Kalkulation von Risiken gewöhnlich zurück und füttern mathematische Modelle mit statistischen Daten. So kalkulieren sie mögliche Szenarien von Erdbeben, Epidemien oder Massenkarambolagen auf Autobahnen. Blind ist diese Methode jedoch, wenn es um neue Risiken geht. Um diese Gefahren aufzuspüren, beschäftigen große Rückversicherer Forscher, die Szenarien für die Zukunft entwerfen. Sie beschäftigen sich mit dem möglichen Einfluss von Sonnenstürmen auf die Stromversorgung genauso wie mit dem Einfluss politischer Veränderungen auf die Wirtschaft oder den Folgen der Nanotechnologie. Diese winzigen Teilchen gelten als eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts, verursachen möglicherweise aber auch Krankheit und Tod bei Beschäftigten und Konsumenten. Für die Versicherungswirtschaft sind ihre modernen Kassandras überlebensnotwendig, denn wer Risiken falsch einschätzt, geht pleite.

 

Kreisverbrecher im falschen Krieg
Der Fall Charles Taylor

Von David Hecht

Sa, 12. Juli, 18.05, DR Kultur

In Liberia tobte in den 1990er-Jahren ein brutaler Bürgerkrieg, für den Charles Taylor als Rebellenführer und später als Präsident mitverantwortlich war. Er wurde verhaftet und vor einen internationalen Gerichtshof gestellt.

50 Jahre Haft lautete 2012 das Urteil für den 65-jährigen Taylor – doch nicht für die Gräueltaten, die in seinem Land verübt wurden, sondern wegen “Beihilfe” zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit im benachbarten Sierra Leone. Alle Prozessbeteiligten hatten Berufung eingelegt, doch 2013 wurde das Urteil bestätigt.

Der Autor dieses Features war der erste Pressesprecher des Sondergerichtshofs für Sierra Leone.

Grandhotel für Alle!

Von Marianne Weil

Samstag, 12. Juli 2014, 13.05, DR Kultur
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

In Bayern gibt es ein einzigartiges Projekt: Eine basisdemokratisch organisierte Gruppe von Künstlern und anderen Aktivisten in Augsburg renoviert ein leerstehendes Haus, nennt es Grandhotel Cosmopolis und lädt Hotelgäste und Asylbewerber ein, mit ihnen unter einem Dach zu leben. In der Bar gibt es Kaffee, Kuchen und Bier. Im Keller finden Konzerte statt. Demnächst eröffnet eine Bürgerküche mit Gerichten aus aller Welt. Die Flüchtlinge sind nicht in Baracken am Stadtrand abgeschoben. Die Augsburger können das exotische Gemisch gefahrlos erkunden. Das Projekt ist inzwischen berühmt geworden, doch es findet nicht im luftleeren Raum statt. Die Idee stößt an die Mauern der europäischen Flüchtlingspolitik. Die Autorin hat sich mehrfach im Grandhotel einquartiert, erst auf der Baustelle, dann in einem realen Hotelzimmer.

 

Ein undramatisch Ding?
Über die Kunst, lange und glücklich verheiratet zu sein

Von Astrid Nettling

Sonntag, 13. Juli 2014, 18:05 Uhr, hr2-kultur

 

Dass die Ehen im Himmel geschlossen und auf Erden vollzogen werden, ist eine Binsenweisheit. Bundesweit werden mehr als ein Drittel aller Ehen irgendwann einmal wieder geschieden.

 

Umfragen belegen, dass trotzdem die lebenslange Liebe wie die lebenslange Ehe immer noch und immer wieder die Sehnsucht und das Ziel von Männern wie Frauen darstellt. Wie aber wird aus diesem Wunsch eine geglückte Wirklichkeit? Das erkundete die Autorin in diesem Feature und befragte dazu Psychologen, Philosophen und lang verheiratete Paare.

 

Radiotipps für die Woche vom 23. bis 29. Juni 2014

Der mörderische Informant

Von Kai Laufen

Mittwoch, 25.6.2014, 22.30, SWR2

Er behauptet, beste Kontakte zu schwer kriminellen Plutonium-Schmugglern zu haben. Tatsächlich ist er selbst schwer kriminell. Er ergaunert Millionen, führt ein Luxusleben mit Rennwagen und Lear-Jet, begeht einen brutalen Mord und spielt mit den Ermittlern Katz und Maus. Denn die haben ihn als V-Mann engagiert. Von Süddeutschland bis Südafrika und rund um den halben Globus führt die Spur des Unfassbaren. Das ARD radiofeature verfolgt sie und stellt die Frage: Wer kontrolliert die Informanten? Und wer kontrolliert die Kontrolleure?

 

Teslanauten
Eine Reise auf den Gehirnströmen des Mannes, der das Licht eingeschaltet hat

Von Mithu Sanyal und Christian Ahlborn

Sonntag, 29.6.2014, 14.05, SWR2

Wechselstrom, Generatoren und Transformatoren, Oszillatoren, Turbinen, Spulen und Ventile, drahtlose Energie und Nachrichtenübertragung. 112 Patente hat der Physiker, Ingenieur und Erfinder Nikola Tesla (1856 – 1943) angemeldet. Einige davon waren genial und epochal, andere eher verrückt und fantastisch. Doch was immer Tesla plante, stets umgab ihn eine magisch-mysteriös britzelnde Aura. Buchstäblich, denn bei seinen Vorträgen vor begeisterten Zuschauermassen ließ er gerne Entladungsblitze an seinem Körper aufleuchten. Anfang des 20. Jahrhunderts war Tesla eine Art High-Tech-Popstar, ein Strom-Schamane und Magnetfeld-Magier, dessen Leben nicht weniger bizarr war als seine Erfindungen. Hatte er nicht auch eine Zeitmaschine entwickelt und behauptet, Kontakte zu Außerirdischen zu haben? Auf jeden Fall hat Tesla bis heute Fans und Anhänger, die von ihm elektrisiert sind.

 

Bei Liebeskummer Sokrates?

Philosophen als Lebensberater

Von Rosvita Krausz

Sonntag, 22. Juni 2014, 18:05 Uhr, hr2-kultur

 

“Der soziale Sinn der Philosophie ist ihre Praxis im Gespräch”, sagen die philosophischen Praktiker. Ähnlich wie Psychotherapeuten oder Seelsorger bieten sie ihre Dienste in Krisenlagen an.

Aber anders als diese, die einen Krankheitsbegriff haben oder von einem religiösen Weltbild aus argumentieren, verstehen sich Philosophen als wertfreie Gesprächspartner. Sie bieten sich als Navigatoren im Dickicht des Denkbaren an. Rosvita Krausz hat sich bei praktischen Philosophen und deren Kritikern umgehört.

 

Radiotipps für die Woche vom 2. bis 8. Juni 2014

 

Großvaters Doppelleben
Dunkle Seiten des Familienlebens

 

Von Anna Thaulow

Mittwoch,  04.06.2014, 00:05 Uhr, DR Kultur

Eine junge Frau entdeckt, dass die Vergangenheit ihrer Familie ganz anders ist, als sie immer angenommen hat. In Erinnerungen, Tonbandaufzeichnungen und Stimmen von Familienangehörigen zeigt sich das doppelte Leben ihres Großvaters, der nach seinem Tod zwei Familien zurücklässt, die nichts voneinander wissen. Aus dem reichhaltigen Archivmaterial entsteht eine sehr persönliche Reise zu den dunklen Seiten des Familienlebens und, in Verbindung mit Reflexionen über das Schattendasein einiger  Familienmitglieder, eine aufregende Geschichte über das Leben, die Liebe, den Tod und andere Geheimnisse.

Sanfte Siedler
Israels kreativer Wahnsinn in der Westbank

 

Von Jochanan Shelliem

Mittwoch, 04.06. 2014, 22.03 Uhr, SWR2

Sie siedeln in Judäa und in Samaria – die einen mit biblischer Mission, andere mit Häkelkäppi und Gewehr. Immer häufiger aber finden säkulare Zuwanderer auf Suche nach günstigem Wohnraum ein Zuhause in den jüdischen Siedlungen. “Wir kommen”, steht auf vielen Autostickern. Heiliger Boden wird konfisziert, kniehoch ist bloß der Zaun. Mehr als die Hälfte der Neuankömmlinge sind inzwischen arme, kinderreiche Familien, die auf den Rückzug des israelischen Wohlfahrtstaates reagieren. Denn im Westjordanland gibt es staatliche Subventionen, sowohl um einen Beruf zu erlernen, als auch um Häuser zu kaufen. Andere kommen als Aussteiger: Lyriker, Intellektuelle, Biobauern. Sanfte Siedler, die arabische Besitzdokumente ignorieren und romantische Gedichte schreiben, die biblischen Festungsruinen immer im Blick.

 

Die Nokia-Karawane
Oder: Das Prinzip des Wanderkapitalismus

 

Von Andreas Maus und Karmen Frankl

Samstag, 07.06.2014, 00:05 Uhr, DR Kultur

Durch Steppen, Wüsten und Gebirge sind Mensch und Tier unterwegs auf abenteuerlicher Reise: so der Mythos “Karawane”. Die Karawanen heute sind weniger pittoresk. Konzerne ziehen als Herstellungskarawanen rund um den Globus, immer dorthin, wo Lohnkosten sinken, wo Steuergeschenke und Subventionen locken, wo ein Markt kurzfristig interessant ist. Der finnische Mobilfunkgeräte-Hersteller Nokia machte 2008 sein Werk in Bochum dicht und verlagerte die Produktion nach Rumänien. Um auch da im Frühjahr 2012 die Zelte wieder abzubrechen und weiter nach Südostasien zu ziehen.

 

Der Duft der weiten Welt
Gewürzhandel gestern und heute

Von Michael Marek und Sven Weniger

Sonntag, 08.06.2014, 18:05 Uhr, hr2-kultur

In der Antike waren sie wertvoller als Gold. Abenteurer wie Marco Polo und Christoph Kolumbus suchten nach ihnen auf ihren Entdeckungsreisen. Handelsrouten wurden für sie errichtet, Kriege um sie geführt. Gewürze haben sich bis heute den Duft unbekannter Welten bewahrt.

Hamburg ist die Gewürzmetropole Deutschlands. 80 000 Tonnen werden hier jährlich umgeschlagen. Die Hafenstadt hat das einzige Gewürzmuseum der Welt. Die Autoren haben sich auf Spurensuche begeben. Sie trafen Händler und Verkäufer, besuchten Manufakturen und Geschäfte, spürten in Büchern und Kochtöpfen den Geheimnissen der exotischen Zutaten nach.

 

 

 

Radiotipps in der Woche vom 26. Mai bis Sonntag, 1. Juni 2014

Gekommen, um zu bleiben
Die neuen Einwanderer aus Bulgarien und Rumänien

 

Von Achim Nuhr

 

Mittwoch, 28.5.2014, 22.03 Uhr, SWR2

 

Seit Januar gilt in Deutschland die “volle Arbeitnehmerfreizügigkeit” auch für EU-Ausländer aus Bulgarien und Rumänien: Sie können jetzt ohne Erlaubnis kommen und hier arbeiten. Deshalb rechnet die Bundesagentur für Arbeit mit jährlich bis zu 180.000 Einwanderern aus beiden Ländern. Diese Immigranten sind sehr verschieden ausgebildet: Der Anteil der “Geringqualifizierten” wuchs zuletzt auf 35 Prozent, aber beachtliche 25 Prozent sind Akademiker.

 

„Der Augenblick ist Ewigkeit“
Über unser Verhältnis zur Zeit

 

Von Sabine Appel

 

Donnerstag, 29.5.2014, 14:05 Uhr, hr2

 

 

 

Da die Zeit unser Leben wie nichts sonst determiniert, beschäftigt sie uns auch sehr häufig in unserer Alltagserfahrung. Die objektiv messbare Größe der Zeit unterscheidet sich mitunter beträchtlich vom subjektiven Zeitbewusstsein des Menschen.

 

Die Erfindung der Uhr, eines mechanischen Zeitmessers, hat unser Verhältnis zur Zeit grundlegend geändert. Seit Einstein wissen wir: Sie ist abhängig vom Bezugskörper. Untrennbar mit unserem Zeitbewusstsein verbunden ist unser Todesbewusstsein, das Wissen darum, dass unsere Wegstrecke endlich ist. Zeit als Möglichkeit, als Entwurf, Zeit in der Geistesgeschichte und in der Naturwissenschaft, Zeit in den Religionen und Zeit in der Kunst, Zeit als Alltagserfahrung oder im Rückblick des Lebens. Ein Sammelsurium möglicher Antworten soll in diesem Feature auf die Frage erteilt werden: Was ist, wie erleben wir Zeit?

 

Die geheime Moral der Waffenindustrie

 

Von Johannes Nichelmann

 

Samstag, 31.05.2014, 13:05 Uhr, Bayern 2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

 

Die Maus schwankt, ihre Atmung wird immer schwerer, das Herz langsamer. Unkontrollierte Bewegungen, Atemstillstand, dann der Tod. In einem wissenschaftlichen Experiment handelten durchschnittliche Bürger in Deutschland mit dem Leben von Mäusen. Wer die gesunden Tiere zur Tötung bestimmte, verdiente damit einige Euro. Die Versuchsleiterin ist schockiert, in welcher Deutlichkeit ihr Experiment belegt, dass der Markt die Moral zerstört.
Zeitgleich berichtet der Vertreter der deutschen Rüstungsindustrie, dass sich seine Branche keinen moralischen Fragen zu stellen brauche. Das Denken müsste die demokratisch legitimierte Politik übernehmen. Diese sei schließlich für alles verantwortlich, was an Bomben, Drohnen, Gewehren und U-Booten ins Ausland verkauft werde.
Das Feature unterzieht dies einer praktisch-philosophischen Betrachtung, erzählt vom Kreislauf der Abhängigkeiten und dem unbedingten Glauben an die Endverbleibskontrolle.

 

 

 

Vater zieht in den Krieg
Eine Reise durch Frankreich in 6 Bildern

 

Von Christiane Seiler

 

Samstag, 31.05.2014, 18:05 Uhr

 

Jahrzehntelang lag das Album in einer Ecke des Bücherregals, gelegentlich zog die Autorin es hervor und blätterte darin. Als Kind bewunderte sie die Soldaten und Pferde, später begriff sie, was es dokumentiert: Fotos, handgezeichnete Karten und Texte beschreiben den Frankreichfeldzug ihres Vaters im Mai und Juni 1940.

 

Mehr als 70 Jahre danach bricht sie auf, um seinen Weg nachzuvollziehen, in Begleitung des Fotografen Pierre Bourdis. Sie entdeckt die französische Seite der Geschichte. Hört von Pierres Vater, der als Reaktion auf den deutschen Einmarsch in den Untergrund ging. Und macht nebenbei Bekanntschaft mit ihrem Großvater, den im Oktober 1914 eine englische Kugel ins Herz traf.

 

Timothy Moores
Regisseur bei Loriot, Butler in hohen Häusern, Kumpel im Bergbau

 

Sonntag, 1.6.2014, 14.05 Uhr, SWR2

 

Von Richard Klug

 

Ein Brite mit einem Lebenslauf wie eine Achterbahn – ganz hoch oben, aber in Windeseile auch wieder ganz tief unten.  Timothy Moores, 71 Jahre alt, geboren in Wales, wohnhaft in Kiel, hat mehr Karrierehöhen und -tiefen durchlebt als ein Leopard Flecken hat. Regisseur und Mitautor von Loriot, Butler in hohen Häusern, aber auch Kohle fördernder Kumpel in England. Absolvent englischer Eliteschulen und fasziniert vom deutschen Volk. 1961 kommt er zum ersten Mal nach Deutschland, danach immer wieder, auch für längere Zeit. Und hier ist er hängen geblieben, der Liebe wegen. Er kennt die deutsche und die englische Seele wie kaum ein anderer. Sein Fazit: “In England leben wir mit dem Chaos. Deutsche haben einen Plan.”

 

Arbeitsplatz Deutschland –
Die  neuen Einwanderer aus Bulgarien und Rumänien

 

Von Achim Nuhr

 

Sonntag, 1. Juni 2014, 18:05 Uhr, hr2-kultur

 

Seit Januar 2014 gilt in Deutschland die “volle Arbeitnehmerfreizügigkeit” auch für die EU-Bürger Bulgariens und Rumäniens. Schon im Vorfeld gab es hitzige Debatten über mögliche Folgen: Wer wird davon Gebrauch machen, wie wird der Arbeitsmarkt beeinflusst?

 

Wie viel werden die Einwanderer aus Europas ärmster Region zum wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands, zur Stabilisierung der Sozialkassen beitragen? Wie steht es um die Qualifikation dieser Immigranten? Die Bundesagentur für Arbeit rechnet mit jährlich bis zu 180 000 Einwanderern aus diesen beiden Ländern. Von rechten Kräften werden Ängste geschürt vor einer massenhaften Einwanderung von Roma, die in ihrer Heimat verfolgt und geächtet sind. Der Autor hat mit Einwanderern und Einheimischen gesprochen.

 

 

Radiotipps für die Woche vom 19. bis 25. Mai 2014

Kurzstrecke 25
Feature, Hörspiel, Klangkunst

Zusammenstellung: Barbara Gerland, Ingo Kottkamp, Jan Rohlf

Mittwoch, 21.05.2014, 00:05 Uhr, DR Kultur

Kurz, ungewöhnlich und nicht länger als 20 Minuten: Innovative, zeitgemäße, radiophone Hörstücke aus den Genres Feature, Hörspiel und Klangkunst können an uns geschickt werden. Wir wählen die interessantesten aus und stellen sie in dieser monatlichen Sendung vor. In der aktuellen Ausgabe der Kurzstrecke präsentieren wir unter anderem:
Birdless
Von Irvic d‘Olivier
Vögel, Insekten und Brüllaffen: Willkommen in Costa Rica.Heike
Von Markus Riexinger
Girl meets Boy. Wenn es nur so einfach wäre…

Ein Kontingent sucht Asyl

Von Thilo Guschas

Mittwoch, 21.05.2014,  22.03 Uhr, SWR2

Das Ehepaar R. ist mit seinen fünf Kindern aus dem syrischen Aleppo geflohen. Ein Jahr verbrachte die Familie im Libanon, bevor sie nach Deutschland reisen durfte. 10.000 Syrer will Deutschland aufnehmen. Viel zu wenig, klagt die evangelische Kirche und fordert 100.000. Viel zu viel, klagen schon jetzt Kommunen und Gemeinden, wo die Syrer unterkommen sollen. Im Gegensatz zu anderen Flüchtlingen erhalten syrische “Kontingent”-Flüchtlinge sofort Asyl und auch eine Arbeitserlaubnis. Kritiker sprechen bereits von Flüchtlingen erster Klasse. Nach welchen Kriterien werden sie ausgewählt?

 

Mimis Muff
Die Entstehung einer Oper in vier Akten

Von Jens Schellhass

Samstag, 24.05.2014, 18:05 Uhr DR Kultur

Es ist die “Stunde Null”, vor der sich Benedikt von Peter immer wieder fürchtet, die Zeit, in der er zum ersten Mal über eine Inszenierung nachdenkt. Jens Schellhass hat den Opernregisseur über neun Monate begleitet und die Entstehung der Oper “La Bohème” am Bremer Theater dokumentiert. Wir erleben, wie Benedikt von Peter mit dem Libretto ringt. Geht es wirklich um die wahre Liebe? Scheitern. Weitere Hürden bauen sich auf: Die Herren sollen in Frauenkleidern Ballettunterricht nehmen. Das Theater erwartet einen Erfolg, das Publikum soll strömen, auch des Geldes wegen, und um die Politik nicht zu enttäuschen. Der Druck wächst, bis zum Premierenabend. Im Anschluss an das Feature senden wir einen Mitschnitt der Bremer Inszenierung.

Wir Middle-Ager
Lebensentwürfe der Generation 50plus

Von Jochen Rack

Sonntag, 25.05.2014, 14.05 Uhr, SWR2

“Die menschliche Seele hat ihre Lebensalter wie der Körper”, schrieb Johann Gottfried Herder und bestätigte dem Mann mittleren Alters, der seine jugendlichen Leidenschaften hinter sich gelassen hat, “Bonsens, Weisheit zu Geschäften, Weisheit und Erfahrung”. Weniger optimistisch sah es Hermann Hesse: “Man vertrottelt, man versauert, / man verwahrlost, man verbauert / und zum Teufel gehen die Haare. / Auch die Zähne gehen flöten …” – Wer 50 wird, hat die “Hälfte des Lebens” und vielleicht die Midlifecrisis schon hinter sich, aber was hat er noch vor sich, was bleibt zu tun und wünschen übrig?
Wer jetzt keine Karriere hat, macht keine mehr. Wer jetzt nicht riestert, braucht damit nicht mehr beginnen. Und wer kinderlos ist, wird es vermutlich bleiben. Keine Frage, in der postmodernen Kultur haben sich die Lebensalter nach hinten verschoben, “Forever Young” verspricht die Schönheitsindustrie und Mick Jagger führt sich auch mit 65 noch auf wie ein Teenager. Aber welche Kleider, welche Gesten, welche Werte, welche Ideen und welcher Partner passen zu einem Menschen mittleren Alters? Und wie unterscheidet sich die Erfahrung des Alterns zwischen Mann und Frau? Das mittlere Alter: Chance für Gelassenheit und Reife oder Anlass zur Torschlusspanik?

Radiotipps für die Woche bim 5. bis 11. Mai 2014

 

Illegal

 

Von Björn Bicker

 

Mittwoch, 7.5.2014, 18.05 Uhr, DR Kultur

 

Geh nach der Arbeit sofort nach Hause. Beschwere dich nicht über laute Nachbarn. Meide den Hauptbahnhof mit seinen Zivilstreifen. Geh nicht bei Rot über die Straße. Fahre nie schwarz. Halte im Kaufhaus immer alle Quittungen bereit.

 

Öffne nie die Tür, wenn es überraschend klingelt. Zahle immer Cash. – So lauten einige Regeln, die man einhalten muss, wenn man eigentlich nicht dort sein darf, wo man lebt. Illegalisierte Menschen arbeiten in der Gastronomie oder als Pflege- und Haushaltshilfen.

Der Autor hat anderthalb Jahre recherchiert und mit Betroffenen Interviews geführt. Das dokumentarische Hörspiel entstand parallel zu einem Theaterprojekt.

 

Wohin das Wasser fließt.
Junge deutsche Wissenschaftler forschen für Südafrika

 

Von Nora Bauer

 

Mittwoch, 7.5.2014, 22.03 Uhr

 

Wasser ist ein Grundnahrungsmittel, der Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung zählt zu den Menschenrechten. Südafrika hat das Recht auf Wasser 1994 sogar in seine Verfassung aufgenommen. Dennoch sind 10 Prozent der Menschen in diesem Land immer noch von der Wasser-Versorgung und der Kanalisation abgeschnitten.Sie sind schwarz und leben in sogenannten Informal Settelments, Elendsvierteln, die sich überall neben ehemaligen Townships ausbreiten.

 

An der Bauhaus-Universität Weimar wird zu diesem Thema geforscht und so fuhren deutsche Doktoranden nach Potchefstroom, um mit ihren südafrikanischen Kollegen nach Lösungen für die mangelhafte Wasser-Versorgung in den Elendsvierteln zu suchen. Vielleicht wird man sie auch im reichen Norden eines Tages gut gebrauchen können.

 

Neun Tage – zwei Zehennägel – nach Hause gehen
Ein Fußweg von Wien nach Graz

 

Von Anna Katharina Laggner

 

Samstag, 10.05.2014, 13.05 Uhr, Bayern 2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

 

“Ich werde einfach gehen, hab ich mir gedacht. Gehen gegen den Frust.  Ich werde einfach gehen, weil alle immer fahren, weil ich immer fahre. Unzählige Male von Wien nach Graz, mit dem Zug, mit dem Auto. Ich werde einfach gehen. Da ist die Wahrscheinlichkeit am geringsten, dass jemand aufsteht und sagt, das geht nicht. In Graz wohnen meine Eltern, zwei meiner Schwestern, meine Großmutter. Von dort bin ich aufgebrochen in die Welt. Es gibt keine Zimmerreservierungen, dafür Jause und einen kleinen Rucksack. Es gibt ein Aufnahmegerät, einen Pfefferspray und eine Abneigung gegen Hunde. Es gibt einen Weg, der ungefähr querfeldein Richtung Süden führt. Und es gibt den ersten Schritt, der der schwerste ist.
Ich werde am Hochwechsel im dichten Nebel fast verloren gehen, in Pöllau wird man mir auf einer Orgel Lieder spielen, auf der Hohen Wand werde ich den Yeti treffen, ich werde belästigt werden, zwei Aufnahmegeräte werden eingehen, ich werde mich verirren und das Ende wird sehr unspektakulär sein.”
“The Personal diary of an author, who walked from Vienna to her native town Graz. A journey back to the roots and her inner self. An acoustical road movie full of curious encounters and strange coincidences. With a flavor of Bunuel.” – so urteilte die Jury beim internationalen Wettbewerb Prix Bohemia 2013 und zeichnete die Autorin für ihr Feature aus.
Die Sendung ist im Rahmen der internationalen EBU Master School on Radio Features entstanden. 

 

Grandhotel für Alle!
Flüchtlinge, Künstler und Hotelgäste unter einem Dach

 

Von Marianne Weil

 

Samstag, 10.05.2014, 18:05 Uhr, DR Kultur

 

So etwas gab es noch nie. Im Augsburger “Grandhotel Cosmopolis” gilt das Motto: Wir sind alle Reisende auf dieser Erde, jeder ist willkommen, ganz gleich woher er kommt. Eine basisdemokratisch organisierte, ziemlich bunte Gruppe hat diese Utopie in die Welt gesetzt.

 

Nicht in einer Inszenierung auf dem Theater, sondern in einem realen Experiment: Im Augsburger Springergässchen treffen sich Asylbewerber und Hotelgäste auf den Fluren und an der Bar, als wären alle frei und gleich.
Das Projekt ist inzwischen berühmt geworden und wird mit Preisen überhäuft. Doch es findet nicht im luftleeren Raum statt. Das öffentliche Schulterklopfen fängt die Aktivisten an zu schmerzen, denn ihre Idee stößt an die Mauern der europäischen Flüchtlingspolitik.
Die Autorin hat sich mehrfach im Grandhotel einquartiert, erst auf der Baustelle, dann in einem realen Hotelzimmer.

 

Rotkäppchen Breaking Bad.
Wie aus Heinz-Otto Hermann ein Bankräuber wurde

 

Von Ben Hänchen

 

Sonntag, 11.5.2014, 14.05 Uhr, SWR2

 

27 Banken hatte er ausgeraubt. Bis er bei der 28. geschnappt wurde. Die Ermittler nannten ihn “Rotkäppchen”, weil er eine rote Maske trug und immer höflich bei seinen Überfällen war. “Sie wissen von mir nicht viel, aber ich bin froh, dass es vorbei ist”, sagte er bei seiner Verhaftung. Was trieb den ehemaligen Volksarmisten der DDR zu seinen Verbrechen? Wie gelang es ihm, jedes Mal zu Fuß zu fliehen, selbst wenn Polizeihubschrauber hinter ihm her waren? Wie konnte er seine Taten sogar vor seiner Frau verheimlichen? Und warum war ihm am Ende niemand richtig böse – nicht einmal die, die er überfallen hat? Autor Ben Hänchen hat sich von Heinz-Otto Hermann seine Rotkäppchen-Geschichte erzählen lassen. Eine komplizierte Geschichte, aber keine Räuberpistole – und alles andere als ein Märchen.

 

Die rote Baronesse – Das extreme Leben der Jenny Marx

 

Von Ulrich Teusch

 

Sonntag, 11. Mai 2014, 18:05 Uhr, hr2-kultur

 

 

An männlichen Verehrern hat es Jenny von Westphalen nie gemangelt, ihr, der schönen, anmutigen, intelligenten Baronesse, der “Ballkönigin von Trier”.

 

Doch trotz aller Avancen entschied sie sich früh – und gegen alle Konvention – für einen vier Jahre jüngeren Bürgersohn jüdischer Herkunft, den sie schon aus Kindertagen kannte: Karl Marx. Dass dieser ihr fürs erste kein standesgemäßes Leben würde bieten können, war ihr klar. Doch was sie dann in den folgenden Jahren und Jahrzehnten unter den harten Bedingungen des Londoner Exils erlebte, übertraf wohl selbst ihre schlimmsten Befürchtungen. Unterkriegen ließ sich Jenny Marx darum noch lange nicht. Trotz aller Not wusste sie Momente des Glücks zu genießen. Etliche Jahre lebte sie ein permanentes „carpe diem“ am Rande des Abgrunds. Erst der Herbst ihres Lebens entschädigte sie für so manches Leid der frühen Jahre. Über ihr “extremes Leben” hat sich Jenny immer wieder in Briefen an vertraute Menschen ausgesprochen. Ihre Texte zählen zum Schönsten, was die Briefliteratur des 19. Jahrhunderts zu bieten hat. Aus ihnen formt sich das Bild einer der außergewöhnlichsten Frauengestalten ihrer Zeit.

 

 

Radiotipps für die Woche vom 28. April bis 4. Mai 2014

 

Zu vermieten: Kellerraum, 6. OG in Trendlage

 

Von Nora Bauer

 

Mittwoch, 30.04.2014, 00:05 Uhr DR Kultur

 

Immer seltener gehört heute zur Wohnung ein Kellerraum oder Dachboden. Die Gegenstände und Möbel sind langlebig, trotzdem möchten wir immer wieder mal etwas Neues haben, eine andere Couch, den größeren Fernseher, Kleider nach der neuesten Mode. Auch wenn die Wohnungen schon übervoll sind, wir kaufen immer noch weiter und irgendwo müssen die alten, aber noch brauchbaren Sachen schließlich hin. “Self Storage” heißt es lässig auf Englisch, gemeint sind Lagerboxen, in denen man unterbringen kann, was zu Hause keinen Platz mehr findet. Seit ein paar Jahren sprießen mehrstöckige Storage Center in Deutschlands Städten nur so aus dem Boden, oft sogar in bester Lage mitten in der Stadt. Die Menschen wollen ihrem Hab und Gut nahe sein, denn auch wenn sie die Sachen auslagern, bilden sie doch ihren “Besitz” und bleiben ein Teil von ihnen.

 

Aus dem Augen, aus dem Sinn.
Deutscher Atommüll in Russland

 

Von Laura Döing und Olga Kapustina

 

Mittwoch, 30.04. 2014, 22.03 Uhr, SWR2

 

Die Suche nach einem geeigneten Endlager für hochradioaktive Abfälle in Deutschland beginnt wieder von vorne. Im Geheimen wurde bereits nach Optionen im Ausland gesucht, auch in Russland. Obwohl der Export offiziell politisch nicht erwünscht ist – Spuren gibt es dennoch: Vertrauliche Kostenpläne eines deutschen Energiekonzerns, die Ersparnisse durch den Export aufzeigen, russische Ministeriumspapiere, die mit den zahlungskräftigen Kunden aus Deutschland kalkulieren. Das Feature folgt diesen Spuren in Deutschland und Russland. Sie führen bis an den Zaun der geschlossenen Stadt Krasnojarsk-26, einem Zentrum der russischen Atomindustrie und in die Vorstandsetage der deutschen EnBW in Karlsruhe.

 

“Jetzt sind wir dran”
Kapitalismus und Korruption in Südafrika

 

Von Birgit Morgenrath

 

Samstag, 03.05.2014,13:05 bis 14:00 Uhr Bayern 2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

 

Mord und Totschlag, Vetternwirtschaft und Korruption haben in Südafrika erschreckend zugenommen. Der jungen Demokratie droht die Zersetzung. Der ANC, einst Befreiungsbewegung gegen das Apartheidregime und seit den ersten freien Wahlen Regierungspartei, unterwarf sich Mitte der 90er Jahre dem neoliberalen Credo der Zeit. Das “bessere Leben für alle” – so der Slogan – und eine tiefgreifende Transformation der Wirtschaft blieben aus. Armut, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit sind geblieben, Streiks und Demonstrationen an der Tagesordnung. Die Superreichen des alten Regimes und der neuen schwarzen Mittelklasse frönen ihrer “Bling-Kultur” mit teuren Autos, höchsten Gehältern und satten Regierungsverträgen für die “Tenderpreneurs” aus der Privatwirtschaft. Erbitterte Machtkämpfe auf allen Ebenen des Staates zersetzen die Demokratie. Welche Perspektive hat die “Regenbogennation” im Jahr eins nach Nelson Mandelas Tod und im Wahljahr 2014?
In Südafrika wird am 7. Mai ein neues Parlament gewählt. Es wird die fünfte Wahl der Volksvertretung seit dem Ende der Apartheid 1994. Damit können erstmals Wähler ihre Stimmen abgeben, die nach der Zeit der Rassentrennung und der Unterdrückung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit geboren wurden.
Birgit Morgenrath lebt und arbeitet als freie Journalistin in Köln. Von 1989 bis 2011 Mitglied im Rheinischen JournalistInnenbüro Köln, einem fünfköpfigen Kollektiv mit gemeinsamer Arbeit und Einheitslohn. Autorin für die Hörfunkanstalten der ARD und Fachzeitschriften, vor allem zu Themen der Arbeitswelten in Nord und Süd, zu den wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen “Erster” und “Dritter” Welt, zu Geschichte, Politik, Wirtschaft und Umwelt in Südafrika und in der Region des südlichen Afrika, zu afrikanischer Literatur.

 

„Residenzpflicht – only when I die!“

 

Von Patras Bwansi und Lydia Ziemke

 

Samstag, 03.05.2014, 18:05 Uhr DR Kultur

 

Flüchtlinge aus ganz Deutschland brechen 2012 ihre regionale Residenzpflicht und gründen in Berlin ein Protestcamp gegen das Asylgesetz: gegen die Sammelunterkünfte in zugewiesenen Regionen, gegen das Arbeitsverbot, gegen die Perspektivlosigkeit. Die meisten haben ihr Leben riskiert für einen Asylantrag in Europa. Aber wie funktioniert Dauerprotest? Wie lebt man in einem Zeltdorf mitten in der Stadt? Eine Begegnung mit dem inneren Kreis des Protests: Fünf afrikanische Aktivisten nehmen das Mikrofon selbst in die Hand, finden eine Sprache, erzählen von ihrer langen Reise in die Ernüchterung und decken Verbindungen zur Kolonialgeschichte auf.

 

Kiss me Cole.
Cole Porter zwischen Micky Maus und einer Sinfonie von Strauss

 

Von Anette Selg

 

Sonntag, 04.05.2014, 14.05 Uhr  SWR2

 

Vor 50 Jahren ist der Komponist und Lieddichter Cole Porter in Kalifornien gestorben. Seine Musik aber bleibt: in den legendären Aufnahmen von Ella Fitzgerald oder Hildegard Knef. Im Soundtrack von über 15 Woody-Allen-Filmen. Auf den Musical-Bühnen in Wien, Berlin oder New York. Barrie Kosky, amtierender Intendant der Berliner Komischen Oper, vergleicht Porters Songs sogar ohne zu zögern mit Schubert-Liedern. Wer war dieser Mann, dessen Melodien unaufhörlich zwischen Dur und Moll pendeln? Dessen Liedtexte an der Oberfläche schlau und lustig sind, darunter aber von herzerweichender Schwermut und Melancholie. Regisseure, Sängerinnen, Musikproduzenten und Jazz-Liebhaberinnen erzählen von ihren Erlebnissen mit Cole Porter und seiner Musik.

 

Handelseinig – DDR-Zwangsarbeit und die Verantwortung westdeutscher Firmen

 

Von Gabriela Knetsch

 

Sonntag, 04.05.2014, 18:05 Uhr, hr2-kultur

 

 

 

Als im Herbst 2012 der schwedische Möbelkonzern einräumen musste, dass politische Gefangene in der DDR zu Arbeiten für Ikea-Artikel gezwungen wurden, da war schnell klar: Dies ist die Spitze eines Eisbergs. In ihrem Feature rekonstruiert Gabriele Knetsch am Beispiel der weiblichen Gefangenen aus Hoheneck im Erzgebirge die Kette der Zwangsarbeit politischer Häftlinge. Beispielsweise von Tatjana Sterneberg aus Ostberlin: “Republikflüchtling” aus Liebe, drei Jahre Haft, Bettwäschen-Produktion im Dreischicht-Betrieb. Die Kette endet bei den Westfirmen – Quelle, Aldi, Kaufhof und C&A: Gefragt war gute Qualität zum günstigen Preis.

 

 

Radiotipps für die Woche vom 21. bis 27. April 2014

 

Jakarta Jam
Eintauchen ins Verkehrschaos

 

Von Rilo Chmielorz

 

Montag, 21.4.2014, 15.05 Uhr, SWR2

 

Indonesiens Hauptstadt Jakarta ist die Boomtown schlechthin. Wirtschaftliche und soziale Beschleunigung könnten kaum rasanter sein. Und dennoch scheint es so, als würde sich das wachsende Tempo zugleich ausbremsen. Die Mega-City droht an ihrem Verkehr zu ersticken. Für 2014 ist der totale Kollaps prognostiziert. Dann wird es mehr Fahrzeuge geben als Platz auf den Straßen. Schon jetzt verbringen die Menschen täglich bis zu sechs Stunden im Auto, auf dem Moped oder im Bus, Jakartas einzigem öffentlichen Verkehrsmittel. Wohin führt das? Autorin Rilo Chmielorz hat den Selbstversuch gemacht, ist ins größte und lärmendste Verkehrschaos des Globus eingetaucht und hat entdeckt, dass man es auch genießen kann. Oder genießen muss, um es auszuhalten zu können.

 

Alles wird gut
Im Bann magischer Berater

 

Von Rosvita Krausz

 

Mittwoch, 23.04.2014, 00:05 Uhr DR Kultur

 

Täglich suchen Tausende telefonischen Rat bei Hellsehern, Kartenlegern & Co. Wie wird es in Sachen Liebe, Gesundheit, Beruf oder Finanzen weitergehen? Auch im Internet preisen selbsternannte Experten ihre paranormalen Fähigkeiten an. Ob Koch oder Spross einer Kartenlegerdynastie – alle behaupten, einen Draht in übersinnliche Sphären zu haben. Musikproduzent Mic Schneider war süchtig auf diese Orakel und glaubte, seinem Leben ohne sie nicht gewachsen zu sein. Weiter kommen zu Wort: die Geschäftsführerin eines Esoterikportals und zwei Kunden, ein Zukunftsforscher und ein Psychiater, eine Psychologin sowie ein Philosoph.

 

Der Staat und seine Trojaner
Ein Feature über amtliche Computerüberwachung in Deutschland

 

Von Achim Nuhr

 

Mittwoch, 23.4.2014, 22.03 Uhr, SWR2

 

Deutsche Politiker und Behörden sind keineswegs nur Opfer digitaler Ausspähung, sondern lassen selbst massenweise private Computer durchsuchen: vom Screenshot bis zum Telefonat. In vertraulichen und geheimen Dokumenten bezeichnet der Generalbundesanwalt das Einschleusen von “Trojanern” als “rechtlich unzulässig”. Trotzdem kaufen die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung immer neue Lizenzen für Überwachungssoftware dubioser deutscher Unternehmen, die auch an Diktaturen liefern. Versagt die parlamentarische Kontrolle oder sind die Verantwortlichen einfach nur skrupellos?

 

Die Griechenlandfahrer
Oder: Kazaviti, ein Dorf in Blau

 

Von Manuel Gogos

 

Samstag, 26.04.2014, 18:05 Uhr

 

Jenseits von Postkartenmotiven und den Straßenkämpfen von Athen gibt es ein Griechenland, das nur wenige kennen. Der deutsch-griechische Autor Manuel Gogos findet es in einem Bergdorf auf der nordgriechischen Insel Thassos: Kazaviti.Als der deutsche Auswanderer Thomas Schultze-Westrum Anfang der 1970er-Jahre zum ersten Mal hierher kam, wirkte das Bergdorf wie ausgestorben. Es waren die alten mazedonischen Häuser, die dem Ethnologen die Geheimnisse ihrer Bewohner verrieten – Geschichten von Mittelmeer-Kaufleuten und von Ikonenmalern. Manuel Gogos trifft in Kazaviti auf den steinalten Barba Kapitankostas, der hier in Bernsteintagen den Tango tanzte. Und der junge Tavernenwirt Georgios erzählt, wie die Krise manchen Dorfbewohner fast in den Selbstmord treibt.