Radiotipps für die Woche vom 27. Oktober bis 2. November 2014

Kongos deutsche Hoffnung
Mit Martin Kobler unterwegs auf Friedensmission im Auftrag der UNO

Von David Hecht

Dienstag, 28.10.2014, 19:15 Uhr, DLF

Die neue Mission des ehemaligen deutschen Botschafters im Irak und in Afghanistan, Martin Kobler, scheint fast aussichtslos. Wie soll er eine UNO-Friedensmission mit 20.000 Soldaten aus 50 Ländern steuern in einem Land, das sieben Mal so groß wie Deutschland ist?

Wo die Allianzen zwischen den zahllosen bewaffneten Gruppen undurchschaubar sind, die Politiker oft unberechenbar? Die größtenteils US-geführte Mission der UNO in der Demokratischen Republik Kongo trat seit 15 Jahren auf der Stelle.

Seit Herbst 2013 gibt es ein „robustes“ Mandat, alle nicht staatlichen bewaffneten Gruppen zu entwaffnen. Martin Kobler kann seine neue Macht nun einsetzen, nicht nur um Frieden zu sichern, sondern um Frieden auch zu erzwingen. Der Autor hat Kobler im Kongo begleitet.

Tropenträume zu verkaufen.
Zwei Dörfer in Kambodscha suchen ihre Zukunft

Von Barbara Kenneweg

Mittwoch, 29.10.2014, 0.05 Uhr, DR Kultur

Noch verfügt Kambodscha über riesige Urwälder und klare Küstengewässer mit enormer biologischer Vielfalt. Aber Investoren aus aller Welt teilen das unberührte Land unter sich auf:

Sie pachten Land für 99 Jahre, bauen Hotels, Kasinos, sogar ganze Städte. Andererseits versuchen diverse NGOs, Natur und gewachsene Kultur zu schützen. Das persönliche Interesse der westlichen Helfer ist dabei nicht selten die Flucht vor der übersättigten westlichen Welt.
Und die Einwohner? In einer Dschungelsiedlung, die einst die roten Khmer aus dem Boden gestampft haben, werden Wilderer zu Touristenführern und Hoteliers. Ein Fischerdorf verbündet sich mit einem britischen Taucher, der eigentlich nur die Seepferdchen retten wollte.

Die Sieger von Kundus.
Eine Bilanz der deutschen Afghanistan-Mission

Von Marc Thörner

Mittwoch, 29.10.2014, 18.05 Uhr, SWR2

„Si vis pacem, para bellum“ Wenn du den Frieden willst, rüste zum Krieg!

„Wir haben Großartiges geleistet“, bilanziert Generalmajor Jörg Vollmer, Kommandeur der ISAF-Schutztruppe in Nordafghanistan. „Die afghanische Bevölkerung im Norden bewegt sich durch ihre Provinzen völlig normal.“
Und wenn nicht alle Ziele vollständig erreicht wurden, so räumt man bei der Bundeswehr ein – das sei eben Afghanistan. Schließlich können „wir“ „ihnen“ westliche Standards nicht einimpfen. Der Autor hat die Entwicklungen in Kundus, dem Vorzeigegebiet des deutsch geführten Regionalkommandos Nord, über viele Jahre beobachtet. Ein Rechtsstaat wurde dort nicht einmal in Ansätzen aufgebaut. Woran liegt es? Um eigene Verluste zu vermeiden und Mittel einzusparen, schloss die Bundeswehr Allianzen mit korrupten Provinzfürsten, mit Klein- und Schwerkriminellen. Sie sind die eigentlichen Gewinner des bislang größten deutschen Auslandseinsatzes.

Pfarrer
Hörstück nach dem gleichnamigen Dokumentarfilm.

Von Stefan Kolbe und Chris Wright

Samstag, 01.11.2014, 18.05 Uhr, DLF

Was passiert, wenn zwei atheistische Autoren Zugang zu einem Predigerseminar bekommen? Und das in Wittenberg, der Lutherstadt, einst Hochburg der deutschen Reformation, heute gelegen in einer der ungläubigsten Ecken Europas.

Ein Jahr lang begleiten die Autoren eine Gruppe Männer und Frauen in ihrer Ausbildung zum Pfarrer. Anfangs geht es noch um das Erlernen religiösen Handwerks. Aber im Laufe der Zeit sehen sich Protagonisten wie Filmemacher zunehmend mit den grundlegendsten menschlichen Fragen konfrontiert. Grenzen verschwimmen – zwischen Glauben und Unglauben, Trost und Verzweiflung. Es entsteht ein intimer Dialog über unsere fundamentalen Bedürfnisse nach Liebe, Geborgenheit und Sinn.

Die Liebe zum Standard.
Feldforschungen in der Welt der Kaninchenzüchter

Von Jörn Klare

Sonntag, 2.11.2014, 14.05 Uhr, SWR2

Der Journalist Jörn Klare war schon in fast aller Welt und an beinahe jedem Krisenherd. Jetzt aber führen ihn seine investigativen Recherchen in eine besonders fremde und ferne Szene: die Welt der deutschen Kaninchenzüchter. Das Wenige, was man über sie weiß, weiß man aus dem Lokalteil der Zeitung. Dort wo angeblich jeder Reporter mal angefangen hat (um möglichst schnell weg- und weiterzukommen), erschließt sich dem erfahrenen Journalisten ein vielfältiger Kosmos mit komplexen Regeln und Gebräuchen, allen voran: der „Standard“, der buchstäblich kaninchenhaarklein festschreibt, was ein schönes Kaninchen von einem weniger schönen unterscheidet, was wiederum die Grundlage für die Unterscheidung von Gewinnern und Verlierern ist. Die Kleintierwelt als Großmetapher. Natürlich hat Jörn Klare auch versucht, mit den Kaninchen selbst zu sprechen …

„Zur Vermeidung weiterer Provokationen“
Die kurze Lebensgeschichte des Michael Gartenschläger

Von Roman Grafe

Sonntag, 2. November 2014, 18:05 Uhr, hr2

Strausberg bei Berlin im August 1961: Der 17-jährige Lehrling Michael Gartenschläger protestiert mit vier Freunden gegen den Mauerbau. „Macht das Tor auf!“ und „Freie Wahlen!“ pinseln sie an Garagen und Einfahrten.

Die „konterrevolutionäre Terrorbande“ wird festgenommen. Michael Gartenschläger wird zu lebenslänglich Zuchthaus verurteilt. Nach zehn Jahren Haft in der DDR wird er 1971 von der Bundesrepublik freigekauft. Er zieht nach Hamburg, betätigt sich als Fluchthelfer und holt 31 Menschen aus der DDR. Im Frühjahr 1976 demontiert Gartenschläger an der DDR-Grenze zwei Selbstschussapparate. Der „Spiegel“ veröffentlicht die Funktionsweise der „Todesautomaten“, deren Existenz die DDR bis dahin immer geleugnet hatte.

Als sich Gartenschläger am 30. April 1976 erneut dem DDR-Grenzzaun nähert, wird er von einem Stasi-Kommando erschossen. Die Todesschützen werden nach dem Fall der Mauer freigesprochen. Eine deutsch-deutsche Tragödie, an die Roman Grafe in diesem Feature erinnert.