Radiotipps für die Woche vom 3. bis 9. November 2014

„Unser Görli“
Selbstermächtigungen im öffentlichen Raum

Von Ursula Rütten

Dienstag, 04.11.2014, 19:15 Uhr, DLF

Der Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg: einzige grüne Freifläche in einem dicht besiedelten Wohngebiet, ein klar abgegrenztes urbanes Territorium für Naherholung und Freizeitgestaltung von Anwohnern und zunehmend Touristen.

Seit einiger Zeit ist er auch „Dorfplatz“ für Asylbewerber aus Afrika und davon nicht klar unterscheidbarer Hotspot für zunehmend offensiven Drogenhandel. Ein Raum ungleicher Erfahrungen und Bedürfnisse, in dem sich kollektive Interessen bündeln, überkreuzen, ausschließen. Die traditionell solidarische, antirassistische, linksliberale Stimmung im multikulturellen Kiez droht zu kippen.

ARD Online-Avard

Anhören. Abstimmen. Auszeichnen. Bis zum 8. November.

Der #ARDOnlineAward für das BESTE HÖRSPIEL. Deine Entscheidung!
http://www.ard.de/home/radio/ARD_Online_Award/1178208/index.html

Am Mittwoch, 5. November eröffnet das größte Festival für Hörspielkunst im deutschsprachigen Raum – die ARD Hörspieltage. Bis zum 9. November stehen Karlsruhe, das Zentrum für Kunst und Medientechnologie und die Staatliche Hochschule für Gestaltung im Zeichen von Live-Inszenierungen, Wettbewerbsvorführungen, Jury-Diskussionen, Konzerten, Gesprächen und einer langen Hörspielnacht.

Der ARD Online Award wird vom Internet-Publikum vergeben, das über ein Online-Voting sein Lieblingsstück im Internet wählt. Das Stück mit den meisten Stimmen gewinnt. Abstimmen kann man bis zum 8.11. um 18 Uhr.

Wohin verschwinden die Grenzen?
Geschichten aus dem österreichisch-tschechischen Zwischenland

Von Antonia Kreppel

Mittwoch, 05.11.2014, 22.03 Uhr, SWR2

Das österreichische Grenzdorf Fratres und das tschechische Renaissancestädtchen Slavonice verbindet eine „Kulturbrücke“ und trennt noch immer die Last der Geschichte. „Hüben und drüben“ treffen sehr verschiedene Menschen aufeinander: Zugereiste, die Impulse setzen; Einheimische, die ums Überleben kämpfen; Rückkehrer, die kreative Versöhnungsarbeit leisten. Am ehemaligen Grenzübergang im Dreiländereck Böhmen, Mähren, Österreich steht ein Spruchband aus Metall: „Wohin verschwinden die Grenzen; Kam mizí hranice“? Ob Altenpflegerin oder Kunstsammler; Bauer oder Historiker; Familienforscher oder Kulturmanager; Automechaniker oder Künstler: 25 Jahre nach der Wende sind sich alle einig, dass die Grenzen nur langsam verschwinden oder sich am Ende nur verschieben.

Prix Europa 2014

Mittwoch, 05.11.2014, 0.05 Uhr, DR Kultur

Der Prix Europa zeichnet jedes Jahr die besten europäischen Medienproduktionen aus.

Das Festival findet in diesem Jahr vom 18. bis 25. Oktober in Berlin statt. In der Kategorie Hörfunk werden u.a. folgende Preise vergeben:

Bestes Radio-Feature

Beste investigative Radiosendung

Wir senden heute ein Preisträger-Feature.

Bauhaus, Buchenwald und Baudenkmäler
Die fantastische Karriere des Architekten Franz Ehrlich

Von Regina Kusch und Andreas Beckmann

Freitag, 07.11.2014, 20.10 Uhr, DLF

Er war Kommunist und Kapitalist, Genie und Hochstapler, Querdenker und Opportunist zugleich: Franz Ehrlich hat Architekturikonen wie das für seine Akustik gerühmte Funkhaus in der Berliner Nalepastraße entworfen und mit seiner Möbelserie 602 im Bauhaus-Stil einen DDR-Exportschlager konzipiert.

Er kassierte Spitzenhonorare und war doch als Formalist verfemt, da er den Zuckerbäckerstil der Stalin-Ära ebenso kritisierte wie die Plattenbausiedlungen. Seine spektakulären Pläne für den Wiederaufbau Dresdens oder die Leipziger Messe wurden von den Funktionären zurückgewiesen. Das hat ihn nicht gehindert, intensiv mit der Stasi zusammenzuarbeiten. Verfolgt und doch geschätzt war Franz Ehrlich schon in der NS-Zeit, als er im KZ Buchenwald zunächst in der illegalen Zelle der KPD mitarbeitete, aber nach dem Ende seiner Haft Villen für SS-Kommandeure gestaltete.

„Ich will ein Geständnis“
Medikamentenversuche an Kindern in der Schweiz

Von Charly Kowalczyk

Samstag, 8.11.2014, 13.05 Uhr, DLF/BR/WDR 2014
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Zufällig finden sich in verschiedenen Vormundschaftsakten Patientenprotokolle der psychiatrischen Klinik Münsterlingen im Kanton Thurgau. Ehemalige Zöglinge aus Kinderheimen und Pflegefamilien müssen nun feststellen, dass in den 60er- und 70er-Jahren an ihnen Tabletten getestet wurden – Psychopharmaka. Niemand hatte es ihnen gesagt. Als Kinder hatten sie im Heim des katholischen Klosters Fischingen oder in Pflegefamilien gelebt. Geliefert wurden die Pillen vom Basler Konzern Ciba, heute Novartis. An den Folgen der Versuche leiden die Betroffenen bis heute, sagen sie, an extremem Bluthochdruck, an Panikattacken und ständigen Kopfschmerzen. Wie war es möglich, dass man an diesen Kindern experimentieren konnte? Wer ist verantwortlich, trägt Sorge für die Folgen? Und heute? Kümmern sich Pharmakonzerne um ethische Standards, wenn sie in Indien, Rumänien oder Argentinien Arzneimittel testen? Unter welchen Umständen sind solche Tests überhaupt vertretbar?

Zwei Seiten Leben. Drei Trauerredner.
Ein Totentheater

Von Michael Lissek

Samstag, 08.11.2014, DR Kultur

Das Leben ist kurz, und lang ist der Tod. Ob während des Lebens Mitteilenswertes geschehen ist, darüber entscheiden am Ende die Hinterbliebenen (und ihre Sprachfähigkeit) sowie der Trauerredner (und seine Befragungs-, Schreib- und Performancetechnik).

Michael Lissek porträtiert drei Trauerredner und -rednerinnen, begleitet sie zu Bestattungen und zu Hinterbliebenen, und er lässt sie Trauerreden auf sich selbst halten. Es wird viel gesungen, eine Menge Luft geatmet, Yoga gemacht und an keiner Stelle geweint. Aus Totentheater wird Radio.

Wir sind das Volk – Die deutsche Wiedervereinigung

Von Dorothee Meyer-Kahrweg

Sonntag, 09. 11. 2014, 18:05 Uhr, hr2

Als US-Präsident Ronald Reagan 1987 am Brandenburger Tor rief: „Mr. Gorbatschow, tear down this wall!“, hielten die meisten Deutschen dies für eine utopische Forderung. Doch nur zwei Jahre später fiel die Mauer wirklich.

Die Entwicklung dieser aufregenden zwei Jahre zeichnet dieses Feature mit einer Fülle von Tondokumenten nach. Die Sendung ruft eine Zeit in Erinnerung, in der das Volk durch eine friedliche Revolution die Diktatur der SED-Herrschaft beendete. Das Feature erschien unter dem Titel „Wir sind das Volk“ auch als Hörbuch beim Verlag „Der Hörverlag – DHV“ München.