Radiotipps für die Wochen vom 16. bis 29. Mai 2016

Aliens
Invasion exotischer Tiere und Pflanzen

Von Stella Luncke und Josef Maria Schäfers

Montag, 16.05.2016, 11:05 Uhr, DLF

Sie reisen meist illegal ein, als blinde Passagiere mit dem Flugzeug oder im Ballastwasser von Frachtschiffen. Oder sie heften sich im Urlaub an unsere Kleidung: exotische Tiere und Pflanzen, sogenannte Aliens. Das Scheitern von Multikulti – nun auch bei Fauna und Flora?

Sie breiten sich unkontrolliert aus, verdrängen schwächere einheimische Artgenossen, verursachen Allergien, Krankheiten und immense wirtschaftliche Schäden.

Die Autoren sind bei ihren Recherchen auf mindestens ebenso alarmierte Heimatschützer gestoßen wie in der Debatte um Kopftuch & Co.

Kaderpudern
Rückblick der Muehl-Kommune

Von Hermann Theißen

Dienstag, 17.05.2016, 19:15 Uhr, DLF

Statt auf die Straße zu gehen, hätten die Österreicher auf den Tisch geschissen. So charakterisiert ein Achtundsechziger die kulturelle Differenz zwischen Wiener Aktionismus und SDS. Als sich in der BRD viele Linke in K-Gruppen und terroristische Zirkel verrannten, gründete der Aktionistenguru Otto Muehl an der Donau seine eigene Kadertruppe.

Seine „Aktionsanalytische Organisation“ wollte mit freier Sexualität, Abschaffung des Privateigentums und eigenwilliger Psychotherapie den neuen Menschen schaffen. Als sich die Kommune nach 20 Jahren auflöste, ging Muehl wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger ins Gefängnis. Viele Kommunarden mussten erkennen, dass der Aufbruch in die unbegrenzte Lust in Führerkult und organisierter Infantilität stecken geblieben war.

Reihe: Durch Osteuropa
Krakau mit Händen und Füßen – Ein capricciöses Reisefeature

Von Andra Joeckle

Mittwoch, 18.05.2016, 00:05 Uhr, DR Kultur

Mit einem Residenzstipendium in der Tasche lebte Andra Joeckle drei Monate zu Gast in der Villa Decius in Krakau. Statt geläufiger Reiseführer las sie Witold Gombrowicz, um sich Krakau aus dem verwegenen Geist dieses polnischen Enfant terrible der Literatur zu eigen zu machen.

Mit originellem Blick und Sprachwitz lässt Andra Joeckle die oft gepriesenen Bauschönheiten der Altstadt hinter sich und erkundet das Krakau der Gegenwart. Ausgestattet mit den sprachlich verqueren Einfällen des polnischen Dichters Witold Gombrowicz, räsoniert sie über den polnischen Handkuss oder über den Frauentyp der auf hohen Absätzen stiefelnden Tipsiara und Blachara, die man vor allen in Einkaufszentren findet. Ein selbstironischer und reiselustig machender Blick auf eine vielfach besungene Stadt.
Das Feature wurde mit dem Deutsch-Polnischen Journalistenpreis 2010 ausgezeichnet.

Fußballfans am rechten Flügel
Von Hooligans und neuen Schlachtfeldern

Von Manuel Gerber

Mittwoch, 18.05.2106, 18:03 Uhr, SWR2

Hooligans haben sowohl mit Fußball als auch mit Politik zu tun. Vereinsführungen oder der Verfassungsschutz sehen das gerne anders und spielen so die Probleme mit gewaltbereiten Fans herunter. Hooligans fiebern mit ihren Mannschaften, sie prügeln im Stadion und außerhalb, oft auch gegen Fans desselben Vereins. Und schon wird es politisch: Da geht es gegen linke Ultragruppen und um die Vorherrschaft in der Stadionkurve. Das zeigen rassistische Parolen und diskriminierende Banner. Ein großer Teil der Hooliganszene agiert am rechten Rand. Sie wird inzwischen gezielt von Neonazis infiltriert und von Pegida als Fußvolk benutzt, das als Ordner auftritt und gelegentlich auch zuschlägt. Die Hooligans gegen Salafisten (Hogesa) wiederum geben sich besorgt und bürgerlich und tragen ihre rechte Ideologie in die Fußballstadien, die damit auch zu Feldern politischer Auseinandersetzungen werden.

Panzer, Pferde, Patrioten
Der unheimliche Reiz von Nazi-Kitsch und Kriegsgerät

Von Tom Schimmeck

Freitag, 20.05.2016, 20:10 Uhr, DLF

Briefe, Orden, Uniformen, Kriegsgerät und Nazikunst sind gefragt. Auf Auktionen, Flohmärkten und in den Weiten des Internet erzielen Devotionalien des Dritten Reiches Höchstpreise. Manchmal stoßen Fahnder in deutschen Kellern und Scheunen auf rostige Panzer, tonnenschwere Statuen und Kunsttrümmer, die einst für die Welthauptstadt Germania gefertigt wurden.

Selbst Postkarten-Kitsch des mittellosen Straßenmalers Adolf Hitler verkauft sich prächtig. Hitler, der zweimal versuchte Aufnahme an der Wiener Kunstakademie zu finden, soll tausende Motive gemalt haben, um sich in Wien und München über Wasser zu halten. 2013 zahlte ein Sammler 133.000 Euro für ein kleines München-Motiv (Standesamt und Altes Rathaus München). Im Juni 2014 ging ein Hitler-Aquarell von Schloss Neuschwanstein für 100.000 Euro an einen chinesischen Fan.

Worin besteht der Reiz eines echten Hitlers? Warum steht eine Widmung von Joseph Goebbels mit 700 Euro im Katalog? Was ist die Botschaft von Arno Brekers Bronzemuskeln? Eine Rundreise durch die Welt der braunen Sammler.

„Wir gehen nicht in Rente!“
Das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude

Von Michael Marek

Samstag, 21.05.2016, 13:05 Uhr, BR2
Wiederholung am Sonntag, 21:05 Uhr

Von den einen wurde er spätestens mit der Verhüllung des Berliner Reichtags als Kunstgott in den Olymp erhoben, von anderen wird er noch heute als Scharlatan abgestempelt. Nun lässt er Kunstinteressierte über Wasser wandeln: Über zehn Jahre nach seinem letzten realisierten Großprojekt „The Gates“ in New York (2005) lässt Christo nun für „The Floating Piers“ 90.000 Quadratmeter gelb schimmernden Stoff über den norditalienischen Iseo-See legen. Wie alle Großprojekte des Künstlerduos Christo und Jeanne-Claude wird auch „The Floating Piers“ auf zwei Wochen (18. Juni bis 3. Juli 2016) begrenzt sein, dafür Tag und Nacht begehbar.
Ob Anhänger oder Kritiker: Unberührt blieb wohl niemand von ihren wie Happenings inszenierten Kunstaktionen: waren es verhüllte Gebäude, rosa umkränzte Inseln oder orange Tore mitten in New York.
Christo wurde 1935 in Bulgarien geboren, am selben Tag und im selben Jahr wie Jeanne-Claude. Zu Beginn ihrer Karriere waren es Stühle, Schuhe, Flaschen und Blechdosen, die mit Plastikfolie umwickelt zu Kunstobjekten wurden.
Nach dem Tod von Jeanne-Claude im November 2009 löst Christo ein Versprechen ein, das sich beide vor vielen Jahren gegeben haben: Ihre Projekte auch dann fortzusetzen, wenn einer von beiden stirbt .
Michael Marek, geboren 1960, lebt und arbeitet als freier Autor in Hamburg; vor allem für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland, Österreich und der Schweiz; zahlreiche Reportagen und Features zur Zeitgeschichte; darunter „Unterwegs in der Geschichte Deutschlands – der NS-Staat und der Zweite Weltkrieg“, „My Lai“, Anatomie eines Massakers“, „Die dunkle Seite des Paradieses – Mohamed Nasheed und die Malediven“; verschiedene Auszeichnungen für Radioproduktionen, zuletzt der Silberne Columbus für „Im ewigen Eis der Antarktis“; im Hörverlag erschienen „Stauffenberg – eine deutsche Biographie“.

Reihe: Durch Osteuropa
Das Modell von Érpatak
Wie ein rechtsextremer Bürgermeister Ungarn verändert

Von Keno Verseck

Samstag, 21. Mai 2016, 18:05 Uhr, DR Kultur

Érpatak, ein winziges Dorf im Nordosten Ungarns, war bis 2005 ziemlich bedeutungslos – bis Mihály Zoltán Orosz zum Bürgermeister gewählt wurde. Der bekennende Rechtsextreme, Ordnungsfanatiker, Antisemit und Romahasser führte im Dorf das “Modell von Érpatak“ ein und etablierte es als verbindliches Wertemodell.

Die Regeln lauten: Ordnung, Arbeits- und Gemeinschaftssinn, nationale Brauchtumspflege. Wer die Regeln nicht einhält, dem droht Kürzung der Sozialhilfe, Ausgrenzung, sogar Vertreibung aus dem Dorf.

Der Schuss in der Zauberflöte

Von Stefan Zednik

Sonntag 22.05.2016, 14:05 Uhr, SWR2

Am 2. Juni 1967 treffen in Berlin studentischer Protest und Polizeigewalt aufeinander. Anlass ist der Besuch eines Staatsgastes: Mohammad Reza Pahlavi. Während der Schah von Persien im abgeriegelten Opernhaus die „Zauberflöte“ genießt, wird draußen der Student Benno Ohnesorg von einem Polizeibeamten erschossen. Reale Gewalt und fiktives Märchen. Doch es gibt Parallelen, nicht nur zwischen dem „Herrscher aus dem Morgenland“ und dem „weisen Herrscher“ Sarastro der „Zauberflöte“. Auch der Kampf um Macht, Jugend und Zukunft sind in Wirklichkeit und Oper ähnlich. Und die Königin, die zu Beginn noch einem jungen Prinzen vertraut, führt am Ende eine bewaffnete Gruppe an. Gudrun Ensslin, Pfarrerstochter aus Schwaben und Mutter eines wenige Wochen alten Sohnes, wird unmittelbar nach Bekanntwerden des Todes von Ohnesorg sagen: „Das sind Faschisten, diesmal sind wir dran, wir müssen uns bewaffnen!“

Dschihad im Klassenzimmer?
Wie Schüler und Lehrer mit Radikalisierung umgehen

Von Christiane Kreiner

Sonntag, 22. Mai 2016, 18:05 Uhr, hr2

Wenn der Terror des so genannten „IS“ im Klassenzimmer ankommt, sind alle überfordert. Auch in Hessen machen derzeit Schüler und Lehrer die Erfahrung, dass sich Mitschüler radikalisieren. Einige sind sogar nach Syrien ausgereist, um für den IS zu kämpfen.

Deshalb hat das Land eine eigene Beratungsstelle zum Thema „islamistische Radikalisierung“ eingerichtet. Die Berater, oft mit muslimischem Hintergrund, sind Sozialarbeiter und Islamwissenschaftler. Sie versuchen, Radikalisierungsprozesse aufzuhalten, beraten Betroffene und deren Eltern, und bieten Aufklärungsworkshops in Schulen an.
Darüber hinaus gibt es auch Schul-Initiativen gegen „islamistischen Extremismus“, wie die einer 10. Klasse aus Wiesbaden. Unter dem Motto „Schüler klären Schüler auf“ lassen sich die Jugendlichen von Verfassungsschützern und einer Islamwissenschaftlerin zu Schülerexperten ausbilden.

Park Babelsberg
Das Schwarze Meer ist oben auf dem Berg

Von Heike Tauch

Dienstag, 24.05.2016, 19:15 Uhr, DLF

Dass heute Schloss und Park Babelsberg in solcher Pracht zu bewundern sind, grenzt fast an ein Wunder. Erst hinterließen die Weltkriege ihre Spuren am Werk von Lenné und Pückler, dann kam die DDR: Auf einem Teil errichtete man als Plattenbau die Walter-Ulbricht-Akademie.

Der andere – eine angelegte Hügellandschaft – wurde planiert, um mit Maschendraht, Kolonnenweg und Hundelaufanlage Menschen davon abzuhalten, das Land zu verlassen. Zeuge dieser Veränderungen war auf Ost-Seite der Gartendenkmalpfleger Karl Eisbein.

Überzeugt davon, dass solch eine Barbarei nicht von Dauer sein kann, dokumentierte er Urzustand wie Zerstörungen mit professionellem Blick – für eine Zeit danach. Eisbein sollte sie selbst erleben. Nach der Wende war er bis 2008 für den Park verantwortlich.

Er ließ Erdschichten zurückschieben, stellte alte Blickbeziehungen wieder her, widmete sich der Rekonstruktion des Wegenetzes. Eisbein ist kein „Homme de lettres“, er ist ein „Homme de l’arbre“. Seine Sprache sind Bäume, Sträucher, Seen und Bäche.

Ein Streifzug durch Schichten und Geschichte von Park Babelsberg.

Plattenbausiedlung in HA-NEU
Diese Stadt stand in einem anderen Land

Von Anselm Weidner

Mittwoch, 25.05.2016, 00:05 Uhr, DR Kultur

Halle-Neustadt, die einzige in Großplattenbauweise erbaute Großstadt Deutschlands, war die städtebauliche Ikone der DDR-Nachkriegsmoderne, funktionale Chemiearbeiterstadt vor den Toren von Buna und Leuna und gebaute Utopie gleicher Lebensbedingungen für alle.

Nach der Wende verlor die Stadt die Hälfte ihrer Bevölkerung, wurde ein Siebtel abgerissen. Heute gespalten in Ghettos, in bessere und Armenviertel, geht sie einer unsicheren Zukunft entgegen.

Hightech für die Außengrenze
Feature über die Profiteure der europäischen Flüchtlingsabwehr

Von Ralf Homann

Mittwoch, 25.05.2016, 22:03 Uhr, SWR2

Trotz Flüchtlingskrise und deutscher Willkommenskultur kommt Europas Migrations-politik nicht voran. Zu stark scheinen die Widerstände einzelner Mitgliedsstaaten. Doch welche Rolle spielen dabei organisierte Lobby-Interessen, zum Beispiel die der Rüstungs- und Sicherheitsindustrie? Über zwei Milliarden Euro pumpt die EU in Aufrüstung und technische Entwicklung einer „intelligenten“ Außengrenze. Drohnen und Datenbanken, Biometrie, Satellitensysteme und Echtzeitapplikationen. Die sind nicht nur für Europa gedacht: Erklärtes EU-Ziel ist die weltweite Vermarktung der neuartigen High-Tech-Produkte. Seit mehr als einem Jahrzehnt arbeitet ein Netzwerk aus Politik und Industrie daran, für jede Herausforderung im Migrationsmanagement eine technische Lösung bereit zu stellen. Blockiert dieser neu geschaffene milliardenschwere Markt für Grenzsicherheit eine humane Migrationspolitik? Bremst die Geheimhaltung der Sicherheitsindustrie eine demokratische Debatte von Alternativen aus? Eine Recherche im Milieu von Politikberatung und Brüsseler Lobbyismus.

Radiocollage
Messer und Uhr

Von Lutz Dammbeck

Freitag, 27.05.2016, 20:10 Uhr, DR Kultur

In einer Sendung des deutschen Fernsehens erzählt der Schauspieler und ehemalige Showmaster Joachim Fuchsberger, dass die Spiele für seine erste Spielshow in der amerikanischen Psychiatrie entwickelt wurden. Innerhalb einer Minute und angetrieben vom Klacken einer Uhr mussten Paare bestimmte Aufgaben lösen, um Haushaltsgeräte oder Geld zu gewinnen.

Auf die Frage: „Und wie viel Patienten haben bei Dir zugeschaut?“ antwortet Fuchsberger: „Eine ganze Nation! Eine verrückte Nation! Eine psychisch gestörte Nation!“ Wieso waren die Deutschen, genauer: die Westdeutschen, damals eine „verrückte, eine psychisch gestörte Nation?“.

Ein Irre-Sein im medizinischen Sinn war sicher nicht gemeint, eher die Abweichung von einer Norm. Aber von welcher Norm waren sie abgewichen, und was galt als normal? Was zunächst als lineare Recherche in tagebuchähnlicher Form beginnt, verdichtet sich bald zu einem polyphonen Porträt, aber nicht dem einer konkreten Person, sondern eines systemischen Entwurfs der Welt – und den akustischen Spuren seiner Realisierung.

Hightech für die Außengrenze
Die Profiteure der europäischen Flüchtlingsabwehr

Von Ralf Homann

Samstag, 28.05.2016, 13:05 Uhr, BR 2
Wiederholung am Sonntag, 21:05 Uhr

Trotz Flüchtlingskrise und deutscher Willkommenskultur kommt Europas Migrations-politik nicht voran. Zu stark scheinen die Widerstände einzelner Mitgliedsstaaten. Doch welche Rolle spielen dabei organisierte Lobby-Interessen, zum Beispiel die der Rüstungs- und Sicherheitsindustrie? Über zwei Milliarden Euro pumpt die EU in Aufrüstung und technische Entwicklung einer „intelligenten“ Außengrenze. Drohnen und Datenbanken, Biometrie, Satellitensysteme und Echtzeitapplikationen. Die sind nicht nur für Europa gedacht: Erklärtes EU-Ziel ist die weltweite Vermarktung der neuartigen High-Tech-Produkte. Seit mehr als einem Jahrzehnt arbeitet ein Netzwerk aus Politik und Industrie daran, für jede Herausforderung im Migrationsmanagement eine technische Lösung bereit zu stellen. Blockiert dieser neu geschaffene milliardenschwere Markt für Grenzsicherheit eine humane Migrationspolitik? Bremst die Geheimhaltung der Sicherheitsindustrie eine demokratische Debatte von Alternativen aus? Eine Recherche im Milieu von Politikberatung und Brüsseler Lobbyismus.

Reihe: Durch Osteuropa
Die Alltäglichkeit des Unsichtbaren – Junge Roma in Europa

Von Elisabeth Putz

Samstag, 28.05.2016, 18:06 Uhr, DR Kultur

Die Mehrheit der Slowaken bezeichnet Roma als integrationsunwillig. Die Mehrheit der Roma ruft ins Mikrofon, Slowaken seien Rassisten. Zwei Randpositionen einer komplexen Materie.

Die Mitte wird dabei oft vergessen. Und so kommen viele Journalisten nach Lunik IX, einem der größten Ghettos Europas, um eine „Safari“ zu machen. Sie bezahlen ein wenig Geld und Roma liefern Geschichten. Dieses Feature ist ein Versuch hinter eine Klischeemauer zu blicken.

Hinter den Masken
Die Welt des japanischen No-Theaters

Von Isabella Arcucci

Sonntag, 29.05.2016, 14:05 Uhr, SWR2

Starre Gesichter, eckige Bewegungen, jaulende Gesänge. Für westliche Besucher ist das japanische Nô-Theater bestenfalls ein Rätsel – und meistenfalls eine ästhetische Zumutung. Keine andere Theaterform verschließt sich derart dem Zugang des kulturfremden Laien. Kann ein Nicht-Japaner auch nur annähernd begreifen, was da hinter den holzgeschnitzten Masken geschieht? Isabella Arcucci ist es gelungen, indem sie selbst die Maske aufgesetzt hat. In einer studentischen Nô-Gruppe in Japan hat sie das Theater von innen kennengelernt, seine Kultur, seine Meister und seine Philosophie.

 

Radiotipps für die Woche vom 25. April bis 1. Mai 2016

„Die Vergesslichkeit, die wir haben“
Leben mit Demenz

Von Egon Koch

Mittwoch, 27.04.2016, 22:03 Uhr, SWR2

Drei Männer, die die Diagnose Demenz erhalten haben, erzählen vom Leben mit ihrer Krankheit. Sie gehören zu den rund 1,5 Millionen Menschen, die derzeit in Deutschland an dieser Krankheit leiden. Bis 2050 wird ein Anstieg auf 3 Millionen erwartet. Wie erleben die Erkrankten sich und ihre Demenz? Wie kommen sie mit Diagnose und Stigmatisierung, Vergesslichkeit und Verunsicherung zurecht? Welche Lebensstrategien entwickeln sie? Ihre Erzählungen führen weit zurück in die jeweilige Lebensgeschichte – in Erinnerungen, aber auch an konkrete Orte. Wie jeder Mensch sein eigenes Leben hat, so auch seine eigene Demenz. Und jeder begegnet auf seine Weise der großen Herausforderung. Der eine mehr mit Humor, der andere mit Liebe zu seiner Frau, der dritte mit Präzision. Keiner von ihnen hat Angst, mit fortschreitender Krankheit sich selbst verloren zu gehen. Weisheit und Gelassenheit klingen durch, wenn einer von ihnen sagt: „Ich nehme ja an, dass ich das nicht mehr so richtig mitkriege, also von daher würde es mich auch nicht weiter stören.“

Aus dem Archiv des Auswärtigen Amtes
Die „angebliche“ Indianerverfolgung in Paraguay

Von Gaby Weber

26.04.2016, 19:15 Uhr, DLF

In Paraguay putschte sich 1954 der deutschstämmige Diktator Alfredo Stroessner an die Macht. 35 Jahre lang ließ er Widersacher unterdrücken: landlose Bauern, Kommunisten und demokratische Parteien. 1972 rüttelte ein deutscher Ethnologe die Weltöffentlichkeit auf und berichtete von Menschenjagden auf die Aché-Indianer.

Weltweite Proteste von Menschenrechtsorganisationen halfen wenig, deutsche Diplomaten stellten sich auf die Seite des Stroessner-Regimes und sprachen von einem „Störfall“ und „angeblicher“ Indianerverfolgung. Heute steht fest, dass die Aché-Indianer systematisch verfolgt und versklavt worden sind. Nur noch wenige sind am Leben. Inzwischen hat das Auswärtige Amt seine Akten aus dem Archiv freigegeben.

Mehr als Schmerz und Kommerz
Neue Töne im Musical

Von Rainer Link

Freitag, 29.04.2016, 20:10 Uhr, DLF

Seit einem Vierteljahrhundert gehört das Musical zu den beliebtesten Kulturangeboten. Der Siegeszug der Musicalindustrie begann mit den eingängigen Melodien des britischen Komponisten Andrew Lloyd-Webber. Für Werke wie „Das Phantom der Oper“ oder „Starlight Express“ wurden eigene Abspielstätten errichtet und das Publikum per Bus herangefahren.

Im Grunde handelt es sich dabei um das serielle Abspielen von musischen Convenience-Produkten mit Langlebigkeitsgarantie und austauschbaren Darstellern. Aber das Musical war früher – und ist es in Randbereichen auch heute noch – etwas ganz anderes: ein unangepasstes musisches Spektakel, das sich unbotmäßig und angriffslustig den Themen der Zeit zuwendet.

Das Feature blickt hinter die Kulissen der großen Musicalbühnen zu Land und auf Kreuzfahrtschiffen, besucht die Ausbildungsstätten des Sänger-Nachwuchses und hinterfragt den Businessplan der Investoren. Es trifft die Macher von Off-Musicals, die an kleinen Bühnen mit geringen Etats die Kunstgattung Musical aus der kommerziellen Umklammerung zu befreien versuchen.

Mein Tschernobyl
Vom Versuch, die Wahrheit über den größten anzunehmenden Unfall herauszufinden

Von Helga Montag

Samstag, 30.04.2016, 13:05 Uhr, Bayern 2

  1. April 1986: In Tschernobyl explodiert der 4. Block des Atomkraftwerks. Die westliche Welt erfährt erst Tage später, dass sich in der Ukraine der Gau ereignet hat, der größte anzunehmende Unfall. Am Tag vor dem 1. Mai wird klar: Die radioaktive Wolke hat Deutschland erreicht. Es zeigt sich, dass Bayern besonders betroffen ist, denn dort hatte es zu diesem Zeitpunkt stark geregnet.
    Die sowjetische Regierung setzt zunächst wie gewohnt auf Geheimhaltung. Aber Gorbatschows Losung von „Glasnost und Perestroika“ verändern den Staat, die Sowjetunion bricht auseinander, die Ukraine wird unabhängig. Jetzt können auch westliche Journalisten ungehindert recherchieren und interviewen, wen sie wollen. Sie können sich ein Bild machen von der Situation im Kraftwerk, in der abgesiedelten Zone und von der Lage in den Dörfern und Städten mit extremer radioaktiver Belastung, in denen die Menschen noch jahrelang ausharren müssen.
    Helga Montag war seit 1990 mehrmals auf Spurensuche in den verstrahlten Regionen in der Ukraine und in Weißrussland. Sie hat mit Betroffenen, Verantwortlichen und Politikern, mit Wissenschaftlern und Ärzten gesprochen. Sie hatte die Hoffnung, die Wahrheit herauszufinden über die Katastrophe und ihre Folgen.
    Als die Autorin 2011 an ihrem Feature zum 25. Jahrestag der sowjetischen Reaktorkatastrophe arbeitete, kam die Schreckensmeldung von Fukushima.
    Sowjetische Kernkraftwerke seien schlecht, westliche Reaktoren sicher. Kernkraft sei sauber und billig, so die westliche Devise auch Jahre nach Tschernobyl. Der Supergau im japanischen Fukushima hat gezeigt, dass dies eine Täuschung war.

Beirut – die komplizierteste Stadt der Welt
We’re in deep shit

Von Sammy Khamis und Florian Schairer

Samstag, 30.04.2016, 18:05 Uhr, DR Kultur

Die Autoren reisen in den Libanon und entdecken das komplizierteste Land der Welt. Dort treffen sie eine junge Sunnitin, die ihren Großvater als Faschisten beschimpft.

Sammy Khamis und Florian Schairer reisen in den Libanon. Sie treffen eine junge Sunnitin, die ihren Großvater als Faschisten beschimpft; eine Schiitin, die sich über fromme Männer aufregt, die ihr schamlos auf den Busen glotzen, einen Münchner Studenten mit libanesischen Wurzeln, der die Reporter in sein christliches Dorf zur Party mit UNO-Soldaten mitnimmt.

Sie sprechen mit dem Sänger einer Indie-Band, der eine Hymne über schwule Liebe geschrieben hat und mit einem Professor für arabische Geschichte, der ISIS für eine interessante Option hält.

Scheitern ist.
Eine Bestandsaufnahme

Von Rilo Chmielorz

Sonntag, 01.05.2016, 14:05 Uhr, SWR2

Schon mal das Gift des Scheiterns in den Adern gespürt? Wenn man unbedingt etwas erreichen will und dann komplett Schiffbruch erleidet? Klar, denn was das Scheitern betrifft, sind doch eigentlich alle Experten, die Autorin selbstredend eingeschlossen. Behauptet sie doch seit Jahrzehnten eine Scheiternde zu sein. Was keine Schande ist. Selbst der liebe Gott erlebt sich als scheiternd und das Alte Testament scheint geradezu ein Kompendium des Scheiterns zu sein. Geschichten vom Scheitern archiviert und katalogisiert das Institut zur Aneignung und Nachhaltigkeit des Scheiterns. Ein Ort der Zuflucht für alle Scheiternde. „Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.“ – Becketts Credo der Moderne. Scheitern ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Zur Vermeidung weiterer Provokationen.
Die kurze Lebensgeschichte des Michael Gartenschläger

Sonntag, 1. Mai 2016, 18:05 Uhr, hr2

Von Roman Grafe

Die DDR verkaufte die Grenze zur BRD als Schutzwall gegen den Imperialismus. Doch nicht alle DDR-Bürger gaben sich damit zufrieden. Der 17-jährige Michael Gartenschläger hatte schon 1961 in der DDR zusammen mit Freunden gegen den Mauerbau in Berlin protestiert. Er wurde festgenommen und zu lebenslanger Haft verurteilt.

1971, nach zehn Jahren Haft, wurde er von der Bundesrepublik freigekauft. Daraufhin agierte er von Hamburg aus gegen die DDR und engagierte sich als Fluchthelfer. Da die DDR den Einsatz von Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze bestritt, baute er im März und April 1976 zwei dieser Anlagen aus und präsentierte sie im Westen.

Vor vierzig Jahren, am 30. April 1976, startete er einen weiteren Versuch, eine Anlage an der Grenze zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg auszubauen. Dabei wurde Gartenschläger von DDR-Grenzsoldaten überrascht und angeschossen. Er starb noch an der Grenze am 30. April 1976, um 23.45 Uhr. Im März 2000 und April 2003 wurden Offiziere und Soldaten der Stasi und NVA in Rostock bzw. Berlin wegen Verdacht des Totschlags freigesprochen.

Radiotipps für die Woche vom 18. bis 24. April 2016

High in Uruguay
Wie Montevideo den Drogenkrieg beenden will

Von Karl-Ludolf Hübener

Dienstag, 19.04.2016, 19.15 Uhr, DLF

Weltweites Aufsehen erregte Uruguay mit seinem radikalen Bruch in der Drogenpolitik: Das kleine Land war der weltweit erste Staat, der Cannabis vollständig legalisierte und damit Korruption, Drogengewalt, Mafiosi und Geldwäsche den Kampf ansagte. Inzwischen grünt „Gras“ auf Balkonen und in Gärten, liefern Grow-Shops speziellen Dünger und Gewächshäuser.

Eine Cannabis-Messe lockte Tausende an. Von Kifferparadies war vorschnell die Rede. Doch „High in Uruguay“ gilt nur für Einheimische.

Detaillierte Richtlinien regulieren den Markt für Cannabis. Kiffer haben die Wahl zwischen Eigenanbau von sechs Marihuana-Pflanzen, Cannabis-Clubs oder Apotheken, in der sie den Stoff für ihre Joints, monatlich 40 Gramm pro Person, erstehen können.

Sicherheitskräfte überwachen die tonnenschwere Gras-Produktion von staatlich lizenzierten Firmen.

Podcast aus den USA
The Wisdom of Jay Thunderbolt

Von Nick van der Kolk, Brendan Baker und Nick Williams

Mittwoch, 20.04.2016, 00:05 Uhr, DR Kultur

Eine Podcast-Kreation aus Amerika über einen durchgeknallten Typen. Ein cooler Mix aus Interview und Dancetrack.

Jay Thunderbolt’s Visitenkarte ist ein bisschen geheimnisvoll. Es steht nur eine Telefonnummer darauf und darunter: „Thunderbolt – Party Naked“. Wenn man dort anruft, lädt Thunderbolt zu einem privaten Stripclub ein, den er aus seinem Bungalow in einem Arbeiterviertel in Detroit heraus betreibt. Eine lange, verwickelte Geschichte in einem Mix aus Interview und Dancetrack.

Die Zehnte Muse
Das Gras in Shakespeares Garten

Von David Zaine Mairowitz

Freitag, 22.04.2016, 20:10 Uhr, DLF

Francis Thackerey aus Pretoria, Südafrika, ist nicht nur ein begnadeter Paläontologe, sondern außerdem Shakespeare-Enthusiast. Besonders angetan haben es ihm die Sonette des „Schwans von Avon“, obwohl: Ein bisschen verdächtig kommen sie Francis vor. Wer oder was zum Beispiel ist die zehnte Muse, die Shakespeare so inbrünstig besingt?

Francis‘ Verdacht: Hasch! Shakespeare war high, als er dichtete! Für diese fixe Idee tut Francis einiges: Er lässt die in Shakespeares Garten gefundenen Pfeifenköpfe untersuchen, streitet sich mit der Fachwelt, tritt auf Cannabis-Kongressen auf.

Nur einem verweigert er sich: dem Kiffen.

Die Illegalen
Ein Feature über Deutschlands stille Sklaven

Von Jens Schellhass

Samstag, 23.04.2016, 13.05 Uhr, Bayern2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Bis zu einer Million illegale Einwanderer leben in Deutschland, vielleicht auch mehr, keiner weiß das. Es sind Menschen ohne gültige Papiere. Die meisten von ihnen kommen aus Westafrika und den Balkanstaaten. Sie sind vor Hunger und Armut geflohen, um ihre Familien in den Heimatländern zu ernähren. Oder ihre „falsche“ Einstellung zu Religion oder Politik trieb sie in die Flucht. In Deutschland arbeiten „Illegale“ schwarz und prekär in Umzugs- oder Putzfirmen, der Nahrungsmittelindustrie, der Gastronomie oder als Haushaltshilfen. Ihr Leben gleicht einer Schattenwelt. Angelockt vom großen Geld arbeiten sie weit unter Mindestlohn. Oft gibt es letztlich keinen Cent. Wer krank wird, fliegt raus und krankenversichert ist keiner von ihnen. Die „Illegalen“ leben in ständiger Angst aufzufliegen und abgeschoben zu werden, davon profitieren viele deutsche Arbeitgeber.

Osteraufstand – Irlands Kampf um die Unabhängigkeit
Die Rebellion im Hauptpostamt

Von Hannelore Hippe

Samstag, 23.04.2016, 18.05 Uhr, DR Kultur

„Nur Mut Jungs, wir gewinnen“, rief der irische Freiheitskämpfer James Connolly im brennenden Dubliner Hauptpostamt seinen Kameraden zu. Er behielt recht. Nur hat er die Unabhängigkeit Irlands von Großbritannien nicht mehr erlebt, die als Spätfolge des Osteraufstands sechs Jahre später erklärt wurde.

Vor etwa 50 Jahren interviewte ein Ire die letzten noch lebenden Teilnehmer dieses Osteraufstandes von 1916. Das bis dahin unveröffentlichte Material stand der Autorin zur Verfügung.

Der Kopf der Herde
Unterwegs mit Schäfern

Von Christiane Seiler

Sonntag, 24.04.2016, 14.05 Uhr SWR2

Noch 2000 Berufsschäfer soll es in Deutschland geben, aber es werden immer weniger. Auch der Schafbestand geht zurück. Sollten Hirten mit ihren Tieren in unserer durch moderne Agrarindustrie und Flächenverbrauch gezeichneten Landschaft keinen Platz mehr finden? Feature-Autorin Christiane Seiler hat mit drei Schäfern auf Wiesen und Deichen Schafe und Lämmer gehütet und sich vom Alltag, den Träumen und Schwierigkeiten dieser Individualisten erzählen lassen. Sie traf Knut Kucznik, der an der Wanderschäferei festhält; Klaus Seebürger, Herr über fünf Herden mit je tausend Tieren und Josephine Hermühlen, Leiterin einer kleinen Ökoschäferei in Mecklenburg.

Flucht.Bewegung
Ein Feature über das Geschäft mit dem Illegalen

Von Andy Holzer

Sonntag, 24. April 2016, 18:05 Uhr, hr2

Bis zu einer Million illegale Einwanderer leben in Deutschland, vielleicht auch mehr, keiner weiß das. Es sind Menschen ohne gültige Papiere. Die meisten von ihnen kommen aus Westafrika und den Balkanstaaten.

Sie sind vor Hunger und Armut geflohen, um ihre Familien in den Heimatländern zu ernähren. Oder ihre „falsche“ Einstellung zu Religion oder Politik trieb sie in die Flucht. In Deutschland arbeiten „Illegale“ schwarz und prekär in Umzugs- oder Putzfirmen, der Nahrungsmittelindustrie, der Gastronomie oder als Haushaltshilfen. Ihr Leben gleicht einer Schattenwelt. Angelockt vom großen Geld arbeiten sie weit unter Mindestlohn. Oft gibt es letztlich keinen Cent. Wer krank wird, fliegt raus und krankenversichert ist keiner von ihnen. Die „Illegalen“ leben in ständiger Angst aufzufliegen und abgeschoben zu werden, davon profitieren viele deutsche Arbeitgeber.

 

Radiotipps für die Woche vom 11. bis 17. April 2016

Der Wandel geht vom Süden aus
Podemos und der Geist politischer Veränderung in Valencia

Von Joachim Palutzki

Dienstag, 12.04.2016, 19:15 Uhr, DLF

Spanien hat ein historisches Wahljahr hinter sich. Es scheint, als haben die Wählerbewegung Podemos und die regionalen alternativen Parteigruppierungen zumindest einen Teil ihrer Ziele erreicht: die Einleitung eines grundlegenden Wandels des Zweiparteiensystems und die Abkehr von der ausschließlichen Ausrichtung der Politik auf die Sparvorgaben der EU.

Wie in Madrid und Barcelona, regiert auch in Valencia seit Mai 2015 ein linksalternatives Bündnis. Die sich auf basisdemokratische Prinzipien berufene Wählerbewegung Podemos versteht sich dabei als „Motor“ der Bewegung, vor allem aber als „Werkzeug“ zur Durchsetzung einer Politik von unten, die aus den Bürgerversammlungen der Stadtteile und Gemeinden kommen soll.

Hightech-Popstar und Magnetfeld-Magier
Teslanauten

Von Mithu Sanyal und Christian Ahlborn

Mittwoch, 13.04.2016, 00:05 Uhr, DR Kultur

Wechselstrom, Generatoren und Transformatoren, Oszillatoren, Spulen, drahtlose Energie und Nachrichtenübertragung. 112 Patente hat der Physiker, Ingenieur und Erfinder Nikola Tesla (1856-1943) angemeldet. Einige davon waren genial und epochal, andere eher verrückt und fantastisch.

Doch was immer Tesla plante, stets umgab ihn eine magisch-mysteriöse Aura. Er war eine Art High-Tech-Popstar des 20. Jahrhunderts, ein Strom-Schamane und Magnetfeld-Magier, dessen Leben nicht weniger bizarr war als seine Erfindungen.

Der Krieg im Fokus
Die Fotografin Herlinde Koelbl spricht mit Soldaten

Von Heike Tauch

Mittwoch, 13.04.2016, 22.03 Uhr, SWR2

Über sechs Jahre reiste die Fotografin Herlinde Koelbl in fast 30 Länder, um an militärischen Ausbildungsorten landestypische Schießziele zu dokumentieren. Aus diesen fotografischen Aufnahmen entstand ihr Kunstprojekt TARGETS. Darüber hinaus sprach Koelbl mit Soldaten und Scharfschützen. Unter Zusicherung der Anonymität erzählen sie von den moralischen Herausforderungen, von ihrer Motivation und Ausbildung, von Führung und Gehorsam, von Schuld und Fehlentscheidungen. Und immer fragt Herlinde Koelbl nach dem ersten Schuss: „Wie war es, als Sie das erste Mal auf einen Menschen zielten und abdrückten? Können Sie sich daran erinnern?“ Überdies berichtet die Fotografin, was sie bewegte, sich dem Thema und damit den Menschen zu nähern, die trainieren, gut zu schießen, um den Feind zu töten.

Madgermanes
Die Dauerdemo von Maputo

Von Kai-Uwe Kohlschmidt

Freitag, 15.04.2016, 20:10 Uhr, DLF

Pedro ist der freundliche Schwarze von Müllrose, Brandenburg. Er hatte Glück: Das erste Mal durfte er als Vertragsarbeiter aus Mosambik in die DDR kommen, das zweite Mal durfte er bleiben. Kosca hatte hingegen Pech – und deshalb führt er jetzt die „Madgermanes“ an. So heißen sie in Maputo: „diese Deutschen“.

Woche für Woche demonstrieren sie in der mosambikanischen Hauptstadt, seit 25 Jahren. 1991, als in Hoyerswerda die Rechten Jagd auf Schwarze machten,  kehrten die meisten der fast 20.000 in der DDR angeheuerten Mosambikaner nach Hause zurück. Und kippten ins Leere. Die Volksrepublik Mosambik war im Bürgerkrieg zerfallen. Das Geld, das sie in der DDR verdient hatten, war nicht, wie vereinbart, auf einem Konto gelandet, sondern versickert.

Seitdem stören die Madgermanes ihre Landsleute. Sie pochen auf Ansprüche, die keiner versteht. Irgendwie Deutsch.

Mein Schneck ist mir Bedürfnis
Zur ökonomischen und ethischen Relevanz unserer Tierliebe

Von Gesche Piening

Samstag, 16.04.2016, 13:05 Uhr, Bayern2, Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Unser Umgang mit Haustieren hat sich gewandelt, fundamental. Ob Katze oder Hund, Kanarienvogel, Flusskrebs oder Assel, als beste Freunde und treuste Begleiter mit einer Vielzahl menschlicher Errungenschaften und Privilegien sind unsere Haustiere längst zur ernst zu nehmenden Konsumentengruppe geworden. Und der Markt stellt ihnen eine umfangreiche Produkt- und Dienstleistungspalette bereit: Von der Wohnungseinrichtung im tierischen Möbeldesign und dem Traumurlaub im Tierhotel über Vorsorge-Möglichkeiten für schlechtere Zeiten bis hin zur letzten Ruhe auf dem Tierfriedhof. Es ist für alles gesorgt.
Die Angebote unserer Wohlstandsgesellschaft schließen die Tiere mehr und mehr mit ein und gestalten ihre Biographien ganz nach unserem Vorbild.
Unterdessen wer den Haustiere auch für die Tierhalter dank innovativer Forschung und breiter Angebotspaletten immer attraktiver. Für jedes Geld-, Zeit- und Platzbudget findet sich das passende Tier: Von den versorgungs-intensiven Haustierklassikern mit stetig steigender Lebenserwartung bis hin zu pflegeleichten und kurzlebigen Käfern – niemand muss mehr darauf verzichten, sein Fürsorge-Bedürfnis nach Belieben auszuleben. Haustiere sind hoch im Kurs.
Doch auf welchen politischen Grundannahmen basiert die ökonomisch geprägte Verhaltensweise gegenüber unseren Haustieren? Und an welchem Punkt geraten sie mit unserer Tierliebe in Widerspruch? Welche ethischen Fragen wirft unsere Tierliebe auf? “Mein Schneck ist mir Bedürfnis” begibt sich auf die Suche nach dem ökonomischen und ethischen Status Quo. Ist ein Haustier einfach nur das, was der Einzelne draus macht?

Ein Gutshof in Schlesien
Guten Tag auf Polnisch

Von Lisbeth Jessen

Samstag, 16.04.2016, 18:05 Uhr, DR Kultur

Park Avenue in Manhattan – wer hier lebt, hat es geschafft. Ann Elizabeth wohnt in einem ehemaligen Aparthotel im 24. Stock. Ihre Großmutter war 1936 mit zwei Söhnen aus Deutschland emigriert, und die Söhne haben sich in den USA neu erfunden.

Seit dem Zweiten Weltkrieg aber sprach keiner in der Familie mehr von dem Gut in Oberschlesien, von dem sie eigentlich stammten.

Nach dem Tod der Großmutter wird ein Koffer mit alten Familienfotos geöffnet und bringt die Familiengeheimnisse zum Vorschein. Ann wird sich ihrer jüdischen Ursprünge bewusst und reist nach Dobrodzien, das früher Guttentag hieß. Das frühere Familiengut steht jetzt zum Verkauf.

Deutsches Wintermärchen Marokko

Von Rosie Füglein

Sonntag, 17.04.2016, 14:05 Uhr, SWR2

„Bis vor kurzem ging die landläufige Meinung dahin, Kolonien seien ein überwundener Standpunkt. Erst in neuer Zeit haben sich andere Stimmen erhoben.“ Es ist lange her, dass diese Sätze in einer Zeitung erschienen. Inzwischen haben sich Lutz und Evelyne, Peter, Brigitte und tausende andere an der Küste von Marokko mit ihren Wohnmobilen angesiedelt. Sie leben in einer Hochsicherheitsanlage, bewacht von modernster Elektronik und altbewährten deutschen Schäferhunden. Und sie genießen ihre Freiheit. Währenddessen versuchen junge Afrikaner vergeblich, von Marokko nach Europa zu gelangen. Ein Vor-Ort-Bericht zur gegenwärtigen Lage.

Libyen – Eine Reise in den Abgrund

Von Bettina Rühl

Sonntag, 17. April 2016, 18:05 Uhr

In Libyen verhalfen die NATO und einige arabische Staaten vor vier Jahren bewaffneten Milizen zu einem Sieg über den langjährigen Diktator Muammar al-Gaddafi. Doch was ein Systemwechsel werden sollte, führte zu permanentem Bürgerkrieg und zum Kollaps von Gesellschaft, Staat und Wirtschaft.

Das Land ist zerfallen, zwei Regierungen ringen um die Vorherrschaft. Konkurrierende Milizen, darunter der ‚Islamische Staat‘, kämpfen um Einflussgebiete. Ökonomische, ethnische und ideologische Interessen sind dabei kaum unterscheidbar. Für die Bevölkerung wird das Leben immer schwieriger, Lebensmittel und Benzin werden in dem ölreichen Land immer knapper, Medikamente und medizinische Behandlungen zum Luxus. Was ein Kampf für Demokratie werden sollte, stellt sich heute für viele als Kampf ums pure Überleben dar. Wie bewältigen sie überhaupt noch ihren Alltag in einem kollabierten Staat, einer kollabierten Wirtschaft? Wen machen sie für das Chaos verantwortlich, von wem erhoffen sie sich Hilfe?

 

Radiotipps für die Woche vom 4. bis 10. April 2016

Making of Game
oder Der Klang von Schritten

Von Anna Seibt

Montag, 04.04.2016, 00:05 Uhr, DR Kultur

Ein Hörspiel, ein Blog und eine App mit 3D-Soundwelt – all dies vereint unser Hörgame Blowback. Wie das Projekt Gestalt annahm, können Sie in dieser akustischen Entstehungsgeschichte nachhören.

Deutschlandradio Kultur und die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin haben zusammen ein auditives Handygame entwickelt: Die Journalistin Julia Kourim muss sich durch ein mysteriöses Unterwasserhotel kämpfen, um den Informanten Dereo Durand zu befreien.

Dieser wird im untersten Stockwerk des Hotels festgehalten. Beim Durchstreifen der Stockwerke muss sich der Spieler komplett auf sein Gehör verlassen – der Handybildschirm bleibt schwarz.

Ein Jahr lang hat Anna Seibt das Team aus Künstlern und Spieleentwicklern bei Brainstormings, Sprachaufnahmen und während der Produktion begleitet. Am Ende steht ein Hörspiel und eine mobile App, deren 3D-Soundwelt ein überraschendes und intensives Hörerlebnis bietet.

Widerstand gegen Großprojekte in Frankreich
Risse im Beton

Von Ruth Jung

Dienstag, 05.04.2016, 19:15 Uhr, DLF

ZAD, eigentlich das Kürzel für „Zone d’amenagement différé'“: ausgewiesenes Baugebiet, steht auch für „Zone à défendre“: zu verteidigender Raum. Eine wachsende Gruppe von Aktivisten, Zadistes genannt, wehrt sich gegen Großprojekte, die als unnütz, überteuert und umweltschädlich erachtet werden.

Das gilt zum Beispiel für den geplanten Flughafen in Notre-Dame-des-Landes. Dort halten Aktivsten das Gelände besetzt und unterstützen die von Zwangsenteignung betroffenen Bauern. Erste Teilerfolge gaben ihnen Recht. Trotzdem soll das Protestlager 2016 geräumt und die Bauarbeiten sollen fortgesetzt werden.

Im ganzen Land wurden die polizeilichen Repressionen verstärkt. Am 26. Oktober 2014 starb bei Demonstrationen gegen ein Staudammprojekt in Sivens/Tarn ein Botanikstudent. Die Auseinandersetzungen werden härter.

Tod und Frühling (3): Die Rückkehr der Proserpina
Eine sizilianische Trilogie der genreübergreifenden radiophonen Erzählformen

Von Werner Cee

Dienstag, 05:04.2016, 23:00 Uhr SWR2 ars acustica

Der dritte Teil von Werner Cees sizilianischer Trilogie „Tod und Frühling“ ist eine klangkünstlerische Pastorale. Sie kombiniert historische O-Töne sowie neue Field Recordings aus Sizilien mit dem traditionellen Sprechgesang des „Cunto“ und Motiven aus der Drone- und Rockmusik. Cee versucht hier, die akustischen Landschaften Siziliens in eine künstlich-künstlerische Form der Fruchtbarkeit zu übertragen, in die die Saga von der Rückkehr Proserpinas sich spiegelt.

Die Ausstrahlung wird auf swr2.de mit einer Foto-Dokumentation Werner Cee begleitet.

Autisten in IT-Unternehmen
Der Spezialist ist Autist

Von Anja Kempe

Mittwoch, 06.04.2016, 00:05 Uhr, DR Kultur

Die besonderen Begabungen von Autisten im IT-Bereich sind begehrt wie die seltenen Erden in der Hightech-Industrie. Die IT-relevanten Märkte werden sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln, es fehlen also Tausende Spezialisten in den Bereichen Softwareentwicklung, Netzwerktechnologie und Datenbank-Management.

Google und Microsoft suchen daher fieberhaft nach Autisten und ihren herausragenden Fähigkeiten auf diesen Gebieten. Auch der deutsche Softwarehersteller SAP beschäftigt seit 2014 Autisten. Die Autorin Anja Kempe hat sie besucht.

Rückspiegel, Speicher und Loops
Tonspuren der Künstlerin Michaela Melián

Von Martin Zeyn

Freitag, 08.04.2016, 20:10 Uhr, DLF

Bildende Künstlerin, Hörspielautorin, Musikerin und Covergirl der legendären Zeitschrift „Mode und Verzweiflung“: All das ist oder war Michaela Melián. Ihre Zeichnungen, Installationen und Nähmaschinenbilder hat sie in Kunstvereinen, Messen und Galerien ausgestellt.

Für ihr erstes Dokumentarhörspiel „Föhrenwald“ erhielt sie gleich den Hörspielpreis der Kriegsblinden. Vier Platten hat sie bisher als Solokünstlerin herausgebracht und mit der Band F.S.K. (die laut Diedrich Diederichsen für „die deutsche Intelligenz musiziert“) tourt sie seit 35 Jahren.

Melián gehört zu einer Generation von Frauen, die noch auf einen männlich dominierten Kunstmarkt traf. Daher auch das Arbeitsinstrument, das viele ihre Bilder unverkennbar macht: die Nähmaschine. Ein Sinnbild für weibliche, untergeordnete Tätigkeit wird bei Melián zur Signatur ihrer künstlerischen Handschrift: Sie zeichnet mit Nadel und Faden.

Bi-Normal
Grenzbereiche des Bipolaren

Von Christian Lerch und Irina Balzer

Samstag, 09.04.2016, 13:05 Uhr, Bayern2, Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Vor fünf Jahren bekam Justine die Diagnose „Bipolare Störung“. Betroffene pendeln zwischen depressiven und manischen Phasen, denen von außen häufig mit Unverständnis und Abwehr begegnet wird. Bipolarität zählt zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen in Deutschland.
Die Folgen von Justines Diagnose waren Medikamente, Nebenwirkungen und berufliche Ausgrenzung. Ständig beobachtete sie ihr Verhalten, ob ihre Stimmungen und ihr Verhalten zu extrem waren. Nach einer Zwangseinweisung und mehreren psychiatrischen Untersuchungen wurde Justines Diagnose widerrufen. Immer mehr Experten warnen vor der Pathologisierung von psychischen Abweichungen. Doch viele Betroffene finden in der Diagnose endlich eine Erklärung für ihr Leiden. Wie Olivia, 49 Jahre alt: „Vor der Diagnose fühlte ich mich wie der Zweig einer dünnen Birke. Durch die Medikamente wurde ich zu einem Baumstamm.“

Das Uwe-Johnson-Puzzle
Von Mecklenburger Versuchen, eines Dichters habhaft zu werden

Von Alexa Hennings

Samstag, 09.04.2016, 18:05 Uhr, DR Kultur

Ein Tonstudio, 365 Bürger aus Mecklenburg-Vorpommern lesen Uwe Johnsons Jahrestage. Manche tun sich schwer mit seiner Sprache. Und mancher Mecklenburger tut sich schwer mit Uwe Johnson selbst – er ging im Unfrieden, manche vergessen ihm das noch immer nicht.

Gleichzeitig werben mehrere Kleinstädte damit, Vorbild für „Jerichow“ zu sein, den Ort, in dem Uwe Johnsons Romanfigur Gesine Cresspahl lebte. Bis auch sie die mecklenburgische Heimat verließ.

DADA á gogo
Eine Wiedergeburtsanzeige

Von Maidon Bader

Sonntag, 10.04.2016, 14:05 Uhr, SWR2

Im April 1916 wird im Cabaret Voltaire in der Züricher Spiegelgasse der Dadaismus ausgerufen. Und zwar so laut, dass Nachbar Wladimir Iljitsch Lenin die Polizei ruft. Jedenfalls behauptet das die Legende. Eine von zahllosen DADA-Legenden. Wahr ist, dass DADA die Kunst aufmischte, überlief und unterwanderte, jede Menge Tabus nachhaltig brach, um dann wieder zu verschwinden. Scheinbar. Denn als im Jahr 2002 das Haus des Cabaret Voltaire verkauft werden soll, kommt DADA in beinah wiedergängerischer Manier zurück. Und nun, zum Hundertsten der Bewegung?
Maidon Bader hat die Wiedergänger getroffen: Paul Dorn alias St. Pauli alias Dornimauge, der das „Dadamt Zörich“ leitet. Die Londoner Künstlerin Alice McCabe, die wegen DADA fünf Jahre in Zürich gelebt hat. Und den tschechisch-schweizerischen Künstler Mark Divo, der zwischenzeitlich als „König des DADA“ galt – nun aber nur abwinkt. Lebt DADA? Oder sind es nur letzte Zuckungen? Oder sind die Zuckungen umgekehrt Zeichen einer Wiedergeburt?

Lamento!
Ein Ausflug ins Tal des Jammerns

Sonntag, 10.04.2016, 18:05 Uhr

Von Bettina Mittelstraß

Was ist dran am Jammern, Mäkeln und Maulen? Ist es eine bewährte Methode zur psychischen Entlastung oder einfach nur das Geheule bedauernswerter Jammerlappen?

Ist das klägliche Jammern eine gleichermaßen menschliche und tierische Kommunikationsform mit bestimmten akustischen Merkmalen? Warum wird aus Kummer, Verzweiflung und Ärger gejammert? Oder hat das Jammern einfach Methode? Wer neigt eigentlich zum Jammern und wer perfektioniert es und wie? Eine neugierige Reise durch Jammertäler und andere Jämmerlichkeiten.

 

Radiotipps für die Woche vom 28. März bis 3. April 2016

Ältestes bewahrt mit Treue, freundlich aufgefasstes Neu
Von Tradition und Wandel

Von Hans-Joachim Simm

Montag, 28. März 2016, 18:05 Uhr, hr2

Experiment mit einem Vogel und einer Luftpumpe, Joseph Wright of Derby, 1768

Das „Neue“ als das Nie-Dagewesene oder Fremde soll, so Goethe, „freundlich“ in eine Wechselwirkung mit dem Alten als dem Bekannten und zu Erhaltenden treten. Wie aber begegnen sich Altes und Neues tatsächlich, auf dem Gebiet der Religion, der Wissenschaft, der Literatur, der Künste, der Gesellschaft?

Das Themenspektrum, dem sich das Feature widmet, reicht vom Traum der Rückkehr zum Ursprung über die Vorstellung der „ewigen Wiederkehr“ des Gleichen, in dem Altes und Neues verschwinden, bis zur Idee des historischen Fortschritts und der Hoffnung auf goldene Zeiten.

Die Brüder Edgar und Manfred Hilsenrath
Zwei Seiten der Erinnerung

Von Volker Dittrich

Dienstag, 29.03.2016, 19:15 Uhr, DLF

Edgar und Manfred Hilsenrath, geboren 1926 und 1929, aufgewachsen in Halle a. d. Saale, mit der Mutter 1938 zum Großvater in die Bukowina emigriert. 1941 deportiert ins Ghetto Moghilev-Podolsk und 1944 von der Sowjetarmee befreit. Nach dem Krieg führen Edgars und Manfreds Wege auseinander und zusammen: zwei Lebenserinnerungen.

Edgar schlägt sich nach Palästina durch, Manfred gelangt 1946 mit der Mutter nach Lyon zum Vater, der in Frankreich überlebt hat. Auch Edgar trifft Ende 1947 dort ein. Manfred Hilsenrath will studieren und Ingenieur werden. Edgar, der schon mit 15 seinen ersten Roman geschrieben hat, fühlt sich als Schriftsteller. Der Vater zwingt beide Söhne, eine Kürschnerlehre zu absolvieren und in diesem Beruf zu arbeiten.

1950 wandert Manfred in die USA aus. Edgar folgt ihm ein Jahr später. Manfred arbeitet bei Lockheed in einem Forscherstab für die amerikanische Raumforschung. Edgar, der am 2. April 2016 seinen 90. Geburtstag feiert, lebt vor allem in der Vergangenheit, die er in seinen Romanen bearbeitet. Edgar Hilsenraths Wohnsitz ist seit 1975 Berlin, Manfred Hilsenrath lebt seit 15 Jahren in Arkansas.

Die Entstehung einer Oper in vier Akten
Mimìs Muff

Von Jens Schellhass

Mittwoch, 30.03.2016, 00:05 Uhr, DR Kultur

Jens Schellhass begleitet den Opernregisseur Benedikt von Peter über neun Monate und dokumentiert die Entstehung der Oper „La Bohème“ am Bremer Theater.

Wir erleben den Regisseur in der sogenannten ›Stunde Null‹, vor der er sich immer wieder fürchtet, die Zeit, in der er zum ersten Mal über eine Inszenierung nachdenkt. Wie er mit dem Libretto ringt.

Geht es wirklich um die wahre Liebe? Hürden bauen sich auf: Die Herren sollen in Frauenkleidern Ballettunterricht nehmen. Das Theater erwartet einen Erfolg, das Publikum soll strömen, auch des Geldes wegen, und um die Politik nicht zu enttäuschen.

Der Druck wächst, bis zum Premierenabend.

Gefährliches Erbe
Landminen in Kambodscha

Von Karin Hutzler

Mittwoch, 30.03.2016, 22.03 Uhr, SWR2

Obwohl Antipersonenminen seit dem Inkrafttreten des Ottawa-Vertrags 1999 weltweit geächtet sind und ihr Einsatz, Verkauf und Lagerung verboten, werden sie auch heute noch in Kriegen und Bürgerkriegen eingesetzt. Denn über 30 Länder haben diesen Vertrag nicht ratifiziert. Nach dem Ende eines bewaffneten Konflikts ist vor allem die Zivilbevölkerung einer Gefahr ausgesetzt, die noch Jahrzehnte lang von Minen ausgeht. Menschen, die einen Minenunfall überleben, tragen meist schwerste Verletzungen davon und sind ihr Leben lang auf Hilfe angewiesen. Kaum ein anderes Land wurde so sehr vermint wie Kambodscha. Seit Jahren wird dort versucht, das gefährliche Kriegserbe loszuwerden. Die Minenräumung leistet dabei neben der unmittelbaren Gefahrenbeseitigung auch einen wichtigen Beitrag zur Armutsbekämpfung, da dekontaminiertes Land wieder bewirtschaftet werden kann.

Psychologie eines Sehnsuchtsortes
Die Tauben vom Hauptbahnhof

Von Rainer Schildberger

Freitag, 01.04.2016, 20:10 Uhr, DLF

Bettler und Obdachlose, die Hast der Berufstätigen und die Träume der Wartenden. Der Bahnhof ist Sinnbild für das Etappenhafte, das Bruchstückhafte, das Fragmentarische, die Instabilität, aber auch die Bewegung unseres Lebens. „Die Mysterien finden am Hauptbahnhof statt“. Dieser Satz von Joseph Beuys ist Ausgangspunkt und zentraler Fokus des Features.

Gemeint ist, dass Erkenntnisse über den Sinn des Lebens auf der Straße zu finden sind. Besonders am Hauptbahnhof als Nucleus und exemplarischer Ort des Geheimnisses. Der Autor geht hinein in die ergebnisoffenen Situationen, die der Bahnhof bietet. Er trifft Menschen, die einfach nur sitzen und schauen und andere die herumfahren müssen, weil sie es zuhause nicht aushalten. Und dann ist da noch die Taube hoch oben in der gläsernen Kuppel. Sie kennt jeden, sie sieht alles. Sie erzählt von den Banalitäten und Besonderheiten eines Sehnsuchtsortes.

Culture Clash im Königreich?
Die Frauenband Zwirbeldirn in Saudi Arabien

Von Christine Auerbach

Samstag, 02.04.2016,13:05 Uhr, Bayern 2, Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Saudi Arabien ist ein Land ohne Kino, ohne Konzerte, ohne öffentlichen Tanz.

Die Musikgruppe Zwirbeldirn, das sind drei junge Geigerinnen (und ein Bassist), die neue Volksmusik machen und damit an die Ränder bayerischer Tradition gehen – gegen Geschlechterrollen und altbackene Klischees.

Saudi Arabien und Zwirbeldirn – das sind zwei Welten, die nun im Jahr 2016 aufeinander treffen.

Autorin Christine Auerbach begleitet die Band zu ihrem Auftritt auf dem Kulturfestival Al-Jenadriyah in Riad, 2016 ist Deutschland Gastland und das Goethe Institut organisiert Musik- und Kulturveranstaltungen für die eine Million Besucher, mit denen das Festival jährlich rechnen kann.
Drei Konzerte wird Zwirbeldirn auf dem traditionellen Festival spielen – die einzige Auftrittsmöglichkeit in Saudi Arabien, bei der Musik und Tanz unter Auflagen erlaubt sind.
Sprengt der Auftritt den kulturellen Rahmen des Festivals, und wie steht das Publikum, zu den selbstbewussten jungen Frauen, wie die Religionspolizei, die das Festival überwacht? Wie positioniert sich Zwirbeldirn als deutsche Frauenband in einem Land, in dem Frauen nicht einmal den Führerschein machen dürfen? Ist es gerechtfertigt, eine solche Einladung überhaupt anzunehmen oder stellt sich die Band damit zu sehr in den Dienst der deutschen Wirtschaft, die sich auf dem Festival prominent präsentiert?
Das Feature begleitet Zwirbeldirn auf ihrer Reise in ein Land, von dem man wenig weiß und über das viel spekuliert wird. Und stellt dabei die schwierige Frage, was Musik bewirken kann – und wo ihre Grenzen sind.
Christine Auerbach, Jahrgang 1981, ist für den BR immer wieder im Ausland unterwegs. Am liebsten erzählt sie dabei anhand von kleinen Geschichten von großer Politik. Ihre Recherchen haben sie bisher nach Russland, Ägypten, USA und Frankreich geführt. 2012 hat sie dafür den CNN-Journalist Award erhalten.

Wüstenblumen
Oder: Die Beschneidung von Mädchen

Von Heike Tauch

Samstag, 02.04.2016, 18.05 Uhr, DR Kultur

Nach Schätzungen der WHO leben heute auf der Welt rund 150 Millionen Frauen mit Genitalverstümmelung – in Deutschland um die 50.000. Millionen Mädchen droht jedes Jahr dieses Schicksal. Wie lässt sich dieses grauenvolle Ritual beenden?

Diese vor allem in Afrika angewendete Praxis, ist durch die Migration nach Europa längst auch bei uns ein Thema.

Was ist erforderlich, damit diese archaische Tradition zumindest hierzulande endet und nicht in den Nischen sich ausbreitender Parallelgesellschaften fortgeführt wird?

Tod und Frühling (2): La Mattanza
Eine sizilianische Trilogie der genreübergreifenden radiophonen Erzählformen

Hörstück von Werner Cee

Sonntag, 03.04.2016, 14.05 Uhr, SWR2

Jedes Frühjahr führt die Route der Thunfische direkt an Favignana vorbei. Im Laufe von 900 Jahren entstand dort eine rituelle Form der Thunfischjagd. Die letzte Mattanza ereignete sich 2007. Im Mai gibt es in Favignana keine Fische mehr, dafür Touristen. Von der Mattanza gibt es aber noch alte Aufnahmen, es erzählen von ihr noch Gesänge und es leben noch Zeitzeugen.

Die Wand erzählt mir alles
Der blinde Bergsteiger Andy Holzer

Von Juliane Möcklinghoff

Sonntag, 3. April 2016, 18:05 Uhr, hr2

Sechs der höchsten Berge aller Kontinente hat er bereits bestiegen, nur einer fehlt noch: der Mount Everest. Doch sehen wird er ihn niemals, genauso wenig wie all die anderen Gebirgszüge. Denn Andy Holzer ist von Geburt an blind.

In einem österreichischen 800-Seelen-Dorf wächst er auf. Die Eltern wollen ein normales Leben für ihren blinden Sohn, nehmen ihn im Alter von neun Jahren mit zu einer Klettertour. Sein Schlüsselerlebnis: Nicht nur, dass er sich, je steiler es wird, vorwärts tastend auf allen Vieren besser zurecht findet als Sehende, am Gipfel des Spitzkofels erfährt er zum ersten Mal seine spätere Leidenschaft: „Über mir war nur noch Himmel – das war ein ergreifendes Gefühl“, sagt Holzer 40 Jahre später.
Seitdem hat er unzählige Bergtouren hinter sich – auch alleine. Andy Holzer ertastet sich die Berge, hört mögliche Hindernisse am Hall seiner Schritte. In seiner Philosophie ist Unabhängigkeit „der größte Schwachsinn, den die Menschheit erfunden hat“.

 

Radiotipps für die Woche vom 21. bis 27. März 2016

Diese Wunde Sizilien
Drei Frauen und ihre Insel

Von Heike Brunkhorst und Roman Herzog

Dienstag, 22.03.2016, 19:15 Uhr, DLF

Drei Frauen, drei Generationen, ein Gefühl: eine Ambivalenz zu ihrer Heimat Sizilien. Sie alle wollen versuchen, eine andere Realität der Insel zum Vorschein zu bringen. Eine Realität, die die tiefen Wunden Siziliens zeigt und die Schönheit neben der Brutalität entdeckt.

Sizilien: Himmel und Hölle zugleich. Für viele Bewohnerinnen ist das Lebensgefühl durch eine Hassliebe geprägt. Sie sprechen von ihrer Arbeit und ihrem Leben, dem, was Sizilien so anziehend wie abstoßend macht. Und sie entwerfen so ein Porträt einer Insel, die vielleicht ganz anders ist, als das Klischee es behauptet.

Durch Tattoo- und Piercingstudios
Bodies Under Attack

Von Elodie Pascal

Mittwoch, 23.03.2015, 00:05 Uhr, DR Kultur

Seit Urzeiten verändern Menschen ihr Äußeres durch Haare schneiden, Nägel lackieren oder Ohren durchstechen. Die einen gehen zum Schönheitschirurgen, um sich die Brüste oder Lippen vergrößern zu lassen, die anderen mögen Tätowierungen, Piercings, Implantate.

Ein junges Mädchen, von Neugier getrieben, begibt sich auf eine Abenteuerreise durch Tattoo- und Piercingstudios. Wie wird es nach Gesprächen mit Ärzten, Psychologen und Body-Artists den eigenen Körper modifizieren?

Tatort Textilfabrik
Über die Klage pakistatischer Brandopfer gegen KiK

Von Caspar Dohmen

Mittwoch, 22.03.2016, 22.03 Uhr, SWR2

Der Textildiscounter Kik war einer der Hauptabnehmer von Ali Enterprises in Pakistan. 2012 starben bei einem Brand in der Textilfabrik 260 Arbeiter, auch weil viele Fenster vergittert und Fluchtwege versperrt waren. Muhammad Hanif hat das Unglück überlebt. Er organisierte sich mit anderen Betroffenen und fordert Entschädigung. Engagierte Anwälte, Gewerkschaftsvertreter und Aktivisten von NGOs halfen ihnen und wurden deswegen scharf angegriffen, bis hin zu Todesdrohungen. Hanif und drei weitere Betroffene reichten schließlich im Frühjahr 2015 vor dem Landgericht Dortmund Klage auf Schmerzensgeld gegen KiK ein. Der Fall ist für deutsche Gerichte ein Novum. Es gilt zu klären, ob ein inländisches Unternehmen für Produktionsbedingungen bei einem Zulieferer im Ausland haften muss. Wie immer die Klage am Ende ausgeht, sie dürfte erhebliche Konsequenzen haben für den Umgang mit der Verantwortung in den globalen Lieferketten der Industrie.

Näher zu Gott – Frömmigkeit im Wandel der Zeit

Von Kai Lückemeier

Freitag, 25. März 2016, 12:05 Uhr, hr2

Frömmigkeit, verstanden als „gelebter Glaube“, unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft, ist keine Erfindung des Christentums. Wer der Frömmigkeit nachspürt, wird ihre Spuren in unterschiedlichsten Kulturen finden, von den prähistorischen Epochen bis heute.

In der Geschichte des Christentums hatte der „gelebte Glaube“ so unendlich viele Gesichter, dass es unmöglich scheint, sie in all ihren historischen Facetten aufzuzeigen. Aber es ist möglich, den Blick auf historische Wendepunkte zu lenken, in denen sich die Frömmigkeitspraxis grundlegend veränderte. Solche Phasen eines gesellschaftlichen Frömmigkeitswandels gab es mehrfach.

Alle Glaubensspaltungen, die das Christentum seit der frühchristlichen Antike erschütterten, waren Aufstände einer neuen Frömmigkeit gegen die durch Routine abgestumpften Glaubenskonventionen. Die Reformer – von der etablierten Kirche stets diskreditiert und oft verfolgt wie die Häretiker des Mittelalters – haben sich dabei immer auf eine höhere Wahrheit berufen: auf die reinere Lehre, den stärkeren Glauben, auf die größere Nähe zu Gott und der Heiligen Schrift.

Zu diesen bedeutenden Umbruchphasen zählen, wie in diesem Feature zu zeigen versucht wird, das Hoch- und das Spätmittelalter, die Reformationszeit, das Zeitalter der Aufklärung und unsere Gegenwart, in der die Frömmigkeit eine bemerkenswerte Renaissance erlebt.

Zukunft TV
Was kommt nach der Glotze?

Von Oliver Buschek

Freitag, 25.03.2016, 20:05 Uhr, DLF

In den Achtzigern erreichten große Unterhaltungsshows wie „Wetten, dass…?“ 20 Millionen Zuschauer. Mit dem Aufkommen der Privatsender bröckelten zwar die Quoten, doch das TV-Angebot blieb überschaubar. Selbst wer das schlüpfrige „Tutti Frutti“ nicht sehen wollte, wusste doch zumindest, dass es existierte. Und heute?

Das Dickicht an Digitalkanälen ist kaum noch zu durchdringen. Daneben erreichen auch Selfmade-Stars wie der Psychologiestudent Florian Mundt alias „LeFLoid“ mit ihren Eigenproduktionen auf Youtube eine Million Zuschauer, vor allem jüngere. Und manche Fernsehproduktion zielt schon gar nicht mehr auf die TV-Quote ab, sondern auf den Klick-Erfolg im Internet.

So verliert das einstige Lagerfeuer der Nation an Relevanz, das Publikum zersplittert in immer mehr und immer kleinere Zielgruppen. Welche Zukunft hat das Fernsehen da noch? Und wie stellen sich Programmmacher und Moderatoren auf die neue Zeit ein?

Erzählt wird das Feature anhand der Porträts dreier sowohl ehemaliger wie künftiger Fernsehmacher, die wir bei ihrer täglichen Arbeit begleiten – und deren Wege sich vermutlich genauso selten kreuzen wie die ihres Publikums.

Nächste Etage: Erlösung
Eine religiöse Weltreise in sechs Stockwerken

Von Matthias Leitner

Samstag, 26.03.2016, 13:05 Uhr, BR2

„München ist die City of God“, ruft Joe Danqua, Pastor der versammelten Gläubigen aus Afrika. Wenige Sekunden zuvor hat er den heiligen Geist beschworen, jetzt weint vor ihm eine junge Frau und betet in Ekstase zu Jesus. Ein Stockwerk darüber beenden zeitgleich indische Sikh gerade ihr Sonntagsmahl, gemeinsames Essen ist essentieller Teil der Zeremonie. Egal welcher Religion man angehört, egal ob arm oder reich, ob Mann oder Frau, für jeden Gast haben die Sikh einen warmen Chai-Tee und würziges Daal.
Die Mitglieder von sieben verschiedenen Religionen beten in den sechs Stockwerken der Machtlfinger Straße 10 in München. Neben der afrikanischen Pfingstgemeinde und den Sikh bereiten sich auch afghanischen Sunniten, irakische Schiiten, Muslime aus dem Togo und Indonesien, sowie Engelsgläubige aus Südamerika zum Gebet vor. Begonnen hat alles damit, dass der ehemalige Imam der afghanischen Gemeinde, Sidigullah Fadai, einen Ort schaffen wollte, in dem verschiedene Religionen zusammenkommen, sich austauschen und friedlich koexistieren. Mittlerweile hat er das Haus wieder verlassen, nicht ganz freiwillig und enttäuscht über die Engstirnigkeit seiner eigenen Gemeinde.
Das Feature „Nächste Etage: Erlösung“ ist eine Weltreise in gerade einmal sechs Stockwerke, eine Reise von Indien bis Ghana, vom Irak bis nach Afghanistan, eine Reise ins religiöse Herzen Münchens, das Portrait eines chaotischen Mikrokosmos, vor allem aber der Menschen die täglich darin aus und eingehen.
Matthias Leitner, Jahrgang 1983, ist ein vielfach ausgezeichneter Autor und Regisseur für Hörfunk, Fernsehen und Film. Er schreibt über Wissenschaft, Popkultur und das alltägliche Leben. Seit 2012 ist er Kurator für „Interactive Media“ auf dem DOK.fest München.

New Yorker und ihre Haustiere
Pets & the City

Von Lisbeth Jessen

Samstag, 26.03.2016, 18:05 Uhr, DR Kultur

Jedes Jahr im Herbst werden in der St.-Johns Kathedrale in New York Haustiere gesegnet – am Tag des Heiligen Franz von Assisi. Dieses Jahr ist auch Hund Lily mit dabei.

Seine Besitzerin Janice lebt allein, Lily ist ihre einzige Gefährtin. Nach den Anschlägen des 11. September diagnostizierten die Ärzte eine Angststörung bei Janice.

Dadurch konnte sie Lily als „emotional support animal“ (ESA) registrieren lassen. Nun kann Lily überallhin mitkommen, wo Tiere sonst nicht erwünscht sind – vom Restaurant bis ins Museum.

 

Radiotipps für die Woche vom 11. bis 19. März 2016

Schriftsteller auf dem Balkan
„Wir sind Profis für Versöhnung und Verständigung“

Von Volker Dittrich

Dienstag, 15.03.2016, 19:15 Uhr, DLF

Auf dem Balkan entstehen seit einigen Jahren viele Initiativen von Autoren, um den Austausch zwischen den ehemals verfeindeten Balkan-Nationen zu fördern. Die erste „verbotene Balkan-Liebe“ begannen der albanische Intendant und Stückeschreiber Jeton Neziraj aus Priština im Kosovo und der serbische Autor Saša Ilić, beide geboren 1972.

Seit 2011 organisieren die beiden Autoren das Internationale Literaturfestival Polip in Priština im Kosovo, zu dem sie Autorinnen und Autoren aus allen Balkanländern einladen. 2010 wurde in Split ein Writer in Residence-Programm aufgelegt, zu dem als erster Stipendiat ein serbischer Autor nach Kroatien eingeladen wurde.

Es bedurfte beharrlicher Überzeugungsarbeit, die Finanzierung für eine Schriftstellerwohnung zu ermöglichen. Inzwischen gibt es solche Austauschprogramme auch in Sarajewo, Belgrad, Priština und Tirana.

Atheisten im Predigerseminar
Pfarrer

Nach dem gleichnamigen Dokumentarfilm von Stefan Kolbe und Chris Wright

Mittwoch, 16.03.2016, 00.05 Uhr, DR Kultur

Was passiert, wenn zwei atheistische Autoren Zugang zu einem Predigerseminar bekommen? Und das in Wittenberg, der Lutherstadt, einst Hochburg der deutschen Reformation, heute gelegen in einer der ungläubigsten Ecken Europas.

Ein Jahr lang begleiten die Autoren eine Gruppe Männer und Frauen in ihrer Ausbildung zum Pfarrer. Anfangs geht es noch um das Erlernen religiösen Handwerks. Aber im Laufe der Zeit sehen sich Protagonisten wie Filmemacher zunehmend mit den grundlegendsten menschlichen Fragen konfrontiert. Grenzen verschwimmen – zwischen Glauben und Unglauben, Trost und Verzweiflung. Es entsteht ein intimer Dialog über unsere fundamentalen Bedürfnisse nach Liebe, Geborgenheit und Sinn.

„Dass es knallte, bekam man mit“
Die Deutschen und der Genozid in Ruanda

Von Arndt Peltner

Mittwoch, 16.03.2016, 22.03 Uhr, SWR2

Als in den Abendstunden des 6. April 1994 die Maschine des ruandischen Präsidenten im Anflug auf Kigali abgeschossen wurde, war das der Auslöser für einen Massenmord an der Tutsi-Minderheit im Land. In rund 100 Tagen wurden fast eine Million Menschen ermordet. Die westlichen Nationen zeigten sich überrascht, griffen nicht ein und weigerten sich lange Zeit, von einem Genozid zu sprechen. – Warum schaute die Weltöffentlichkeit weg? Auch die verschiedenen staatlichen Einrichtungen Deutschlands vor Ort in Ruanda reagierten nicht, obwohl sie sehr wohl mitbekamen, dass gezielt auf einen Massenmord hingearbeitet wurde. So machte sich Deutschland mitschuldig an der Eskalation der Gewalt. Wie es dazu kam, versucht das Feature zu klären.

Schriftsteller und ihre Lebensentwürfe
Federball, der durch den blassblauen Himmel fliegt

Von Roland Koch

Freitag, 18.03.2016, 20:10 Uhr, DLF

Wolfgang Utschick wurde nach seinem Suhrkamp-Debüt 1979 Logenschließer am Theater. Dort hat er eine Überlebensecke gefunden – und fühlt sich endlich frei. Wie beginnt eigentlich eine Schriftstellerbiographie, und wie endet sie: So wie man einen Text anfängt und beendet. Fünf Autoren berichten über ihre persönlichen Lebens- und Schreibentwürfe. Welche Sehnsüchte und Phantasien sind mit dem Autorendasein verbunden? Was verändert sich durch äußere Einflüsse und Misserfolge?

Tatort Textilfabrik
Ein Feature über die Klage pakistanischer Brandopfer gegen KiK

Von Caspar Dohmen

Samstag, 19.03.2016, 13:05 Uhr, Bayern 2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Der Textildiscounter Kik war einer der Hauptabnehmer von Ali Enterprises in Pakistan. 2012 starben bei einem Brand in der Textilfabrik 260 Arbeiter, auch weil viele Fenster vergittert und Fluchtwege versperrt waren. Muhammad Hanif hat das Unglück überlebt. Er organisierte sich mit anderen Betroffenen und fordert Entschädigung. Engagierte Anwälte, Gewerkschaftsvertreter und Aktivisten von NGOs halfen ihnen und wurden deswegen scharf angegriffen, bis hin zu Todesdrohungen. Hanif und drei weitere Betroffene reichten schließlich im Frühjahr 2015 vor dem Landgericht Dortmund Klage auf Schmerzensgeld gegen KiK ein. Der Fall ist für deutsche Gerichte ein Novum. Es gilt zu klären, ob ein inländisches Unternehmen für Produktionsbedingungen bei einem Zulieferer im Ausland haften muss. Wie immer die Klage am Ende ausgeht, sie dürfte erhebliche Konsequenzen haben für den Umgang mit der Verantwortung in den globalen Lieferketten der Industrie.

Geliehene Wörter
Von Büchern, die wandern

Von Mareike Maage und Sebastian Peter

Samstag, 19.03.2016, 18.05 Uhr

Im Feature erzählen Menschen ihre Geschichten über verliehene und geliehene Bücher. Die Episoden beinhalten Freundschafts- und Liebesgeschichten und solche, die mit den geliehenen Wörtern beendet waren.

In jedem Bücherschrank finden sich Bücher, die ihr Besitzer sich ausgeliehen hat. Es finden sich aber auch die Lücken. Von Büchern verursacht, die man selbst verliehen hat, obwohl sie einem viel bedeuteten.

Munition Gedicht

Von Helgard Haug und Thilo Guschas

Sonntag, 20.03, 2016, 14.05 Uhr, SWR2

Die ägyptische Militärdiktatur ist zurück. Medien werden zensiert, Demonstrationen verboten. Aber die Verse sind noch auf der Straße. Poeten lesen ihre Gedichte im Internet und werden von Fernsehshows wie Popstars gefeiert. 2011 beflügelten Strophen des Hippiedichters Ahmed Fouad Negm den friedlichen Protest. Entstanden in politischer Haft in den sechziger Jahren. Eine Flaschenpost durch Jahrzehnte. Heute sitzen wieder zehntausende politische Gefangene ein, Islamisten wie Linke. Schmieden sie neue lyrische Munition, die durch Mauern geht? Über Kassiber korrespondiert das Autorenduo Helgard Haug und Thilo Guschas mit dem Dichter Omar Hazek, der einst vor Millionenpublikum die panarabische Castingshow „Prince of Poets“ gewann. Eben noch saß er in Haft. Nun kommt er frei. Was beschwören aktuelle arabische Verse? Gehen sie neuen Taten voran – wie der Blitz dem Donner?

Zwischen historischer Normalität und gesellschaftlicher Herausforderung

Von Astrid Nettling

Sonntag, 20. März 2016, 18:05 Uhr, hr2

Seit vergangenem Jahr bewegt das Thema Migration, Fremdheit und Integration die bundesdeutschen Gemüter.

Zum einen wird zum einen die schiere Menge von Zuwanderern von einigen als bedrohlich empfunden, zum anderen ist es deren Fremdheit, die bei manchen Angst auslöst. Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund des islamistischen Fundamentalismus. Auch wenn Migration, wie die Migrationsforschung betont, einen historischen Normalfall darstellt, stellt der neuerliche Strom von Zuwanderern eine enorme gesellschaftliche Herausforderung dar.
Wieviel Fremdheit verträgt eine Gesellschaft? Wie kann sie fruchtbar damit umgehen, jenseits von Ausgrenzung, Fremdenangst und Fremdenfeindlichkeit? Und was erfordert es wiederum von Seiten der Zuwanderer, die hier in unserem Land heimisch werden wollen? Diesen Fragen geht Astrid Nettling in ihrem Feature nach.

 

Radiotipps für die Woche vom 7. bis 13. März 2016

Szenen einer russisch-deutschen Ehe
Die Geschichte ist nicht zu Ende

Von Tita Gaehme

Dienstag, 08.03.2016, 18.15 Uhr, DLF

Im hohen Alter reist der deutsche Architekt Reimar K. mit Freunden nach Russland, sie bauen in Pskow ein Kinderheim. Ein Geschenk an die Stadt. Er betrachtet es als Wiedergutmachung, als Aktion der Versöhnung.

Er wollte als Freund in das Land zurückkommen, in das er als 18-Jähriger mit der Wehrmacht einmarschiert war, in dem er sowjetische Kriegsgefangenschaft erlebte. Aus der Arbeitsbeziehung mit der Dolmetscherin Swetlana F. entwickelte sich eine Liebe, eine Ehe. Swetlana, die nie ausreisen wollte, entschloss sich 2008, in Deutschland zu leben. Seitdem wächst ihre Abneigung gegen „das Deutsche“.

Dabei geht es weniger um die alltägliche Abnutzung eines individuellen Gefühls, ihre Ressentiments sind fundamentale Kategorien ihres Denkens. Sie besteht auf ihrer Wahrnehmung des Missverhältnisses zwischen der russisch erlittenen Gewalt und der deutschen Akzeptanz von eigener Schuld. Das Politische überlagert das Private. Reimar K. hofft auf die Rückkehr ihres Vertrauens.

Japan nach der Dreifachkatastrophe Souteigai – Jenseits der Vorstellung

Von Malte Jaspersen

Mittwoch, 09.03.2016, 00:05 Uhr, DR Kultur

Malte Jaspersen lebt seit über zwanzig Jahren in Kyoto. Wie hat die Katastrophe im März 2011 das Leben seiner Familie und seiner Bekannten beeinflusst?

Nach der Dreifachkatastrophe von Erdbeben, Tsunami und Kernschmelze reiste er durchs Land. Er sprach mit Helfern, die Unvorstellbares gesehen haben, mit Eltern aus Fukushima, die versuchen, ihre Kinder vor Radioaktivität zu schützen, mit Anti-AKW-Aktivisten, Priestern und Wiederaufbauspezialisten.

Seit Kurzem gehört zu seinem Hausrat ein Geigerzähler.

Auf Leben oder Tod
Die Konkurrenz der Transplanteure um Organe

Von Martina Keller

Mittwoch, 09.03.2016, 22.03 Uhr, SWR2

Wartelisten todkranker Patienten wurden manipuliert und Regeln zur Vergabe der raren Spenderorgane vielfach gebrochen. Die Ursachen: falsche Anreize, lasche Kontrollen und die erbitterte Konkurrenz der Transplanteure um die Organe. Der ehemalige Chef der Transplantationschirurgie der Universitätsklinik Göttingen musste sich über 2 Jahre vor dem Landgericht Göttingen für sein Verhalten verantworten, wurde aber letztlich wegen unklarer Rechtslage freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hat wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Falls Revision eingelegt. Denn nicht nur in Göttingen, auch in München, Berlin und Leipzig soll systematisch getäuscht und manipuliert worden sein. Der größte Skandal in der Geschichte der deutschen Transplantationsmedizin ist noch nicht ausgestanden.

Grass‘ letzte Besuche in Gdańsk
Oskar und Günter auf der Parkbank

Von Małgorzata Żerwe

Samstag, 11.03.2016, 20.10 Uhr, DLF

Plac Wybickiego, einst Neumarkt, ist ein stiller Platz in einem Wohnviertel von Gdańsk. Am Rand steht eine Bronzebank, auf der sitzt Oskar Matzerath, der Blechtrommler. Lange hat er vergeblich auf seinen Meister gewartet. Zuerst wollte Grass nicht in Bronze gegossen werden.

Dann, als seine SS-Zugehörigkeit bekannt geworden war, wollten die Gdañsker Grass nicht mehr – am liebsten nirgendwo in der Stadt. Obwohl – die deutschen Touristen kommen auch wegen Grass nach Danzig. Im Oktober 2015 nimmt er tatsächlich neben Oskar Platz, in Bronze.

Die Autorin Małgorzata Żerwe ist gespannt, was dann passiert. Sie beobachtet die Bronzebank seit Jahren aus ihrem Küchenfenster und begleitete Günter Grass als Reporterin von Radio Gdañsk, wann immer er in den letzten 15 Jahren vor seinem Tod in seiner Geburtsstadt auftauchte.

Die Ergebnisse hören sich an, wie die Geschichte um die Bank, wie die deutsch-polnischen Beziehungen: Höflich, aber leicht angespannt.

Psychotrauma Flucht – Die Zeit heilt nicht alle Wunden
Ein Feature über junge Geflüchtete damals und heute

Von Gabriele Knetsch

Samstag, 12.03.2016, 13:05 Uhr, Bayern 2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Wie Masees Vater von den Taliban getötet wurde, will er niemandem sagen. Auf jeden Fall raubt die Erinnerung an seine Familie dem 17-Jährigen den Schlaf, lässt ihn in Panik ausbrechen – und lenkt den ehrgeizigen Jungen von seinem derzeit wichtigsten Ziel ab: den Hauptschulabschluss in Deutschland zu schaffen.

Auf seiner zweieinhalb Jahre dauernden Flucht ging Mohammed, 17 Jahre alt, aus Kabul viele Tausend Kilometer zu Fuß, fuhr mit Bussen und Lastwagen. Mehrere Monate verbrachte der Jugendliche in Gefängnissen; er überlebte einen Schiffbruch und Folter.

„Ich kann jeden einzelnen Schritt dieser Menschen nachvollziehen“, sagt Richard Sucker, der vor 71 Jahren als „minderjähriger Flüchtling“ aus Breslau floh. Aber auch: „Ich bin neidisch auf die Flüchtlinge von heute, denn uns hat damals niemand geholfen.“

Ulrike Gräf, heute 82, aus Feldafing sieht in ihren Träumen noch immer die Brandleichen aus dem bombardierten Dresden: „Ich möchte helfen, weil die Flüchtlinge heute das gleiche durchmachen wie wir damals“.

Neu ist der Umgang mit Fluchttraumatisierten nicht. Viele deutsche Familien haben selbst Fluchtgeschichten erlebt. Die einstigen Vertriebenen haben ihre Erinnerungen jahrelang verdrängt – um im Alltag zu funktionieren. Die heutigen Bilder von Menschen auf der Flucht erwecken die Erinnerungen jedoch zu neuem Leben.

Über eine Million Flüchtlinge kamen 2015 nach Deutschland, darunter zahlreiche minderjährige Flüchtlinge. Wie viele von ihnen schwer traumatisiert sind wie Maseeh oder Mohammed, weiß man bislang noch nicht. Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass jeder zweite Flüchtling im Heimatland und auf der Flucht so Schlimmes erlebt hat, dass er als seelisch schwer belastet gilt. Wie aber wird es gelingen, hunderttausende traumatisierte Menschen in die deutsche Gesellschaft zu integrieren? Welche Gemeinsamkeiten gibt es mit den Flüchtlingen unserer eigenen Geschichte? Kann man heute aus den Erfahrungen von früher lernen? Und wie beeinflussen die eigenen Fluchterfahrungen der Deutschen ihre Einstellung zu den Flüchtlingen von heute?

Der mittelamerikanische Exodus
Wenn Kinder nur noch weg wollen

Von Erika Harzer

Samstag, 12.03.2016, 18:05 Uhr, DR Kultur

Sie kommen aus Guatemala, El Salvador und Honduras. Sie sind Kinder oder Jugendliche und durchqueren Mexiko. Eine mörderische Route, bei der sie viel Glück brauchen, um nicht in die Hände von Drogenkartellen, Entführern, Menschenhändlern oder der Migrationspolizei zu fallen.

Zu Hunderten sitzen sie dicht gedrängt auf Dächern von Güterzügen und hoffen ihr Ziel zu erreichen: Die USA. Doch Präsident Obama erwägt angesichts des Ansturms Minderjähriger eine Gesetzesänderung, um diese Kinder schneller abschieben zu können. Die Geschichte einer humanitären Katastrophe.

Jozi-Stories
Das Johannesburg der Künstler

Von Gaby Mayr und Günter Beyer

Sonntag, 13.03.2016, 14.05 Uhr, SWR2

„Die Stadt ist meine Muse“, sagt Billie Zangewa, die aus Malawi nach Johannesburg kam und mit ihrer Textilkunst international Erfolg hat. Jo’burg, Kosename Jozi, ist allerdings eine herbe Göttin der Kunst. Die einst radikale Trennung der Gesellschaft und des öffentlichen Raums ist immer noch Hintergrund und Gegenstand künstlerischer Reflexion. Der Schriftsteller Ivan Vladislavic, aus einer irisch-kroatischen Familie stammend, siedelt seine Geschichten unter den kleinen weißen Leuten im Johannesburger Stadtteil Troyeville an. Niq Mhlongo schreibt über den Ort, an dem er aufgewachsen ist: Soweto. Die Fotografin Lebohang Kganye erzählen in ihren Collagen Geschichten von apartheidgeschädigten Familien. Ihr Kollege Muntu Vilakazi porträtiert die Glitzerwelt der schwarzen Aufsteiger. Und William Kentridge, der wohl bekannteste Künstler in Johannesburg? Versteht sich als überzeugter Bürger der Stadt, ist aber selten dort anzutreffen …

Elefantenjagd – Waffen gegen Elfenbein

Von Bettina Rühl

Sonntag, 13. März 2016, 18:05 Uhr, hr2

Der Schmuggel von Elfenbein ist hoch lukrativ. Wilderer erlegen in Afrika Zehntausende von Elefanten. Zu ihren „Geschäftspartnern“ gehören auch afrikanische Milizen und Terrorgruppen.

In China kostet Roh-Elfenbein bis zu 1800 Dollar pro Kilo. 2002 waren es nur 100 Dollar. Eine Geldquelle auch für islamistische Terrorgruppen wie die somalische Shabaab-Miliz, die Al Qaida nahe steht. Die Elefantenjagd ist brutal effektiv: Die Wilderer sind gut organisiert, benutzen oft militärische Waffen, manchmal sogar Kampfhubschrauber. In Gefahr sind nicht nur die Tiere. Die massive Präsenz internationaler Kartelle destabilisiert auch die ohnehin schwachen Staaten der Region, warnen die Vereinten Nationen.

 

Radiotipps für die Woche vom 29. Februar bis 6. März 2016

Modezeichen roter Stern
Junge Linke in Russland

Von Antje Leetz

Dienstag, 01.03.2016, 19:15 Uhr, DLF

Seit dem Zerfall der UdSSR sind die Revolution von 1917, Marx und Sozialismus in Russland passé – dachte die Autorin. Aber ein leiser Zweifel blieb: Sie traf Menschen, die den Untergang der Sowjetunion bedauerten. Der Kapitalismus sei ungerecht und unsozial.

Bei manchen Jugendlichen entdeckte sie als Modezeichen den roten Stern. Von Linken aber vernahm sie nichts. Als sie aber vor Kurzem auf YouTube sah, wie eine junge Frau auf dem Petersburger Newski-Prospekt die „Internationale“ sang, horchte sie auf: Da muss es noch etwas geben. Also ist die Idee von sozialer Gerechtigkeit in Russland doch nicht gestorben. In Moskau, Petersburg und Nischni Nowgorod traf sie auf eine junge linke Generation, die sich zu Marx, Trotzki und modernen sozialistischen Alternativen bekennt.

Medien in der Krise
Vertrauen ist gut …

Von Ulrich Teusch

Mittwoch, 02.03.2016, 00.05 Uhr, DR Kultur

Die „etablierten Medien“ stecken in der Krise. Zeitungen und Rundfunkanstalten kämpfen um Werbekunden, Auflagen und Online-Klicks – da machen nun auch noch pauschale Vorwürfe von „Lügenpresse“ und „Systemmedien“ die Runde.

Teile des Publikums fühlen sich falsch informiert. Öffentliche und veröffentlichte Meinung driften auseinander – nicht nur in Deutschland, auch in anderen Ländern.

Immer mehr Menschen weichen auf „Alternativmedien“ aus, nutzen die enormen Informationsmöglichkeiten des Internets und basteln sich ihr eigenes Weltbild.

Was kostet die Demokratie?
Die Koch-Brüder und der Wahlkampf in den USA

Von Tom Schimmeck

Mittwoch, 02.03.2016, 22.03 Uhr, SWR2

Niemand mischt massiver in der US-Politik mit als Charles und David Koch – je gut 40 Milliarden Dollar schwer. Sie investieren in ihnen genehme Politiker und Kampagnen, finanzieren Think Tanks und Institute und gründen neuartige Organisationen. Der Koch-gesteuerte Verein „Freedom Works“ soll im Wahljahr 2016 über einen Propaganda-Etat von 889 Millionen Dollar verfügen. „Americans for Prosperity“, von den Kochs finanziert, unterhält Ableger in fast allen Bundesstaaten. Die Koch-Brüder herrschen über den Großkonzern Koch Industries, der Papierfabriken, Pipelines und Raffinerien betreibt. Politisch stehen sie am rechten Rand der Republikaner. Sie agitieren gegen „Obamacare“, sind für weitere Steuersenkungen und bestreiten den Klimawandel.

Reading, Thinking, Looking
Eine Begegnung mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt

Von Janko Hanushevsky

Freitag, 04.03.2016, 20:10 Uhr, DLF

Wie sehen, wie erinnern, wie fühlen wir? Was bedeutet es, zu schlafen, zu träumen und zu sprechen? Es sind existenzielle Fragen, denen sich die Schriftstellerin Siri Hustvedt in ihrem essayistischen Werk widmet. Sie hat sich mit Neurowissenschaften, Philosophie, Psychoanalyse und Bildender Kunst auseinandergesetzt.

„Ich glaube nicht“, sagt sie, „dass man den Menschen aus der Perspektive einer einzigen Disziplin heraus verstehen kann.“ Sich selbst bezeichnet sie als streunende Intellektuelle, kultiviert den Status der Außenseiterin, die zwischen den Disziplinen steht und nirgendwo dazugehört.

Hustvedt wurde 1955 in einer Kleinstadt in Minnesota geboren. Die Mutter war eine Immigrantin aus Norwegen, der Vater ein norwegischer Amerikaner. „Wir haben dazugehört und irgendwie auch nicht“. Schon am Anfang steht die Erfahrung des Fremdseins in der vertrauten Umgebung, die Sehnsucht nach dem „Anderswo“.

Als junge Frau wagt sie den Sprung nach New York. Dort lernt sie den unbekannten Dichter Paul Auster kennen, mit dem sie seit über 30 Jahren verheiratet ist.

Warum sie schreibt? „Ich bin angetrieben von einer tiefen Neugier, was es heißt, ein Mensch zu sein.“

Fünfzig Prozent Zukunft
Unser Leben mit der Huntington-Krankheit

Von Nina und Oliver Buschek

Samstag, 05.03.2016, 13.05 Uhr, BR2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Nina Buschek steckte mitten in ihrem Medizinstudium, als bei ihrer Mutter Chorea Huntington diagnostiziert wurde: Eine unheilbare Erkrankung des Gehirns, bei der die Patienten nach und nach die Kontrolle über ihre Körperbewegungen verlieren – oft zeigen sich zudem massive psychische Störungen. Die ersten Symptome treten meistens um das 40. Lebensjahr auf, im Durchschnitt führt Huntington nach 15 Jahren zum Tod.

Ursache der Krankheit ist eine vererbbare Genmutation. Das bedeutet für die Kinder der Erkrankten: Sie tragen ein 50-prozentiges Risiko, dass die Krankheit eines Tages auch sie selbst trifft. Ein Gentest kann Klarheit schaffen, so dass die Betroffenen vor schwerwiegenden Entscheidungen stehen: Wollen sie erfahren, ob ihnen eine leidvolle Zukunft und ein früher Tod bevorstehen? Und wie beeinflusst die Diagnose die Familienplanung?

Gemeinsam mit ihrem Mann erzählt die Autorin die Geschichte ihrer Familie, von schweren Entscheidungen wie der, Kinder zu bekommen, und dem Abwägen zwischen Ungewissheit und womöglich fataler Sicherheit. Sie stellen sich zwingenden Fragen der Humangenetik, treffen ein Ehepaar, das schon seit Jahren mit der Huntington-Erkrankung des Mannes leben muss, und den amerikanischen Neurowissenschaftler Jeff Carroll, dessen Mutter an Huntington gestorben ist – und der gleichzeitig zu den prominentesten Forschern auf diesem Feld zählt. Seine Hoffnungen sind derzeit groß wie nie zuvor: Dank der enormen gentechnischen Fortschritte der letzten Jahre könnte die Entwicklung eines wirksamen Medikaments tatsächlich bevorstehen. Doch für die Träger des Gens läuft die Zeit.

Flucht nach Europa
Kinder von Sodom und Gomorrha

Von Jens Jarisch

Samstag, 05.03.2016, 18.05 Uhr, DR Kultur

Sodom und Gomorrha ist ein Armutsviertel in Accra, der Hauptstadt von Ghana. Tausende Kinder kommen hierher. Ihr Traum heißt Europa. Für die meisten geht er nicht in Erfüllung. Der Autor spricht mit ihnen und geht der Herkunft des Elektroschrotts nach.

Ein Mädchen, das eigentlich in die Schule gehen sollte, verkauft von morgens bis abends Trinkwasser. Um sie herum zerschlagen Jungen, von denen der kleinste sechs Jahre alt ist, gebrauchte Computermonitore und andere Elektrogeräte mit bloßen Händen.

Dann zünden sie die Schrotthaufen an. Wenn alle Kunststoffe verbrannt sind, bleibt Kupfer übrig.

Fukushima 3.11
Der Stoff für Kunst in Japan

Von Barbara Geschwinde

Sonntag, 06.03.2016, 14.05 Uhr, SWR2

Erdbeben, Tsunami und Super-Gau – die Dreifachkatastrophe von Fukushima jährt sich am 11. März zum fünften Mal. Radioaktive Strahlung sieht man nicht, riecht man nicht, schmeckt man nicht. Nach der Schockstarre von 3.11, wie Japaner die Katastrophe von Fukushima nennen, beginnen japanische Künstler mit der Aufarbeitung. Toshio Hosokawa etwa komponiert ein in Salzburg uraufgeführtes tönendes Memorial auf das Gedicht „Klage“ von Georg Trakl. Der Psychiater Kuro Tanino schreibt für das Theater Krefeld-Mönchengladbach das Stück „Käfig aus Wasser“ über einen Mann, der durch die Gefahr der unsichtbaren Strahlung paranoid wird. Fukushima 3.11 ist für die Kunstszene in Japan bis heute ein Thema.

Caroline von Schelling und Dorothea von Schlegel:
Porträt zweier Salonièren des 18. Jahrhundert

Von Margareta Bloom-Schinnerl

Sonntag, 6. März 2016, 18:05 Uhr, hr2

Anlässlich des internationalen Frauentags am 8. März möchten wir an zwei Salonièren des 18. Jahrhunderts erinnern. Caroline und Dorothea sind klug und gebildet, begnadete Briefschreiberinnen, mehrfach verheiratet und scheren sich wenig um die Normen der Gesellschaft.

Caroline wurde 1763 in Göttingen als Professorentochter und Dorothea 1764 in Berlin als Tochter des berühmten Aufklärers Moses Mendelssohn geboren. Vor ihnen liegt ein ebenso leidenschaftliches wie skandalumwittertes Leben, das geprägt ist durch die Salonkultur des 18. Jahrhunderts, durch den engen Umgang mit Dichtern und Philosophen, durch Freundschaftsbünde, Frühromantik und Französische Revolution.

Bittere Ereignisse pflastern ihren Lebensweg, aber auch Sternstunden. Ende des 18. Jahrhunderts treffen sie aufeinander und leben für eine Weile zusammen in Jena in einer Wohngemeinschaft mit den Schlegel-Brüdern. Die Autorin folgt den Spuren der beiden außergewöhnlichen Frauen, die für ihr unkonventionelles Leben einen hohen Preis zahlen mussten.