Radiotipps für die Woche vom 24. bis 30. August 2015

Alte Deutsche, junge Thais
Im Deutschen Evangelischen Begegnungszentrum von Pattaya/Thailand

Von Erhard Lauer

Dienstag, 25.08.2015, 19.15 Uhr, DLF

Familien essen Kirschtorte, eine Reiseleiterin Sauerbraten, der deutsche Pfarrer plaudert mit einer einheimischen Nonne und ältere deutsche Herren unterhalten sich über die Geldgier ihrer jungen Thai-Bräute. Im Deutschen Evangelischen Begegnungszentrum des Touristenorts Pattaya treffen Welten aufeinander.
Die Stadt gilt als die Welthauptstadt der Sexpats. Auch tausende Deutsche leben mittlerweile hier. Nicht alle kommen mit dem mehr als nur bunten Treiben klar. In einer Hütte am Stadtrand liegt ein zuckerkranker, komatöser Deutscher, dem bereits beide Beine amputiert wurden – seine thailändische Lebensgefährtin möchte ihn „lieber daheim pflegen“, von seinem Konto hebt ein Unbekannter die deutsche Rente ab. Ein deutscher Rentner verfolgt solche mysteriösen Fälle mit seiner einheimischen Frau, die das Deutsche Evangelische Begegnungszentrum leitet. Am Nebentisch verabreden sich derweil andere Pensionäre zu einem luxuriösen Abendbuffet im Stadtzentrum.

Himmelsklänge
Reise durch die Orgellandschaft von Arp Schnitger

Von Dorothee Schmitz-Köster und Walter Weber

Mittwoch, 26.08.2015 um 00:05 Uhr, DR Kultur

Er war ein genialer Orgelbauer und ein guter Geschäftsmann dazu: Arp Schnitger (1648-1719) aus Golzwarden bei Bremen. 105 Instrumente stammen aus seiner Werkstatt, etwa 30 sind noch heute erhalten, Meisterwerke barocker Orgelbaukunst.
Walter Weber und Dorothee Schmitz-Köster sind durch Schnitgers Orgellandschaft zwischen Ostfriesland und Hamburg gereist, haben Kantoren und Orgelbauer, Organisten und Experten getroffen, ihrem Spiel zugehört, sich Orgeln von innen und außen zeigen lassen. Entstanden ist eine akustische Reise durch Arp Schnitgers Land der „Himmelsklänge“.

Forschungsgegenstand: Lästern
Über die unheimliche Kunst des heimlichen Sprechens

Von Georg Cadeggianini und Steffen Jan Seibel

Freitag, 28.08.2015, 201.0 Uhr, DLF

Wir tun es, überall: in der hohen Politik genauso wie unter Freunden, im Kreis der Professoren genauso wie auf der Tupperparty. Die Forschung spricht von unregulierter Lust und sozialem Kitt. Erst hier werde die eigene Identität zum Klingen gebracht. Dabei ist es alles andere als harmlos: Lästern vernichtet Karrieren, zerrüttet Freundschaften, ruiniert Projekte.
Während es fast überall Standards und Richtlinien gibt, für Straßenschilder und Beipackzettel, für Drehbücher und Sonntagsreden, haben wir so gut wie keine Verständigung über die Codes und Zwischentöne des gesprochenen Worts gefunden: Hat sich hinter unserem Rücken da eine eigene Textgattung entwickelt? Kann man Flurfunk wie Lyrik analysieren?
„Das Feature“ wagt sich vor in den Wilden Westen der Sprache. Wir schneiden mit und stellen zur Rede, zerren geheime Funktionen und Strukturen ans Tageslicht; es wird um neue Regeln der oralen Kultur im Digitalzeitalter gehen, aber auch um abgekartete Allianzen, den Wert des Geheimnisses und nicht zuletzt: den Kitzel des Bösen.

Vier Schüsse in Missoula
Der Tod des Schülers Diren D.

Von Tom Schimmeck

Samstag, 29.08.2015 um 18:05 Uhr, DR Kultur

Am 27. April 2014 feuert der 29-Jährige Markus K. aus Missoula, Montana, in seiner Garage vier Schüsse auf den 17-Jährigen Diren D. aus Hamburg. Der Schütze hatte auf der Lauer gelegen. Er war sehr wütend. Stellte eine Falle.
Er wollte Räuber schnappen, die ihn Tage zuvor bestohlen hatten. Diren D. stirbt in der Garage von Markus K. „Deutscher Austauschschüler in den USA erschossen“ titeln die Zeitungen.
Typisch Amerika? Manches ist typisch: Montanas schießfreudige Gesetze, die Waffenkultur. Die Stadt Missoula aber schämt sich zutiefst. Nachbarn und Mitschüler trauern, organisieren Mahnwachen. Rufen: „Das sind nicht wir!“
Eine Jury verurteilt Markus K. wegen vorsätzlichen Mordes. Der Richter verhängt 70 Jahre Haft.

Es sind Zimmer frei
Kroatien, ein Land auf Selbstsuche

Von Patrick Batarilo

Sonntag, 30.08.2015, 14.05 Uhr, SWR2

Brief an eine Dame in Chicago, die mich nach der deutschen Literatur von 1953 fragte

Von Alfred Andersch

Sonntag, 30.08.2015, 18.05 Uhr, hr 1954

In dieser siebten Folge unserer Feature-Reihe im Radiokultursommer berichtet Alfred Andersch einer Dame in Chicago vom Zustand der damals gegenwärtigen deutschen Literatur in der Bundesrepublik Deutschland. Eine starke Strömung dieser Literatur wird seiner Ansicht nach von folgenden Autoren repräsentiert: Wolfgang Koeppen, Georg Glaser, Heinrich Böll, Herbert Eisenreich, Rolf Schroers, Wolfdietrich Schnurre und Wolfgang Hildesheimer. Die neue Strömung in der Lyrik schlägt sich – so seine These – in den literarischen Produkten von Paul Celan, Ingeborg Bachmann und Wolfgang Weyrauch nieder. Ausschnitte werden aus Koeppens zeitkritischem Roman „Das Treibhaus“ sowie aus Arno Schmidts Werk „Die Umsiedler“.

Radiotipps für die Woche vom 17. bis 23. August 2015

Muslimische Roma in Düsseldorf
Die Moschee am Bahndamm

Von Ulla Lachauer

Dienstag, 18.08.2015, 19:15 Uhr, DR Kultur

Seit 13 Jahren kommen sie hier zum Freitagsgebet zusammen – in einem Konfirmandensaal, den sie mit Koransuren und blauen Kacheln geschmückt haben. Iman Ajdini, ein junger Theologe aus dem mazedonischen Skopje, predigt in Romanes, der Muttersprache der Gemeindemitglieder. Die meisten sind in den 60er-Jahren als Gastarbeiter gekommen, Jugoslawen, wie es damals hieß.
Dass sie Roma und Muslime waren (aus Mazedonien, dem Kosovo, Serbien), haben sie lange verborgen. Erst mit dem Jugoslawienkrieg, der einen großen Exodus nach Westeuropa auslöste, war die Vergangenheit wieder da: Plötzlich standen muslimische Roma aus ihren Heimatorten vor der Tür, Nachbarn von einst, Verwandte. Nach und nach fanden sie in der neuen Heimat Deutschland zusammen.
Das Feature erzählt, wie diese Minderheit ihren Weg fand – den Glauben zu leben und Nachbarschaft mit den Christen nebenan, von ihrem Stolz, ohne Staatsgelder auszukommen, vom Alltag im Fastenmonat Ramadan und den aktuellen Debatten über den Islam.

UdK Berlin – Sound Studies
Kurzstrecke 40
Feature, Hörspiel, Klangkunst

Mittwoch, 19.08.2015, 00:05 Uhr, DR Kultur

Zusammenstellung: Barbara Gerland, Ingo Kottkamp, Marcus Gammel

In der aktuellen Ausgabe der Kurzstrecke präsentieren wir fünf Hörstücke über das Taxifahren von Studenten der Sound Studies (UdK Berlin):

Olhando pela janela
Von Giacomo Gianetta

Ein Schwank
Von Lukas Leonhard, Johannes Reich, Jan Fraune

The 1:1 Map
Von Edoardo Calgary, Chelsea Leventhal, Michael Tuttle

Mimeticardisaurowrum
Von Vera Buhß, Laura Aragoneses, Matteo Spanò

Kurz Kammer Quartett
Von Ilya Selikhov, Joen Szmidt, Weiju Shen

Willkommen in der Gegenwart
Frauen und Migranten retten das Theater

Von Jenny Hoch

Freitag, 21.08.2015, 20:10 Uhr, DR Kultur

Das deutsche Staats- und Stadttheater hat es sich zu lange in der Mehrheitsgesellschaft bequem gemacht. Es wird von Großregisseuren dominiert, meistens Männer über 50, die wie mittelständische Unternehmer agieren und von Subventionen leben. Die Folge: große Theatermüdigkeit, beginnende Musealisierung. Abhilfe soll nun die Öffnung schaffen.
Öffnung nach unten, zu theaterfernen Milieus; nach außen, zu ausländischen Theatermachern und Ästhetiken; nach innen, zu einer weiteren, am deutschsprachigen Theater bisher ebenfalls unterrepräsentierten Personengruppe, den Frauen. Es ist chic geworden, seinen Spielplan mit einem Stadt-, Flüchtlings- Migrationsprojekt aufzupolieren – aber kann das funktionieren?
Wir machen den Praxistest, besuchen unter anderem ein zukünftiges Flüchtlingshaus in München, das den Kammerspielen Realität beibringen soll, kochen persisch am Theater des Jahres in Berlin, messen den Rassismus-Level eines typischen Theatergängers und erfahren, warum Karin Beier, Intendantin des Hamburger Schauspielhauses, politisch korrekte Samthandschuhe im Umgang mit heiklen Themen ablehnt.

Scherentango
Die Friseurmeisterin Peggy Pohlers und ihr Seniorensalon

Samstag, 22.08.2015 um 18:05 Uhr, DR Kultur

Von Johanna Fricke

„Wenn ich könnte, würde ich nur noch Haare schneiden“, sagt Peggy Pohlers. Sie betreibt zwei Friseursalons in Leipziger Seniorenheimen: im Stadtteil Volkmarsdorf (bei den weniger Bemittelten) und in Gohlis (bei den besser Bemittelten). In beiden Salons hängt ein Schild: „Ich habe zu wenig Zeit, um mich zu beeilen.“
Peggy Pohlers braucht die Zeit, um Geschichten zu hören. Die Geschichte von der alten Dame, die süchtig nach Knackwürsten ist und sie unter ihrem Bett versteckt. Oder die Geschichte von der Tschechin, die ihre Nationalhymne gegen einen Topf Knoblauchsuppe tauschte. Und Peggy Pohlers hat auch selbst viel zu erzählen. Immerhin ist ihre Schwester Fußballweltmeisterin und ihr Mann, der Spediteur, ein verhinderter Künstler.

Teslanauten
Eine Reise auf den Gehirnströmen des Mannes, der das Licht eingeschaltet hat

Von Mithu Sanyal und Christian Ahlborn

Sonntag, 23.08.2015, 14.05 Uhr, SWR2

Wechselstrom, Generatoren und Transformatoren, Oszillatoren, Turbinen, Spulen und Ventile, drahtlose Energie und Nachrichtenübertragung. 112 Patente hat der Physiker, Ingenieur und Erfinder Nikola Tesla (1856 – 1943) angemeldet. Einige davon waren genial und epochal, andere eher verrückt und fantastisch. Doch was immer Tesla plante, stets umgab ihn eine magisch-mysteriös britzelnde Aura. Anfang des 20. Jahrhunderts war Tesla eine Art High-Tech-Popstar und Magnetfeld-Magier. Hatte er nicht auch eine Zeitmaschine entwickelt und behauptet, Kontakte zu Außerirdischen zu haben? Auf jeden Fall hat Tesla bis heute Fans und Anhänger, die von ihm elektrisiert sind.

Max Frisch

Orchideen und Aasgeier
Erlebnisse und Begegnungen in Mexiko

Sonntag, 23.08.2015, 18.05 Uhr, hr2 (hr 1953)

Nach den Träumen, die sich mit der Kriegsvergangenheit beschäftigten, gab es auch die Träume nach der fernen Welt, die sich einige wenige in den 1950er Jahren erfüllen konnten. Zu diesen gehörte der Schriftsteller Max Frisch, der in diesen Jahren zu den Autoren des Abendstudios zählte. In diesem Hörbild erzählt er von seiner Reise durch Mexiko. Neben persönlichen Erlebnissen gibt er tiefe Einblicke in die Vergangenheit des Landes, die geprägt ist von der Eroberung und Unterwerfung der Azteken. Darin verwoben sind zeitgenössische Musikstücke, die sowohl spanischen als auch indianischen Ursprungs sind.

Radiotipps für die Woche vom 10. bis 16. August 2015

Im Flüchtlingslager der Muslime in Myanmar

Von Dominik Müller

Dienstag, 11.08.2015, 19:15 Uhr, DLF

So weit das Auge reicht, ziehen sich die Behausungen der Rohingya, der größten muslimischen Minderheit im mehrheitlich buddhistischen Myanmar, in den Flüchtlingslagern im nördlichen Rakhine-Staat. In wackeligen Langhäusern mit Wänden aus Bambusmatten leben auf beengtem Wohnraum acht Familien. Sie haben es noch gut getroffen.

In diese Welt geboren, Jackpot – woanders gelandet, Schicksal?
Die besten Stücke vom Jenaer Hörspielwettbewerb

Dienstag, 11.08.2015, 19.20 Uhr, SWR2 Tandem

Woher kommen wir? Wieso startest du dort, wo du geboren wirst? Warum du – genau zu dieser Zeit, an diesem Ort, in dieser Familie, in diesem Palast, in dieser Gosse? Und dann? Was wird der Soundtrack deiner Welt? Wofür das alles? Wer würfelt dein Schicksal? Wohin führt dich dein Weg – eher schief als eben? Kannst du tun, was du willst? Was hat uns hierher verschlagen? Wieso gibt es da die vollen Supermärkte und dort den Krieg? Du wirst in die eine Ecke der Welt geboren, Jackpot, du bist woanders gelandet – Schicksal? Und wir fragen uns: Wie seht ihr das …?
Nach zwei Jahren Pause hat der summerfugl e.V. gemeinsam mit dem Lese-Zeichen e.V. den 6. Jenaer Hörspielwettbewerb ausgeschrieben, der am 8. August in Jena stattfindet, und unter dem Motto „Jackpot Schicksal“ steht.
Es werden vier Kurzhörspiele aus dem Wettbewerb vorgestellt:

SOS du Arschloch
Hörspiel von Elgin Hertel
Mit Elgin Hertel und Tom Peel
Regie und Produktion: Elgin Hertel
2. Preis beim Jenaer Hörspielfestival

Solange es regnet
Hörspiel von Sebastian Hocke
Mit Marie Luisa Kerkhoff und Richard Lingscheidt
Ton: Steffen Meyer und Sebastian Hocke
Montage: Andrej Tschitschil
Regie und Produktion: Sebastian Hocke

Der Laden
Hörspiel von Simone Müller
mit Martin Bertram, Lydia Fleischer, Sebastian Kowski und Michael Wächter
Regie und Produktion: Simone Müller
3. Preis beim Jenaer Hörspielfestival

Pablo lebt postmodern
Hörspiel von Mariola Brillowska
mit Karin Bechstein-Martins Garcia und Mariola Brillowska
Regie und Produktion: Mariola Brillowska

Bay Area Disrupted

Von Andreas Bick

Mittwoch, 12.08.2015 um 00:05 Uhr, DR Kultur

Die Bay Area rund um San Francisco ist eine der reichsten Regionen der Welt und das Mekka der Informationstechnologie. Doch Künstler werden heute von jungen Programmieren aus ihren Wohnungen verdrängt. Vier Musiker erzählen

„Niemand kann es weiter bringen als zu sich selbst“

Von Sophie Gruber

Freitag, 14.08.2015, 20.10 Uhr, DLF

Die Langeweile bekämpfen, sich disziplinieren, den eigenen Wortschatz bewahren, etwas tun, was man nie vorher getan hat und danach nie wieder tun wird: Es gibt viele Gründe, warum Andreas, Olaf und Benni, „Langsträfer“ in der JVA Berlin-Tegel, ausgerechnet im Knast angefangen haben, eine Literaturgruppe zu besuchen.

Die Rolle der DDR in Namibias Unabhängigkeitskampf
Honeckers langer Schatten

Von Rosie Füglein

Samstag, 15.08.2015, 18.05 Uhr, DR Kultur

Nach mehr als einem Jahrhundert kolonialer Fremdherrschaft feiert Namibia als eines der letzten Länder Afrikas im März 1990 seine Unabhängigkeit.
Die DDR hat die „South-West Africa People’s Organisation“ (SWAPO) über viele Jahre in ihrem Widerstandskampf unterstützt und eröffnet in der namibischen Hauptstadt Windhoek nun eine DDR-Botschaft. Sieben Monate später gibt es den ostdeutschen Staat nicht mehr.
„Die DDR war unser zweites Zuhause“, gibt Sam Nujoma, SWAPO-Gründer und erster Präsident des freien Namibia, auch 23 Jahre später noch zu verstehen. „Es war damals unser großes Glück, dass die sozialistischen Länder noch existierten, sonst hätte die Sache für uns auch anders ausgehen können.“
Wie sah die Unterstützung der DDR für die SWAPO aus und was ist von den damaligen Ideen im heutigen Namibia noch übrig?

Mit Bestien spielt man nicht
Flucht in die nächste Gesellschaft

Von Annette Brüggemann und Leonhard Koppelmann

Sonntag, 16.08.2015, 14.05 Uhr, SWR2

Krise. Krise. Krise. Die westlichen Demokratien werden durch den weltweiten Finanzkapitalismus erschüttert. Und der sieht alt aus. „Wir werden dominiert von toten Ideen, die wie Zombies sind“, meint der amerikanische Globalisierungskritiker Michael Hardt: „Es scheint, als gäbe es heutzutage nur zwei Möglichkeiten: Entweder akzeptierst du die Gesetze des freien Marktes oder du wirst vom Staat kontrolliert.“ Und wenn man diese Alternative nicht hinnimmt? Wenn man beim Spiel mit den Bestien von Markt und Staat nicht mitmacht? Feature-Autoren spielen die Fiktion als Ernstfall durch. Und lassen Krisen-Überlebende die Flucht nach vorn antreten: auf Inseln der liquiden Demokratie, utopischen Terrains der Gemeinwohl-Ökonomie, der KaosPilots. Dort erkämpfen sie eine alternative Gesellschaft und zwingen die untoten Zombies überalterter Systeme in ihre Särge zurück.

Träume im Zwanzigsten Jahrhundert – Beiträge zum modernen Traumbewusstsein

Sonntag, 16. August 2015, 18:05 Uhr, hr2

In der fünften Folge unserer Reihe mit historischen Features und Hörbildern des Hessischen Rundfunks untersuchen die beiden österreichischen Schriftsteller Milo Dor und Reinhard Federmann die Träume der Menschen des Jahres 1953.
In Form szenischer Monologe beziehungsweise Dialoge beschreiben sie die Träume und suchen nach deren unterbewusstem Gehalt. Traummotive, so ihre Erkenntnis, sind menschliche Schicksale während des Zweiten Weltkrieges sowie individuelle Lebensentwürfe und deren kriegsbedingte Veränderung.

Nachts um halb elf in Baden-Baden – Im Flüchtlingsheim

Von Rudolf Linßen

Sonntag, 16.08.2015, 22.30 Uhr, SWR2 ARD Radiofestival 2015

Flüchtlingsheim Westliche Industriestraße. Die Außenscheinwerfer strahlen einen gelben Neubau an und erleuchten die angesetzten Container. Es ist laut. Hinter der Schallschutzmauer rauscht der Verkehr auf der B3, direkt dahinter liegt die viergleisige Schnellstrecke der Bundesbahn. Im Flüchtlingsheim leben derzeit 140 Menschen. Sie kommen aus dem Kosovo, aus Syrien, die meisten aus Schwarzafrika.
Seit Februar 2015 begleitet die Gruppe „Aktiv Brücke“ die Flüchtlinge auf dem Weg in ein neues Leben. Die Baden-Badener helfen ihnen bei Behördengängen, beim Erlernen der deutschen Sprache und laden sie ein in ihren Alltag. So entsteht Nähe. Der 35-jährige Benjamin aus Nigeria singt beim Gesangsverein Concordia schon Solo. Ogunrinu, 26 Jahre und ebenfalls aus Nigeria, lernt Saxophon und der 26-jährige Bakary aus Liberia hat bei einem Zimmermann bereits ein Praktikum gemacht.
Eine Reportage über den abendlichen und nächtlichen Alltag der Menschen im Flüchtlingsheim Westliche Industriestraße in Baden-Baden.

 

Afghanistan hinter dem Schleier
Das Doppelleben der Golalai Habib

Von Ghafoor Zamani

Dienstag, 21.7., 19.15 Uhr, DLF

Golalai Habib, die in Afghanistan die Zeitung „Die Welt der Frauen“ gründete und 2011 nach Deutschland floh, erzählt in diesem Feature von der Welt hinter dem Schleier: vom Spagat zwischen ihrem Kampf als Frauenrechtlerin und der eigenen Situation in der Familie, wo Männer die Entscheidungen treffen.
2014, so berichtet Amnesty International, sind in Afghanistan über 5.000 Frauen Opfer häuslicher Gewalt geworden. Nach dem neuen Gesetz, das das Privatleben von Männern und Frauen regelt, darf eine Frau das Haus z. B. nur verlassen, „wenn die Erde bebt oder das Haus brennt“.
Golalai Habib, die in den entlegenen Dörfern Afghanistans über die Rechte der Frauen diskutierte, konnte nach Deutschland flüchten. Aber an ihrer privaten Situation hat sich dadurch wenig geändert. Die Ketten der Ehre sind auch in Deutschland aus Stahl. Ghafoor Zamani hat Golalai über viele Jahre in Kabul und in Deutschland begleitet.

Refuse, Reduce, Reuse
Eine Momentaufnahme der Konsumalternativen

Von Johanna Olausson

Mittwoch, 22.07.2015, 00.05 Uhr, DR Kultur

Foodsharing, Kleidothek, Repair Café, Kleiderkreisel, Mundraub, Netcycler, Carzap, Ouishare, KoKonsum, Grabfruit, Zebramobil, Social Muscleclub, Original unverpackt, Nachbarschaftsauto, Foodsoft, Material Mafia, Kunst-Stoffe, Hanseatische Materialverwaltung, Free your stuff, Leihladen Leila, Bikesurf, Couchsurfing, Homeforhome, Fairleihen, Mundraub, Bookcrossing, Ticketteilen, Tandemploy.
„Wat ist denn dat?“, fragt der Müllwerker hinter dem Steuerrad. An seiner Seite sitzt eine von Alpträumen verfolgte junge Frau. Sie fahren in einem Müllauto zusammen irgendwo im 21. Jahrhundert herum und suchen nach Alternativen zur Wegwerfgesellschaft.

Das Damaskus-Erlebnis
Motive der Islam-Konversion

Von Manuel Gogos

Freitag, 24.07.2015, 20.10 Uhr, DR Kultur

Der Softrocker Cat Stevens schrieb Hippie-Hymnen wie „Morning Has Broken“, ehe er im Jahre 1977 auf wundersame Weise vor dem Ertrinken errettet wurde und ein Koran aus der Hand seines Bruders ihm die Augen öffnete, wem er dafür zu danken habe: nämlich Allah.
Paul-Gerhard Hübsch war ein Beatpoet und Acidhead, ehe er 1969 in der marokkanischen Wüste nackt auf die Knie fiel, die Hände gen Himmel reckte und ausrief: „Oh Allah, bitte reinige mich.“ Nach seiner Konversion zum Islam nannte er sich Hadayatullah, „der von Gott Geleitete“, und verfasste als Imam von Frankfurt eine Biografie über Yusuf Islam – den Mann, der einmal Cat Stevens war. Sind Yusuf und Hadayatullah „Prototypen“ jener zahlreichen Konvertiten aus Paris, London oder Bonn, die heute zu global operierenden Gotteskriegern mutieren?
Das Feature spürt den existenziellen Gründen von Islam-Konvertiten nach und problematisiert zugleich die hirnwäscheähnlichen Effekte von Massenkonversionen im Bannkreis salafistischer „Lies-mich“-Aktionen.

Blick nach Draußen
Südseeparadiese. Die Trauminseln Französisch Polynesiens

Von Dieter Mayer-Simeth

Samstag, 25.07.2015 13:05 Uhr , Bayern 2

Im Bayern 2-Sommerradio öffnet der Bayerische Rundfunk sein Schallarchiv. Die Reihe „Offenes Archiv – Das Feature als Dokument seiner Zeit“ widmet sich in den fünf Ausgaben dieses Sommers dem „Blick nach Draußen“.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägen Sendereihen wie das „Offene Fenster“ oder „Städte mit lockenden Namen“ das Reise-Feature. Dieses soll nach dem Zweiten Weltkrieg mehr sein als ein vertonter Fernreiseprospekt. Ziel ist ein „Beitrag für die Gemeinschaft der Völker“. So postuliert es Anfang der 1960er-Jahre BR-Intendant Christian Wallenreiter: „Das Eigene über die Grenzen des Landes hinaustragen und das Fremde hereinholen.“ Herausragende Autorenpersönlichkeiten mit einem besonderen Zugang zu Land und Leuten arbeiten für die eigens geschaffene Redaktion „Hörbild Ausland“, die das Genre pflegt. Aus Frankreich zum Beispiel berichtet Hubert von Ranke. Der Münchner Widerstandskämpfer hatte sich 1942 der Resistance von Charles de Gaulle angeschlossen. Aus diesem Blickwinkel begleitet er das Entstehen eines demokratischen Bayerns. In Italien ist Reinhard Raffalt nicht nur ein profunder Kritiker des Papstes, sondern genauso ein akustischer Vermittler der Kultur Roms und Italiens im Auftrag des Bayerischen Rundfunks.
Das Bayern2-Sommerradio stellt fünf Features vor, die den Wandel im „Blick nach Draußen“ aufzeigen. Welche Radiomacher prägten unsere Wahrnehmung des Auslands in den vergangenen Jahrzehnten – und was heißt das für uns heute?
Den Auftakt bildet die weiteste Reise, die ein BR-Autor je unternommen hat: Zu Bayerns Antipoden, zu der Region und zu den Menschen auf der genau anderen Seite des Globus‘. „Südseeparadiese. Die Trauminseln Französisch Polynesiens“ (Samstag, 25. Juli 2015 – 13:05 Uhr). Dieter Mayer-Simeth widmet sich dem Mythos der 118 Inseln, dem der Maler Paul Gaugain wie der Chanson-Sänger Jacques Brel erlegen sind. Im Begleittext zur Ursendung heißt es: Vor knapp 250 Jahren von Seeleuten unserer Kultur entdeckt, erst einmal durch Syphilis und Seuchen entvölkert, dann durch Christentum, Kriege und französische Atombombentests „auf europäischen Kulturstandard gebracht“. Ohne das Wort „Kultur“ vor sich herzutragen vermittelt diese großartige Erzählung von Dieter Mayer-Simeth en passent einen zeitgenössischen Kulturbegriff. Ein auch heute noch glaubwürdiger „Blick nach Draußen“.

Mehr Meer

Mit Wolfram Wessels

Sonntag, 26.07.2015, 14.05 Uhr, SWR2

Es gibt eine Hörspiel-Spur, es gibt eine Feature-Spur, eine Internet-Spur, eine Diskurs-, Musik- und Soundspur und alle Spuren führen zum Radio, ins world wide web und wieder zurück. Mehrspur entwickelt das Internetprojekt DOKUBLOG weiter, reflektiert den Stand aktueller Mediendebatten und das laufende Programm, mischt die Spuren und stellt neue Zusammenhänge her. Hörspiel- und Feature-Kritiken treffen auf Debatten über die Bedeutung des Radios, auf Berichte über nationale und internationale Trends und auf DOKUBLOG-Features und -Hörspiele. Prominente Autoren diskutieren und arbeiten mit weniger bekannten zusammen: Jeder ist nicht nur Radio-Reporter und Audiokünstler, sondern auch Kommentator, Rezensent, Essayist und kann sich über die Seite www.swr2.de/dokublog beteiligen. Sie ist Archiv und Produktionsplattform zugleich.

Europäische Avantgarde

Von Alfred Andersch

Sonntag, 26.07.2015, 18.05 Uhr, hr2

In dieser zweiten Folge der Feature-Reihe des Radiokultursommers betrachtet Alfred Andersch die Zeiträume, die den Zusammenbrüchen Europas und dessen Werten folgten, insbesondere die Nachkriegszeiten nach 1918 und nach 1945. Andersch macht sich auf die Suche nach einer neuen Avantgarde, die den Grundstein für die Zukunft Europas legen könnte. Dabei zitiert er Beispiele aus den Werken avantgardistischer Autoren wie Arthur Koestler, Denis de Rougement, Ignazio Silone, Vercors, Albert Camus, Jean Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Andre Malraux, Erich von Kahler, Emanuel Mounier und Eugen Kogon.

 

Radiotipps für die Woche vom 12. bis 19. Juli 2015

Tea-Party in Frankreich
Der Kulturkampf um die Homoehe

Von Hans Woller

Dienstag, 14.07.2015, 19:15 Uhr, DLF

Europa rieb sich die Augen: Ausgerechnet in Frankreich führte im Jahr 2013 ein Gesetzentwurf über die gleichgeschlechtliche Ehe zu einer gigantischen Protestbewegung. Eine Koalition aus Wertkonservativen, traditionalistischen Katholiken und rechtsextremen Splittergruppen beherrschte in einer von Hysterie geprägten Stimmung die öffentliche Diskussion. Sie agierten, als würde die gleichgeschlechtliche Ehe das Ende der Familie, ja der westlichen Zivilisation bedeuten und wurden dabei zusehends radikaler. Gleichzeitig hat sich in dieser Atmosphäre die Zahl auch gewaltsamer homophober Übergriffe im Land fast verdoppelt.

Das Gesetz ist jetzt seit über einem Jahr verabschiedet und mehr als 7.000 gleichgeschlechtliche Ehen wurden seitdem geschlossen. Doch die ultrakonservativen Kräfte der Protestbewegung gegen die Homoehe agieren weiter – gegen Abtreibung, Genderdiskurs, künstliche Befruchtung, Leihmutterschaft oder Sterbehilfe.

Abecedarium Bestiarium
Affinitäten in Tiermetaphern

Von Antonia Baehr und Sabine Ercklentz

Mittwoch, 15.07.2015, 00.05 Uhr, DR Kultur

D steht für Dodo, N steht für die Nordafrikanische Kuhantilope oder S für die Steller’sche Seekuh: Antonia Baehr hatte ihre Freund/innen eingeladen, kurze Stücke für sie zu schreiben, die auf einem ABC ausgestorbener Tiere basieren.

Hinter jedem Buchstaben verbirgt sich eine Radio-Miniatur, die sich mit dem jeweiligen nicht mehr existenten Tier verbunden fühlt.

Der Spaziergang von Buchstabe zu Buchstabe führt auch in die Bibliothek der Philosophin und Kuratorin A.S. Bruckstein Çoruh. All das bringt die Miniaturen des Abecedariums in bewegliche Konstellationen und blättert Affinitäten in Tiermetaphern auf.

Der Hass der Buddhisten
Verfolgte Muslime in Myanmar

Von Dominik Müller

Mittwoch, 15.07.2015, 22.03 Uhr, SWR2

Nach Jahren der Militärdiktatur ist das Land zum weltweiten Vorzeigeprojekt geworden: Wahlen und Marktöffnung sorgen angeblich für Demokratie und Menschenrechte. Aber wie passt dazu, dass muslimische Minderheiten, besonders die 1,3 Millionen Angehörigen der Rohingya sich massiv bedroht fühlen? Buddhistische Mönche warnen vor einer „schleichenden Islamisierung“ ihres Landes und fordern dazu auf, Muslime gesellschaftlich zu isolieren. Fundamentalisten ziehen mordend durchs Land, verbrennen Dörfer und zerstören Moscheen. Die Regierung entzieht Muslimen das Wahlrecht und schränkt ihre Mobilität und Berufswahl ein. Die Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi schweigt. Und der Westen belässt es bei humanitärer Hilfe und lauwarmen Ermahnungen. Welche Interessen verfolgt er und um welchen Preis? Für den Herbst sind Wahlen angekündigt. Das Feature ergründet, was in dem Land vorgeht.

Visionär Buckminster Fuller
Nachrichten vom Raumschiff Erde

Von Michael Langer

Freitag, 17.07.2015, 20.10 Uhr, DLF

Steuernummer, Name, Beruf … ? Souveräne Staaten, so R. B. Fuller, verlangten Auskunft auf lächerliche Fragen. Wo wohnen Sie? Wann wurden Sie geboren? Buckys Antwort: „Ich bin unsterblich. Ich schaue alle Jubellichtjahre mal vorbei, mal hier, mal dort. Gerade bin ich Passagier des Raumschiffs Erde, das mit 60.000 Meilen pro Stunde unterwegs ist irgendwo im Sonnensystem … Aber warum fragen Sie?“

Richard Buckminster Fuller (1895 – 1983) war Architekt und Ingenieur, Designer, Forscher und Erfinder. So gut wie vergessen ist sein Dymaxion Car, berühmt sind noch heute seine Geodätischen Kuppeln. Begriffe wie Synergie und Nachhaltigkeit, die inzwischen zu Phrasen verkommen sind, hat er entscheidend mitgeprägt. Fuller dachte global, vierdimensional, ganzheitlich und entwickelte kosmische Perspektiven. Eine Fundgrube sind nach wie vor seine späten Schriften, in denen er etwa zur allgemeinen Systemtheorie, zur regenerativen Landschaft oder auch zur integralen Funktion des Menschen Stellung nimmt. Der Titel des Buches, das 1969 erschien, lautet: „Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde“.

Feuer unterm Melting Pot
New Orleans – zehn Jahre nach Katrina

Von Jonathan Fischer

Samstag, 18.07.2015, 13:05 bis 14:00 Uhr, Bayern2

Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

August 2015. Als in Folge von Hurrikan Katrina die maroden Deiche nachgaben, schien der letzte Tag von New Orleans gekommen: Eine Hafenstadt, aus der einst der Jazz gekommen war, die die kreolische Küche hervorgebracht hatte, stolz war auf ihre üppigen Mardi Gras-Umzüge, ihre Voodoo-Tradition, ihre Brassbands und Umzüge, die die Menschen selbst zum Begräbnis tanzen ließ. Die multikulturelle Metropole, Symbol für den Melting Pot Amerikas, drohte mitsamt ihrer Kultur unterzugehen.
Während 80 Prozent der Stadt noch unter Wasser standen, tobte bereits der Kampf um ihre Zukunft: Politiker in Washington schlugen vor, die Stadt für immer aufzugeben, während lokale Geschäftsleute ein New Orleans ohne die armen Schwarzen herbeiredeten. Katrina machte alle Probleme der Stadt wie unter einem Vergrößerungsglas sichtbar: Rassismus, Rekord-Kriminalität, Korruption, miserable Schulen und eine Kluft zwischen Arm und Reich, die die Stadt und ihre Bewohner spaltet.
Zehn Jahre nach Katrina aber zeigt sich New Orleans lebendiger denn je. Beim Wiederaufbau hat sich New Orleans größtes Kapital bewährt: Seine Kultur. Nicht nur brüstet sich die Stadt mit mehr Restaurants, Musikclubs und Straßenfestivals als je zuvor, boomt der Tourismus wie zuletzt vor Katrina; auch alte Traditionen feiern ein Comeback. In der noch immer zu zwei Drittel schwarzen Stadt haben sich viele neue Brassbands formiert, die Mardi Gras Indians erleben eine nie gekannte Wertschätzung, ja selbst Voodoo findet neue Anhänger. Musiker und Künstler aus ganz Amerika zieht es in diesen neuen Melting Pot.
Hinter der touristischen Fassade aber tobt ein täglicher Überlebens-Kampf: Wie soll das neue New Orleans aussehen? Wer schafft Gerechtigkeit im Häuserkampf der Gentrifizierung? Wird New Orleans einmalige Kultur überleben? Und wie funktioniert der Schmelztiegel heute?
Jonathan Fischer (Musikjournalist und Feature-Autor aus München) hat die Stadt durchstreift, Brassbands und Predigern zugehört, mit Stadtplanern, Hotelmanagern, Musikern, Club-Besitzern und Bürgerrechtsaktivisten gesprochen.

Schule, chillen, Schlagzeug spielen
Kinder in Deutschland erzählen

Von Wiebke Köplin, Massimo Maio und Margot Overath

Samstag, 18.07.2015, 18.05 Uhr, DR Kultur

Sieben Mädchen und fünf Jungen zwischen sechs und dreizehn Jahren: Sie leben in Hoch- und Einfamilienhäusern, bei „den besten Eltern der Welt“ oder auch mal beim Kindernotdienst. Sie essen Döner, Weißbrot mit Nutella, seltener Äpfel oder Salat.

Sie bekommen Taschengeld: fünf Euro in der Woche oder fünf Euro im Jahr und ihr Leben dreht sich um die Schule. Doch da gibt es auch noch Fußball, Musik, abhängen im Schülerladen oder auf der Straße. Kinder erzählen.

Der Fall M
Mutmaßungen über ein gefundenes Diktiergerät

Von Stella Luncke und Josef Maria Schäfers

Sonntag, 19.07.2015, 19.05 Uhr, SWR2

Ein Diktiergerät mit einer Mikrokassette. Ein kurioser Fund mit einer seltsamen Aufnahme: Ein Mann erzählt von einer rätselhaften Frau, die er nur „M“ nennt. Angeblich arbeitet sie undercover für die Polizei. Aber was, wie und warum? Soldatin in Israel soll sie auch gewesen sein und Immobilienmaklerin und irgendwie mit der Mafia verbandelt … Kann man das glauben? Auf jeden Fall kann man Experten zur Tonbandkassette befragen: Kriminaltechniker, Tontechniker, Profiler, Phonetiker, Psychologen … Was hören und entdecken sie in einer anonymen Stimme, die eine unglaubliche Geschichte erzählt? Und was entdecken sie hinter der Geschichte? Das Feature über ein gefundenes Diktiergerät ist auch ein Feature über Analyse und Spekulation, über Neugier und Mutmaßung.

Alfred Andersch: Herr Wieland und die Grundrechte / Abendstudio – ein intellektuelles Ghetto?

Sonntag, 19. Juli 2015, 18:05 Uhr, hr2

Im diesjährigen ARD-Radiofestival möchte hr2-kultur mit einer Reihe von Features und Hörbildern an die Anfänge des Hessischen Rundfunks erinnern, der mit seinem Vorläufer „Radio Frankfurt“ in diesem Jahr 70 Jahre lang besteht.

Die Reihe beginnt mit einer Sendung von Alfred Andersch, dem Schriftsteller, der in den Anfangsjahren das „Abendstudio“ des hr leitete. In Form szenischer Dialoge erläutert er die Themen Grundrechte, Demokratie und Parlamentarismus in der damals neu entstandenen Bundesrepublik. Im Anschluss kommen Auszüge aus einem Essay von Alfred Andersch, der 1973 eine kritische Rückschau auf sein „Abendstudio“ hielt.

 

Radiotipps für die Woche vom 6. bis 12. Juli 2015

Berlin-Schöneweide
Nazifrei durch Stadtentwicklung

Von Ursula Rütten

Dienstag, 07.07.2015, 19.15 Uhr, DLF

Schöneweide, einst eines der größten innerstädtischen Industriegebiete Europas, ist ein Berliner Stadtteil, mit dem sich seine Bewohner jahrzehntelang zu Recht voller Stolz identifizierten. Mit der Wende gingen rund 30.000 Arbeitsplätze verloren. Industriebrache und soziale Brache wurden der Humus für eine bis vor wenigen Jahren auffällige Neonazi-Szene.

Besonders raumgreifend im Vorfeld des S-Bahnhofs in Niederschöneweide. Lange musste sich die Bevölkerung gedulden, bis Sanierungskonzepte von Bezirk und Land den Weg für neue Lebensinhalte und Zukunftsperspektiven ebneten. Bis den braunen Platzhirschen Paroli geboten werden konnte. Als Kraftakt auf einer breiten zivilgesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Basis. Mit Milieuschutz für die ansässige Bevölkerung. Als „Leuchtturm“ gilt die Ansiedlung der Hochschule für Technik und Wirtschaft. Von vielen Seiten kommen heute Impulse und Konzepte, der einstigen Bastion von Innovation und Erfindergeist erneut ein überregionales Alleinstellungsmerkmal zu verschaffen.

Innen und Dazwischen
Ich lasse Hellseherinnen in mich hineinblicken

Von Wibke Bergemann

Mittwoch, 08.07.2015, 00.05 Uhr, DR Kultur

Gibt es Menschen mit medialen Fähigkeiten, die in ihrem Gegenüber lesen können? Und wenn ja, was sehen sie dort? Die Autorin glaubt eigentlich nur, was sie sieht.

Aber Neugier und der Wunsch nach Orientierung führen sie zu einer medialen Heilerin, einer Schamanin und schließlich zu einer Wahrsagerin. Kosmos, Trommeln und Karten werden befragt. Sie bekommt eine Ahnung von der Macht des Rituals, begegnet ihrem Vorleben, und ihr wird angeboten, in den Gedanken des eigenen Ehemanns zu lesen. Die Sitzungen bringen ein paar Überraschungen zutage, die sie schließlich trotz aller Skepsis nicht mehr kalt lassen.

Preisträger-Hördokumentation des 2. dokKa Festivals

Mittwoch, 08.07.2015, 22.03, SWR2

Verschiedenen Formen des Dokumentarischen ist das deutschlandweit einzige Dokumentarfestival in Karlsruhe gewidmet. Neben Filmen, dokumentarischen Installationen und performances werden auch Hördokumentationen präsentiert und mit den Autoren, Filmemachern und Künstlern öffentlich diskutiert. Eine unabhängige Jury wählt aus jeder Sparte die beste Produktion aus. Den DokKa-Preis für die beste Hördokumentation des Festivals erhielt Margot Overath für ihr Feature: „Oury Jalloh. Die widersprüchlichen Wahrheiten eines Todesfalls“. Das Gespräch zu der Produktion finden Sie auf www.dokublog.de zum nachhören.

Flow
Mein Leben im Fluss

Von Susanne Franzmeyer

Samstag, 11.07.2015, 18.05 Uhr, DR Kultur

Jeder kennt diesen Zustand: Man geht voll und ganz in einer Tätigkeit auf, vergisst darüber die Zeit, egal, ob bei der Arbeit oder bei einer Freizeitbeschäftigung. Sind wir im Flow, empfinden wir Zufriedenheit und Glück – und sind dabei zu enormen Leistungen fähig.

Aber was, wenn bei uns Stillstand herrscht, wenn wir uns im Kreis drehen und blockiert sind? Wir können uns noch so sehr anstrengen – mit Erwartungsdruck und Ungeduld sind alle Versuche zum Scheitern verurteilt, wieder in den Flow zu kommen. Was im Leben treibt uns eigentlich an und wo bleibt dabei das Glück?

Was kann passieren, wenn uns ein Ziel wichtiger wird, als der Weg dorthin? Weshalb quälen wir uns oft so? Und warum ist vielleicht alles viel einfacher, als wir denken?

Guten Tag auf Polnisch

Von Lisbeth Jessen

Sonntag, 12.07.2015, 14.05 Uhr SWR2

Park Avenue in Manhattan. Wer hier lebt, hat es geschafft. Ann Elizabeth wohnt in einem ehemaligen Aparthotel im 24. Stock. Ihre Großmutter war 1936 mit zwei Söhnen aus Deutschland emigriert, und die Söhne hatten sich in den USA neu erfunden. Seit dem Zweiten Weltkrieg aber sprach niemand in der Familie mehr von dem Gut in Oberschlesien, woher sie eigentlich stammten. Nach dem Tod der Großmutter wird ein Koffer mit alten Familienfotos geöffnet, der die Familiengeheimnisse zum Vorschein bringt. Ann wird sich ihrer jüdischen Ursprünge bewusst und reist nach Dobrodzien, das früher Guttentag hieß. Das frühere Familiengut steht jetzt zum Verkauf.

„Jetzt bin ich der Tod geworden, der Zerstörer der Welten“ – 70 Jahre Atombombe

Von Andreas Horchler

Sonntag, 12.07.2015, 18.05 Uhr, hr

Am 16. Juli 1945, morgens früh um 05:30 Uhr, zündeten Wissenschaftler des Atomlabors in Los Alamos die erste Plutonium-Bombe. Das Testareal in der Wüste von New Mexico südlich von Albuquerque nannten die Männer rund um Robert Oppenheimer „Trinity“. Schon drei Wochen später befahl Präsident Truman den Einsatz der Atombomben in Hiroshima und Nagasaki. Der Zweite Weltkrieg endete, doch im kalten Krieg bauten vor allem die USA und die Sowjetunion tausende weitere Atomwaffen. 70 Jahre nach dem „Trinity“-Test gehen Wissenschaftler des Think Tanks Brookings Institution von mehr als 4500 US-Atomwaffen aus. Hinzu kommen ausgemusterte, aber noch nicht abgebaute Sprengkörper. Trotz Abrüstung, trotz des Horrors der Bomben von Hiroshima und Nagasaki setzt das US-Militär auf sein atomares Potential. In Los Alamos, dem Ort des geheimen „Manhattan Projects“ zur Entwicklung der Atombombe von 1942-1945 wird auch heute noch militärische Forschung betrieben, auch Atomforschung. Für die Mehrheit der Amerikaner stellen Atomwaffen heute eher eine Garantie für Amerikas Supermachtstellung als eine Bedrohung der Menschheit dar. ARD-USA-Korrespondent Andreas Horchler reist nach New Mexico, Texas und Washington und geht der Fährte der Bombe nach, die die Welt veränderte. Er fragt Historiker, Politiker, Wissenschaftler und Bürger nach dem Erbe der Atombombe, der nuklearen Abschreckung, dem Widerstand gegen Nuklearwaffen und der moralischen Stellung Amerikas in der Abrüstungsdebatte. Wie sprechen aus Japan stammende Amerikaner über die Atombombe, wie die Afroamerikaner?

 

Radiotipps für die Woche vom 29. Juni bis 5. Juli 2015

Die Welt verbessern?

Von Ulli Schauen

Dienstag, 30.06.2015, 19.15 Uhr, DLF

487 Entwicklungsprojekte wurden auf der hannoverschen Weltausstellung 2000 als empfehlenswerte Expoprojekte präsentiert. Doch waren sie nachhaltig und haben langfristig etwas bewirken können?

15 Jahre nach der Weltausstellung macht sich der Autor auf, alle zwölf in Kenia liegenden Expoprojekte zu besuchen, von der privat organisierten Straßenkinderhilfe in Nairobi bis zur international koordinierten Rettung des Ökosystems Viktoriasee, vom KWas ist noch sichtbar, was hat positive Folgen gehabt und vielleicht Nachfolgeaktionen erzeugt? Welche Fehler lassen sich beobachten? Welchen Einfluss haben ökonomische Realität und grassierende Korruption genommen? Und haben die Geberländer ihre politischen Vorstellungen durchzusetzen versucht?ampf für die Landrechte der Massai bis zur Hilfe für Kleinbauern in Westkenia.

Die Welt des Erotikfilmers Russ Meyer
The smell of female

Von Tom Noga

Mittwoch, 01.07.2015, 00.05 Uhr, DR Kultur

Es geht um Undergroundkultur. Um Weltkriegsveteranen und ihre Netzwerke. Um die Sex Pistols. Um den Geist der 50er-Jahre. Es geht um Gesellschaft, Neurosen und Prüderie. Um Travestie und Groteske. Um Sex und Gewalt.

Um die feinen Unterschiede zwischen „campy“, „cheesy“ und „quirky“. Um Geschlechterkampf, Filmkunst und Improvisation. Oder geht es vielleicht doch nur um riesige Brüste?

Jenseits der Trivialisierung des Tötens
Über Krieg, Geschichte und Trauma

Von Heike Brunkhorst und Roman Herzog

Mittwoch, 01.07.2015, 22.03 Uhr, SWR2

Die Entgrenzung extremer Gewalt in unseren Gesellschaften trifft zugleich auf deren Trivialisierung. Woher kommt diese Eskalation des Folterns und Tötens in der Realität wie in den Medien? Und was macht sie mit Menschen, die ihr ausgesetzt sind? Janine di Giovanni berichtet seit über 20 Jahren von immer brutaleren Kriegen. Erst im gewöhnlichen Alltagsleben ist sie zusammengebrochen. Ein israelischer Scharfschütze hat an gezielten Tötungen mitgewirkt. Er hat sein Schweigen gebrochen, doch er leidet bis heute unter den psychischen Folgen. Und die Psychoanalytiker Françoise Davoine und Jean-Max Gaudillière verfolgen seit 40 Jahren die Weitergabe von Traumata über Generationen hinweg. Gewalt ist das Fundament unserer Kultur, so ihr Fazit. Aber statt Angst und Schrecken zu verbreiten und gleichzeitig Gewalt immer weiter zu banalisieren, sollte es heute darum gehen, eine neue Art von Gemeinschaft zu schaffen, die sowohl die Kultur des Mordens als auch die Trivialisierung des Tötens hinter sich lässt.

Eine Reise zum Dichter Philippe Jaccottet
Die Sonne auf der weißen Mauer vormittags um elf

Von Burkhard Reinartz

Freitag, 03.07.2015, 20.10 Uhr, DLF

Der Westschweizer Dichter Philippe Jaccottet gehört zu den wichtigsten französischsprachigen Lyrikern und Übersetzern der Gegenwart. Der heute 90-Jährige begann unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Eindruck der Katastrophe zu dichten. Leicht und beinahe beiläufig schreibt Jaccottet seit mehr als 50 Jahren über fast das Gleiche.
Blumen, Flüsse, Berge, das brennende Rot der Kirschblüte im Abendlicht. Eindrücke von Wanderungen in seiner südfranzösischen Wahlheimat, die er mit Betrachtungen über die Möglichkeiten der Poesie und des Lebens verbindet. Burkhard Reinartz ist den Wegen Jaccottets im Departement Drome nachgegangen und hat ihn in seinem Heimatort Grignan besucht. Der Dichter spricht über die Prägungen der Kindheit, seine Arbeit als Schriftsteller und die Begrenzungen des Alters. Die Äußerungen Jaccottets verbinden sich mit dem Klang der südfranzösischen Natur, Gedanken des Autors und Zitaten aus dem Werk des Dichters. „Die Welt ohne Unterlass beobachten, scharfen Auges und doch wie absichtslos; niemals aber mich zu flüchten aus dieser Welt

Wie ich Putin den Rücken kehrte
Junge Russen und ihre Suche nach einer neuen Zukunft

Von Anastasia Gorokhova

Samstag, 04.07.2015, 13.05 Uhr, BR2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Ist das Kunst oder kann das weg?
Von Kartoffelchips, Teppichmessern und einem Hund mit rosa Pfote

Von Martina Keller

Samstag, 04.07.2015, 18.05 Uhr, DR Kultur

Was tun, wenn die Röhren für eine Video-Installation von Nam June Paik nicht mehr aufzutreiben sind? Oder ein Kunstwerk mit Kartoffelchips zu gammeln beginnt? Neue Chips kaufen oder ab damit auf den Müll?

Der Umgang mit moderner Kunst wirft komplizierte Fragen auf. Sind Werke für die Ewigkeit geschaffen? Falls nicht: Wann stirbt ein Kunstwerk?

Die Autorin macht sich auf nach Manhattan zu einem Lagerhaus mit geheimer Adresse, nach Amsterdam zu einem durch eine Teppichmesserattacke verletzten Gemälde und zum Ufer des Rheins – denn auch Vierbeiner, deren Leben der Kunst gewidmet sind, müssen mal raus.

Viva Fluxus
Mein Leben mit Vostell

Von Rilo Chmielorz

Sonntag, 05.07.2015, 14.05 Uhr, SWR2

40 Jahre lang war Mercedes Guardado de Vostell die Frau an der Seite des Künstlers und Fluxus-Mitbegründers Wolf Vostell. Fluxus wollte die Grenze zwischen Kunst und Leben aufheben. Man wohnte im Atelier, und auch im Privaten wurden die Grenzen fließend. Als sich Mercedes und Wolf 1958 in Guadalupe kennenlernten, war Wolf ein unbekannter Maler und Mercedes eine junge Lehrerin. Hals über Kopf folgte sie ihm nach Köln. Sie war für Wolf Vostell Muse, Mutter, Modell, engste Mitarbeiterin, Museumsgründerin, Familienunternehmerin. Obwohl inzwischen schon 81 Jahre alt, ist sie immer noch die künstlerische Direktorin des Museo Vostell Malpartida und hält das bewegte Erbe lebendig.

Die Welt verbessern
Über langfristige Folgen von Entwicklungsprojekten

Von Ulli Schauen

Sonntag, 05.07.2015, 18.05 Uhr, hr

487 Entwicklungsprojekte wurden auf der hannoverschen Weltausstellung 2000 als empfehlenswerte „Expo-Projekte“ präsentiert. Doch waren sie nachhaltig und haben langfristig etwas bewirken können? 15 Jahre nach der Weltausstellung macht sich der Autor auf, alle zwölf in Kenia liegenden „Expo-Projekte“ zu besuchen, von der privat organisierten Straßenkinderhilfe in Nairobi bis zur international koordinierten Rettung des Ökosystems Viktoriasee, vom Kampf für die Landrechte der Massai bis zur Hilfe für Kleinbauern in Westkenia. Was ist noch sichtbar, was hat positive Folgen gehabt und vielleicht Nachfolgeaktionen erzeugt? Welche Fehler lassen sich beobachten? Welchen Einfluss haben ökonomische Realität und grassierende Korruption genommen? Und haben die Geberländer ihre politischen Vorstellungen durchzusetzen versucht?

 

 

Radiotipps für die Woche vom 22. bis 28. Juni 2015

Utopia Ser Verde
In den Stadtgärten von Roberto Burle Marx in Sao Paulo

Von Carsten Probst

Montag, 22.06.2015, 00:05 Uhr, DR Kultur

Am Tag vor seiner Pensionierung unternimmt der alte Gärtner Falon einen letzten Rundgang durch „seinen“ Park, den Ibirapuera-Park in Sao Paulo. Er berichtet von der Verwandlung, die der Park durch die harte Realität der Megacity erfahren hat.

„Ibira“ zählt zu den Schöpfungen des Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx Anfang der 1950er Jahre und ist ähnlich berühmt wie sein Flamengo-Park in Rio de Janeiro.

Auf der Suche nach der letzten Natur-Utopie des 20. Jahrhunderts, gebildet aus der bedrohten Pflanzenvielfalt des Amazonaswaldes, folgt das Feature Klängen und Stimmen und stillen wie dröhnenden Atmosphären dieser einstmals grünen Inseln im Häusermeer.

25 Bilder die Sekunde und ein Leben
Der Animationsfilmer Heinrich Sabl

Von Barbara Leitner

Mittwoch, 24.06.2015, 00:05 Uhr, DR Kultur

Die Digitalisierung der Medien sei für sein Leben entscheidender als der Mauerfall, sagt der ostdeutsche Animationsfilmer Heinrich Sabl. Vor 15 Jahren begann er mit kleinem Budget an einem Langfilm zu arbeiten: „Memory Hotel“ – eine deutsche Nachkriegsgeschichte.

Die Puppen und Kulissen, jeder Augenschlag und jede Geste wird von Hand gestellt und analog fotografiert, 25 Bilder pro Sekunde.

2007 ist der Film nahezu fertig. Lediglich einzelne Sequenzen will Heinrich Sabl noch flüssiger gestalten. In der digitalen Produktionslogik wäre das in wenigen Schritten vollbracht, aber Sabl misstraut den „Pixel-Fabriken“. Die Verleiher werden nervös, der Film ist seit Jahren angekündigt, alle Mittel sind ausgeschöpft und auch Heinrich bewegt sich am Rande seiner Kräfte.

Wer teilt, verliert
Über Chancen und Risiken der „Sharing Economy“

Von Caroline Michel

Mittwoch, 24.06.2015, SWR2

Sind die preiswerten Putzhilfen, Taxifahrer und Übernachtungsmöglichkeiten, die dank der Vernetzung über Internet und Smartphone schon heute für jeden verfügbar sind, der erste Schritt zu einer neuen, nachhaltigen Gesellschaftsordnung, in der alle alles teilen und es trotzdem – oder eben gerade deswegen – allen besser geht? Oder wird hier im Gegenteil der Grundstein für ein System der schrittweisen Enteignung, Überwachung und Ausbeutung gelegt? Das wissen selbst die Protagonisten der „Sharing Economy“ nicht so genau. Ein Feature über idealistische Uber-Taxifahrer, schicksalsergebene Helpling-Putzkräfte, umtriebige Plattform-Betreiber und ratlose Wirtschaftswissenschaftler.

Für solche Patrioten sind wir die Pest
Junge Kiewer Kreative und der Kampf um die Ukraine

Von Julia Solovieva

Sontag, 28.06.2015, 14.05 Uhr, SWR2

Die Eventmanagerin Marina hat mitten in Kiew ein Hilfswerk für die Flüchtlinge aus dem Osten der Ukraine aufgebaut. Die Drehbuchautorin Miriam sammelt Medikamente, Lebensmittel und warme Kleidung für die Armee. Der Manager, Blogger und freiwillige Soldat Ewgen kandidiert für das ukrainische Parlament. Junge Leute und Majdan-Aktivisten – zwischen Krieg und Frieden zerrissen – setzen sich für ihre Zukunft in einer neuen Ukraine ein. Sie fühlen sich ihrem Land stark verbunden, grenzen sich aber von den „Bilderbuchpatrioten mit dickem Bauch, Schmalz in der Stimme und der ukrainischen Hymne auf dem Mobiltelefon“ ab. „Für solche Patrioten“, sagt die Designerin Marianne, „sind wir wie die Pest“.

 

Radiotipps für die Woche vom 15. bis 21. Juni 2015

Geschichten von Zauderern
Mach es morgen

Von Susanne Franzmeyer

Mittwoch, 17.06.2015, 00:05 Uhr, DR Kultur

„Wir kennen alle die Situation: Wir wollen früh um 9.00 Uhr am Schreibtisch sitzen und mit der Arbeit beginnen und befinden uns um 9.05 Uhr in der Küche und nachdem wir dort einen Joghurt gegessen haben, fangen wir an, den Abwasch zu machen“, weiß Psychologe Hans-Werner Rückert.

Er kennt die Ursachen für dieses Verhalten und berät Aufschieber, u.a. Studenten der FU Berlin. Vom Kick durch Last-Minute-Abgaben bis hin zum Verfehlen wichtiger Lebensziele – Aufschieber aller Altersstufen und Berufsgruppen können davon ein Lied singen.

Das tut auch Sängerin Susius, deren Song „Mach es morgen“ als roter Faden durch das Feature leitet. Nach zehn Jahren Trödelei will sie endlich ihr Album herausbringen. Aber der wichtigste Song dafür wird und wird nicht fertig …

Silicon Blues
Im Hinterhof eines Mythos

Von Tom Schimmeck

Mittwoch, 19.06.015, 22.03 Uhr, SWR2

Das Silicon Valley ist die Pilgerstätte der Hightech-Jünger, ein Magnet für Talente aus aller Welt. Eingeklemmt zwischen Pazifik und San Francisco Bay, liegt die Heimat von Apple, Intel, Google, von Hewlett-Packard, Oracle, Facebook und etlichen weiteren Technologiefirmen – und von knapp drei Millionen Menschen. Während die Hard- und Softwarefirmen Spitzengehälter zahlen, fallen die Einkommen der weniger noblen Jobs. Wer als Lehrer, Verkäufer, Busfahrer oder Maurer arbeitet, kann sich ein Leben im superteuren Silicon Valley kaum mehr leisten, die Zahl der „working poor“ wächst. Auch die Zahl der Obdachlosen nimmt zu. Der soziale Abstieg kommt mitunter rasant: Eine Trennung, eine Firmenpleite oder ein Unfall können auch einen Aktienmillionär über Nacht zum Sozialfall machen. In den Hinterhöfen des Valley finden sich immer mehr Asyle und Ausgabestellen für Essen und Kleidung. Die Schlangen sind lang für die, die im Schatten des amerikanischen Traums leben.

„Das Taxi macht keinen Stich mehr …“
Abgesang auf einen ehemals ehrenwerten Beruf

Von Ralf Homann

Samstag, 20.06.2015, 13:05 bis 14:00 Uhr , Bayern

Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Gut 50.000 Taxis bieten sich jeden Tag in Deutschland den Fahrgästen an, in der Großstadt wie in dürftig besiedelten Landstrichen. Bei fast zwei Dritteln steuert der Chef selbst und träumt vom guten Auftrag, dem möglichst fetten „Stich“. In den Städten jedoch stellen sich dem mittlerweile harten Konkurrenzkampf zunehmend nur noch große Betriebe. Der Taxifahrer ist eine öffentliche Figur, dessen Verhalten auch öffentlich diskutiert und bewertet wird. Dabei ist der einst ehrenwerte Beruf zunehmend ins Gerede gekommen. Vom schnellen Weg in die Selbstständigkeit, von der Freiheit auf der Straße und der Arbeitszeiten oder vom Klischee des Philosophiestudenten am Steuer scheint nicht viel geblieben zu sein. Die Einführung des Mindestlohnes offenbarte: Entlohnung und Arbeitsbedingungen der knapp 200.000 angestellten Fahrer spotten jeder Beschreibung; die Einwagen-Betriebe überleben nur durch Selbstausbeutung am Rande des Existenzminimums. Und seit neuem setzen der Branche schicke Apps und internationale Konzerne zu. Die Rede ist abwechselnd von der Fahrermafia, dem Genossenschaftsklüngel oder einem Taxi-Monopol. Gänzlich verschwunden ist das Bewusstsein, dass Taxis zum öffentlichen Personennahverkehr gehören wie Busse und Bahnen.

Das Feature montiert das Mikrofon ans Steuerrad und sammelt Taxi-Storys vom gesetzlich-regulierten Niedergang der Helden am Standplatz.

Bosnien-Blues
Nigel Osborne und die Kinder des Krieges

Von Karla Krause

Samstag, 20.06.2015, 18:05 Uhr, DR Kultur

Zu Beginn der 90er-Jahre wird das belagerte Sarajevo aus den Bergen ringsum Tag und Nacht beschossen. Die Bürger der Stadt leben in Panik. Nahrung und Wasser werden knapp.

Mit einer Gruppe couragierter Musiker sammelt der britische Komponist Nigel Osborne die verstörten Kinder ein, er trommelt, singt und tanzt mit ihnen in Kellern und Luftschutzräumen gegen Hunger und Angst. Er trainiert junge Leute, um mit ihnen die Arbeit auch nach dem Krieg fortzusetzen: in Pula, Mostar, Sarajevo und im gepeinigten Srebrenica. In einer immer noch gespaltenen Gesellschaft gelingen beim gemeinsamen Musizieren erste Schritte vom Nebeneinander zum Miteinander.

Der Kapitän segelt nach Amazon

Von Serotonin

Sonntag, 21.06.2015, 14.05 Uhr, SWR2

Das ist doch heutzutage ganz einfach, wenn man ein Buch veröffentlichen möchte. Wenn es kein Verlag will, tut man’s eben selber. Self-Publishing lautet die Verheißung: Skript hochladen und warten, dass es runtergeladen wird. Der Internet-Buchriese Amazon bietet dafür ein eigenes Portal – und verspricht schönste Renditen. Denn kein Lektor, kein Agent und kein Verlag kassieren mit. Und die potentielle Leserschaft-Community ist eine globale. Welcher Buchhändler kann das bieten? In den Bestsellerlisten für e-books rangiert Selbstpubliziertes auf den Spitzenplätzen. (Naja, die Bücher kosten ja auch nur 99 Cent bis höchstens 3,99 Euro.) Ist das eine Option für Schriftsteller? Das Autorenduo Serotonin probiert es aus. Am eigenen Werk. Sie versuchen, einen – ihren! – ambitionierten historischen Abenteuerroman in die Lesewelt zu setzen. Protagonist ist ein Kapitän. Welche Irrfahrt wird er machen?

„Du kannst dir nicht selber gute Nacht sagen“ –
Über Einsamkeit und Alleinsein

Von Astrid Nettling

Sonntag, 21.06.2015, 18.05 Uhr, hr2

Niemand ist gegen Einsamkeit gefeit. Doch nicht jeder, der allein ist, fühlt sich einsam. Alleinsein kann wohltuend sein: den eigenen Gedanken nachhängen, Zeit für sich selbst haben. Einsamkeit hingegen tut auf Dauer nicht gut. Oft tritt sie auf, wenn sich an den vertrauten Lebensumständen Entscheidendes ändert oder beim Verlust naher Bezugspersonen. Vor allem im Alter kann Einsamkeit zu einer niederdrückenden Grundstimmung werden. Stets lauert in der Einsamkeit die Gefahr, sich immer weiter aus der Welt und von anderen Menschen zurückzuziehen. Was kann man tun, um mit dem Alleinsein klarzukommen? Was, um möglicher Einsamkeit nicht zuletzt im Alter begegnen zu können? In verschiedenen Gesprächen geht die Autorin dem Thema Einsamkeit und Alleinsein nach.

Radiotipps für die Woche vom 1. bis 7. Juni 2015

Viva con Agua – Eine Initiative aus St. Pauli

Von Michael Enger

Dienstag, 02.06.2015, 19:15 Uhr, DLF

Sie gilt als die etwas andere Hilfsorganisation aus dem etwas anderen Milieu – die Initiative Viva con Agua, die sich für sauberes Trinkwasser und sanitäre Grundversorgung in Entwicklungsländern engagiert. Der international tätige Verein entstand im Hamburger Stadtteil St. Pauli und ist eng verbunden mit dem dortigen Fußballclub.

Im Jahr 2005 startete Benny Adrion, damals Mittelfeldspieler beim FC St. Pauli, nach einem Trainingslager auf Kuba ein erstes Wasserprojekt. Daraus ist ein internationales Netzwerk mit mittlerweile über 6.000 ehrenamtlichen Unterstützern geworden. Zahlreiche Projekte konnte man bereits finanzieren und damit mehr als 500.000 Menschen in Afrika, Lateinamerika und Asien helfen. Viva con Agua wird vor allem von jungen Leuten, Künstlern und Sportlern unterstützt. Man finanziert sich durch Spenden und kulturübergreifende Veranstaltungen.

Lage, Lage, Lage
Auf Monopoly-Straßen von 1936 durch Berlin

Von Egon Koch

Mittwoch, 03.06.2015, 00:05 Uhr, DR Kultur

Als das Monopoly-Spiel 1936 in Deutschland eingeführt wurde, gab es nur Berliner Straßennamen auf dem Spielfeld: das teuerste Grundstück war die Insel Schwanenwerder am Wannsee. Dort wohnte Propagandaminister Joseph Goebbels.

Er wollte nicht als Besitzer einer teuren Immobilie gelten und verbot das Spiel gleich wieder.

1953 kam ein neues Monopoly auf den Markt – mit Allerweltsstraßennamen. Autor Egon Koch geht noch einmal durch die alten Monopoly-Straßen und Bahnhöfe, selbst ins Gefängnis. Er entdeckt, wo das Spiel noch heute Wirklichkeit wird. Und wo in der heutigen Wirklichkeit das Spiel aufhört: bei Wohnungs- und Mietpreisen, bei Spekulation und Bankrott.

Wüstenblumen
oder Die Beschneidung von Mädchen

Von Heike Tauch

Mittwoch, 03.06.2015, 22:03 Uhr, SWR2

Nach Schätzungen der WHO leben heute auf der Welt rund 150 Millionen Frauen mit Genitalverstümmelung – in Deutschland sind es ca. 50.000. Bis zu drei Millionen Mädchen droht jedes Jahr dasselbe Schicksal. Diese vor allem in Afrika angewendete Praxis, ist durch die Migration vieler Tausender Frauen nach Europa längst auch bei uns ein Thema – oder sollte es zumindest geworden sein. Durch das ehemalige Topmodel aus Somalia, Waris Dirie, UN-Sonderbotschafterin gegen die Beschneidung weiblicher Genitalien und ihr Buch „Wüstenblume“ ist die brutale Praxis erstmalig in das breitere westliche Bewusstsein gerückt. Dirie gründete eine eigene Stiftung und eröffnete zusammen mit dem Berliner Klinikum „Waldfriede“ 2013 ein weltweit bislang einzigartiges Behandlungszentrum für Betroffene. Was ist erforderlich, damit diese archaische Tradition hierzulande endet und nicht in den Nischen sich ausbreitender Parallelgesellschaften fortgeführt wird?

Dark tourism
Vergnügungsreisen ins Grauen

Von Tom Schimmeck

Freitag, 05.06.2015, 20:10 Uhr, DLF

In Scharen strömen moderne Reisende in ehemalige Kerker und Konzentrationslager, urlauben am liebsten dort, wo einst Kriege tobten, wo Natur- und Atomkatastrophen Land und Leben zerstörten. Mit prickelndem Ekel inhalieren sie den Gestank indischer Slums, inspizieren mit kundigem Blick Folterzentren wie die berüchtigte Tuol-Sleng-Schule in Phnom Penh, selbst Tatorte von Serienmördern erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Der Schrecken ist nicht nur immer und überall, er ist zum Event geworden. Ground Zero steht nicht allein. Die Gänsehaut, hübsch konserviert, avanciert zur festen Attraktion im Reisebusiness. Schon untersuchen Forscher die große Lust am kalten Grauen, den Reiz des sogenannten dunklen Tourismus, seine Botschaften, seine Ingredienzien, seine Moral. Sucht der Reisende nur nach dem allerletzten Thrill? Oder führt der Blick auf das Elend von Mitmenschen, wie ein Wissenschaftler meint, am Ende zu einer neuen Sensibilität, einem „Aufschäumen“ des Moralempfindens?

Utopia Ser Verde
In den Stadtgärten von Roberto Burle Marx

Von Carsten Probst

Samstag, 06.06.2015, 18:05 Uhr, DR Kultur

Am Tag vor seiner Pensionierung unternimmt der alte Gärtner Falon einen letzten Rundgang durch „seinen“ Park, den Ibirapuera-Park in Sao Paulo. Er berichtet von der Verwandlung, die der Park durch die harte Realität der Megacity erfahren hat.

„Ibira“ zählt zu den Schöpfungen des Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx Anfang der 1950er Jahre und ist ähnlich berühmt wie sein Flamengo-Park in Rio de Janeiro.

Auf der Suche nach der letzten Natur-Utopie des 20. Jahrhunderts, gebildet aus der bedrohten Pflanzenvielfalt des Amazonaswaldes, folgt das Feature Klängen und Stimmen und stillen wie dröhnenden Atmosphären dieser einstmals grünen Inseln im Häusermeer.

Syria FM
Begegnungen mit Radiomachern zwischen Berlin und Aleppo

Von Julia Tieke

Samstag, 06.06.2015, 13:05 Uhr, BR2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Sie heißen ‚Syrische Brisen‘, ‚Radio Seele‘, ‚Unser Land FM‘ oder ‚Radio für alle‘ – über 20 syrische Radiosender sind in den letzten vier Jahren entstanden mit Mitarbeitern in Syrien und Studios im Ausland. Angetrieben vom Wunsch nach friedlicher Veränderung, wollen die zumeist jungen Radiomacherinnen und -macher dem Klang des Krieges etwas entgegensetzen, die Stimme erheben, informieren, endlich frei sprechen.
Über das Internet, per Satellit und mit nach Syrien geschmuggelten Antennen überwinden sie im Radioraum Grenzen, verbinden Exil und Heimat.

Rot-Gold
Das schönste und kommunistischste Dorf Deutschlands

Von Peter Kessen

Sonntag, 07.06.2015, 14:05 Uhr, SWR2

Ueberau ist ein Örtchen am Rande des Odenwaldes mit 2.300 Einwohnern und zwei Besonderheiten. Zum einen wurde es 2013 als „Golddorf“ im Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ vom Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft ausgezeichnet. Zum anderen ist es eine der letzten Hochburgen der Deutschen Kommunistischen Partei. 33,5 Prozent der Stimmen holte die DKP bei der letzten Kommunalwahl. Ein Bundesgolddorf, wo rote Fahnen wehen? Wie kann das sein? Und wo führt das hin? Etwa in eine Zukunft, in der sozialistische Utopien als ökologische Verschönerung recyclet werden? Jedenfalls scheint der Kommunismus weder die Anlage großflächiger Streuobstwiesen, noch das Engagement in anderen Gruppierungen zu verhindern: 20 Vereine hat das 2.300-Einwohner-Örtchen – mit insgesamt mehr als 3.000 Mitgliedern.

Kampf gegen Windmühlen

Von Dorothee Meyer-Kahrweg

Sonntag, 07.06.2015, 18:05 Uhr, hr2

Die Hessische Landesregierung hat ein hohes Ziel: Bis zum Ende der Legislaturperiode will sie den Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch verdoppeln und bis 2050 soll der Stromverbrauch möglichst zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Windkraft soll daran einen maßgeblichen Anteil haben. Das freut viele Kommunen in den Mittelgebirgen, die auf neue Einnahmequellen durch die Windräder hoffen. Doch Windkraftgegner laufen Sturm gegen die Rotoren und entdecken ihre Liebe zu Rotmilan und Schwarzstorch, die durch die Windkraftanlagen leiden könnten. Die Autorin lauscht den sich emsig drehenden Windrädern, spricht mit Freunden der Windkraft und deren Gegnern und fragt, ob Hessen die Energiewende schafft.