Radiotipps für die Woche vom 18. bis 24. Juli 2016

Maskottchen Mao
Die Metamorphosen eines Gewaltherrschers

Von Mathias Bölinger

19.07.2016, 19:15 Uhr, DLF

Das Land, das der sterbende Diktator vor 40 Jahren hinterlassen hat, dürfte er kaum wiedererkennen. Von Mao Tse-Tungs Sozialismus ist nicht mehr viel übrig. China ist reich und mächtig geworden, konsumfreudig und pragmatisch. Was würde er wohl über die Millionärin denken, die seine Statue auf dem Armaturenbrett eines BMW montiert hat?

Sie ist fest davon überzeugt, dass der Vorsitzende höchst persönlich „von dort oben“ für ihren Wohlstand sorgt – als Dank für die Verehrung, die sie ihm entgegenbringt. Der rote Diktator, einst Kämpfer gegen Aberglaube und Tradition, ist heute in China eine Volksgottheit. Und die Gewalt, die von seiner Herrschaft ausging, verblasst hinter dem Mythos, den Chinas Propagandaapparat von ihm zeichnet. Reise auf den Spuren eines Idols mit blutiger Bilanz.

Norwegens Stunde Null

Von Hannelore Hippe

20.07.2016, 00:05 Uhr, DR Kultur

Am 22. Juli 2011 zündet Anders Behring Breivik im Regierungsviertel von Oslo eine Bombe, acht Menschen werden getötet. Anschließend erschießt er auf der norwegischen Insel Utöya 69 Jugendliche in ihrem Sommerlager.

Ist Breivik ein wahnsinniger Einzelgänger – oder ist seine Tat Ausdruck für einen neuen aggressiven Nationalismus und Fremdenhass in der norwegischen Gesellschaft, in der Gleichheit, Toleranz und Offenheit gefördert werden? Breivik war Mitglied einer rechtspopulistischen Partei, die seit Jahren in Norwegen an Einfluss gewinnt.

Tochter eines NS-Militärrichters
Mein Vater ging einfach zum Dienst

Von Simone Trieder

22.07.2016, 20:10 Uhr, DLF

Irmgard Sinner hat ihren Vater, Werner Lueben, lange als späten Widerstandskämpfer gesehen. Denn der Militärrichter hatte sich geweigert, drei katholische Priester zum Tode zu verurteilen. Einen Tag danach, am 28. Juli 1944, war Werner Lueben tot.

Das Heldenbild bröckelte, als Irmgard ein Buch in die Hände fiel: darin Briefe einer jungen Polin und das Todesurteil, das ihr Vater 1943 über sie gefällt hatte. Krystyna Wituska wurde in Halle an der Saale, im Roten Ochsen, enthauptet. 1980 landete Irmgard Sinner selbst in diesem Gefängnis – wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Krystynas Briefe halfen ihr, den Haftalltag zu überstehen und sich der Geschichte ihres Vaters zu stellen.

Er hatte hundert Todesurteile unterschrieben. Heute ist Irmgard Sinner 88 Jahre alt und rastlos für Versöhnung unterwegs. Sie pflegt Kontakte zu Opfern ihres Vaters und deren Angehörigen, auch zur Tochter eines Deserteurs, den ihr Vater zum Tode verurteilt hatte. Seit vielen Jahren ist sie aktives Mitglied im Bundesverband Opfer der NS-Militärjustiz.

Pragmatische Utopisten
Wie Architekten wie Alejandro Aravena die Welt verändern wollen

Von Gabriele Pfaffenberger

Samstag, 23.07.2016, 13:05 Uhr, BR2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Raus aus dem Elfenbeinturm! Eine neue Generation von Architekten hat keine Lust mehr auf abgehobene Prestigebauten. Sie wollen ehrliche Antworten auf die großen Herausforderungen unserer Zeit finden: Migration, Naturkatastrophen, Armut, Ungleichheit.
Ihr berühmtester Vertreter ist der Chilene Alejandro Aravena. Pritzker-Preisträger und Kurator der Architekturbiennale 2016 in Venedig. Er hat den sozialen Wohnungsbau revolutioniert. Seine Strategie: Partizipation. Bevor er Gebäude plant, diskutiert er intensiv mit den zukünftigen Bewohnern, beteiligt sie auch am Bau, stellt Häuser beispielsweise nur halb fertig und lässt die Bewohner die andere Hälfte gestalten.
So füllt er Projekte mit Leben, verhindert Fehlplanungen, spart Geld.
Die Autorin trifft Alejandro Aravena in Chile und reist durch Bayern, denn auch hier beschäftigen sich Architekten mit komplexen, aktuellen Problemen: Wie kann man die Wohnungsnot in den Städten abmildern? Wie die vielen geflüchteten Neubürger unterbringen und integrieren?
Vergangenes Jahr sind bayernweit 8700 Wohnungen aus der Sozialbindung gefallen. Allein in München warten laut der bayerischen Wohnungswirtschaft derzeit 12.500 Bewerber auf eine Sozialwohnung. Der immense Druck führt zur Wiederbelebung einer alten Idee: Genossenschaftsprojekte. Zukünftige Nachbarn planen gemeinsam ihre Wohnanlage, werden Miteigentümer, schaffen so bezahlbaren Wohnraum.
Hat Architektur die Kraft eine Gesellschaft zu verändern? Eine Recherche auf Baustellen, in Sozialwohnungen und den Büros von Querdenkern.

Die Suche nach dem Super-Sukkubus
Ein spektakulär sexy-rumpeliges B-Road-Movie durch die Hölle

Von Christiane Enkeler

Sonntag, 24.07.2016, 14:05 Uhr, SWR2

Eigentlich wollte sie nicht in die Hölle. Eigentlich wollte sie eine mythen-historische Geschichte erzählen – vom mittelalterlichen Aberglauben bis zu Fantasyliteratur und -filmen der Gegenwart. Eigentlich sollte es ein dankbares Thema sein: eine nachtaktive Dämonin, die Männer malträtiert, indem sie sich bei ihnen unterschummelt – buchstäblich, denn „succubere“ heißt „unten liegen“. Aber dann verlangte das Thema von Autorin Christiane Enkeler existentiellen Einsatz: Sie musste einen teuflischen Pakt schließen, musste als Kämpferin in den Ring, musste sogar ihre Gestalt verwandeln, um das Feature fertigzustellen. Am Ende erwies sich die Sendung als Höllentrip. Und der Höllentrip als Sendung.

Geheime Sender
Der Rundfunk im
Widerstand gegen Hitler
Teil 2
„This is London calling!“
Die BBC und die deutschsprachigen Programme aus Großbritannien

Von Hans Sarkowicz

Sonntag, 24.07.2016, 18:05 Uhr, hr2

Die British Broadcasting Corporation, kurz BBC, hatte bereits im September 1938 einen deutschsprachigen Dienst eingerichtet, um auf einen bevorstehenden Krieg vorbereitet zu sein. Das Feature schildert die Anfänge des Dienstes bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs. So ist die erste Nachrichtensendung ebenso zu hören wie die Kriegserklärung des britischen Premierministers Chamberlain an das Deutsche Reich. Auch deutsche Emigranten, wie der Soziologe Richard Löwenthal, kommen zu Wort, die von Großbritannien aus deutschsprachige Sender betrieben. Für die Goebbels-Propaganda waren die Programme von der Insel, die man in Deutschland gut empfangen konnte, ernsthafte politische Gegner. Nach Kriegsbeginn wurde von ihm deshalb das Abhören ausländischer Sender unter Strafe gestellt.

Radiotipps für die Woche vom 11. bis 17. Juli 2016

Der sowjetische Dichter Wladimir Majakowski
Tod eines Optimisten

Von György Dalos und Andrea Dunai

Dienstag, 12.07.2016, 19:15 Uhr, DLF

Im April 1930 erschoss sich in seiner Moskauer Arbeitsstube der berühmteste sowjetische Lyriker seiner Zeit, der 37-jährige Wladimir Majakowski. In seinem Abschiedsbrief ließ er erahnen, dass der Grund seines Suizides eine missglückte Liebesbeziehung war.

In der Tat verliebte er sich nach mehreren stürmischen Affären kurz vor seinem Tod in eine junge Schauspielerin. Diese erwiderte seine Gefühle, konnte sich aber nicht für ein gemeinsames Leben entscheiden. Der tragische Fall erschütterte die sowjetische Öffentlichkeit tief.

Majakowski war ein Idol der Jugend und eine Ikone der künstlerischen Avantgarde, ein Kommunist, der in seinen Werken Lebensfreude und Optimismus ausstrahlte. Erst in den 90er-Jahren, als seine bis dahin tabuisierten Erinnerungen publiziert werden konnten, stellte sich heraus, welch tiefe schöpferische, politische und persönliche Krise Majakowski zu seinem verhängnisvollen Schritt bewegte.

Willkommen im Bootcamp Sexueller Aktivismus
Gute Liebhaber werden keine Attentäter

Von Mithu Sanyal

Mittwoch, 13.07.2016, 22:03 Uhr, SWR2

Sex als politische Bewegung. Das gab es schon einmal. Und der Slogan dazu lautete „Make Love Not War“. Der Frieden ist seitdem nicht sehr vorangekommen. Aber in Sachen Sex hat es erhebliche Fortschritte gegeben. Technisch ebenso wie gedanklich. Debatten und Diskussionen über sexuelle Identität und Selbstbestimmung, über erotische Präferenzen oder über Prostitution haben gezeigt, dass Sex keine private Angelegenheit ist, sondern eingebunden in politische und gesellschaftliche Systeme. Systeme, die sich durch Sex verändern lassen? Autorin Mithu Sanyal macht den praktischen Versuch und besucht ein dreitägiges Trainingslager mit verschiedensten Workshops von und für SexualaktivistInnen: Let‘ s do it …

Der Maler Sigmar Polke und sein filmisches Werk“
Sieht man ja, was es ist“

Von Beate Becker

Freitag, 15.07.2016, 20:10 Uhr, DLF

Als Maler nahm er Bilder auseinander, schuf transparente, mehrschichtige Gemälde. Er kreierte malerisch Räume, die völlig überladen, wie kollabiert wirkten. Bewegliche Bilder, die sich je nach Betrachterposition, Lichteinfall und Temperatur veränderten. Auf welche Weise haben sich bei Polke Film und Malerei gegenseitig infiziert und inspiriert?

Das Werk des Malers Sigmar Polke (1941 – 2010) ist von äußerster Unbestimmtheit. Rasterbilder, vergrößerte und abgemalte Fotografien, machten ihn in den 1960er-Jahren berühmt. Dass Polke gefilmt hat, ist weniger bekannt. Ob seinen Arbeitsalltag oder das Zusammentreffen mit Freunden, ob Reisen oder Großprojekte – in den 1970er-Jahren zum Beispiel experimentierte er auf einem Bauernhof im Rheinland und ging auf Weltreise – immer war die Kamera dabei.

International Radio Award der New York Festivals:
Silver Radio Award What we leave behind
Das Archiv des Jean-Luc Godard

Von Soundwalk Collective

Freitag, 15.07.2016, 00:05 Uhr, DLF

Jean-Luc Godards Vergangenheit ruht in tausenden von Pappkartons. Der Filmemacher hat sein gesamtes persönliches Archiv an einem unscheinbaren Ort in Frankreich eingelagert. Neben unzähligen Filmrollen und persönlichen Gegenständen schlummern dort auch Godards Tonbänder.

Das Soundwalk Collective erhielt 2014 Zugang zu diesem Archiv und eröffnet nun einen Blick hinter Godards akustische Kulissen: in minutiöser Kleinarbeit extrahierte das Trio die Tonaufnahmen vor und nach Godards Filmtakes. Regieanweisungen, die Atmosphäre am Set, Fehlstarts und neue Anläufe zeigen das Universum eines Perfektionisten und Phantasmagorikers.

„Übrigens ist es genau das/was ich im allgemeinen am Kino liebe/eine Sättigung herrlicher Zeichen/die im Licht/ihrer fehlenden Erklärung baden.“ (Godard)

Betreten auf eigene Gefahr
24 Stunden unterwegs in der virtuellen Realität

Von Christian Schiffer und Christian Alt

Samstag, 16.07.2016, 13:05 bis 14:00 Uhr
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Faszination und Schock, Neugier und Überforderung – die unterschiedlichsten Empfindungen liegen bei Erlebnisse in der Virtuellen Realität nah beieinander. Virtual Reality hält gerade Einzug in unseren Alltag, ist dabei unser Leben zu verändern. Gleich mehrere Virtual-Reality-Brillen kommen 2016 auf den Markt, Programmierer, Künstler und Gamedesigner überbieten sich mit unterhaltsamen, skurrilen und manchmal befremdlichen Anwendungen für die neue Technologie.
Was genau die neue Technik mit uns anstellen wird, ist noch nicht klar:
Enthusiasten träumen von fremden Welten und rauschhaften Erfahrungen, verstehen die „Virtual Reality“ geradezu als eine „Empathiemaschine“, die es Menschen erleichtert, sich besser in andere Menschen und Situationen hineinversetzen zu können.
Skeptiker erheben ethische und moralische Einwände. Sie haben Angst vor dem VR-Exit und befürchten, dass die Menschheit in der virtuellen Realität verroht und kollektiv aus dem „Real Life“ flüchtet.
Was also wird diese neue Welt aus Bit und Bytes mit sich bringen?
Wie süchtig macht die neue Technik? Und wie gefährlich ist es, die Brille länger zu tragen als empfohlen? Die Autoren wagen den Selbstversuch: 24 Stunden in der Virtual Reality. Nonstop.

Warum in Brasilien das Wasser knapp wird
Wer nicht zahlt, der trinkt nicht

Von Andreas Weiser

Samstag, 16.07.2016, 18:05 Uhr, DLF

Brasilien galt bislang als eines der wasserreichsten Länder der Welt. Etwa 70 Prozent seiner Stromversorgung bezieht es aus Wasserkraft. Doch 2014 und 2015 erlebte das Land dramatische Dürreperioden im bis dato so fruchtbaren Südosten des Landes.

Dem bevölkerungsreichen ökonomischen Zentrum Brasiliens drohte das Wasser auszugehen. Wo liegen die Ursachen und wie kommt es, dass die Verantwortlichen so träge reagieren?

Morgenland und Abendland

Von Jan Decker

Sonntag, 17.07.2016, 14:05 Uhr, SWR2

Friedrich Engels ist der Erfinder des Marxismus. Wilhelm Decker ist der Erfinder des Annähdruckknopfs – und der Urgroßvater von Jan Decker. „Ich gehe einem Familiengerücht nach, das sorgfältig von uns gehütet wird, das wir uns manchmal verschwörerisch zuraunen, das wir meistens aber verschweigen. Bei Feiern oder Sterbefällen wird es hervorgeholt und besichtigt. Meine Familie soll mit dem deutschen Philosophen Friedrich Engels verwandt sein. In einem akustischen Kammerspiel versammle ich meine Familienmitglieder zu einem Treffen um unseren fiktiven oder tatsächlichen Ahnherren Friedrich Engels. Es geht um eine neue Identität für die Deckers – und für die Stadt Wuppertal, die sich mit chronisch leeren Kassen neu erfinden muss.“

 

Radiotipps für die Woche vom 4. bis 10. Juli 2016

Paragrafen baden nicht
Ralf Steeg und sein Kampf für eine saubere Spree

Von Jörn Klare

Dienstag, 05.07.2016, 19:15 Uhr, DLF

Ralf Steeg hat eine Vision: Berliner sollen in dem Fluss, der durch ihre Stadt fließt, sorglos baden können. Grundsätzlich ist das machbar, da die Spree bis an den Rand der Hauptstadt sauberes Wasser führt. Das Problem sind starke Regenfälle, die etwa dreißig mal im Jahr die Kanalisation überfordern.

Für Steegs Idee gibt es längst eine vom Forschungsministerium finanzierte, funktionierende Pilotanlage, Machbarkeitsstudien renommierter Wissenschaftler und Interessenten aus der ganzen Welt.

Doch Steeg kämpft seit 15 Jahren immer wieder auch am Rand der eigenen wirtschaftlichen Existenz gegen die Niederungen der Politik und das Dickicht der Behörden mit ihrer Auslegung des Wasserrechts, Fischereirechts, Nachbarschaftsrechts, Immissionsschutzrechts, Umweltrechts, Naturschutzrechts, Ordnungsrechts, Bauplanungsrechts und Zivilrechts. Dass Aufgeben für Steeg keine Option ist, zeigt seine Lebensgeschichte.

Poker “Ich bluffe nie“
Die Minimalisierung des Glücksfaktors

Von Annett Krause und Matthias Hilke

Dienstag, 06.07.2016, 00.05 Uhr, DR Kultur

Er denkt, dass ich denke, dass er denkt – so geht das beim Poker. Poker gilt in Deutschland als Glücksspiel. Weshalb es nicht ohne weiteres erlaubt ist. Aber wenn man damit Geld verdient, meldet sich das Finanzamt trotzdem. Und wenn man Geld verliert?

Der Poker-Protagonist in diesem Feature bleibt lieber anonym. Bei einem Pokerturnier in Las Vegas hat er einmal viel gewonnen. Jetzt will er bei einem Turnier in Prag gewinnen.

Wenn Mädchen kein sauberes Wasser haben
Hygienenotstand global

Von Andreas Boueke

Mittwoch, 06.07.2016, 22.03 Uhr, SWR2

Die Weltgesundheitsorganisation stellt fest: „Wasser und Sanitäranlagen sind unerlässlich für die Gesundheit“. Aber ein Drittel der Menschheit lebt ohne ausreichend sauberes Wasser und eine Milliarde Menschen haben keine Toilette. Insbesondere Mädchen leiden unter gesundheitsgefährdenden sanitären Verhältnissen, so auch Florence. Sie wohnt in dem Slum Namuwongo in Uganda, wo zehntausende Menschen noch nie eine Toilette benutzt haben. Alicia lebt in Haiti an einem Ort ohne sauberes Wasser. Viele ihrer Nachbarn sind an Cholera gestorben. Analí aus Guatemala schließlich engagiert sich im Kampf gegen eine Goldmine, die das Trinkwasser ihres Dorfes verseucht. Das Feature porträtiert die drei Mädchen und gibt damit dem globalen Hygienenotstand ein Gesicht.

Wunsch nach Verzauberung
Irrationalismus, Fantasy und magisches Denken moderner Zeiten

Von Tina Klopp

Freitag, 08.07.2016, 20:10 Uhr, DLF

Die Welt ist entzaubert, heißt es unter anderem bei Max Weber, und schuld daran sei die Aufklärung. Doch auch in der vermeintlich säkularen Gesellschaft tragen die Menschen Lieblingsmützen zu wichtigen Terminen und pflegen ihre kleinen Spleens und Alltagsfluchten.

Dem Fantasygenre gehört die Zukunft, die Esoterikbranche boomt und das Religionsmarketing wusste schon immer: Inszenierung ist die halbe Miete. Ausgangspunkt der Sendung ist die Frage, was dieser Wunsch nach Verzauberung eigentlich ist: Flucht oder Bewältigung? Motor von Kultur oder Nährboden für allerhand Schindluder? Die Suche nach Antworten führt u.a. zur Pflanzengeistertrance bei einem Seelengärtner und zu einer schamanistischen Sitzung mit Ayahuasca.

Der Schriftsteller Clemens Setz erzählt, wie audio-akustische Reize aus YouTube-Videos high machen können, und der Theologe Jörg Lauster, mit welchen besonderen Verzauberungstricks die gotische Kirche arbeitet.

Herr des Platzes
Wenn die Aufklärung den Fußball erreicht

Von Martina Keller

Samstag, 09.07.2016, 13:05 Uhr, Bayern 2

Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Ausgestattet mit der Machtfülle eines Feudalherrn treffen Schiedsrichter mitunter scheinbar willkürlich Entscheidungen. Die Fans toben und die Schiedsrichter werden zur Projektionsfläche der Emotionen. Was, wenn die Aufklärung den Fußball revolutioniert?
Schiedsrichter haben das Sagen auf dem Platz. Pfeifen oder weiterlaufen lassen? Das Auge des Schiedsrichters ist schnell, mit einem Blick erfasst er die Situation und bewertet sie. Doch das Auge der Fernsehkameras sieht mehr: In der Zeitlupe wird jede Entscheidung, jede Spielsituation seziert. Das Millionenpublikum im Fernsehsessel kriegt mit, wenn der Pfiff zu Abseits, Strafstoß, Platzverweis eine Fehlentscheidung war.
Das Spiel ist schneller geworden, athletischer, technisch anspruchsvoller und intellektueller. Der Fußball hat sich über die Jahre gewandelt und mit ihm der Herr des Platzes. Der Schiedsrichter von heute hat nahezu demokratische Züge. Ihm hilft eine Torkamera, er trägt Headset, tauscht sich mit seinen Assistenten aus – und ist mitunter eine Schiedsrichterin. Kritiker fürchten um das letzte Refugium archaischer Männerkämpfe: Sollen Schiedsrichter künftig über Fouls diskutieren statt die rote Karte zu zeigen? Wohin dann mit den Emotionen, wenn die Aufklärung den Fußball erreicht?

Hooligans
Bis zum letzten Atemzug

Von Agnese Franceschini und Tom Mustroph

Samstag, 09.07.2016, 18:05 Uhr, DR Kultur

  1. Mai 2014: Zum ersten Mal schießt in Italien ein Ultra des AS Rom auf einen Fan des SSC Neapel, der daraufhin stirbt. Auch in Deutschland werden Fangruppen immer gewalttätiger.

Im Oktober 2014 verwandeln Hooligans aus Deutschland unter dem Emblem „HoGeSA“ – Hooligans gegen Salafisten – den Kölner Bahnhofsvorplatz in ein Kriegsgebiet.

Auf diesen Steinen wollen wir tanzen
Der Club Alpha 60 in Schwäbisch Hall

Von Anna Seibt

Sonntag, 10.07.2016, 14:05 Uhr, SWR2

Dutschke war da. Ihre Mutter war da. Und dann war sie auch da: „Ein langer schummriger Gang. An den Wänden hängen Plakate in Fetzen: Alpha Cup 2006, Soundbash, Faschisten blockieren! Am Ende des Gangs eine Metalltür. Dahinter harte, elektronische Bässe. Ich öffne die Tür und mir schlägt eine Miefmischung aus Schweiß, Bier und Zigaretten entgegen. Im Dunkeln kann ich ein paar Leute auf der Tanzfläche erkennen. Künstlicher Nebel wabert durch den Raum. Ich bin 16. Die Party ist ab 18. Ich darf trotzdem rein.“ Seit 50 Jahren gibt es den Club Alpha 60 in Schwäbisch Hall. Ein Freiraum zwischen Bausparkasse und Maultaschen. Anhand ihrer Jugenderinnerungen an den Club erkundet Anna Seibt die Geschichte eines der ältesten soziokulturellen Zentren Deutschlands.

Stimme der ersten Stunde:
Die Radiolegende Axel Eggebrecht

Von Rosvita Krausz

Sonntag, 10. Juli 2016, 18:05 Uhr, hr2

Bis zu seinem Todesjahr 1991 sprach der Literat und Rundfunkmann Axel Eggebrecht von seinem Traum, noch die Jahrtausendwende zu erleben. Auch wenn er dieses Ziel nicht erreicht hat, sein Leben umspannt fast ein ganzes Jahrhundert deutscher Geschichte: vom Kaiserreich bis zur Wiedervereinigung.

Seine journalistische Laufbahn begann Ende der Weimarer Republik, bei der Weltbühne, im Dritten Reich erhielt er Schreibverbot und nach 1945 baute er als ein Mann der ersten Stunde den Rundfunk der Nachkriegszeit mit auf. Für den Nordwestdeutschen Rundfunk berichtete er im Herbst 1945 viele Wochen lang täglich über den ersten Kriegsverbrecherprozess der britischen Zone. Und auch nachdem er seinen Posten als Abteilungsleiter beim NWDR wegen parteipolitischer Querelen schon 1949 verlassen hatte, schrieb er als Freiberufler kontinuierlich Hörspiele, Features, Kommentare, Kolumnen: Beiträge zu einer Politisierung des Bewusstseins in einer Zeit, deren keimfreie Atmosphäre und restaurative Tendenz in Eggebrecht einen ihrer schärfsten Kritiker hatten. Ab 1963 hat er zehn Jahre lang die NDR-Rundfunkschule, das sogenannte „Nachwuchsstudio“, geleitet und sein Wissen und Können an Jüngere weitergegeben. Axel Eggebrecht starb vor 25 Jahren am 14. 7. 1991.

 

Radiotipps für die Woche vom 27. Juni bis 3. Juli 2016

Freihandelsabkommen CETA
„Goldstandard“ oder Etikettenschwindel?

Von Peter Kreysler

Dienstag, 28.06.2016, 18.05 Uhr, DLF

Ein ratifiziertes Freihandelsabkommen CETA sei „eine exzellente Messlatte für TTIP“, meint Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Und die kanadische Handelsministerin Chrystia Freeland beschreibt den Vertrag als „globalen Goldstandard für progressive Handelsabkommen“.

Doch Kritiker warnen davor, dass ausländische Unternehmen Kanada und die EU-Mitgliedstaaten in Zukunft häufiger vor Schiedsgerichten verklagen werden. Daran ändere auch der vorgesehene Investitionsgerichtshof wenig. Skeptische Völkerrechtler betonen, erst im Kleingedruckten des CETA-Vertrages seien die Gefahren zu erkennen.

EU-Standards etwa für Chemikalien und Lebensmittel würden weiter unter Druck geraten. Trotz zahlreicher Proteste von Bürgern und Parlamenten in der EU drängt EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström auf einen Abschluss des Vertrages. Damit wird CETA zu einer weiteren Nagelprobe für die europäische Demokratie.

Reihe: Neues aus der Provinz
No Land Called Home – Rückkehr in die Provinz

Von Johannes Nichelmann

Mittwoch, 25.06.2016, 18:05 Uhr, DR Kultur

Die Hauptstraße: das Rathaus, die Polizeiinspektion, zwei Bäckereien, zwei Fleischereien, zwei Brunnen, ein Lottoladen. Willkommen in der Provinz. Von Berlin nach Bayern. Der Autor wird mit zwölf Jahren in einen Landkreis verfrachtet, in dem Vollbeschäftigung herrscht und die Stammtische über gut und böse richten.

Damals haben sich die coolen Leute aus der Klasse immer am Bauwagen getroffen um dort Kirschbier zu trinken und über Fußball zu reden. Der Autor war niemals eingeladen, denn er war der Zugereiste.

Zehn Jahre später kehrt er zurück in die Provinz und will wissen, warum ihm hier die Sache mit der Integration so schwer gefallen ist. Der Pfarrer gibt zu bedenken, dass wer in der Schule morgens nicht mitbeten will wissen sollte, wie so etwas in der Klassen-gemeinschaft ankommt. Der Klassenlehrer rät zu mehr Geduld und Humor und die  Schulfreundin empfiehlt, den Nachbarn erst einmal ein Helles in die Hand zu drücken.

Das Feature erzählt von den Schwierigkeiten der Integration und von den Brüchen, die durch Deutschland gehen.

Tod eines Neugeborenen
Eine Hebamme vor Gericht

Von Eva Schindele

Mittwoch, 29.06.2016, 22:03 Uhr, SWR2

An die 2000 Geburten hatte Anna R. in ihrer 35-jährigen Berufslaufbahn außerklinisch begleitet. Zudem war sie in der Lehre tätig. Da nur noch wenige Geburtshelfer wissen, wie sie ein Kind aus Beckenendlage auf natürlichem Wege entbinden können, wandte sich ein Elternpaar Hilfe suchend an die erfahrene Geburtshelferin. Weil ihr Kind tot zur Welt kam, spricht das Dortmunder Schwurgericht die Ärztin nach einem langwierigen Prozess des Totschlags für schuldig. Anna R. habe die Mutter nur deshalb nicht in ein Krankenhaus überwiesen, weil sie ihr berufliches Renommee nicht habe beschädigen wollen. Sie habe den Tod vorsätzlich in Kauf genommen. Bis zum Schluss versuchte Anna R. ihre Unschuld zu beweisen. Der Ablauf der Hauptverhandlung und die Urteilsbegründung lassen viele Fragen offen. Auch wenn der Vorsitzende Richter betont: „Dies ist kein Hexenprozess!“, werden in dem zwei Jahre dauernden gerichtlichen Verfahren nicht nur der Tod eines Neugeborenen verhandelt, sondern auch unterschiedliche Auffassungen geburtshilflicher Praxis: die Entbindungstechnik der Mediziner und die Geburtshilfe der Hebammen.

Ingredients of democracy
Der Traum von einem neuen Griechenland

Von Rainer Schildberger

Freitag, 01.07.2016, 20:10 Uhr, DLF

Sie sind Abenteurer im eigenen Land. Ohne Krankenversicherung und Aussicht auf Rente. Sie umarmen das Chaos und erfinden die Demokratie neu. Sie wissen, die Menüs der korrupten Eliten schmecken nicht länger. Sie fragen die Leute direkt: Was macht euch satt?

Und wisst ihr eigentlich, dass wir reich sind? Sie sagen: Unser Land ist fruchtbar. Jeder kann an der neuen Speisekarte mitwirken. Die Zutaten: Mut, Fantasie und vor allem Beharrlichkeit. Denn die falschen Köche regieren noch immer. Aber die können nicht mal ein Ei kochen. Sie stehen nur in der Küche, weil einer aus der Verwandtschaft das ermöglicht hat.

Wir brauchen neue Köche, die wissen, was unverdorben ist. Einen Minister für Geschmack. Und Küchen, in denen auch das Krumme, das nicht den EU-Normen entspricht, in den Topf kommt. So wird es sein. Das würde uns so schmecken, sagen die Abenteurer.

Die Alltäglichkeit des Unsichtbaren
Junge Roma in Europa

Von Elisabeth Putz

Samstag, 02.07.2016, 13:05 Uhr, BR2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Die Mehrheit der Slowaken bezeichnet Roma als integrationsunwillig. Die Mehrheit der Roma ruft ins Mikrofon, Slowaken seien Rassisten. Zwei Randpositionen einer komplexen Materie. Die Mitte wird dabei oft vergessen. Und so kommen viele Journalisten nach Lunik IX, einem der größten Ghettos Europas, um eine Safari zu machen. Sie bezahlen ein wenig Geld und Roma liefern Geschichten. Dieses Feature ist ein Versuch, hinter eine Klischeemauer zu blicken.

Stop Motion
25 Bilder die Sekunde und ein Leben
Der Animationsfilmer Heinrich Sabl

Von Barbara Leitner

Samstag, 02.07.2016, 18:05 Uhr, DR Kultur

Die Digitalisierung der Medien sei für sein Leben entscheidender als der Mauerfall, sagt Heinrich Sabl, ostdeutscher Animationsfilmer. Im Jahr 2000 begann er mit kleinem Budget an seinem Film “Memory Hotel“ zu arbeiten.

Die Puppen und Kulissen, jeder Lidschlag wird von Hand gestellt und analog fotografiert, 25 Bilder pro Sekunde. Nach sieben Jahren will er nur noch einzelne Sequenzen flüssiger gestalten. In der digitalen Produktionslogik wäre das schnell vollbracht, aber Sabl misstraut den „Pixel-Fabriken“. 2015 ist der Film fertig.

Glastonbury, Fairy Tales und die Nebel von Avalon

Von Gabi Schlag

Sonntag, 03.07.2016, 14:05 Uhr, SWR2

Wer sich dem südenglischen Städtchen Glastonbury nähert, um sich die berühmte Abtei anzuschauen, wird bald bemerken, dass er sich in einer wunderlichen Stadt befindet. Hier soll er gewesen sein, der Eingang in das sagenhafte Feenreich Avalon, das vielen aus den Avalon Roman von Marion Zimmer Bradley bekannt ist. Heute steht an ebendieser Stelle die Ruine einer Kapelle, Sinnbild dafür, dass das Christentum das Heidentum überwunden hat. Ganz in der Nähe soll er verborgen sein, der sagenumwobene Gral. Und das Grab von König Artus und seiner Guinifer befindet sich sozusagen um die Ecke. Vor allem aber soll sich hier ein Ort der Macht befinden, ein Ort an dem zwei Ley-Linien sich kreuzen. Heilige Linien, die diesen Platz zu etwas Außergewöhnlichem werden lassen und Neuheiden und Esoteriker aus der ganzen Welt anziehen. Wir begleiten die Esoterikerin Bernadette (im wahren Leben Chemikerin), die das Feen-Treffen besucht und ordnen das ganze Treiben in das hochaktuelle Phänomen des Neopaganismus, der Religion des Neuheidentums.

Jozi-Stories – Das Johannesburg der Künstler

Von Gaby Mayr und Günther Beyer

Sonntag, 3. Juli 2016, 18:05 Uhr, hr2

„Die Stadt ist meine Muse“, sagt Billie Zangewa, die aus Malawi nach Johannesburg kam und mit ihrer Textilkunst international Erfolg hat. Die Stadt mit dem Kosename Jozi inspiriert viele Künstler.

Dabei reflektieren sie oft ihre Erfahrungen in der Zeit der Apartheid. Die Fotografin Lebohang Kganye hat beim Market Photo Workshop im Johannesburger Zentrum ihre Kunst gelernt. Ihr Kollege Muntu 
Vilakazi porträtiert die Glitzerwelt der schwarzen Aufsteiger dieser Stadt. Der Schriftsteller Ivan Vladislavic, aus einer irisch-kroatischen Familie stammend, siedelt seine Geschichten unter den kleinen weißen Leuten im Johannesburger Stadtteil Troyeville an. Niq Mhlongo schreibt über Soweto, den Ort, an dem er aufgewachsen ist. Und William Kentridge? Der vielleicht bekannteste Künstler aus Jo’burg ist überzeugter Bürger der Stadt, aber selten zu Hause. Die Autoren besichtigten seine Studios – und treffen ihn schließlich in Amsterdam.

 

Radiotipps für die Woche vom 20. bis 26. Juni 2016

Die Schule von Trostenez
Über Erinnern und Vergessen in Belarus

Von Olga Kapustina

Dienstag, 21.06.2016, 19:15 Uhr, DLF

Trostenez war einer der größten Schauplätze von Massenmorden während des Zweiten Weltkriegs in Osteuropa. Lange Zeit blieb es ein weißer Fleck auf der Erinnerungskarte der Sowjetunion, später der Republik Belarus – Weißrussland.

In den 50er-Jahren war über den Leichen von Juden, die die Nazis in einem Wald neben dem Todeslager erschossen hatten, eine große Müllhalde errichtet worden.

Erst in den 70er-Jahren erforschten die Schüler von Trostenez die Geschichte des Ortes. Im Sinne der Staatsideologie pflegten sie die Erinnerung an die ermordeten „friedlichen sowjetischen Bürger“ im kleinen Schulmuseum. Jüdische Opfer wurden nicht erwähnt.

Reihe: Neues aus der Provinz
Rückkehr nach Knokke
Eine Erfahrung aus dritter Hand

Von Jochen Wobser und Oliver Kobold

Mittwoch, 22.06.2016, 00:05 Uhr, DR Kultur

1984 macht der Künstler Martin Kippenberger eine Woche Urlaub im belgischen Seebad Knokke. Er schreibt auf, was er tut und erlebt (nicht viel) und übergibt seine Aufzeichnungen nach der Rückkehr der befreundeten Künstlerin Annette Grotkasten mit der Anweisung: alles in allen Details nachmachen.

Aus dem Spiel mit der Wiederholung ergibt sich eine künstlerische Versuchsanordnung. Wie verändert der zweite Blick das selbst Erlebte?

30 Jahre später unternehmen Oliver Kobold und Jochen Wobser dieselbe Reise – nun als Erfahrung aus dritter Hand.

Folterkammer Eritrea
Feature über die Finanzierung einer Diktatur

Von Bettina Rühl

Mittwoch, 22.06.2016, 22:03 Uhr, SWR 2

Sie wollen von Afrika über das Mittelmeer nach Europa, zur Not mit Fischer- oder Schlauchboot. Oft endet ihre Flucht in einer Tragödie und die meisten Opfer stammen aus Eritrea. Das Land gilt als das „Nordkorea“ Afrikas. Zehntausende fliehen jährlich aus ihrer Heimat, Tausende wollen nach Deutschland, wo inzwischen eine der größten eritreischen Gemeinden Europas lebt. Schlepper führen die Menschen den gefährlichen Weg über den Sudan, die Sahara, an die 2000 km entfernte Mittelmeerküste nach Libyen. Und es werden immer mehr. Die EU will die Regierung mit Millionenbeträgen unterstützen, um den Exodus zu stoppen. Aber das Regime profitiert selbst von der Massenflucht und die eigenen Militärs betätigen sich angeblich als Schlepper und Schmuggler. Warum finanziert Europa eine Diktatur?

Eine ziemlich weite Reise nach Europa
Wie es sich in einer Kopie lebt

Von Tim Staffel

Freitag, 24.06.2016, 20:10 Uhr, DLF

Florenz gibt es zweimal. Paris auch, sogar mit Eiffelturm. Und Hallstatt, das österreichische Städtchen im Salzkammergut, das seine pastellfarbenen Hausfassaden so pittoresk an das Ufer des Hallstätter See geschmiegt hat, dass es dafür sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe ausgerufen wurde, gibt es auch noch einmal: als chinesische Stadtkopie.

Als detailgetreuen Klon in der südchinesischen Provinz Guangdong. Der Autor Tim Staffel reist nach China und besucht dort die maßstabsgetreuen Kopien europäischer Städte. Die Grundidee des Features ist, einmal maximal weit wegzureisen, um ausgerechnet von dort aus einen neuen Blick auf die Frage zu werfen: Was eigentlich ist Europa, oder was könnte es sein?

Der Autor wird den Alltag in diesen chinesischen Stadt-Kopien einfangen, sich von Planern und Bewohnern herumführen lassen. Dabei geht es auch um die Frage, wie Kopien funktionieren, wie es sich anfühlt, in einer zu leben, welche Rolle Individualität und Originalität für die chinesische Gesellschaft spielen und nicht zuletzt: was eigentlich das latent Unheimliche an künstlich erschaffenen Welten ist.

Reihe: Neues aus der Provinz
No Land Called Home – Rückkehr in die Provinz

Von Johannes Nichelmann

Samstag, 25.06.2016, 18:05 Uhr, DR Kultur

Die Hauptstraße: das Rathaus, die Polizeiinspektion, zwei Bäckereien, zwei Fleischereien, zwei Brunnen, ein Lottoladen. Willkommen in der Provinz. Von Berlin nach Bayern. Der Autor wird mit zwölf Jahren in einen Landkreis verfrachtet, in dem Vollbeschäftigung herrscht und die Stammtische über gut und böse richten.

Damals haben sich die coolen Leute aus der Klasse immer am Bauwagen getroffen um dort Kirschbier zu trinken und über Fußball zu reden. Der Autor war niemals eingeladen, denn er war der Zugereiste.

Zehn Jahre später kehrt er zurück in die Provinz und will wissen, warum ihm hier die Sache mit der Integration so schwer gefallen ist. Der Pfarrer gibt zu bedenken, dass wer in der Schule morgens nicht mitbeten will wissen sollte, wie so etwas in der Klassengemeinschaft ankommt. Der Klassenlehrer rät zu mehr Geduld und Humor und die  Schulfreundin empfiehlt, den Nachbarn erst einmal ein Helles in die Hand zu drücken.

Das Feature erzählt von den Schwierigkeiten der Integration und von den Brüchen, die durch Deutschland gehen.

This is not a love song
Die Geschichte von Nora Forster und Ari Up

Von Lorenz Schröter

Sonntag, 26.06.2016, 14.05 Uhr, SWR2

Eine betörende, blonde, junge Deutsche inmitten der brodelnden Londoner Clubszene der 70er-Jahre. Sie ist Vertraute von Jimi Hendrix, Freundin des Gitarristen und Sex Pistols-Produzenten Chris Spedding, frühe Förderin von Punk-Musikern, darunter Joe Strummer. Der gibt ihrer Tochter Ariane Gitarren-Unterricht. Als Ari Up wird sie später zur legendären Sängerin der Punk-Reggae-Band „The Slits“.
Doch wie wurde Nora Forster, Tochter eines schwerreichen und erzkonservativen Zeitungsbesitzers aus Schwaben, zur femme fatal der Punk-Szene und warum entwickelte sie sich zur rätselumwobenen Sphinx? Lorenz Schröter begibt sich auf die Spuren dieser ungewöhnlichen Frau und trifft zwischen Stuttgart und Kingston auf ehemalige Punk-Musiker, Rechtsanwälte, obskure Schlagerstars, noch mehr berühmte Punk-Musikerinnen und zwei Rasta-Zwillinge. Deren Stief-Großvater Jonny Rotten kommt übrigens nur am Rande vor.

 

Radiotipps für die Woche vom 13. bis 19. Juni 2016

„Wir sind es leid“
Die mexikanische Bürgergesellschaft wehrt sich

Von Peter B. Schumann

Dienstag, 14.06.2016, 19:15 Uhr, DLF

Mexiko ist in den vergangenen Jahren in einen Sumpf von Gewalt, Straflosigkeit und Korruption gesunken. Regierung und Parteien erweisen sich als unfähig, die Lage zu bessern. Viele Mexikaner halten sie für einen Teil des Problems. Sie sind es leid, immer wieder vertröstet und belogen zu werden, und haben begonnen, ihre Kritik und ihre Wut in großen Massendemonstrationen zu artikulieren. Eine Bürgergesellschaft hat sich – auch mithilfe der sozialen Netzwerke – zu wehren begonnen. Sie hat eigene Strukturen entwickelt und neue basisdemokratische Organisationen geschaffen. In ihrem Umfeld entstand eine Vielzahl von Medien, die ihre Aktionen und Programme verbreiten. Sie ist zurzeit die einzige politische Alternative im Krisenland Mexiko.

Happy Birthday! 500 Jahre Reinheitsgebot
Deutsche Reinheit, deutscher Durst
Ein Bierblues

Von Peter Schanz

Mittwoch, 15.06.2016, 00:05 Uhr, DR Kultur

Das Bayerische Reinheitsgebot wird 500 Jahre alt. Höchste Zeit, diesen Hopfen & Malz-Fundamentalismus zu hinterfragen: Was kommt wirklich rein ins Bier? Was fehlt ihm?

Verhindert der Abgrenzungsfuror eine Weiterentwicklung der Braukünste? Verliert das Deutsche Brauwesen aus Sturheit seine weltweite Anerkennung?
Von Flensburg bis zum Bodensee werden alte und neue Sudstätten heimgesucht, werden Brauer, Trinker und andere Spezialisten zu Wort gebeten.

Munition Gedicht

Von Helgard Haug und Thilo Guschas

Samstag, 18.06.2016, 13:05 Uhr, BR2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Die ägyptische Militärdiktatur ist zurück. Medien werden zensiert, Demonstrationen verboten. Aber die Verse sind noch auf der Straße. Poeten lesen ihre Gedichte im Internet und werden von Fernsehshows wie Popstars gefeiert. 2011 beflügelten Strophen des Hippiedichters Ahmed Fouad Negm den friedlichen Protest. Entstanden in politischer Haft in den sechziger Jahren. Eine Flaschenpost durch Jahrzehnte. Heute sitzen wieder zehntausende politische Gefangene ein, Islamisten wie Linke. Schmieden sie neue lyrische Munition, die durch Mauern geht? Über Kassiber korrespondiert das Autorenduo Helgard Haug und Thilo Guschas mit dem Dichter Omar Hazek, der einst vor Millionenpublikum die panarabische Castingshow „Prince of Poets“ gewann. Eben noch saß er in Haft. Nun kommt er frei. Was beschwören aktuelle arabische Verse? Gehen sie neuen Taten voran – wie der Blitz dem Donner?

15 Mann auf des toten Mannes Kist Oder: Reif für die Schatzinsel

Von Ulrich Teutsch

Sonntag, 19.06.2016, 14:05 Uhr, SWR2

Ist das nicht Abenteuer pur – samt glücklichem Ende? Eine alte Schatzkarte beflügelt die Fantasie der Männer um den jugendlichen Helden Jim Hawkins. Kurzerhand rüsten sie ein Schiff aus, stechen in See, werden auf einer verwunschenen Insel fündig und bringen ihre reiche Beute heil nach England. Doch dann wird Jim von „grässlichsten Albträumen“ heimgesucht. Denn das schöne Abenteuer blieb nicht ohne Blut und Leid, Schandtaten und Grausamkeiten. Heute werden Schatzsuchen gerne romantisiert, verklärt, überhöht. Das Glück des Schatzsuchers, heißt es, liege gar nicht darin, etwas zu finden, sondern darin, etwas gefunden zu haben, was er dann suchen kann. Die Suche selbst sei das Ziel, gebe dem Leben einen Sinn. Ist das wirklich so? Lehrt Stevensons Roman, lehrt die Realgeschichte der Schatzsuche nicht etwas ganz Anderes? Unterstützt von Jim Hawkins, Long John Silver und Captain Flint begibt sich Ulrich Teusch auf Erkundungsfahrt.

Der Mond ist aufgegangen
Die niemals endenden Geschichten vom Gefährten der Erde

Von Joachim Kalka

Sonntag, 19. Juni 2016, 18:05 Uhr, hr2

Anton Tschechow warnt seinen Bruder 1886 vor einer zu ausführlichen Beschreibung des Mondes in seiner Literatur. Er soll ihn auf keinen Fall groß am Himmel stehen lassen, es genügt, meint Tschechow, wenn eine Flaschenscherbe am Mühlenwehr in der Nacht aufblinkt, da hat man schon die Magie des Mondscheins.

Denn der Mond ist längst ein gefährlich abgenutztes Requisit der Landschaftsromantik geworden. Aber er darf auch nicht fehlen. Erst recht nicht in Comics. Hund Snoopy ist in Charles M. Schulz „Peanuts“ noch vor der Nasa zum Mond gereist und auch Tim und Struppi sind bereits Mitte der 1950er Jahre auf diesem Planeten gelandet.

In alten Zeiten ist der Mond eine kühl-liebliche Göttin oder eine der sieben gravitätisch-schicksalhaften Figuren des großen Planetenballetts. Erst die wissenschaftlichen Fortschritte lassen evident werden, dass er leblos ist, leer, unheimlich. Von da an ist das leichenhaft Fahle, das beunruhigend Stumme des Mondes das andere große Register neben seiner schimmernden erotischen Verlockung – das Totenhafte widerspricht dem Eros. Ein Feature am Vorabend des Vollmonds.

 

Radiotipps für die Woche vom 06. bis 12. Juni 2016

Dann kam die Contra
Entführung deutscher „Aufbauhelfer“ in Nicaragua

Von Erika Harzer

Dienstag, 07.06.2016, 19:15 Uhr, DLF

Eine Gruppe junger Deutscher wurde vor 30 Jahren im Mai 1986 in Nicaragua entführt und drei Wochen durch den Dschungel verschleppt. Sie wollten Häuser bauend den revolutionären Prozess in Nicaragua unterstützen, gehörten zu einer weltweiten Solidaritätsbewegung. Doch dann wurden sie selbst zum Objekt der Kriegshandlungen.

Drei zermürbende Wochen folgten. In Managua forderten deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger während einer Botschaftsbesetzung die Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl auf, vor allem den direkten Kontakt zu US-Präsident Ronald Reagan – für sie der Hauptverantwortliche des Contra-Krieges – herzustellen, um die Freilassung der acht Deutschen zu fordern.

In Bonn nahm der Krisenstab des Auswärtigen Amtes seine Arbeit auf. Einerseits waren die Brigadisten wie auch die gesamte Solidaritätsbewegung der Regierung ein Dorn im Auge. Andererseits handelte es sich um Bundesbürger, für deren Freilassung das Auswärtige Amt sich bemühen musste. Hans-Jürgen Wischnewski reiste als Vermittler nach Nicaragua.

Eine Geschichte aus den Zeiten des Kalten Krieges, prägend für die Solidaritätsbewegung. Erzählt aus der Perspektive einiger damals Entführten, von Unterstützenden der Solidaritätsbewegung, Mitarbeitern des Krisenstabs und Mitarbeitern von Hans-Jürgen Wischnewski.

Westberlin
Berlin Update

Von Bodo Morshäuser

Mittwoch, 08.06.2016, 0:05 Uhr, DR Kultur

Westberlin war Zentrum linken Protests, lockeren Lebens und subkulturellen Flairs. Die eingemauerte Halbstadt zog gescheite Existenzen und junge Künstler an, die dort zu Stars reiften.

Die übrige Jugend trieb Politik und Party auf die Spitze. Zum Schluss regierte eine nahezu alternative Parallelgesellschaft unter Rot-Grün. Der Fall der Mauer schloss das Spielfeld und eröffnete in Berlin-Mitte sofort ein neues. Heute ist Berlin für junge Zugereiste eine Partyzone mit Uni-Anschluss.

Die Draufgängerin
Preisträger Hördokumentation des 3. dikKa Festivals

Mittwoch, 08.06.2016, 22:03 Uhr, SWR2

In diesem Jahr wurde beim Dokumentarfestival DokKa „Die Draufgängerin“ von Egon Koch als beste Hördokumentation ausgezeichnet. Eine Produktion des SWR, die wir aus diesem Anlass heute noch einmal senden. Der Autor schildert darin das Erwachsenwerden seiner Tochter. In der Begründung der Jury heißt es: „Aus langjährig aufgezeichneten Interviews mit seiner Tochter, aus Fragen und Antworten, wobei die Tochter erst gegen Ende selbst zur Fragenden wird … entwickelt Egon Koch ein Hörstück, das sich der Form eines imaginären Gesprächs bei einem langsamen Spaziergang annähert. Das gelingt auch deshalb, weil die junge Frau souverän mit ihren eigenen Ausdrucksmöglichkeiten umgeht.“

Das nächste große Ding
Kunstbetrachtungen aus der Zukunft

Von Annegret Arnold

Freitag, 10.06.2016, 20:10 Uhr, DLF

Kunstkritiker beschreiben normalerweise Bilder, Bücher, Songs oder Theaterinterventionen, die ihnen das Programm vorgegeben hat. Mehr oder weniger gelungene Werke, die von den Rezensenten nur in Ausnahmefällen mit echter Euphorie oder gar als innovativ oder neuartig empfohlen werden. Wie aber müsste Kunst beschaffen sein, die es so vorher noch nicht gegeben hat?

Kunst, die auch dem kritischsten Kritiker den Boden unter den Füßen wegzieht, weil keines seiner sonstigen Analyseinstrumente mehr greift? In diesem Feature sprechen Kulturkritiker von künstlerischen Ereignissen, die sie nachhaltig beeindruckt haben. Wo sie stattgefunden haben und wer sie initiiert hat, bleibt vorerst offen.

Die Autorin besucht nur die verlassenen Orte und abgelegten Werkzeuge, sichtet das Material, trifft auf Augen- und Ohrenzeugen. Sie ergründet die Mechanismen ästhetischer Entwicklungen, befragt Historiker und Zukunftsforscher, und lässt den Hörer teilhaben an Kunstereignissen, die es so vorher noch nicht gegeben hat.

Rocco Granata singt nicht mehr
Vom Erinnern und Vergessen

Von Joseph Berlinger

Samstag, 11.06.2016, 13:05 Uhr, Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr, BR2

Rocco Granata – sein Welthit „Marina“ hat ihn einst zum Schlagerstar gemacht. Jetzt geht er auf die 80 zu und will nicht mehr auf die Bühne. Er will auch keine Interviews mehr geben. Er hat seine Autobiographie geschrieben, und es gibt einen Kinofilm über die Geschichte seiner Jugend. „Das muss genügen“, sagt Rocco Granatas Managerin und Ehefrau Rosie. Warum soll er sich darüber hinaus für die Öffentlichkeit an seine Vergangenheit erinnern? Alte Anekdoten, aufwärmen, die er schon hundertmal erzählt hat? Warum soll er immer wieder Auskunft geben? Irgendeinem Reporter, den er nicht kennt. Und der ihn nicht kennt. Rocco Granata hat keine Lust mehr auf diese Interview-Spielchen. Auf das immer gleiche Ritual. Auf die immer gleichen braven oder manchmal bemüht frechen Fragen. Und er hat auch keine Lust mehr auf seine immer gleichen gewollt originellen Antworten.
Frau Hauser – sie hat Rocco Granatas Welthit „Marina“ im Radio oft mitgesungen – als sie das noch konnte. Jetzt ist sie weit über 80 und dement. Sie erkennt ihren Sohn nicht mehr, wenn er sie sonntags besucht. Sie lebt in einer Seniorenresidenz im Bayerischen Wald. Dort dirigiert jeden zweiten Samstagnachmittag Alexander Metz den Demenzchor. Frau Hauser ist dabei. Aber seit kurzem singt sie nicht mehr. Sie klatscht nur noch mit. Weil Frau Hauser eine tiefe und raue Stimme hat, nennt sie der Dirigent Rocco Granata.
Der „echte“ Rocco Granata w i l l sich nicht mehr erinnern, die „falsche“ Rocco Granata k a n n sich nicht mehr erinnern. Aber durch die Musik, durch die alten Schlager sind die beiden verbunden. Wenn Frau Hauser die ersten Takte von Rocco Granatas „Marina“ hört, beginnt sie sogar wieder mitzusingen. Wenn auch nur die Titelzeile.

Nach Hause gehen
Eine Heimatsuche

Von Jörn Klare

Samstag, 11.06.2016, 18:05 Uhr, DR Kultur

Als der Autor plant, eine Wohnung in Berlin zu kaufen, fällt ihm auf, dass er sich in der Stadt, in der er seit fast 30 Jahren lebt, gar nicht wirklich heimisch fühlt. Die Immobilien-Idee wird abgesagt, die Frage nach der Heimat aber bleibt.

Mit ihr und einem Aufnahmegerät im Gepäck macht er sich auf die Wanderung in das Städtchen, in dem er geboren und aufgewachsen ist. Nach gut 600 Kilometern voller Begegnungen trifft er auf einen alten Freund, der Lokalpolitiker geworden ist.

Rückkehr nach Knokke
Eine Erfahrung aus dritter Hand

Sonntag, 12.06.2016, 14:05 Uhr, SWR2

Von Jochen Wobser und Oliver Kobold

1984 macht der Künstler Martin Kippenberger eine Woche Urlaub im belgischen Seebad Knokke. Er schreibt auf, was er tut und erlebt (nicht viel) und übergibt seine Aufzeichnungen nach der Rückkehr der befreundeten Künstlerin Annette Grotkasten mit der Anweisung: alles in allen Details nachmachen. Aus dem Spiel mit der Wiederholung ergibt sich eine künstlerische Versuchsanordnung. Wie verändert der zweite Blick das selbst Erlebte? 30 Jahre später unternehmen Oliver Kobold und Jochen Wobser dieselbe Reise – nun als Erfahrung aus dritter Hand. Die Spurensuche führt auch zurück zu den ästhetischen Fragestellungen und Verwerfungen der 80er-Jahre, als sich die Künstlerin Annette Grotkasten zu ihrem eigenen Erstaunen in der Jugendzeitschrift „Bravo“ wiederfand – als gefeierte Lead-Sängerin der NDW-Band „Bärchen und die Milchbubis“.

Die Entstehung des „Siddhartha“ von Hermann Hesse

Von Heinz Sommer

Sonntag, 12. Juni 2016, 18:05 Uhr

Hermann Hesses große Erzählung „Siddhartha. Eine indische Dichtung“ ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern ein Kultbuch geworden.

Der Hessische Rundfunk (hr2-kultur) hat das Werk über den jungen Sohn eines Brahmanen, der sich auf die Suche nach Erkenntnis begibt, nun erstmals als Hörspiel umgesetzt. hr2-kultur sendet es am 12., 19. und 26. Juni jeweils um 14.05 Uhr. In diesem Feature zum Hörspiel erzählt Heinz Sommer, der auch für die Hörspielbearbeitung verantwortlich ist, von der Entstehungsgeschichte der Erzählung.

Hermann Hesse schrieb „Siddhartha“ in fast drei Jahren. Allein zwischen dem ersten und dem zweiten Teil lag eine Pause von fast eineinhalb Jahren, in denen sich Hesse noch einmal intensiv mit dem fernöstlichen Denken auseinandersetzte. In seiner Feature-Collage dokumentiert Heinz Sommer mit Texten von Hesse selbst und von seinen Zeitgenossen, wie die Idee für „Siddhartha“ entstand und schließlich 1922 zu einem Buch wurde.

 

Radiotipps für die Wochen vom 16. bis 29. Mai 2016

Aliens
Invasion exotischer Tiere und Pflanzen

Von Stella Luncke und Josef Maria Schäfers

Montag, 16.05.2016, 11:05 Uhr, DLF

Sie reisen meist illegal ein, als blinde Passagiere mit dem Flugzeug oder im Ballastwasser von Frachtschiffen. Oder sie heften sich im Urlaub an unsere Kleidung: exotische Tiere und Pflanzen, sogenannte Aliens. Das Scheitern von Multikulti – nun auch bei Fauna und Flora?

Sie breiten sich unkontrolliert aus, verdrängen schwächere einheimische Artgenossen, verursachen Allergien, Krankheiten und immense wirtschaftliche Schäden.

Die Autoren sind bei ihren Recherchen auf mindestens ebenso alarmierte Heimatschützer gestoßen wie in der Debatte um Kopftuch & Co.

Kaderpudern
Rückblick der Muehl-Kommune

Von Hermann Theißen

Dienstag, 17.05.2016, 19:15 Uhr, DLF

Statt auf die Straße zu gehen, hätten die Österreicher auf den Tisch geschissen. So charakterisiert ein Achtundsechziger die kulturelle Differenz zwischen Wiener Aktionismus und SDS. Als sich in der BRD viele Linke in K-Gruppen und terroristische Zirkel verrannten, gründete der Aktionistenguru Otto Muehl an der Donau seine eigene Kadertruppe.

Seine „Aktionsanalytische Organisation“ wollte mit freier Sexualität, Abschaffung des Privateigentums und eigenwilliger Psychotherapie den neuen Menschen schaffen. Als sich die Kommune nach 20 Jahren auflöste, ging Muehl wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger ins Gefängnis. Viele Kommunarden mussten erkennen, dass der Aufbruch in die unbegrenzte Lust in Führerkult und organisierter Infantilität stecken geblieben war.

Reihe: Durch Osteuropa
Krakau mit Händen und Füßen – Ein capricciöses Reisefeature

Von Andra Joeckle

Mittwoch, 18.05.2016, 00:05 Uhr, DR Kultur

Mit einem Residenzstipendium in der Tasche lebte Andra Joeckle drei Monate zu Gast in der Villa Decius in Krakau. Statt geläufiger Reiseführer las sie Witold Gombrowicz, um sich Krakau aus dem verwegenen Geist dieses polnischen Enfant terrible der Literatur zu eigen zu machen.

Mit originellem Blick und Sprachwitz lässt Andra Joeckle die oft gepriesenen Bauschönheiten der Altstadt hinter sich und erkundet das Krakau der Gegenwart. Ausgestattet mit den sprachlich verqueren Einfällen des polnischen Dichters Witold Gombrowicz, räsoniert sie über den polnischen Handkuss oder über den Frauentyp der auf hohen Absätzen stiefelnden Tipsiara und Blachara, die man vor allen in Einkaufszentren findet. Ein selbstironischer und reiselustig machender Blick auf eine vielfach besungene Stadt.
Das Feature wurde mit dem Deutsch-Polnischen Journalistenpreis 2010 ausgezeichnet.

Fußballfans am rechten Flügel
Von Hooligans und neuen Schlachtfeldern

Von Manuel Gerber

Mittwoch, 18.05.2106, 18:03 Uhr, SWR2

Hooligans haben sowohl mit Fußball als auch mit Politik zu tun. Vereinsführungen oder der Verfassungsschutz sehen das gerne anders und spielen so die Probleme mit gewaltbereiten Fans herunter. Hooligans fiebern mit ihren Mannschaften, sie prügeln im Stadion und außerhalb, oft auch gegen Fans desselben Vereins. Und schon wird es politisch: Da geht es gegen linke Ultragruppen und um die Vorherrschaft in der Stadionkurve. Das zeigen rassistische Parolen und diskriminierende Banner. Ein großer Teil der Hooliganszene agiert am rechten Rand. Sie wird inzwischen gezielt von Neonazis infiltriert und von Pegida als Fußvolk benutzt, das als Ordner auftritt und gelegentlich auch zuschlägt. Die Hooligans gegen Salafisten (Hogesa) wiederum geben sich besorgt und bürgerlich und tragen ihre rechte Ideologie in die Fußballstadien, die damit auch zu Feldern politischer Auseinandersetzungen werden.

Panzer, Pferde, Patrioten
Der unheimliche Reiz von Nazi-Kitsch und Kriegsgerät

Von Tom Schimmeck

Freitag, 20.05.2016, 20:10 Uhr, DLF

Briefe, Orden, Uniformen, Kriegsgerät und Nazikunst sind gefragt. Auf Auktionen, Flohmärkten und in den Weiten des Internet erzielen Devotionalien des Dritten Reiches Höchstpreise. Manchmal stoßen Fahnder in deutschen Kellern und Scheunen auf rostige Panzer, tonnenschwere Statuen und Kunsttrümmer, die einst für die Welthauptstadt Germania gefertigt wurden.

Selbst Postkarten-Kitsch des mittellosen Straßenmalers Adolf Hitler verkauft sich prächtig. Hitler, der zweimal versuchte Aufnahme an der Wiener Kunstakademie zu finden, soll tausende Motive gemalt haben, um sich in Wien und München über Wasser zu halten. 2013 zahlte ein Sammler 133.000 Euro für ein kleines München-Motiv (Standesamt und Altes Rathaus München). Im Juni 2014 ging ein Hitler-Aquarell von Schloss Neuschwanstein für 100.000 Euro an einen chinesischen Fan.

Worin besteht der Reiz eines echten Hitlers? Warum steht eine Widmung von Joseph Goebbels mit 700 Euro im Katalog? Was ist die Botschaft von Arno Brekers Bronzemuskeln? Eine Rundreise durch die Welt der braunen Sammler.

„Wir gehen nicht in Rente!“
Das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude

Von Michael Marek

Samstag, 21.05.2016, 13:05 Uhr, BR2
Wiederholung am Sonntag, 21:05 Uhr

Von den einen wurde er spätestens mit der Verhüllung des Berliner Reichtags als Kunstgott in den Olymp erhoben, von anderen wird er noch heute als Scharlatan abgestempelt. Nun lässt er Kunstinteressierte über Wasser wandeln: Über zehn Jahre nach seinem letzten realisierten Großprojekt „The Gates“ in New York (2005) lässt Christo nun für „The Floating Piers“ 90.000 Quadratmeter gelb schimmernden Stoff über den norditalienischen Iseo-See legen. Wie alle Großprojekte des Künstlerduos Christo und Jeanne-Claude wird auch „The Floating Piers“ auf zwei Wochen (18. Juni bis 3. Juli 2016) begrenzt sein, dafür Tag und Nacht begehbar.
Ob Anhänger oder Kritiker: Unberührt blieb wohl niemand von ihren wie Happenings inszenierten Kunstaktionen: waren es verhüllte Gebäude, rosa umkränzte Inseln oder orange Tore mitten in New York.
Christo wurde 1935 in Bulgarien geboren, am selben Tag und im selben Jahr wie Jeanne-Claude. Zu Beginn ihrer Karriere waren es Stühle, Schuhe, Flaschen und Blechdosen, die mit Plastikfolie umwickelt zu Kunstobjekten wurden.
Nach dem Tod von Jeanne-Claude im November 2009 löst Christo ein Versprechen ein, das sich beide vor vielen Jahren gegeben haben: Ihre Projekte auch dann fortzusetzen, wenn einer von beiden stirbt .
Michael Marek, geboren 1960, lebt und arbeitet als freier Autor in Hamburg; vor allem für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland, Österreich und der Schweiz; zahlreiche Reportagen und Features zur Zeitgeschichte; darunter „Unterwegs in der Geschichte Deutschlands – der NS-Staat und der Zweite Weltkrieg“, „My Lai“, Anatomie eines Massakers“, „Die dunkle Seite des Paradieses – Mohamed Nasheed und die Malediven“; verschiedene Auszeichnungen für Radioproduktionen, zuletzt der Silberne Columbus für „Im ewigen Eis der Antarktis“; im Hörverlag erschienen „Stauffenberg – eine deutsche Biographie“.

Reihe: Durch Osteuropa
Das Modell von Érpatak
Wie ein rechtsextremer Bürgermeister Ungarn verändert

Von Keno Verseck

Samstag, 21. Mai 2016, 18:05 Uhr, DR Kultur

Érpatak, ein winziges Dorf im Nordosten Ungarns, war bis 2005 ziemlich bedeutungslos – bis Mihály Zoltán Orosz zum Bürgermeister gewählt wurde. Der bekennende Rechtsextreme, Ordnungsfanatiker, Antisemit und Romahasser führte im Dorf das “Modell von Érpatak“ ein und etablierte es als verbindliches Wertemodell.

Die Regeln lauten: Ordnung, Arbeits- und Gemeinschaftssinn, nationale Brauchtumspflege. Wer die Regeln nicht einhält, dem droht Kürzung der Sozialhilfe, Ausgrenzung, sogar Vertreibung aus dem Dorf.

Der Schuss in der Zauberflöte

Von Stefan Zednik

Sonntag 22.05.2016, 14:05 Uhr, SWR2

Am 2. Juni 1967 treffen in Berlin studentischer Protest und Polizeigewalt aufeinander. Anlass ist der Besuch eines Staatsgastes: Mohammad Reza Pahlavi. Während der Schah von Persien im abgeriegelten Opernhaus die „Zauberflöte“ genießt, wird draußen der Student Benno Ohnesorg von einem Polizeibeamten erschossen. Reale Gewalt und fiktives Märchen. Doch es gibt Parallelen, nicht nur zwischen dem „Herrscher aus dem Morgenland“ und dem „weisen Herrscher“ Sarastro der „Zauberflöte“. Auch der Kampf um Macht, Jugend und Zukunft sind in Wirklichkeit und Oper ähnlich. Und die Königin, die zu Beginn noch einem jungen Prinzen vertraut, führt am Ende eine bewaffnete Gruppe an. Gudrun Ensslin, Pfarrerstochter aus Schwaben und Mutter eines wenige Wochen alten Sohnes, wird unmittelbar nach Bekanntwerden des Todes von Ohnesorg sagen: „Das sind Faschisten, diesmal sind wir dran, wir müssen uns bewaffnen!“

Dschihad im Klassenzimmer?
Wie Schüler und Lehrer mit Radikalisierung umgehen

Von Christiane Kreiner

Sonntag, 22. Mai 2016, 18:05 Uhr, hr2

Wenn der Terror des so genannten „IS“ im Klassenzimmer ankommt, sind alle überfordert. Auch in Hessen machen derzeit Schüler und Lehrer die Erfahrung, dass sich Mitschüler radikalisieren. Einige sind sogar nach Syrien ausgereist, um für den IS zu kämpfen.

Deshalb hat das Land eine eigene Beratungsstelle zum Thema „islamistische Radikalisierung“ eingerichtet. Die Berater, oft mit muslimischem Hintergrund, sind Sozialarbeiter und Islamwissenschaftler. Sie versuchen, Radikalisierungsprozesse aufzuhalten, beraten Betroffene und deren Eltern, und bieten Aufklärungsworkshops in Schulen an.
Darüber hinaus gibt es auch Schul-Initiativen gegen „islamistischen Extremismus“, wie die einer 10. Klasse aus Wiesbaden. Unter dem Motto „Schüler klären Schüler auf“ lassen sich die Jugendlichen von Verfassungsschützern und einer Islamwissenschaftlerin zu Schülerexperten ausbilden.

Park Babelsberg
Das Schwarze Meer ist oben auf dem Berg

Von Heike Tauch

Dienstag, 24.05.2016, 19:15 Uhr, DLF

Dass heute Schloss und Park Babelsberg in solcher Pracht zu bewundern sind, grenzt fast an ein Wunder. Erst hinterließen die Weltkriege ihre Spuren am Werk von Lenné und Pückler, dann kam die DDR: Auf einem Teil errichtete man als Plattenbau die Walter-Ulbricht-Akademie.

Der andere – eine angelegte Hügellandschaft – wurde planiert, um mit Maschendraht, Kolonnenweg und Hundelaufanlage Menschen davon abzuhalten, das Land zu verlassen. Zeuge dieser Veränderungen war auf Ost-Seite der Gartendenkmalpfleger Karl Eisbein.

Überzeugt davon, dass solch eine Barbarei nicht von Dauer sein kann, dokumentierte er Urzustand wie Zerstörungen mit professionellem Blick – für eine Zeit danach. Eisbein sollte sie selbst erleben. Nach der Wende war er bis 2008 für den Park verantwortlich.

Er ließ Erdschichten zurückschieben, stellte alte Blickbeziehungen wieder her, widmete sich der Rekonstruktion des Wegenetzes. Eisbein ist kein „Homme de lettres“, er ist ein „Homme de l’arbre“. Seine Sprache sind Bäume, Sträucher, Seen und Bäche.

Ein Streifzug durch Schichten und Geschichte von Park Babelsberg.

Plattenbausiedlung in HA-NEU
Diese Stadt stand in einem anderen Land

Von Anselm Weidner

Mittwoch, 25.05.2016, 00:05 Uhr, DR Kultur

Halle-Neustadt, die einzige in Großplattenbauweise erbaute Großstadt Deutschlands, war die städtebauliche Ikone der DDR-Nachkriegsmoderne, funktionale Chemiearbeiterstadt vor den Toren von Buna und Leuna und gebaute Utopie gleicher Lebensbedingungen für alle.

Nach der Wende verlor die Stadt die Hälfte ihrer Bevölkerung, wurde ein Siebtel abgerissen. Heute gespalten in Ghettos, in bessere und Armenviertel, geht sie einer unsicheren Zukunft entgegen.

Hightech für die Außengrenze
Feature über die Profiteure der europäischen Flüchtlingsabwehr

Von Ralf Homann

Mittwoch, 25.05.2016, 22:03 Uhr, SWR2

Trotz Flüchtlingskrise und deutscher Willkommenskultur kommt Europas Migrations-politik nicht voran. Zu stark scheinen die Widerstände einzelner Mitgliedsstaaten. Doch welche Rolle spielen dabei organisierte Lobby-Interessen, zum Beispiel die der Rüstungs- und Sicherheitsindustrie? Über zwei Milliarden Euro pumpt die EU in Aufrüstung und technische Entwicklung einer „intelligenten“ Außengrenze. Drohnen und Datenbanken, Biometrie, Satellitensysteme und Echtzeitapplikationen. Die sind nicht nur für Europa gedacht: Erklärtes EU-Ziel ist die weltweite Vermarktung der neuartigen High-Tech-Produkte. Seit mehr als einem Jahrzehnt arbeitet ein Netzwerk aus Politik und Industrie daran, für jede Herausforderung im Migrationsmanagement eine technische Lösung bereit zu stellen. Blockiert dieser neu geschaffene milliardenschwere Markt für Grenzsicherheit eine humane Migrationspolitik? Bremst die Geheimhaltung der Sicherheitsindustrie eine demokratische Debatte von Alternativen aus? Eine Recherche im Milieu von Politikberatung und Brüsseler Lobbyismus.

Radiocollage
Messer und Uhr

Von Lutz Dammbeck

Freitag, 27.05.2016, 20:10 Uhr, DR Kultur

In einer Sendung des deutschen Fernsehens erzählt der Schauspieler und ehemalige Showmaster Joachim Fuchsberger, dass die Spiele für seine erste Spielshow in der amerikanischen Psychiatrie entwickelt wurden. Innerhalb einer Minute und angetrieben vom Klacken einer Uhr mussten Paare bestimmte Aufgaben lösen, um Haushaltsgeräte oder Geld zu gewinnen.

Auf die Frage: „Und wie viel Patienten haben bei Dir zugeschaut?“ antwortet Fuchsberger: „Eine ganze Nation! Eine verrückte Nation! Eine psychisch gestörte Nation!“ Wieso waren die Deutschen, genauer: die Westdeutschen, damals eine „verrückte, eine psychisch gestörte Nation?“.

Ein Irre-Sein im medizinischen Sinn war sicher nicht gemeint, eher die Abweichung von einer Norm. Aber von welcher Norm waren sie abgewichen, und was galt als normal? Was zunächst als lineare Recherche in tagebuchähnlicher Form beginnt, verdichtet sich bald zu einem polyphonen Porträt, aber nicht dem einer konkreten Person, sondern eines systemischen Entwurfs der Welt – und den akustischen Spuren seiner Realisierung.

Hightech für die Außengrenze
Die Profiteure der europäischen Flüchtlingsabwehr

Von Ralf Homann

Samstag, 28.05.2016, 13:05 Uhr, BR 2
Wiederholung am Sonntag, 21:05 Uhr

Trotz Flüchtlingskrise und deutscher Willkommenskultur kommt Europas Migrations-politik nicht voran. Zu stark scheinen die Widerstände einzelner Mitgliedsstaaten. Doch welche Rolle spielen dabei organisierte Lobby-Interessen, zum Beispiel die der Rüstungs- und Sicherheitsindustrie? Über zwei Milliarden Euro pumpt die EU in Aufrüstung und technische Entwicklung einer „intelligenten“ Außengrenze. Drohnen und Datenbanken, Biometrie, Satellitensysteme und Echtzeitapplikationen. Die sind nicht nur für Europa gedacht: Erklärtes EU-Ziel ist die weltweite Vermarktung der neuartigen High-Tech-Produkte. Seit mehr als einem Jahrzehnt arbeitet ein Netzwerk aus Politik und Industrie daran, für jede Herausforderung im Migrationsmanagement eine technische Lösung bereit zu stellen. Blockiert dieser neu geschaffene milliardenschwere Markt für Grenzsicherheit eine humane Migrationspolitik? Bremst die Geheimhaltung der Sicherheitsindustrie eine demokratische Debatte von Alternativen aus? Eine Recherche im Milieu von Politikberatung und Brüsseler Lobbyismus.

Reihe: Durch Osteuropa
Die Alltäglichkeit des Unsichtbaren – Junge Roma in Europa

Von Elisabeth Putz

Samstag, 28.05.2016, 18:06 Uhr, DR Kultur

Die Mehrheit der Slowaken bezeichnet Roma als integrationsunwillig. Die Mehrheit der Roma ruft ins Mikrofon, Slowaken seien Rassisten. Zwei Randpositionen einer komplexen Materie.

Die Mitte wird dabei oft vergessen. Und so kommen viele Journalisten nach Lunik IX, einem der größten Ghettos Europas, um eine „Safari“ zu machen. Sie bezahlen ein wenig Geld und Roma liefern Geschichten. Dieses Feature ist ein Versuch hinter eine Klischeemauer zu blicken.

Hinter den Masken
Die Welt des japanischen No-Theaters

Von Isabella Arcucci

Sonntag, 29.05.2016, 14:05 Uhr, SWR2

Starre Gesichter, eckige Bewegungen, jaulende Gesänge. Für westliche Besucher ist das japanische Nô-Theater bestenfalls ein Rätsel – und meistenfalls eine ästhetische Zumutung. Keine andere Theaterform verschließt sich derart dem Zugang des kulturfremden Laien. Kann ein Nicht-Japaner auch nur annähernd begreifen, was da hinter den holzgeschnitzten Masken geschieht? Isabella Arcucci ist es gelungen, indem sie selbst die Maske aufgesetzt hat. In einer studentischen Nô-Gruppe in Japan hat sie das Theater von innen kennengelernt, seine Kultur, seine Meister und seine Philosophie.

 

Radiotipps für die Woche vom 25. April bis 1. Mai 2016

„Die Vergesslichkeit, die wir haben“
Leben mit Demenz

Von Egon Koch

Mittwoch, 27.04.2016, 22:03 Uhr, SWR2

Drei Männer, die die Diagnose Demenz erhalten haben, erzählen vom Leben mit ihrer Krankheit. Sie gehören zu den rund 1,5 Millionen Menschen, die derzeit in Deutschland an dieser Krankheit leiden. Bis 2050 wird ein Anstieg auf 3 Millionen erwartet. Wie erleben die Erkrankten sich und ihre Demenz? Wie kommen sie mit Diagnose und Stigmatisierung, Vergesslichkeit und Verunsicherung zurecht? Welche Lebensstrategien entwickeln sie? Ihre Erzählungen führen weit zurück in die jeweilige Lebensgeschichte – in Erinnerungen, aber auch an konkrete Orte. Wie jeder Mensch sein eigenes Leben hat, so auch seine eigene Demenz. Und jeder begegnet auf seine Weise der großen Herausforderung. Der eine mehr mit Humor, der andere mit Liebe zu seiner Frau, der dritte mit Präzision. Keiner von ihnen hat Angst, mit fortschreitender Krankheit sich selbst verloren zu gehen. Weisheit und Gelassenheit klingen durch, wenn einer von ihnen sagt: „Ich nehme ja an, dass ich das nicht mehr so richtig mitkriege, also von daher würde es mich auch nicht weiter stören.“

Aus dem Archiv des Auswärtigen Amtes
Die „angebliche“ Indianerverfolgung in Paraguay

Von Gaby Weber

26.04.2016, 19:15 Uhr, DLF

In Paraguay putschte sich 1954 der deutschstämmige Diktator Alfredo Stroessner an die Macht. 35 Jahre lang ließ er Widersacher unterdrücken: landlose Bauern, Kommunisten und demokratische Parteien. 1972 rüttelte ein deutscher Ethnologe die Weltöffentlichkeit auf und berichtete von Menschenjagden auf die Aché-Indianer.

Weltweite Proteste von Menschenrechtsorganisationen halfen wenig, deutsche Diplomaten stellten sich auf die Seite des Stroessner-Regimes und sprachen von einem „Störfall“ und „angeblicher“ Indianerverfolgung. Heute steht fest, dass die Aché-Indianer systematisch verfolgt und versklavt worden sind. Nur noch wenige sind am Leben. Inzwischen hat das Auswärtige Amt seine Akten aus dem Archiv freigegeben.

Mehr als Schmerz und Kommerz
Neue Töne im Musical

Von Rainer Link

Freitag, 29.04.2016, 20:10 Uhr, DLF

Seit einem Vierteljahrhundert gehört das Musical zu den beliebtesten Kulturangeboten. Der Siegeszug der Musicalindustrie begann mit den eingängigen Melodien des britischen Komponisten Andrew Lloyd-Webber. Für Werke wie „Das Phantom der Oper“ oder „Starlight Express“ wurden eigene Abspielstätten errichtet und das Publikum per Bus herangefahren.

Im Grunde handelt es sich dabei um das serielle Abspielen von musischen Convenience-Produkten mit Langlebigkeitsgarantie und austauschbaren Darstellern. Aber das Musical war früher – und ist es in Randbereichen auch heute noch – etwas ganz anderes: ein unangepasstes musisches Spektakel, das sich unbotmäßig und angriffslustig den Themen der Zeit zuwendet.

Das Feature blickt hinter die Kulissen der großen Musicalbühnen zu Land und auf Kreuzfahrtschiffen, besucht die Ausbildungsstätten des Sänger-Nachwuchses und hinterfragt den Businessplan der Investoren. Es trifft die Macher von Off-Musicals, die an kleinen Bühnen mit geringen Etats die Kunstgattung Musical aus der kommerziellen Umklammerung zu befreien versuchen.

Mein Tschernobyl
Vom Versuch, die Wahrheit über den größten anzunehmenden Unfall herauszufinden

Von Helga Montag

Samstag, 30.04.2016, 13:05 Uhr, Bayern 2

  1. April 1986: In Tschernobyl explodiert der 4. Block des Atomkraftwerks. Die westliche Welt erfährt erst Tage später, dass sich in der Ukraine der Gau ereignet hat, der größte anzunehmende Unfall. Am Tag vor dem 1. Mai wird klar: Die radioaktive Wolke hat Deutschland erreicht. Es zeigt sich, dass Bayern besonders betroffen ist, denn dort hatte es zu diesem Zeitpunkt stark geregnet.
    Die sowjetische Regierung setzt zunächst wie gewohnt auf Geheimhaltung. Aber Gorbatschows Losung von „Glasnost und Perestroika“ verändern den Staat, die Sowjetunion bricht auseinander, die Ukraine wird unabhängig. Jetzt können auch westliche Journalisten ungehindert recherchieren und interviewen, wen sie wollen. Sie können sich ein Bild machen von der Situation im Kraftwerk, in der abgesiedelten Zone und von der Lage in den Dörfern und Städten mit extremer radioaktiver Belastung, in denen die Menschen noch jahrelang ausharren müssen.
    Helga Montag war seit 1990 mehrmals auf Spurensuche in den verstrahlten Regionen in der Ukraine und in Weißrussland. Sie hat mit Betroffenen, Verantwortlichen und Politikern, mit Wissenschaftlern und Ärzten gesprochen. Sie hatte die Hoffnung, die Wahrheit herauszufinden über die Katastrophe und ihre Folgen.
    Als die Autorin 2011 an ihrem Feature zum 25. Jahrestag der sowjetischen Reaktorkatastrophe arbeitete, kam die Schreckensmeldung von Fukushima.
    Sowjetische Kernkraftwerke seien schlecht, westliche Reaktoren sicher. Kernkraft sei sauber und billig, so die westliche Devise auch Jahre nach Tschernobyl. Der Supergau im japanischen Fukushima hat gezeigt, dass dies eine Täuschung war.

Beirut – die komplizierteste Stadt der Welt
We’re in deep shit

Von Sammy Khamis und Florian Schairer

Samstag, 30.04.2016, 18:05 Uhr, DR Kultur

Die Autoren reisen in den Libanon und entdecken das komplizierteste Land der Welt. Dort treffen sie eine junge Sunnitin, die ihren Großvater als Faschisten beschimpft.

Sammy Khamis und Florian Schairer reisen in den Libanon. Sie treffen eine junge Sunnitin, die ihren Großvater als Faschisten beschimpft; eine Schiitin, die sich über fromme Männer aufregt, die ihr schamlos auf den Busen glotzen, einen Münchner Studenten mit libanesischen Wurzeln, der die Reporter in sein christliches Dorf zur Party mit UNO-Soldaten mitnimmt.

Sie sprechen mit dem Sänger einer Indie-Band, der eine Hymne über schwule Liebe geschrieben hat und mit einem Professor für arabische Geschichte, der ISIS für eine interessante Option hält.

Scheitern ist.
Eine Bestandsaufnahme

Von Rilo Chmielorz

Sonntag, 01.05.2016, 14:05 Uhr, SWR2

Schon mal das Gift des Scheiterns in den Adern gespürt? Wenn man unbedingt etwas erreichen will und dann komplett Schiffbruch erleidet? Klar, denn was das Scheitern betrifft, sind doch eigentlich alle Experten, die Autorin selbstredend eingeschlossen. Behauptet sie doch seit Jahrzehnten eine Scheiternde zu sein. Was keine Schande ist. Selbst der liebe Gott erlebt sich als scheiternd und das Alte Testament scheint geradezu ein Kompendium des Scheiterns zu sein. Geschichten vom Scheitern archiviert und katalogisiert das Institut zur Aneignung und Nachhaltigkeit des Scheiterns. Ein Ort der Zuflucht für alle Scheiternde. „Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.“ – Becketts Credo der Moderne. Scheitern ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Zur Vermeidung weiterer Provokationen.
Die kurze Lebensgeschichte des Michael Gartenschläger

Sonntag, 1. Mai 2016, 18:05 Uhr, hr2

Von Roman Grafe

Die DDR verkaufte die Grenze zur BRD als Schutzwall gegen den Imperialismus. Doch nicht alle DDR-Bürger gaben sich damit zufrieden. Der 17-jährige Michael Gartenschläger hatte schon 1961 in der DDR zusammen mit Freunden gegen den Mauerbau in Berlin protestiert. Er wurde festgenommen und zu lebenslanger Haft verurteilt.

1971, nach zehn Jahren Haft, wurde er von der Bundesrepublik freigekauft. Daraufhin agierte er von Hamburg aus gegen die DDR und engagierte sich als Fluchthelfer. Da die DDR den Einsatz von Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze bestritt, baute er im März und April 1976 zwei dieser Anlagen aus und präsentierte sie im Westen.

Vor vierzig Jahren, am 30. April 1976, startete er einen weiteren Versuch, eine Anlage an der Grenze zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg auszubauen. Dabei wurde Gartenschläger von DDR-Grenzsoldaten überrascht und angeschossen. Er starb noch an der Grenze am 30. April 1976, um 23.45 Uhr. Im März 2000 und April 2003 wurden Offiziere und Soldaten der Stasi und NVA in Rostock bzw. Berlin wegen Verdacht des Totschlags freigesprochen.

Radiotipps für die Woche vom 18. bis 24. April 2016

High in Uruguay
Wie Montevideo den Drogenkrieg beenden will

Von Karl-Ludolf Hübener

Dienstag, 19.04.2016, 19.15 Uhr, DLF

Weltweites Aufsehen erregte Uruguay mit seinem radikalen Bruch in der Drogenpolitik: Das kleine Land war der weltweit erste Staat, der Cannabis vollständig legalisierte und damit Korruption, Drogengewalt, Mafiosi und Geldwäsche den Kampf ansagte. Inzwischen grünt „Gras“ auf Balkonen und in Gärten, liefern Grow-Shops speziellen Dünger und Gewächshäuser.

Eine Cannabis-Messe lockte Tausende an. Von Kifferparadies war vorschnell die Rede. Doch „High in Uruguay“ gilt nur für Einheimische.

Detaillierte Richtlinien regulieren den Markt für Cannabis. Kiffer haben die Wahl zwischen Eigenanbau von sechs Marihuana-Pflanzen, Cannabis-Clubs oder Apotheken, in der sie den Stoff für ihre Joints, monatlich 40 Gramm pro Person, erstehen können.

Sicherheitskräfte überwachen die tonnenschwere Gras-Produktion von staatlich lizenzierten Firmen.

Podcast aus den USA
The Wisdom of Jay Thunderbolt

Von Nick van der Kolk, Brendan Baker und Nick Williams

Mittwoch, 20.04.2016, 00:05 Uhr, DR Kultur

Eine Podcast-Kreation aus Amerika über einen durchgeknallten Typen. Ein cooler Mix aus Interview und Dancetrack.

Jay Thunderbolt’s Visitenkarte ist ein bisschen geheimnisvoll. Es steht nur eine Telefonnummer darauf und darunter: „Thunderbolt – Party Naked“. Wenn man dort anruft, lädt Thunderbolt zu einem privaten Stripclub ein, den er aus seinem Bungalow in einem Arbeiterviertel in Detroit heraus betreibt. Eine lange, verwickelte Geschichte in einem Mix aus Interview und Dancetrack.

Die Zehnte Muse
Das Gras in Shakespeares Garten

Von David Zaine Mairowitz

Freitag, 22.04.2016, 20:10 Uhr, DLF

Francis Thackerey aus Pretoria, Südafrika, ist nicht nur ein begnadeter Paläontologe, sondern außerdem Shakespeare-Enthusiast. Besonders angetan haben es ihm die Sonette des „Schwans von Avon“, obwohl: Ein bisschen verdächtig kommen sie Francis vor. Wer oder was zum Beispiel ist die zehnte Muse, die Shakespeare so inbrünstig besingt?

Francis‘ Verdacht: Hasch! Shakespeare war high, als er dichtete! Für diese fixe Idee tut Francis einiges: Er lässt die in Shakespeares Garten gefundenen Pfeifenköpfe untersuchen, streitet sich mit der Fachwelt, tritt auf Cannabis-Kongressen auf.

Nur einem verweigert er sich: dem Kiffen.

Die Illegalen
Ein Feature über Deutschlands stille Sklaven

Von Jens Schellhass

Samstag, 23.04.2016, 13.05 Uhr, Bayern2
Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr

Bis zu einer Million illegale Einwanderer leben in Deutschland, vielleicht auch mehr, keiner weiß das. Es sind Menschen ohne gültige Papiere. Die meisten von ihnen kommen aus Westafrika und den Balkanstaaten. Sie sind vor Hunger und Armut geflohen, um ihre Familien in den Heimatländern zu ernähren. Oder ihre „falsche“ Einstellung zu Religion oder Politik trieb sie in die Flucht. In Deutschland arbeiten „Illegale“ schwarz und prekär in Umzugs- oder Putzfirmen, der Nahrungsmittelindustrie, der Gastronomie oder als Haushaltshilfen. Ihr Leben gleicht einer Schattenwelt. Angelockt vom großen Geld arbeiten sie weit unter Mindestlohn. Oft gibt es letztlich keinen Cent. Wer krank wird, fliegt raus und krankenversichert ist keiner von ihnen. Die „Illegalen“ leben in ständiger Angst aufzufliegen und abgeschoben zu werden, davon profitieren viele deutsche Arbeitgeber.

Osteraufstand – Irlands Kampf um die Unabhängigkeit
Die Rebellion im Hauptpostamt

Von Hannelore Hippe

Samstag, 23.04.2016, 18.05 Uhr, DR Kultur

„Nur Mut Jungs, wir gewinnen“, rief der irische Freiheitskämpfer James Connolly im brennenden Dubliner Hauptpostamt seinen Kameraden zu. Er behielt recht. Nur hat er die Unabhängigkeit Irlands von Großbritannien nicht mehr erlebt, die als Spätfolge des Osteraufstands sechs Jahre später erklärt wurde.

Vor etwa 50 Jahren interviewte ein Ire die letzten noch lebenden Teilnehmer dieses Osteraufstandes von 1916. Das bis dahin unveröffentlichte Material stand der Autorin zur Verfügung.

Der Kopf der Herde
Unterwegs mit Schäfern

Von Christiane Seiler

Sonntag, 24.04.2016, 14.05 Uhr SWR2

Noch 2000 Berufsschäfer soll es in Deutschland geben, aber es werden immer weniger. Auch der Schafbestand geht zurück. Sollten Hirten mit ihren Tieren in unserer durch moderne Agrarindustrie und Flächenverbrauch gezeichneten Landschaft keinen Platz mehr finden? Feature-Autorin Christiane Seiler hat mit drei Schäfern auf Wiesen und Deichen Schafe und Lämmer gehütet und sich vom Alltag, den Träumen und Schwierigkeiten dieser Individualisten erzählen lassen. Sie traf Knut Kucznik, der an der Wanderschäferei festhält; Klaus Seebürger, Herr über fünf Herden mit je tausend Tieren und Josephine Hermühlen, Leiterin einer kleinen Ökoschäferei in Mecklenburg.

Flucht.Bewegung
Ein Feature über das Geschäft mit dem Illegalen

Von Andy Holzer

Sonntag, 24. April 2016, 18:05 Uhr, hr2

Bis zu einer Million illegale Einwanderer leben in Deutschland, vielleicht auch mehr, keiner weiß das. Es sind Menschen ohne gültige Papiere. Die meisten von ihnen kommen aus Westafrika und den Balkanstaaten.

Sie sind vor Hunger und Armut geflohen, um ihre Familien in den Heimatländern zu ernähren. Oder ihre „falsche“ Einstellung zu Religion oder Politik trieb sie in die Flucht. In Deutschland arbeiten „Illegale“ schwarz und prekär in Umzugs- oder Putzfirmen, der Nahrungsmittelindustrie, der Gastronomie oder als Haushaltshilfen. Ihr Leben gleicht einer Schattenwelt. Angelockt vom großen Geld arbeiten sie weit unter Mindestlohn. Oft gibt es letztlich keinen Cent. Wer krank wird, fliegt raus und krankenversichert ist keiner von ihnen. Die „Illegalen“ leben in ständiger Angst aufzufliegen und abgeschoben zu werden, davon profitieren viele deutsche Arbeitgeber.